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Venatrix

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Veröffentlicht am 08.09.2019

Dieser hist. Roman hat leider ein paar Längen

Die roten Reiter
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Benya Golden ist einer der sogenannten „Strafnikis“, einer jener Männer, die unter Stalin grundlos verhaftet worden sind und in sibirischen Straflagern dahinvegetieren.

Als sich 1942 abzeichnet, dass ...

Benya Golden ist einer der sogenannten „Strafnikis“, einer jener Männer, die unter Stalin grundlos verhaftet worden sind und in sibirischen Straflagern dahinvegetieren.

Als sich 1942 abzeichnet, dass Russland den Vormarsch der deutschen Wehrmacht wenig entgegenzusetzen hat, haben Stalins Generäle die glorreiche Idee, die Strafgefangenen als Kanonenfutter an die Front zu schicken. Stalin „verkauft“ den Männern diesen Einsatz als „Bewährungsprobe“ und stellt bei Überleben, eine Begnadigung in Aussicht. Von den Hunderttausenden, die in verschiedene Schlachten geschickt werden, überleben nur wenige.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist der dritte und letzte Teil von Montefioris Russland-Trilogie. Jedes Buch kann auch solo gelesen werden.

Gleich zu Beginn fällt auf, dass der Vorname Benya manchmal auch Benja geschrieben wird. Letztlich setzt sich „Benya“ durch.


Wir begleiten Benya zehn Tage lang bei seinen Kämpfen, die er nicht nur gegen die Deutschen sondern auch gegen sich selbst, die Kälte und den Hunger ausficht. Während dieser Zeit lernt Benya eine italienische Krankenschwester kennen und lieben, und muss feststellen, dass es im Leben viel Glück braucht, um diese und andere Kämpfe zu überleben.

Die große Schwäche dieses historischen Romans ist seine Länge: Für die wenigen Tage benötigt der Autor knapp 500 Seiten. Eine Straffung hätte dem Buch gut getan. So müht sich der Leser stellenweise durch den ausschweifenden Schreibstil, während die beschriebene Zeitspanne nur gerade einmal zehn Tage umfasst.

Wir begegnen einigen gut bekannten und manchen weniger geläufigen historischen Persönlichkeiten wie Stalin, Satinow oder Budjonny. Neben den Regierungsgeschäften und dem Krieg muss sich der Diktator auch noch um seine Tochter Swetlana Stalina kümmern, die aus dem goldenen Käfig, der sie umgibt, ausbrechen will. Das zeigt, dass auch Diktatoren manchmal ihre liebe Not mit dem Nachwuchs haben

Geschickt verknüpft der Autor Fakten und Fiktion. Obwohl ich glaube, mich in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges auszukennen, habe ich wieder ein kleines neues Detail erfahren: Die Teilnahme der 8. italienischen Armee, die neben rumänischen und kroatischen Truppen an der Seite der Deutschen in Stalingrad ihr Leben lassen mussten.

Autor Simon Montefiori ist Historiker und hat russische Vorfahren.

Gut herausgearbeitet sind einerseits die Schrecken des Krieges, andererseits die Willkür Stalins, der abertausende Unschuldige in sibirische Lager stecken ließ. Zwischen den zwangsrekrutierten Sträflingen herrscht wenig Solidarität und Kameradschaft. Demütigungen, Verrat und Tod sind auch in der Schlacht präsent.

Fazit:

Ein historischer Roman aus Innensicht rund um die Schlacht von Stalingrad, der mich nicht ganz überzeugt hat. 3 Sterne.

Veröffentlicht am 07.09.2019

Nachkriegszeit - Hochsaison für dubiose Gestalten

Die im Dunkeln sieht man nicht
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Karl Wieners hat im Krieg alles verloren: die geliebte Frau und seine Töchter. Desillusioniert kehrt er in das München von 1950 und zu seiner Familie zurück. Einerseits um zu vergessen und einen neuen ...

