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Venatrix

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Veröffentlicht am 14.07.2019

Ein gelungener Auftakt einer Krimi-Reihe

Die Kuh kennt keinen Feiertag
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Dieser Krimi ist der Auftakt einer neuen Krimi-Serie aus Schwäbisch-Hall.

Just an Milka Mayrs 35. Geburtstag stürzt Nachbar Max Holl mit seinem Flugdreiradler (= ULF = UltraLeichtFlugzeug) in unmittelbarer ...

Dieser Krimi ist der Auftakt einer neuen Krimi-Serie aus Schwäbisch-Hall.

Just an Milka Mayrs 35. Geburtstag stürzt Nachbar Max Holl mit seinem Flugdreiradler (= ULF = UltraLeichtFlugzeug) in unmittelbarer Nähe der Mayr‘schen Landwirtschaft ab. Obwohl die Polizei und die Flugunfallkommission von einem Pilotenfehler ausgehen und den Absturz als tragischen Unfall zu den Akten legen wollen, ist Milka davon überzeugt, dass der Absturz eine andere Ursache haben muss.

So beginnt sie, sehr zum Missfallen ihres Freundes, des KHK Paul Eichert, auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei strapaziert sie Pauls Geduld bis auf das Äußerste, denn immer wieder mischt sie sich in die Ermittlungen ein, als feststeht, dass zum Absturz des Fluggerätes doch nachgeholfen worden ist. Nur, wer hat ein Interesse, Max um die Ecke zu bringen? Die eigene Familie, die eigentlich die Landwirtschaft verkaufen möchte, das aber nicht kann, weil Max sich querlegt? Ein eindeutiges Motiv, oder?
Vielleicht hat es auch mit Maxens Gutachtertätigkeit zu tun? Immerhin geht es hier um Kunstwerke und einen Haufen Geld. Also, cui bono?

Und so beherzigt Milka die üblichen Sprüche der Ermittler:
„Folge der Spur des Geldes“ und „Gehe jeder Spur nach, und schaue unter jeden Stein.“,

Meine Meinung:

Schon der eigenwillige Titel und das Cover machen Lust, diesen Krimi zu lesen.

Lange tappen Leser und Ermittler im Dunklen, bis die unorthodoxen Recherchen von Milka den entscheidenden Hinweis bringen. Eigentlich ist es ewig schade, dass sich Milka nicht überreden lässt, in den Polizeidienst einzutreten. Ihre oft verquere Art Dinge zu sehen, sorgt immer wieder für Überraschungen.

So verbringt Milka ihre Tage auf dem elterlichen Bauernhof zwischen Bruder und missgünstiger Schwägerin, muss ihnen die ungeliebte Buchhaltung und den sonstigen Papierkram, die die EU so fordert, erledigen. Tagaus, tagein, morgens wie abends darf sie dann auch noch die 65 Kühe melken, weil ja „Kühe keinen Feiertag kennen“. Hier bewahrheitet sich der alte Spruch: „Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe“.

Ihr einziges Hobby (neben dem Kriminalisieren) ist das Herumschrauben auf einem alten VW-Käfer. Dafür wird sie noch von Schwägerin Bettina scheel angesehen. Das wird sich hoffentlich in der angekündigten Fortsetzung ändern.

Der Schreibstil ist köstlich erfrischend! Manche althergebrachte Formulierung wie etwa „weiland“ oder die wunderbaren langen Schachtelsätze, werden vielleicht nicht von allen Lesern goutiert werden. Mir haben sie besonders gut gefallen.
Ganz wie es sich für einen Regional-Krimi gehört, erfahren wir einiges über Land und Leute. Einen großen Raum nimmt die örtliche Kulinarik ein. Seien es „Maultaschen“ oder „Kässpätzle“ - da läuft einem schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammen. Keine Lektüre für Leser, die abnehmen wollen oder hungrig sind. Auch der mehrfache Genuss eines Glases „Trollingers“ veranlasst mich, morgen in der Vinothek vorbeizuschauen, ob dort ein solcher vorhanden ist. Für Leser, die mit den regionalen Bezeichnungen und Dialektpassagen nicht so vertraut sind, wäre ein Glossar (am besten zu Beginn des Krimis) angebracht. Ich bin damit gut zurecht gekommen, aber es gibt ja noch andere Leser.

