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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2021

Auf zu neuen Ufern

Niemandsmeer
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Dieser historische Roman basiert auf Tatsachen. Er handelt von der Schiffsreise straffällig gewordener Frauen aus England, die nach Tasmanien deportiert werden. Rund 200 Frauen, die wegen geringer Vergehen ...

Dieser historische Roman basiert auf Tatsachen. Er handelt von der Schiffsreise straffällig gewordener Frauen aus England, die nach Tasmanien deportiert werden. Rund 200 Frauen, die wegen geringer Vergehen wie Diebstahl verurteilt worden sind, werden aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen und von ihren Familien getrennt, vorgeblich um ihnen eine zweite Chance zu geben, aber eigentlich, um die Besiedlung von Tasmanien voranzutreiben. Einige wenige dürfen ihre Kinder mitnehmen.

Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit einer kleinen Gruppe von Frauen, die von Kezia Heyer auserwählt sind, während der langen Überfahrt, an einem Quilt zu nähen. Wir lernen die einzelnen Frauen und ihre Vergangenheit kennen. Die meisten haben aus Not heraus Verbrechen begangen und haben ihre Schicksalspäckchen zu tragen. Doch eine von ihnen ist eine Mörderin, die sich unter falschem Namen an Bord geschlichen hat, um der Hinrichtung zu entgehen.

Als dann eine Frau ermordet wird, muss die Täterin ausgeforscht werden, was gar nicht so einfach ist. Gemeinsam mit dem Kapitän, dem Schiffsarzt und dem Seelsorger, beginnt Kezia die Frauen zu befragen. Dabei stößt sie auf vorgefasste Meinungen und Vorverurteilungen.

Meine Meinung:

Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Charaktere sind gut dargestellt. Hin und wieder handeln sie, wie im echten Leben, widersprüchlich. Es ist sehr interessant zu lesen, wie aus der zusammengewürfelten Schar doch so etwas wie eine Gemeinschaft entsteht.

Zwei kleine Kritikpunkte muss ich anbringen: Erstens erschließt sich mir der deutsche Titel nicht ganz. Der englische Originaltitel „Dangerous Women“ ist viel griffiger. Zweitens können die Leser stellenweise den Eindruck haben, dass es sich hier um eine „Vergnügungsreise“ handelt. Wenig ist vom beschwerlichen Alltag der Seeleute, den Unwettern und der rauen See zu lesen.

Fazit:

Ein interessanter historischer Roman, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 08.08.2021

Blutiges Ende der Trilogie

VANITAS - Rot wie Feuer
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Carolin, eine ehemalige Mitarbeiterin des deutschen BKA, die vor Jahren nach einem missglückten Undercover-Einsatz mit Hilfe der Polizei ihren eigenen Tod inszeniert und als Floristin in Wien abgetaucht ...

Carolin, eine ehemalige Mitarbeiterin des deutschen BKA, die vor Jahren nach einem missglückten Undercover-Einsatz mit Hilfe der Polizei ihren eigenen Tod inszeniert und als Floristin in Wien abgetaucht ist, gerät dort erneut ins Visier ihres ehemaligen Gegners, dem „Karpin-Clan“.

Da sie es leid ist, ständig auf der Flucht zu sein, beschließt sie, nach Frankfurt am Main zurückzukehren und ein für alle Mal reinen Tisch zu machen. Dabei kann sie diesmal nicht auf die Unterstützung der Exekutive zählen, denn sie wird von der Wiener Polizei des Mordes an ihrem Nachbarn verdächtigt. In einem beispiellosen Rachefeldzug, dessen Strategie nur teilweise aufgeht, spielt sie die rivalisierenden Clans der Karpins und Malakyans geschickt gegeneinander aus.

Die Voraussetzungen diesen Bandenkrieg zu überleben sind denkbar schlecht, doch Carolin muss alles auf eine Karte setzen ...

Meine Meinung:

Der Abschluss der „Vanitas-Trilogie“ zieht eine blutige Spur durch Frankfurt, die zeigt, dass auch Frauen zu Mörderinnen werden können. Allerdings fehlt ihnen die Lust am Foltern, wie sie bei den Männern häufig zu finden ist. An Raffinesse sind die Frauen dieses Thrillers den Männern ebenbürtig, nein eigentlich überlegen, denn sie halten sich nicht mit der typisch männlichen Gockelei auf.

Die Story ist brutal und blutig, wird aber flüssig und fesselnd erzählt.

Fazit:

Ursula Poznanski erzählt mit stetig wachsender Spannung, die sich in einem fulminanten Showdown entlädt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.08.2021

Ein gelungener hist. Roman

Das Auktionshaus (Die Auktionshausserie 1)
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Amelia Martin entführt ihre Leser in das London von 1910. Sarah lebt mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen in Soho. Der Vater Alkoholiker, der seinen Lohn versäuft, die Mutter arbeitet als Näherin ...