Karl Wieners hat im Krieg alles verloren: die geliebte Frau und seine Töchter. Desillusioniert kehrt er in das München von 1950 und zu seiner Familie zurück. Einerseits um zu vergessen und einen neuen Anfang als Journalist zu wagen. Andererseits behagt es ihm gar nicht, im Gasthaus seiner Eltern Quartier zu beziehen, das von seinem Bruder Veit geführt wird. Bei der neu gegründeten Zeitschrift „Blitzlicht“ erhofft er sich einen Job.
Man setzt ihn auf das Thema „Raubkunst“ an. Wobei hier das Verschwinden von arisierten Kunstwerken aus dem Führerbunker gemeint ist.
Gemeinsam mit seiner Nichte Magda, die Verbindungen zum Schwarzmarkt und allerlei zwielichtigen Gestalten hat, beginnt er zu recherchieren.

Dabei kreuzt Ludwig Gruber, ein ehemaliger Schulkollege und nunmehriger Kriminalbeamter, Karls Weg. Ludwig ist mit dem Mord am Fuhrwerksunternehmer Otto Brandl beschäftigt. Das Motiv ist unklar, aber es scheint, als hätte dieser Tod mit den verschwundenen Kunstwerken zu tun. Neben diesem Mord muss sich Ludwig mit dem Sonderermittler Emil Brennicke herumschlagen, der ihm einigermaßen suspekt vorkommt, aber von den Vorgesetzten einige Unterstützung erhält. Dazu kommt, dass sich Brennicke an Magda heranmacht.

Doch nicht nur Karl und Brennicke haben Interesse an Magda. Da ist noch der mächtige Schwarzhändler Walter Blohm, der seine illegalen Geschäfte nun auf seriöse Beine stellen will.

Je weiter Karl und Ludwig in ihre eigenen Recherchen eindringen, desto offensichtlicher wird, dass hier Kräfte am Werk sind, die buchstäblich über Leichen gehen und die aus dem Dunklen ihre Fäden ziehen.


Meine Meinung:

„Die im Dunklen sieht man nicht“ - mit diesem Zitat aus Bertold Brechts „Dreigroschenoper“ hat Autor Andreas Götz den Nagel auf den Kopf getroffen. Es dauert recht lange, bis sich der Schleier etwas lüftet und der Leser kann sich nicht sicher sein, ob die Drahtzieher wirklich erkannt werden.

Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Die Stimmung im München von 1950 ist recht authentisch eingefangen. Dazu tragen so kleine Details wie die Erwähnung der Zeitschrift „Burda Moden“ bei, die 1949 von Aenne Burda gegründet wurde, und vielen Frauen die Möglichkeit gab, Kleider selbst zu nähen, ohne Schneiderei gelernt haben zu müssen.

Die Krimi-Handlung tritt ein wenig zu Gunsten der Zeitgeschichte zurück, so dass man sich eher in einem historischen Roman wähnen könnte.
An manchen Stellen könnte das Buch ein wenig Straffung vertragen. Die Liebesgeschichte zwischen Karl und Magda nimmt für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Raum ein.

Das Ende ist für mich nicht wirklich überraschend, obwohl der Autor versucht, die Leser durch allerlei Umwege und Sackgassen zu verwirren.

Die Charaktere haben Ecken und Kanten. Gut sind das nach wie vor vorhandenen braune Gedankengut und das nicht vorhandene Unrechtsbewusstsein geschildert.

Fazit:

Mehr historischer Roman denn Krimi, der einen guten Einblick in die Zeit von 1950 bietet. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 07.09.2019

Eine Hommage an eine bemerkenswerte Frau

Judith Kerr
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Dies ist die Biografie der Schriftstellerin Judith Kerr, die 1933 als zehnjähriges Kind mit ihren Eltern aus Nazi-Deutschland fliehen musste.

Das Buch wird aus Sicht der jungen Judith erzählt, für die ...

Dies ist die Biografie der Schriftstellerin Judith Kerr, die 1933 als zehnjähriges Kind mit ihren Eltern aus Nazi-Deutschland fliehen musste.

Das Buch wird aus Sicht der jungen Judith erzählt, für die die Flucht zunächst ein großes Abenteuer zu sein scheint. Die einzige Sorge des Mädchen galt damals dem rosa Kaninchen, das sie zugunsten eines anderen Stofftieres zurückgelassen hat.

Es werden die Stationen der Flucht in die Schweiz und nach Frankreich geschildert, bis es gelingt in England sesshaft zu werden.

