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Veröffentlicht am 13.12.2020

Brutal und grausam

Der Heimweg
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Jules Tannberg übernimmt eigentlich nur aus einem Freundschaftsdienst heraus die Schicht seines Kumpels Caesar beim dessen ehrenamtlicher Tätigkeit am Begleittelefon, einem Service, der einsame Frauen ...

Jules Tannberg übernimmt eigentlich nur aus einem Freundschaftsdienst heraus die Schicht seines Kumpels Caesar beim dessen ehrenamtlicher Tätigkeit am Begleittelefon, einem Service, der einsame Frauen nachts auf ihrem Heimweg begleiten und die Angst nehmen soll. Niemals hätte Jules damit gerechnet, ausgerechnet Klara ans Telefon zu bekommen – eine junge Mutter, die panisch durch die Stadt läuft auf der Flucht vor einem gefährlichen Mörder, den die Medien als „Kalender-Killer“ bezeichnet haben. Vor einiger Zeit hatte dieser Klara Gewalt angetan und mit ihrem Blut das Datum ihres Todes an die Wand gemalt. Das Datum des Tages, welcher in eben dieser Nacht anbricht, in der Jules mit ihr telefoniert…

Bereits die äußere Aufmachung des neuen Werkes von Bestseller-Autor Sebastian Fitzek ist bemerkenswert: Das Buch ist recht minimalistisch komplett in schwarz gehalten und wirkt so direkt düster und bedrohlich. Lediglich ein kleines silbern schimmerndes Fenster ist auf dem Cover zu sehen, in dem der Leser die Silhouette einer wegrennenden Frau erkennt. Die silberne Schrift ist definitiv ein Eyecatcher, die Gestaltung sehr hochwertig. Insgesamt passt die Aufmachung des Buches sehr gut zur Geschichte und wirkt bereits beängstigend.

Der Titel „Der Heimweg“ ist interessant gewählt und referenziert direkt auf das real existierende „Heimwegtelefon“, auch wenn dieses – wie Fitzek im Anhang erklärt – sich in einigen Punkten vom fiktiven „Begleittelefon“ des Buches unterscheidet. Rückblickend muss ich aber sagen, dass der Titel und auch der Klappentext etwas irreführend sind, da sie meiner Meinung nach nicht hundertprozentig zum Inhalt passen, ich hatte eine etwas anders fokussierte Geschichte erwartet.

Fitzeks Schreibstil ist wie gewohnt düster und temporeich, die Geschichte wird durch kurze Kapitel, die meist mit einem Cliffhanger enden, zügig vorangetrieben. Es wechseln sowohl die Sichtweisen von Klara und Jules, als auch die Zeitebenen (es wird vieles in Rückblenden dargestellt), was aber aufgrund der deutlichen Kennzeichnung gut nachzuvollziehen ist.

Zu Beginn des Buches befindet sich der Leser sofort mitten im Geschehen ohne lange Vorgeschichte. Mit Fortschreiten des Buches wird es Fitzek-typisch immer schwieriger, zu unterscheiden, welche der Personen auf welcher Seite steht, wer ehrlich ist und was Realität und was Einbildung ist. Wieder geht es um psychische Probleme der Protagonisten und wieder wird der Leser zunehmend auf Glatteis geführt. Ständig wird alles Gegebene in Frage gestellt und man weiß irgendwann gar nicht mehr, was man wem noch glauben kann. Dieses Verwirrspiel mag ich einerseits sehr, da es psychologisch sehr gut durchkonstruiert wurde und hochspannend ist, andererseits kommen mir in „Der Heimweg“ etwas zu viele „Zufälle“ zusammen und ich habe das Gefühl, gar keine reale Chance zu haben, selbst auf die Lösung zu kommen. Des Weiteren konnte ich durch die permanente Skepsis keine wirkliche Bindung zu den Protagonisten aufbauen. Am Ende wird – wieder typisch Fitzek – alles noch einmal in einem überraschenden Plot-Twist umgeworfen. Leider wirken einige Wendungen sehr gewollt und nicht unbedingt nachvollziehbar. Auch insgesamt betrachtet ist die Geschichte zu wirr, um noch glaubwürdig zu sein – was aber laut Nachwort auch gar nicht Fitzeks Absicht war.

