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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine Leseempfehlung

Die Roma
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Madeline Potter stammt aus einer rumänischen Roma-Familie und verwebt in diesem Buch die Suche nach ihren Wurzeln und ihre eigene Biografie mit der Geschichte der Roma verschiedener Länder.

»Auf jedem ...

Madeline Potter stammt aus einer rumänischen Roma-Familie und verwebt in diesem Buch die Suche nach ihren Wurzeln und ihre eigene Biografie mit der Geschichte der Roma verschiedener Länder.

»Auf jedem Schritt meiner Reise bin ich den kraftvollen Geschichten derjenigen begegnet, die sich ihrer Ausgrenzung widersetzten und deren Leben uns bis heute inspirieren.«

Während ihrer Recherchen zu ihrer Herkunftsfamilie, die sie in zahlreiche Archive quer über den Erdball führen, begegnet sie den Aufzeichnungen zahlreicher historischer Persönlichkeiten: Musiker Django Reinhardt (1910-1953), der beim Brand in seinem Wohnwagen schwerste Brandverletzungen erlitten hat und trotzdem weiterhin virtuos Gitarre spielt, dem deutschen Meister im Halbschwergewicht Johann Rukeli Trollmann (1907-1943), dem die Nazis seinen Titel aberkannt und 1943 in einem Nebenlager des KZ Neuengamme ermordet haben oder Carmen Amaya (gest. 1963), eine spanische Romni, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts als beste Flamencotänzerin der Welt bekannt war, und die österreichische Schriftstellerin Ceija Stojka (1933-2013) vor.

Sehr interessant zu lesen ist, wodurch sich die verschiedenen Sinti- und Roma-Familien unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten, außer ihrer Verfolgung durch die Jahrhunderte, sie noch haben: Nämlich ihre Stärke und Ausdauer, ihre Fähigkeit zum Widerstand und zum Überleben mit der sie dem tief verwurzelten Hass, der ihnen auf der ganzen Welt entgegen schlägt, zu trotzen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem hoch interessanten Buch über die Geschichte der Roma und Sinti 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Die Apotheke der Hoffnung
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Dieser historische Roman spielt im Krakau des Jahres 1941. Schon wenige Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen Anfang September 1939 wurde die jüdische Bevölkerung verfolgt und deangsaliert. ...

Dieser historische Roman spielt im Krakau des Jahres 1941. Schon wenige Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen Anfang September 1939 wurde die jüdische Bevölkerung verfolgt und deangsaliert. Ab November 1939 mussten sie den Judenstern tragen und im März 1941 begannen Enteignung und Umsiedlung der Juden nach Podgórze, dem südlichen Stadtteil von Krakau. Das Ghetto von Krakau bestand bis Mitte März 1943. Kurz vor der Schließung wurden arbeitsfähige Menschen in das KZ Plaszow verlegt, die anderen nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Die junge Witwe Zosia Lewandowska muss ansehen, wie ihre jüdischen zunächst enteignet und wenig später in das neu entstandene Ghetto eingewiesen werden. Als sie einen Weg sucht, den verzweifelten Menschen zu helfen, bietet sich die Chance in Form einer Anstellung in der Apotheke von Tadeusz Pankiewicz an, die als einzige Apotheke im Ghetto verblieben ist. In dieser Apotheke erhalten die Ghettobewohner nicht nur die wenigen Medikamente sondern auch anderes. Die Apotheke wird zur Drehscheibe von Informationen, gefälschten Dokumenten und Menschlichkeit. Doch die Möglichkeiten zu helfen werden immer geringer, denn das NS-Regime weitet Macht und Terror weiter aus.

Der Apotheker und seine Angestellten sind in höchster Gefahr, denn Juden zu helfen, ist verboten und wird mit Lagerhaft oder Todesstrafe geahndet. Trotzdem machen sie weiter. Und Zosia erhält Unterstützung von ungewohnter Seite.

Für einige wenige erfüllt sich die Hoffnung auf Flucht und Leben, für die meisten bleibt nur die Deportation und der Tod.

Meine Meinung:

Das Krakauer Ghetto ist vermutlich nicht ganz so bekannt, wie jenes in Warschau, das durch seinen Aufstand Geschichte geschrieben hat, aber um nichts weniger grausam. Wenig bekannt ist vermutlich auch, dass Filmregisseur Roman Polanski aus dem Krakauer Ghetto entkommen ist.

Die Autorin hat rund um die reale Person Tadeusz Pankiewicz (1908-1993), der 1983 von Israel mit dem Ehrentitel „ Gerechter unter den Völker“ ausgezeichnet worden ist, sowie den drei Mitarbeiterinnen einen fesselnd und einfühlsam erzählten Roman geschrieben. Allerdings lässt Amanda Barratt auch zahlreiche reale NS-Größen wie Lagerleiter Amon Göth, der besonders grausam agiert hat, oder Wilhelm Kunde auftreten.