Im Gegensatz zu den Eltern, gelingt es Judith und ihrem Bruder Michael recht bald, sich in der entsprechenden Heimat, auch wenn der Aufenthalt nur wenige Monate dauern sollte, sich zurecht zu finden. Vater Alfred Kerr, ein Schriftsteller und Theaterkritiker erhält kaum die Möglichkeit, seine Artikel zu schreiben und Julia, die Mutter, ist Pianistin und Komponistin. Für sie lässt sich ebenfalls kaum Arbeit zu finden.

Interessant ist, dass auch in der Fremde der Unterschied zwischen Sohn und Tochter gemacht wird, wenn es um Ausbildung geht. Als das Geld nur für den Schulbesuch eines Kindes reicht, wird der Sohn vorgezogen. Wenig später erhält Michael mehrere Stipendien und wird später gegen Nazi-Deutschland in den Krieg ziehen.

Judith Kerr hat als Erwachsene mehrere Kinderbücher geschrieben. Darunter jenes mit dem Titel „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, das 1974 den „Deutschen Jugendbuchpreis“ erhalten hat. Mit dieser Trilogie, die starke autobiografische Züge trägt, hat sich Judith Kerr ihre Kindheits- und Jugenderlebnisse von der Seele geschrieben. Für die jungen Leser ist diese Reihe oft der erste Kontakt mit dem Nationalsozialismus.

Meine Meinung:

Autorin Astrid van Nahl ist eine berührende Biografie gelungen. Aus den vorhandenen Tagebüchern und anderen Primärquellen wie Briefen und Interviews hat sie ein wunderschönes Porträt von Judith Kerr gezeichnet. Neben dem privaten Leben und künstlerischen Schaffen hat die politische Weltgeschichte eine großen Platz in diesem Buch.

Herausragend ist der Optimismus, den Judith Kerr an den Tag legt. Diesen kann man auch auf dem Coverfoto erahnen, der die Schriftstellerin zeigt. Schade, dass Judith Kerr die Veröffentlichung ihrer Biografie nicht mehr erleben durfte. Sie stirbt am 22. Mai 2019.

Aufgewertet wird diese Biografie durch zahlreiche Fotos und Ausschnitte aus Judith Kerrs Büchern.

Ein tabellarischer Lebenslauf, „Lebensstationen“ genannt sowie eine ausführliche Bibliografie und ein Personenverzeichnis ergänzen dieses Buch, das durch eine hochwertige Verarbeitung besticht.

Fazit:

Eine einfühlsame Biografie einer Frau, die sich auch durch widrige Umstände ihren Optimismus nicht rauben lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.09.2019

Aller Anfang ist schwer

Mallorquinische Leiche zum Frühstück
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Der erste Tag in ihrer neuen Dienststelle auf Mallorca beginnt für die Kommissarin Mercedes Mayerhuber mit einem Knalleffekt. Nein, nicht ganz! Erstens wird sie noch VOR Dienstantritt zu einer Leiche gerufen ...

Der erste Tag in ihrer neuen Dienststelle auf Mallorca beginnt für die Kommissarin Mercedes Mayerhuber mit einem Knalleffekt. Nein, nicht ganz! Erstens wird sie noch VOR Dienstantritt zu einer Leiche gerufen und zweitens ereilt sie der „coup de foudre“, als sie den Hotelmanager Werner Hoffmann trifft. Blöd ist nur, dass Hoffmann einer der Verdächtigen im Mordfall Sabrina Schneider ist. Immerhin hat der Hoteldirektor seit einige Jahren ein Verhältnis mit der Toten, die eine bekannte Schriftstellerin für Erotik-Romane war. Allerdings wird Sabrina nicht die einzige Tote bleiben.

Meine Meinung:

Der Leser ist gleich mitten in der Mordermittlung.
Allerdings agiert die Kommissarin, die, wir im Laufe der Zeit erfahren, wegen einer Affäre mit einem verheirateten Kollegen aus Madrid geflüchtet ist, nicht besonders professionell: Sich Hals über Kopf in einen des Mordes Verdächtigen zu verlieben, ist keine gute Idee. Außerdem irritiert mich, dass Mercedes und ihr Kollege Miguel, (gefühlt) unmittelbar nach dem ersten Kennenlernen so vertraut miteinander umgehen.

Aufgefallen ist mir, dass sich Vergangenheitsform und Präsens mehrfach abwechseln.