Die Charaktere sind gut ausgefeilt. Lieb gewonnen habe ich, neben Milka und Paul, auch Professor Ebert, der an Milkas Recherchen gerne teilnimmt, wertvolle Beiträge zum Thema Kunsthandel liefert und so richtig aufblüht. Nicht richtig warm geworden bin ich mit Milkas bzw. Max Holls Familie.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt zu einer Krimi-Reihe aus Schwäbisch-Hall, auf deren Fortsetzung ich mich schon jetzt freue. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.07.2019

Für mich leider ein Fehlgriff

Preise, Zins und Wechselkurse
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Dieses Buch habe ich mit Interesse erwartet und gelesen. Leider ist es für Laien in Wirtschaftswissenschaften wie mich, nicht einfach zu lesen.

In insgesamt sechs Kapiteln versucht der Autor seine theoretischen ...

Dieses Buch habe ich mit Interesse erwartet und gelesen. Leider ist es für Laien in Wirtschaftswissenschaften wie mich, nicht einfach zu lesen.

In insgesamt sechs Kapiteln versucht der Autor seine theoretischen Kenntnisse an den Leser zu bringen.

Vom Goldstandard zu marktbestimmten Wechselkursen
Zahlungsausgleich bei flexiblen Wechselkursen
Stabilitätspolitische Autonomie bei flexiblen Wechselkursen
Der Konjunkturverband bei flexiblen Wechselkursen
Mikro- und makroökonomische Anpassungsprozesse bei flexiblen Wechselkursen
Reflexionen zum Stand der Wissenschaft und zu wirtschaftspolitischen Folgerungen

Das Buch ist bereits 1987 erschienen und wurde für diese Ausgabe überarbeitet. So kommt es, dass es sowohl zum Vorwort als auch zur Einleitung und natürlich zu den Kapiteln selbst, noch „Nachworte“ gibt, was einigermaßen verwirrend ist.

Meine Meinung:

Von diesem Buch habe ich etwas anderes erwartet. Ich dachte, ein wenig die Zusammenhänge erklärt zu bekommen. Leider ist genau das Gegenteil eingetreten. Der Autor setzt umfassende Kenntnisse über wirtschaftwissenschaftliche Zusammenhänge voraus, über die wohl die wenigsten Leser verfügen. Er zitiert jede Menge Wissenschaftler, fast nur auf auf englisch. Hier wäre zum besseren Verständnis doch die deutsche Übersetzung angebracht.

Der Schreibstil ist wissenschaftlich theoretisch. Lange Schachtelsätze verlangen dem Leser hohe Konzentration ab.

Fazit:

Fachleute werden mit diesem Buch vielleicht eine Freude haben, Leser, die gerne mehr über die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge erfahren wollen, müssen wohl zu anderer Lektüre greifen. Für mich persönlich leider ein Fehlgriff.

Veröffentlicht am 14.07.2019

Auftakt einer fesselnden Reihe

Die Maske der Gewalt
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Jennifer B. Winds bisherige Bücher stehen für garantierte Gänsehaut. So auch dieser Thriller, der der Auftakt einer Reihe rund um Richard Schwarz, seines Zeichens Ermittler im LKA Wien, ist.

Worum geht’s?

Richard ...

Jennifer B. Winds bisherige Bücher stehen für garantierte Gänsehaut. So auch dieser Thriller, der der Auftakt einer Reihe rund um Richard Schwarz, seines Zeichens Ermittler im LKA Wien, ist.

Worum geht’s?

Richard Schwarz ist an Körper und Seele gezeichnet, weil er als Kleinkind mit einem Topf heißen Wasser verbrüht hat. Als ihm seine Mutter zu Hilfe kommen will, wird sie von ihrem letzten Freier ermordet. Der schwer verletzte Richard musste das miterleben. Zu seinem Glück findet er, nach langer Reha-Zeit, Aufnahme in einer Zirkusfamilie.
Um den Mörder seiner Mutter zu finden, wird er Polizist. Nebenbei tritt er bei Sarah, seiner Ziehschwester, im Zirkus auf. Hier fühlt er sich unter der Maske eines Dominos wohl und geschätzt.

Während Richard in Wien zwei Morde an Frauen aufklären muss, wird Sarah in München entführt. Welche Rolle spielt Oliver, der seit Tagen verschwundene Lebensgefährte von Sarah? Soll Sarah nur als Druckmittel fungieren? Richard ist hin und her gerissen zwischen der Sorge um Sarah und der Pflicht, die Wiener Frauenmorde aufzuklären.