Die Geschichte wir aus mehreren Perspektiven erzählt, so dass wir einen Einblick in das Grauen, das die verfolgten Juden erleiden mussten, erhalten können. Besonders beeindruckend ist der Perspektivenwechsel zwischen der Polin Zosia und der Jüdin Hania. Durch die Erzählung in der Ich-Form erhält der Roman eine eindrückliche Note.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten fußt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Liebesreigen statt Verbrecherjagd

Reigen in Triest
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Wer sich angesichts des Titels an Arthur Schnitzlers „Reigen“ erinnert fühlt, liegt hier richtig. Anders als in den fünf Vorgängern tritt in diesem 6. Band aus der Reihe rund um den Inspector Bruno Zabini ...

Wer sich angesichts des Titels an Arthur Schnitzlers „Reigen“ erinnert fühlt, liegt hier richtig. Anders als in den fünf Vorgängern tritt in diesem 6. Band aus der Reihe rund um den Inspector Bruno Zabini das Verbrechen zunächst in den Hintergrund und die erotischen Lustbarkeiten dreier Paare dominieren die Handlung. Anders als in Schnitzlers Novelle, sind die Paare mit ihren erotischen Eskapaden einverstanden inklusive dem einen oder anderen Partnertausch.

Während sich die drei Paare, Luisa von Callenhoff und Bruno Zabini, Fedora und Sergio sowie Carolina und Arthur, vergnügen, schleichen dunkle Gestalten, die Böses im Sinn haben rund um die herrschaftliche Villa herum. Erst durch den Showdown am Ende bekommt der Roman etwas Krimihaftes.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist anders als die Triest-Krimis, die wir von Günter Neuwirth kennen. Damit tanzt dieser historische Roman buchstäblich aus der Reihe und stellt ein Sittenbild der gelangweilten Oberschicht der Donaumonarchie dar, die nur mehr wenige Jahre existieren wird.

Wie aus den Vorgängern bekannt, ist Inspector Bruno Zabini ein begehrter Junggeselle in Triest, der, bevor er sich endgültig für Luisa von Callenhoff entschieden hat, parallel zu ihr, ein Gspusi mit Fedora hatte.

Diese Wendung, die eine Ähnlichkeit mit Arthur Schnitzlers Novelle aufweist, wird nicht allen Fans von Bruno Zabini gefallen. Ein wenig fehlt mir auch die Darstellung der politischen Szene, die den Polizisten Zabini immer wieder gefordert haben. Diesmal ist seine Standfestigkeit auf andere Weise gefragt. Dieser Teil der Reihe kann problemlos solo gelesen werden, denn die Hauptpersonen werden sehr gut eingeführt.

Fazit:

Mich hat dieser historische Roman, der sich auf Amors Pfade begibt, ein wenig überrascht, weshalb ich 4 Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Arme, reiche Frau

Eleonora
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Hubert Nowak, langjähriger Journalist beim Österreichischen Rundfunk, hat sich mit seinem Debüt-Roman einer Frau gewidmet, die heute nahezu vergessen ist. Eleonora von Mendelsohn (1900-1951). Sie wächst ...

Hubert Nowak, langjähriger Journalist beim Österreichischen Rundfunk, hat sich mit seinem Debüt-Roman einer Frau gewidmet, die heute nahezu vergessen ist. Eleonora von Mendelsohn (1900-1951). Sie wächst als Tochter der berühmten jüdischen Berliner Bankiers- und Gelehrtenfamilie in einer kulturell bedeutsamen Umgebung auf. Der Komponist Felix Mendelsohn-Barholdy ist ihr Cousin. Eleonora träumt schon bald von einer Karriere als Schauspielerin, die zunächst einmal in Erfüllung geht. In den 1920er-Jahren feiert sie einige große Erfolge, lernt Max Reinhardt kennen und lieben. Der exzentrische Regisseur wird ihre große Liebe sein, die über ein Verhältnis, wie Reinhardt es mit vielen (vermögenden) Frauen unterhält, aber nicht hinauskommt. Für Reinhardts kostspielige Theaterträume wird sie in der Bank ihrer Familie intervenieren und zahlreiche Bilder aus der Familienvilla veräußern.

Die Machtübernahme der Nazis katapultiert sie und ihren Bruder Francesco aus ihren glamourösen Leben. Francesco ist als homosexueller Jude gleich doppelt gefährdet. Man lässt Deutschland hinter sich, nicht ohne in mehreren gewagten Aktionen, zahlreiche Gemälde heimlich in die Schweiz zu bringen.

Es gelingt Eleonora, wie so vielen Emigranten nicht, in den USA beruflich Fuß zu fassen. Auch ihr Privatleben ist ein ziemliches Desaster. Vier Ehen, endlose Zahl von Liebhabern sowie ihre Drogensucht lassen Eleonora am Rande des Abgrunds balancieren, bevor sie im Jänner 1951 endgültig abstürzt.