Mercedes finde ich stellenweise sehr naiv, aber dennoch macht sie ihren Job nicht schlecht. Sie hört auf ihr Bauchgefühl, dass sie bisher nicht getrogen hat. Miguel ist jung und ehrgeizig möchte er doch Polizeichef von Paguera werden. Allerdings muss er noch einiges lernen..

Der Schreibstil ist flott und passt gut zu einem Urlaubskrimi. Mir als Wienerin gefällt, dass der Hotelmanager mit Wiener Charme ausgestattet ist. Aber, er setzt den inflationär ein und legt der Reihe nach Frauen flach. Ob das der richtige Mann für Mercedes ist? So ein Womanizer lässt sich kaum an die Leine legen.

Fazit:

Ein netter Urlaubskrimi, der noch ein wenig Luft nach oben hat. Jedenfalls macht er neugierig, ob Werner und Mercedes eine gemeinsame Zukunft haben. Dafür gebe ich gerne 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.08.2019

Hat mich nicht vollends überzeugt

Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus
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Ilse „Ise“ Frank ist 26 Jahre alt als sie den Architekten und Günder des „Bauhauses“ Walter Gropius im München der frühen 1920er Jahre kennenlernt.
Sie lässt München und ihre Karriere als Buchhändlerin ...

Ilse „Ise“ Frank ist 26 Jahre alt als sie den Architekten und Günder des „Bauhauses“ Walter Gropius im München der frühen 1920er Jahre kennenlernt.
Sie lässt München und ihre Karriere als Buchhändlerin und Rezensentin hinte sich und heiratet 1923 Gropius.
Aufgrund ihrer journalistischen Erfahrungen hat sie maßgeblichen Anteil an der Bekanntheit der Bauhaus-Architektur. Die Weisheit des Volksmundes, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine Frau stünde, passt hier perfekt. Mehr noch, Ise steht nicht nur hinter Gropius sondern auch vor ihm oder neben ihm.

Heute ist ihr Name nur mehr Insidern bekannt. Zum aktuellen 100-Jahre-Bauhaus-Jubiläum wird Ise Gropius wieder aus der Versenkung geholt.

Meine Meinung:

Jana Revedin, im Brotberuf selbst Architektin, hat eine eher spröde Biografie verfasst. Sie selbst bezeichnet ihr Buch als „biografischen Roman“ - dazu fehlt ihm aber das romanhafte, die Leichtigkeit. Grundsätzlich mag ich ja straighte Biografien. Doch hier weiß ich nicht ganz, woran ich bin - weder Fisch noch Fleisch.

Allerdings ist die Beziehung zwischen Ise un Walter auch nicht romantisch. Sie ist von Geldsorgen, Intrigen und dem Nationalsozialismus überschattet, der letztlich zum Verbot des sachlichen Baustils führen wird. Viele der Häuser wirken auch heute noch seltsam modern.

Die große Begabung der Ise Gropius liegt im Netzwerken. So kennt sie Gussie Adenauer, deren Mann Konrad Oberbürgermeister von Köln ist. Beinahe wäre das Bauhaus dorhin gezogen, wenn Kandnisky, Feininger und Gropius nicht Dessau bevorzugt hätten.

Interessant finde ich, dass Ise selbst an Entwürfen gearbeitet hat. Auch davon ist heute fast nicht mehr bekannt, da Margarethe Schütte-Lihotzky alle anderen mit ihrer „Frankfurter Küche“ (Vorläufer der modernen Einbauküche) überholt hat.

Ise Gropius Vision vom technisiertes, ergonomischen Haushalt findet sich in der von Bruno Taut entworfenen Inneneinrichtung im „Haus der emanzipierten Frau“: Hier gibt es (nach amerikanischem Vorbild) „elektrisch betriebenen Service-Maschinen, der Eier-, Kaffee- und Teekocher, der Tellerwärmer, der Heißluftspüler, der Toaster, der Tischgrill“ (S. 253) Die Zeitungen spöttelten über die ausklappbaren Tische, Teleskoplampen oder Spülmaschinen als „Haushaltslabor der modernen Frau“ (S.255)

Ob Ise wirklich ein Verhältnis mit Irene Bayer-Hecht hatte, wie Revedin beschreibt oder nicht, ist wie vieles andere unklar.