Insgesamt finde ich die Grundidee hinter dem „Heimweg“ sehr interessant und Fitzek ist es mal wieder gelungen, ein hochspannendes Setting zu generieren, auch wenn mir die Umsetzung dieses Mal aufgrund der ausschweifenden Gewaltdarstellungen eher weniger zugesagt hat – und hier kommen wir zu meinem größten Kritikpunkt, der mir das Buch ehrlich gesagt ziemlich vermiest hat. Im „Heimweg“ kam ein dermaßen hohes Maß an brutalster und perversester psychischer wie physischer Gewalt vor, dass ich teilweise gar keine Lust mehr hatte weiter zu lesen. Einige Szenen waren so jenseits des guten Geschmacks, dass mir vor lauter Ekel regelrecht schlecht geworden ist. Ich finde es ebenfalls sehr wichtig, auf das immer dringender werdende Thema der häuslichen Gewalt aufmerksam zu machen, aber in dem Ausmaß und Detaillierungsgrad wie Fitzek es getan hat wirkt die Gewaltdarstellung eher wie Effekthascherei, die primär schockieren will. Die widerwärtigen Beschreibungen sind echt keine leichte Kost und der „Heimweg“ somit nicht unbedingt als Abendlektüre zu empfehlen. Weniger Schockmomente hätten auch ausgereicht, um die Spannung hoch zu halten und die Geschichte voranzutreiben.

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Veröffentlicht am 30.11.2020

Wenn das Gedächtnis nachlässt – ein rührendes Buch, das nachwirkt

Marigolds Töchter
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Wenn es einen durch und durch herzensguten und selbstlosen Menschen gibt, dann ist sie es: Marigold ist nicht nur der Mittelpunkt ihrer Familie, um den sich alles dreht, sondern mit ihrem Laden auch das ...

Wenn es einen durch und durch herzensguten und selbstlosen Menschen gibt, dann ist sie es: Marigold ist nicht nur der Mittelpunkt ihrer Familie, um den sich alles dreht, sondern mit ihrem Laden auch das soziale Zentrum des kleinen englischen Dorfes, in dem sie lebt. Immer ein offenes Ohr und tröstende Worte für ihre Mitmenschen und voller Liebe und Wärme zu ihrer Familie. Deshalb freut es sie auch sehr, als ihre älteste Tochter Daisy nach einer gescheiterten Beziehung zurück zu ihren Eltern zieht. Dort wird es nun aber eng, da dort neben Marigold und ihrem Ehemann Dennis auch noch die zweite Tochter des Paares, die egoistische Suze und Marigolds dauernörgelnde Mutter Nan leben. Jeder in der Familie hat seine eigenen Sorgen und Nöte und Marigold tut alles dafür, es ihren Lieben recht zu machen und sämtliche Wogen zu glätten. Da kommt es schon einmal vor, dass sie vor lauter Trubel etwas vergisst. Und etwas anderes. Doch ab wann wird das Vergessen kritisch? Und wann wird es so auffällig, dass ihre Mitmenschen es bemerken?

„Marigolds Töchter“ von Julia Woolf ist ein Roman, der mich sehr überrascht hat. Das verspielt-kitschige Buchcover mit dem süßen Rotkehlchen lässt an eine seichte Story in der abgebildeten, idyllischen englischen Landschaft am Meer denken. Und auch der Beginn des Buches ist noch eher seicht gehalten und zeigt den einfachen Dorfalltag und Marigolds nicht besonders tief gehende Gedankengänge sowie führt in ihre Familiengeschichte und -konstellation ein. Doch das von der Autorin perfekt geschaffene, fast schon langweilig anmutende Idyll zerbricht sehr schnell an der Realität und das Buch nimmt eine traurige Wende – langsam und schleichend, wie es leider im echten Leben auch der Fall ist. Am Ende hatte ich Tränen in den Augen und war nachhaltig betroffen, so schmerzhaft hat mich Marigolds Veränderung getroffen. Dennoch finde ich es wichtig, sich mit dem schwierigen Thema Demenz auseinander zu setzen, auch wenn es hier überraschend für mich kam – diese Schwermut hätte ich dem Buch zunächst gar nicht zugetraut.