Meine Meinung:

Wir haben es hier mit einem Thriller erster Klasse zu tun. Die eine oder andere Szene ist nichts für Zartbesaitete. Dennoch gleitet die Handlung niemals ins Voyeuristische ab.
Die Charaktere sind sehr gut angelegt. Die Zweifel und Schuldgefühle von Richard kann der Leser hautnah miterleben, genauso wie seinen Ehrgeiz Frauen vor gewalttätigen Männern zu schützen. Eine interessante Figur ist Theres Lind, eine Psychiaterin,die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Sie glaubt, den Frauenmörder zu kennen und in dessen Begutachtung einen Fehler begangen zu haben.
Das Wiener Team rund um Richard ist gut eingespielt. Eine Person, die eine erstaunliche Wandlung durchmacht, ist der pensionierte General Böckinger, der zunächst ziemlich unsympathisch, weil wichtigtuerisch, angelegt ist.

Da Sarah in München entführt worden ist, ist es Aufgabe der dortigen Polizei, sie zu finden. Hier kennt Richard Kollegen und wird deshalb in die Ermittlungen einbezogen. Eine vorbildliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die sich wohltuend von den sonst üblichen Querelen in der internationalen Kooperation abhebt.

Die Autorin schafft es, gleich mehrere Themen miteinander zu verquicken, ohne dass der Thriller mühsam konstruiert wirkt. So müssen wir uns mit gewalttätigen Ehemännern, Drogenhandel, Prostitution sowie geistig abnormen Rechtsbrechern und zerstörter Kindheit auseinandersetzen.

Die beiden Fälle werden gut aufgelöst. Doch durch einen fiesen Cliffhanger kann der Leser sicher sein, dass der eigentliche Drahtzieher nach wie vor am Leben ist und für eine Fortsetzung weitere Straftaten ausheckt.

Fazit:

Der Auftakt einer Thriller-Reihe auf hohem Niveau, bei dem die Spannung nicht abreißt. Gerne gebe ich hier wohlverdiente 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.07.2019

Gute Krimiunterhaltung

Schlossteichleich
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In ihrem 3. Fall für Dorothea „Dorli“ Wiltzing und Wolfgang „Lupo“ Schatz entführt uns die Autorin in das winterliche Triestingtal.

Der bekannte Maler Livio Moretti wird auf dem Christkindlmarkt auf ...

In ihrem 3. Fall für Dorothea „Dorli“ Wiltzing und Wolfgang „Lupo“ Schatz entführt uns die Autorin in das winterliche Triestingtal.

Der bekannte Maler Livio Moretti wird auf dem Christkindlmarkt auf Schloss Hernstein hinter dem Punschstand von Marianne tot aufgefunden. Die klingelt natürlich sofort Dorli aus dem Schlaf, hat man ja zur örtlichen Polizei nicht so das richtige Vertrauen. Zu Recht, wie sich bald herausstellen wird. Morettis Lebenspartner ist verschwunden und so glaubt die Polizei an eine Beziehungstat, bis die dessen Leiche im Hernsteiner Schlossteich entdeckt wird – tiefgefroren unter einer dicken Eisschicht.
Gleichzeitig vermittelt Dorli dem ewig klammen Lupo einen lukrativen Auftrag: Er soll für Morettis Vater den Mörder seines Sohnes ausfindig machen. Also machen sich Dorli und Lupo auf Spurensuche, nichts ahnend, dass diesmal nichts so ist, wie es scheint.

Meine Meinung:

In diesem dritten Fall spricht die Autorin nicht die üblichen Verbrechen wie Drogenhandel, Mafia und Ostbanden an, sondern auch Fremdenhass und rechtes Gedankengut. Denn der Dorfpfarrer ist auf Reha und seine Haushälterin im wohlverdienten Urlaub. Als Vertretung wird ausgerechnet ein Schwarzafrikaner nach Buchau entsendet. Ein echter Skandal für den ewig gestrigen Teil der Gemeinde. Außerdem ist der Aushilfspfarrer in Begleitung einer jungen Frau. Dass dies seine Schwester sein soll, die sich noch dazu einer Nierentransplantation unterziehen musste, glaubt keiner von denen. So wird gehetzt und gehusst und letztlich stirbt die junge Frau, weil ihr jemand im Supermarkt ein volles Einkaufswagerl just in die Nierengegend gestoßen hat. Dieser Teil des Krimis ist mir zu kurz gekommen. Da hätte ich mir etwas mehr erwartet.

Neben den bekannten Figuren wie Dorli, Lupo, Leo Bergler sowie Bürger-meister nebst Trulla, bekommt diesmal Kräuterweiberl Anna wieder ihren großen Auftritt.

Herrlich auch Lupo, der bei „Bär“, dem Chef der „Devils“ Unterricht im Motorradfahren nimmt, Stürze inklusive. Heimlich natürlich, denn er will ja Dorli damit überraschen.