Ihr Leben endet am 24. Jänner 1951 unter mysteriösen Umständen: Man findet sie in ihrem Quartier in New York auf dem Sofa liegend. Ein mit Äther getränktes Tuch über dem Gesicht, eine halbvolle Flasche des Betäubungsmittels, ein leeres Röhrchen Schlaftabletten sowie leere Ampullen von Morphium und die dazu gehörige Spitze. Obwohl keine Anzeichen für Fremdverschulden gefunden werden können und ihr Tod als Suizid eingestuft worden ist, gibt es nach wie vor, wie bei Marilyn Monroe, unbestätigte Gerüchte, dass hier nachgeholfen worden sein könnte.

„Aus Verzweiflung. Wahrscheinlich. Um Ruhe zu finden. Um zu vergessen. Das Unglücklichsein, das Nichtgeliebtwerden von denen, die sie lieben wollte. Um die trügerischen Erfolge zu verdrängen und die Niederlagen, den unverlässlichen Jubel von Fans, die oberflächlichen Bewunderer ihrer Schönheit, und all die, die nie begriffen haben, was in ihr wirklich vorging.“

Meine Meinung:

Obwohl Hubert Nowak penibel recherchiert, dass er durchaus eine Biografie schreiben hätte können, nennt er sein Werk einen Roman. Das gibt ihm die künstlerische Freiheit die reale Eleonora mit fiktiven Charakteren zusammenzubringen.

So beschreibt er eine junge Frau, der (fast) alle Möglichkeiten in die Wiege gelegt worden sind, die aber wenig Liebe erfahren konnte. Der frühe Tod des Vaters, die eigenwillige Mutter, der man als Italienerin eine enge Beziehung zu Mussolini und seiner Politik nachsagt, sowie die unerwiderte Liebe zu Max Reinhardt, der nicht nur verheiratet und Kinder, sondern mit Helene Thimig eine besonders eifersüchtige Geliebte, die Eleonoras Feindin bis zu Tod bleiben wird. Als sie von Reinhardt schwanger wird, lässt Eleonora abtreiben, die verpfuscht wird. Weitere Schwangerschaften sind unmöglich.

Der Lebenslauf von Eleonora von Mendelsohn, könnte durchaus als Vorlage für einen Film dienen. Dramatik ist genug vorhanden.

Der Schreibstil ist durchaus gelungen. Max Reinhardt kommt hier nicht sehr gut weg. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er ein Egozentriker gewesen ist, der glaubte, der Nabel der (Theater)Welt gewesen zu sein. Eine um 27 Jahre jüngere, vom Theater faszinierte und reiche Erbin kommt ihm, der ständig in Geldnöten schwebte, sicher gerade recht. Ihr Liebe vorspielen? Nichts leichter als das. Ich bin fast versucht zu sagen: armes, reiches Mädchen.

Fazit:

Diese romanhafte Biografie habe ich gerne gelesen und gebe ihr 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Hat mich nicht ganz überzeugt

Der Zitronenbaum in meinem Garten
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Die sympathische Schauspielerin Andrea L’Arronge erzählt, wie sie schon als Kind Schauspielerin werden wollte und kleine Rollen gespielt hat. Sie berichtet aus ihrem Leben, das nicht immer konfliktfrei ...

Die sympathische Schauspielerin Andrea L’Arronge erzählt, wie sie schon als Kind Schauspielerin werden wollte und kleine Rollen gespielt hat. Sie berichtet aus ihrem Leben, das nicht immer konfliktfrei gewesen ist und spart dabei nicht aus, dass sie auch Misserfolge, sowohl im Privatleben als auch im Beruf erleben musste.

Schmunzeln musste ich, als sie berichtet, wie sie ziemlich unbedarft und ohne ausreichend die italienische Sprache zu können, ein Haus in Italien gekauft hat und sich der Herausforderung der örtlichen Gegebenheiten stellen musste.

Das Buch ist in leichtem Plauderton verfasst, lässt aber Platz für ernsthafte Themen. So erzählt sie einerseits über ihre erste Ehe mit der sie aus ihrer komplizierten Herkunftsfamilie ausbricht, nur um in einer anderen schwierigen Situation zu landen. Eine Situation, die viele Frauen erlebt haben oder noch erleben. Andererseits berichtet sie über ihr Engagement für Waisenkinder in Rumänien, die nach dem Sturz der Diktatur unter schrecklichen Bedingungen sich selbst überlassen waren.

In einigen der 15 Kapiteln fließen nachdenkliche und beinahe philosophische Gedanken ein. Zahlreiche Abbildungen ergänzen dieses Memoir, dem ich 3 Sterne gebe, da es mich nicht ganz überzeugt hat.