Mit Marigold, ihrer Familie und den Dorfbewohnern hat Julia Woolf individuelle und facettenreiche Charaktere erschaffen, wobei manche schon fast überzeichnet wirken wie z.B. die ständig negativ denkende Nan, Suzes Egoismus, Marigolds Aufopferung oder die perfekte Daisy. Das wirkte etwas schwarz-weiß-malerisch, hat aber die jeweiligen Denk-und Handlungsmuster gut unterstützt. Meiner Meinung nach stand die Person Marigold in all den Rollen, die sie vor ihrem Krankheitsbeginn mehr als ideal ausgefüllt hat, permanent im Vordergrund und deshalb fand ich den Titel des Buches, der ja direkt auf Daisy und Suze referenziert, nicht unbedingt passend.

Der Schreibstil der Autorin ist zunächst sehr erzählend und beschreibend, die Figuren werden intensiv kennengelernt und das Dorf sowie die englische Landschaft detailliert beschrieben. Die Bilder im Kopf entstehen beim Lesen von selbst und sind sehr eindrücklich. Diesen ersten Teil des Buches habe ich somit als etwas kitschig aber doch herzerwärmend empfunden. Mit weiterem Verlauf des Buches wird der Schreibstil immer emotionaler, die Gefühle der Protagonisten greifen auf den Leser über und machen ihn betroffen. Insbesondere Marigolds Angst vor der Krankheit wird nachvollziehbar dargestellt und hat mich sehr mitgenommen.

„Marigolds Töchter“ erzählt somit die tragische, aber leider authentische Geschichte des Krankheitsverlaufs einer beliebten, engagierten Frau und Mutter. Ein trauriges Schicksal, das sie nicht verdient hat - und das den Leser somit dazu bewegt, sich mit den unbequemen, aber wichtigen Themen des Alterns und der damit verbundene Krankheiten wie Demenz auseinanderzusetzen.

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen…

Aller guten Dinge sind zwei
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Laurie und Dan sind das ideale Paar: Sie sind Mitte dreißig, beide gutaussehend, erfolgreiche Anwälte in derselben Kanzlei und seit achtzehn Jahren zusammen. Das einzige, was ihnen zu ihrem Glück fehlt ...

Laurie und Dan sind das ideale Paar: Sie sind Mitte dreißig, beide gutaussehend, erfolgreiche Anwälte in derselben Kanzlei und seit achtzehn Jahren zusammen. Das einzige, was ihnen zu ihrem Glück fehlt ist ein Baby – aus Lauries Sicht. Dass Dan dies ganz anders sieht und lieber ein unabhängiges Leben führen will anstatt mit seiner langjährigen Freundin sesshaft zu werden, wirft Laurie völlig aus der Bahn. Während sie noch versucht, diesen radikalen, unfreiwilligen Umbruch ihres Lebens zu verkraften, kommt die nächste Schock-Nachricht: Dan hat bereits eine neue Freundin, ebenfalls eine Anwältin Mitte dreißig – und sie ist schwanger. Laurie versteht die Welt nicht mehr und leidet insbesondere auf der Arbeit sehr unter der Situation – bis sie eines Tages ausgerechnet mit dem attraktiven Jamie im Fahrstuhl stecken bleibt, Manchesters größtem Schürzenjäger. Dieser verfolgt ehrgeizige Karrierepläne, bei denen Laurie im gut behilflich sein kann. Und so schmieden die beiden den Plan, sich zukünftig als Paar auszugeben. Laurie erhofft sich dadurch, Dan eifersüchtig zu machen und ihn zurück zu bekommen. Doch nach einigen Wochen intensivem Kennenlernen und Paar-Schauspiel mit Jamie ist sie sich dessen nicht mehr ganz so sicher…

„Aller guten Dinge sind Zwei“ ist das sechste Werk der schottischen Autorin Mhairi McFarlane. Das Cover ist eher im Comic-Stil gehalten und bildet Laurie ab. Die Zeichnung gefällt mir ehrlich gesagt nicht besonders gut, während die zweifarbige Gestaltung ansprechend ist. Passend dazu finden sich auch Punkte zu Beginn jedes Kapitels, was ich graphisch sehr ansprechend fand. Im Klappentext finden sich ein kurzer, humorvoller Steckbrief zur Person Laurie sowie die stichpunkthafte Beschreibung der „Grundlagen für eine erfolgreiche Fake-Romanze“. Einfach köstlich!