Wie immer legt die Autorin falsche Fährten und die Leser dürfen Dorli und Lupo über die Schulter schauen, wenn die beiden ihre oft unorthodoxen Ermittlungsmethoden anwenden.
Anders als in den Bänden 1 und 2 flicht Veronika A. Grager nun auch ernste Themen in ihre Krimis ein. Trotzdem kommen der bisweilen schwarze Humor, das Lokalkolorit und die skurrilen Dorfbewohner nicht zu kurz.

Fazit:

Ein unterhaltsamer Krimi, der auch ernste Themen streift. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 12.07.2019

"Ganz leben, oder ganz nicht"

Flamme sein!
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Wer kennt diesen Namen nicht? Hans Scholl – Gründungsmitglied der Weißen Rose, jener Widerstandsbewegung gegen Hitler.

Der evangelische Theologe Robert M. Zoske zeichnet ein bislang eher unbekanntes ...

Wer kennt diesen Namen nicht? Hans Scholl – Gründungsmitglied der Weißen Rose, jener Widerstandsbewegung gegen Hitler.

Der evangelische Theologe Robert M. Zoske zeichnet ein bislang eher unbekanntes Porträt von Hans Scholl. So erfahren wir, dass Hans Scholl zunächst von den Nationalsozialisten war und es bis in der Hitlerjugend sogar bis zum Fähnleinführer bringt. Gleichzeitig liest Hans Scholl heimlich verbotene Bücher und widersetzt sich damit dem Regime. Dieser zivile Ungehorsam wird letztlich in der Gründung der Widerstandsbewegung und im Verteilen der Flugblätter münden. Beides wird ihm, seiner Schwester Sophie und Christoph Probst das Leben kosten.

Meine Meinung:

In diesem Buch beleuchtet der Autor die tiefe Religiosität von Hans Scholl sowie dessen Vorliebe zu Lyrik. Allerdings haben genau diese Ge-danken und Gedichte meinen Lesefluss unterbrochen. Die Gedichte sind manchmal schwermütig und häufig schwülstig. Damit kann ich persönlich wenig anfangen.

Sehr interessant ist, dass der Autor der sexuellen Ausrichtung von Hans Scholl so breiten Raum widmet. Das grenzt für mich schon ein wenig an Voyeurismus. Natürlich ist es für Hans‘ Werdegang wichtig, dass er wegen des §175 StPO angeklagt worden ist. Immerhin reicht während der Nazidiktatur schon allein der Verdacht homosexuell zu sein, um in ein KZ eingeliefert und ermordet zu werden.

Gut ist die Zerrissenheit des jungen Medizinstudenten, der verbotene Autoren wie Nietzsche oder Thomas Mann gelesen hat, beschrieben.
In seinen zahlreichen Briefen spürt man, dass Hans Scholl nicht nur gegen das Regime kämpft sondern auch gegen sich selbst. Eigentlich will er nur ein „normales“ Leben führen. Doch was ist im Nazi-Staat schon normal?

Hans Scholl ist ein ewig Suchender, ein Wanderer, der durchais wider-sprüchlich ist.

„Hans Scholl sollte bis an sein Ende der werdende Wanderer bleiben, doch nur auf den Wandel wollte er sich trotzdem nicht festlegen. Sprunghaft-widersprüchlich versuchte er, die Gegensätze von Ruhe und Ruhelosigkeit miteinander zu verei-nen.“

Hans Scholl ist kein Mann für halbe Sachen. „Ganz leben oder gar nicht“ – das wird zu seinem Leitspruch. Letztlich wird er sich für „gar nicht“ entscheiden.

Aufgefallen ist mir, dass Robert M. Zoske die Rolle Sophie Scholls in der „Weißen Rose“ herunterspielen versucht. Hat sie wirklich so wenig Anteil am Widerstand, wie uns der Autor weismachen will?

Beiden Geschwistern ist gemeinsam, dass sie sich der Gefahr in der sie schweben, bewusst sind und ihre Hinrichtung in Kauf genommen haben. So-wohl Hans als auch Sophie zeigen eine tiefe Gelassenheit und ein Gottvertrauen, die bewundernswert ist.

Neben vielen Auszügen aus den Briefen von Hans Scholl finden sich im Anhang die Originaltexte der Flugblätter sowie alle Gedichte.

Der Titel „Flamme sein!“ ist ebenso perfekt gewählt wie das folgende Zitat von Christian Morgenstern:

„Nur wer sich selbst verbrennt, wird den Menschen ewig wandernde Flamme.“

Fazit:

Eine sehr interessante Biografie, die durch akribische Recherche be-sticht. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.