Hier fehlt mir ein bisschen die Erklärung was Fakt und was Fiktion ist. Wahrscheinlich wäre Ise Gropius mit ihren Beziehungen die erste Direktorin des Bauhauses geworden, hätte sie, als Jüdin nicht Deutschland verlassen müssen. Sowohl in London als auch in Amerika hat man ihr nicht die Aufmerksamkeit gezollt, die sie vermutlich verdient hat.

Fazit:

Dieses Buch lässt mich ein wenig enttäuscht zurück. Für mich ist es weder Biografie und noch biografischer Roman. Daher kann ich nur 3 Sterne vergeben.

Ilse „Ise“ Frank ist 26 Jahre alt als sie den Architekten und Günder des „Bauhauses“ Walter Gropius im München der frühen 1920er Jahre kennenlernt.
Sie lässt München und ihre Karriere als Buchhändlerin und Rezensentin hinte sich und heiratet 1923 Gropius.
Aufgrund ihrer journalistischen Erfahrungen hat sie maßgeblichen Anteil an der Bekanntheit der Bauhaus-Architektur. Die Weisheit des Volksmundes, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine Frau stünde, passt hier perfekt. Mehr noch, Ise steht nicht nur hinter Gropius sondern auch vor ihm oder neben ihm.

Heute ist ihr Name nur mehr Insidern bekannt. Zum aktuellen 100-Jahre-Bauhaus-Jubiläum wird Ise Gropius wieder aus der Versenkung geholt.

Meine Meinung:

Jana Revedin, im Brotberuf selbst Architektin, hat eine eher spröde Biografie verfasst. Sie selbst bezeichnet ihr Buch als „biografischen Roman“ - dazu fehlt ihm aber das romanhafte, die Leichtigkeit. Grundsätzlich mag ich ja straighte Biografien. Doch hier weiß ich nicht ganz, woran ich bin - weder Fisch noch Fleisch. Vor allem, werden nur die Jahre 1923-1927 intensiv beleuchtet. Dazwischen gibt es Rückblicke und Einblicke in die Leben der Protagonisten.

Allerdings ist die Beziehung zwischen Ise un Walter auch nicht romantisch. Sie ist von Geldsorgen, Intrigen und dem Nationalsozialismus überschattet, der letztlich zum Verbot des sachlichen Baustils führen wird. Viele der Häuser wirken auch heute noch seltsam modern.

Die große Begabung der Ise Gropius liegt im Netzwerken. So kennt sie Gussie Adenauer, deren Mann Konrad Oberbürgermeister von Köln ist. Beinahe wäre das Bauhaus dorhin gezogen, wenn Kandnisky, Feininger und Gropius nicht Dessau bevorzugt hätten.

Interessant finde ich, dass Ise selbst an Entwürfen gearbeitet hat. Auch davon ist heute fast nicht mehr bekannt, da Margarethe Schütte-Lihotzky alle anderen mit ihrer „Frankfurter Küche“ (Vorläufer der modernen Einbauküche) überholt hat.

Ise Gropius Vision vom technisiertes, ergonomischen Haushalt findet sich in der von Bruno Taut entworfenen Inneneinrichtung im „Haus der emanzipierten Frau“: Hier gibt es (nach amerikanischem Vorbild) „elektrisch betriebenen Service-Maschinen, der Eier-, Kaffee- und Teekocher, der Tellerwärmer, der Heißluftspüler, der Toaster, der Tischgrill“ (S. 253) Die Zeitungen spöttelten über die ausklappbaren Tische, Teleskoplampen oder Spülmaschinen als „Haushaltslabor der modernen Frau“ (S.255)

Ob Ise wirklich ein Verhältnis mit Irene Bayer-Hecht hatte, wie Revedin beschreibt oder nicht, ist wie vieles andere unklar.

Hier fehlt mir ein bisschen die Erklärung was Fakt und was Fiktion ist. Wahrscheinlich wäre Ise Gropius mit ihren Beziehungen die erste Direktorin des Bauhauses geworden, hätte sie, als Jüdin nicht Deutschland verlassen müssen. Sowohl in London als auch in Amerika hat man ihr nicht die Aufmerksamkeit gezollt, die sie vermutlich verdient hat.

Fazit:

Dieses Buch lässt mich ein wenig enttäuscht zurück. Für mich ist es weder Biografie und noch biografischer Roman. Daher kann ich nur 3 Sterne vergeben.