Amelia Martin entführt ihre Leser in das London von 1910. Sarah lebt mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen in Soho. Der Vater Alkoholiker, der seinen Lohn versäuft, die Mutter arbeitet als Näherin im Modeatelier von Mrs. Weaver, um die Kinder durchzubringen. Sarah, die älteste, noch dazu ein Bastard, träumt davon, die Armut hinter sich zu lassen. Auch sie arbeitet bei Mrs. Weaver. Die Chance ergibt sich, als Lady Sudbury eines Tages in das Modeatelier kommt.

„...Die kostbare Brosche lag auf dem Tisch direkt vor ihr. Sarah zögerte nicht und griff das Schmuckstück und auch die Handtasche, die Lady Sudbury gehörten...“

Lady Sudbury nimmt Sarah unter ihre Fittiche und stellt sie als Gesellschafterin an. Damit hat Sarah das große Los gezogen, allerdings sitzt sie zwischen zwei Stühlen. Die anderen Bediensten begegne ihr mit Neid und Missgunst.

„...Denk ja nicht, dass du was Besseres bist als wir. Du bist nur ein einfaches Dienstmädchen, sonst nichts!...“

Erst als sie durch Lady Sudbury eine Anstellung im Londoner Auktionshaus erhält, bekommt sie Anerkennung und Wertschätzung. Doch auch hier neidet man ihr den Erfolg, den sie sich durch harte Arbeit erwirtschaftet. Sie selbst vergisst ihre Herkunft aus Soho niemals.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman ist ein interessanter Einblick in die Welt der Auktionshäuser. Wir Leser erfahren viel über die Arbeit in einer solchen Institution, die vornehmlich im Hintergrund abläuft. Das Katalogisieren, Beschreiben von Objekten, die versteigert werden sollen, ist mir bislang nicht so bekannt gewesen. Das ist das Schöne am Lesen: Man lernt immer etwas dazu!

Die aktuelle politische Lage vor und während des Ersten Weltkriegs wird ebenso beleuchtet wie die Klassenunterschiede der Gesellschaft. Das Dilemma der Frauen, die während des Krieges als die Männer an der Front sind, deren Arbeit übernehmen, um dann wieder an den Herd zurückgedrängt werden, wird ebenso thematisiert, wie das Leiden der Kriegsinvaliden, zu denen auch ein Bruder Sarahs gehört. Ohne Sozialversicherung und Krankenfürsorge, wie wir es heute kennen, bleibt für viele nur das Betteln um Almosen und der Schnaps.

Geschickt wird auch eine zarte Liebesgeschichte eingeflochten. Da ist zum einen Charles aus Soho, der Sarah schon immer liebt, aber auf keine Erfüllung hoffen kann, und zum anderen der Fotograf Maynard, der aus Familienräson eine reiche Erbin heiraten muss.

Sarahs Geschichte wird flüssig erzählt. Der zweite Band, der Anfang 2022 erscheinen wird, wird in Wien spielen. Darauf freue ich mich besonders. Denn Wien hat mit dem 1707 von Kaiser Joseph I. Gegründeten Auktionshaus „Dorotheum“ eine lange Tradition.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 01.08.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Der Schatz von Bellapais
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Ich habe diesen Krimi just am 20. Juli, dem Jahrestag der Annexion Nordzyperns durch die türkische Armee gelesen. War nicht Absicht! Denn der 20. Juli ist bei mir bis jetzt Stauffenbergschen Versuch, Hitler ...

Ich habe diesen Krimi just am 20. Juli, dem Jahrestag der Annexion Nordzyperns durch die türkische Armee gelesen. War nicht Absicht! Denn der 20. Juli ist bei mir bis jetzt Stauffenbergschen Versuch, Hitler zu stürzen, besetzt. Allerdings haben die martialischen Sprüche von Recep Erdogan im Fernsehen und dieser Krimi mir wieder die Teilung der Insel Zypern vor Augen geführt. Es scheint, dass die Politik sich wieder um eine Lösung bemüht, aber mit Erdogan als „Verhandlungspartner“ ist vermutlich kein Blumentopf zu gewinnen.

Doch zurück zum Buch:

Sofia Perikles, ihres Zeichens Police Officer und Carl Evans, ihr britischer Verlobter stehen kurz vor ihrer Traumhochzeit auf der Sonneninsel Zypern als die Nachricht, in der größten Kupfermine des Landes ist eine Leiche aufgetaucht, hereinplatzt. Sofia, die ohnehin wenig Mitspracherecht bei den Hochzeitsvorbereitungen hat, die ihre übergriffige Schwiegermutter in spe an sich gerissen hat, geht gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten, dem Griesgram Kostas auf Verbrecherjagd. Es bleibt nur eine knappe Woche Zeit, denn dann soll die Märchenhochzeit steigen.

Als sich herausstellt, dass der Tote der Enkel eines türkischen Nationalhelden ist, der 1974 an der Invasion der Türken auf die Insel teilgenommen hat, muss Kostas wieder seinen ärgsten Feind jenseits der Grenze um Hilfe ersuchen. Je tiefer die Ermittler in den Mordfall eintauchen, desto näher kommen sie den Schatten der Vergangenheit.

Die Ermittlungen führen die beiden aus dem Troodos-Gebirge an die Sandstrände von Limassol und in die düstere Vergangenheit Zyperns.

Meine Meinung:

Gegenüber dem ersten Band („Tod am Aphroditefelsen“) ist eine Veränderung sichtbar. Sofia hat dem verbitterten Chief Officer Kostas durch die Aufklärung von drei Morden einen gehörigen Respekt abgenötigt, auch wenn er das niemals zugeben würde.

„Das ist meine vierte Leiche, seitdem du da bist. Erst drei in einer Woche - und nun dieses aufgequollene Modell. Vorher hatte ich zwei Jahre am Stück nicht einmal einen toten Hund. Mann Sofia, du bist die Garantie, dass mein Leben so kurz vor der Rente in Sachen Unterhaltung noch mal richtig Gas gibt.“ (S.30)

Nicht alle Machosprüche gehören der Vergangenheit an, aber Kostas verteidigt Sofia den Chauvis gegenüber. „Sie ist mehr Mann, als du es jemals sein wirst.“ (S. 27/zum Sicherheitsmann der Kupfermine).

Das auffällige Tattoo des Ermordeten führt zu einer Geschichte der Plünderungen der Kirchen und Klöster während der Invasion der Türken 1974 profitieren will. Eine Wunde in der Seele der griechischen Zyprioten, die heute nicht verheilt ist. Und ein deutscher Kunsthändler will davon profitieren.

Für den geschichtlich interessierten Leser wird die Invasion der Türken und der Teilung der Insel breiten Raum gegeben. Der eigentliche Krimi tritt dadurch stellenweise in den Hintergrund, was mir persönlich wenig ausmacht.

Dieser zweite Krimi rund um Sofia Perikles endet mit einem Showdown, den ich so ähnlich erwartet habe und der die Möglichkeit einer Fortsetzung von Sofia als Police Officer auf der Sonneninsel möglich macht.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 01.08.2021

Der Wienerwald - ein Wanderparadies

Eintauchen in den Wienerwald
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Wer glaubt, dass der Wienerwald eine Ansammlung von Bäumen innerhalb der Stadt Wien ist, wird eines Besseren belehrt. Es handelt sich hier um eine mehr als 105.000 Hektar große Region, dessen höchste Erhebung ...

Wer glaubt, dass der Wienerwald eine Ansammlung von Bäumen innerhalb der Stadt Wien ist, wird eines Besseren belehrt. Es handelt sich hier um eine mehr als 105.000 Hektar große Region, dessen höchste Erhebung der Schöpfl (893m) ca. 55km westlich von Wien ist. Rund 77% des Gebietes sind bewaldet.

Das Gebiet des Wienerwaldes, einst kaiserliches Jagdgebiet, bietet schon seit längerer Zeit die Möglichkeit, der lauten Großstadt Wien zu entfliehen und die Stille des Waldes zu genießen.

In diesem Buch lassen die Autoren Johannes Sachslehner und Robert Bouchal ihre Leser, nach einer allgemeinen Einführung, in fünf Kapiteln in die beeindruckende Natur eintauchen:

Wald und Baum
Felsen und Steine
Wasser, Brunnen und Bründl
Burgen und Festen
Gipfelblicke

Die Wanderziele sind teilweise mit dem Blickwinkel des „Lost Places“ ausgesucht, sind doch die Autoren Spezialisten für Fotografien solcher verlassener Plätze. So können wir auch in diesem Buch einen Blick auf solche Orte, wie verfallene Burgen oder den ehemaligen Eiskeller am Cobenzl erhaschen.

Stimmungsvolle Fotos sowie zahlreiche Informationen zu den Wanderungen vervollständigen dieses interessante Buch.

Fazit:

Wie immer haben die Autoren viel Zeit in die Recherche gesteckt. Die Wanderungen lassen sich anhand der Beschreibungen gut bewältigen. Ein Mangel ist allerdings das Fehlen eines Ausschnitts der entsprechenden Wanderkarte. Das kostet einen Stern, daher 4 Sterne.