Insgesamt macht Mhairi McFarlanes Schreibstil einfach nur Spaß! Das Buch steckt voller Wortwitz, ich habe mich angesichts der humorvollen Dialoge und Situationen des Öfteren schier kaputt gelacht! Es macht einfach nur Spaß, Laurie durch diese emotional chaotische Zeit zu begleiten. Auch der Sarkasmus ihrer besten Freundin Emily und der trockene Humor Jamies haben mir gut gefallen. Dass die Autorin auch anders kann zeigt sie durch ernsthaft-emotionale Szenen und wahre Lebensweisheiten. Insbesondere die Dialoge zwischen Jamie und Laurie erfahren zunehmend an Tiefe, wodurch sich die Entwicklung ihrer Beziehung wunderbar mitverfolgen und nachvollziehen lässt. Schön fand ich zudem den Einbezug von Stilelementen wie den SMS-Nachrichtenverkehr.

Auch wunderbar waren die tollen, facettenreich konstruierten Figuren. Laurie ist eine taffe Frau, ihre Herausforderungen als erfolgreiche, farbige Anwältin und Frau werden lebensnah und authentisch dargestellt. Sie ist dem Leser wahnsinnig sympathisch und ich hätte sie sehr gerne als Freundin. Auch Emily ist einfach nur toll, wenn auch ihre verletzliche Seite meiner Meinung nach nicht ausreichend behandelt wurde – nach einem Moment der Schwäche war alles wieder wie zuvor. Auch Jamie habe ich nicht im Ganzen verstanden, woher sein Ruf und seine Einstellung zu Beginn sowie der 180-Grad-Sinneswandel kamen war nicht komplett nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz habe ich ihn als Lauries Fake-Partner lieb gewonnen. Auch Nebenfiguren wie Dan und Jamies Eltern wurden anschaulich und verständlich dargestellt.

Die Story war amüsant und vielschichtiger als zunächst gedacht. Auch fand ich das Buch romantisch, ohne kitschig zu sein, auch wenn das Ende vorhersehbar war – es war lustig und leicht zu lesen. Das Ende war für mich etwas zu einfach gelöst und hatte noch offene Fragen, realistisch betrachtet ist halt doch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Auch ging es mir alles etwas zu schnell, aber die Zeit bis dorthin war wunderbar dargestellt und hat mir schöne Lesestunden beschert. Eine schöne Liebesgeschichte, die ich allen empfehlen kann, die eine unbeschwerte, humorvolle Story mit einer starken Protagonistin suchen.

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Kleine, leckere Hapse für zwischendurch

Gaumenkuss und Gugelhaps
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„Gaumenkuss und Gugelhaps“ ist kein gewöhnliches Koch- oder Backbuch, sondern stellt eine besondere Kuchenform in den Mittelpunkt: Kleine Gugelhupfe, die nicht nur schön anzusehen, sondern auch noch lecker ...

„Gaumenkuss und Gugelhaps“ ist kein gewöhnliches Koch- oder Backbuch, sondern stellt eine besondere Kuchenform in den Mittelpunkt: Kleine Gugelhupfe, die nicht nur schön anzusehen, sondern auch noch lecker mit einem Haps im Mund sind – „Gugelhapse“ eben! Der Autorin ist hier ein tolles Wortspiel gelungen, das ich mir auch gleich zu Eigen gemacht habe

Wie vielfältig diese schmackhaften Leckereien gestaltet sein können zeigt uns Carola Heine in ihrem zweiten kleinen Büchlein. Egal ob die klassische Variante als Mini-Marmorkuchen oder ausgefallener als pinke Hingucker mit Drachenfrucht, eher deftig mit roter Bete oder süß mit Obst oder Schokolade – für jeden Geschmack ist in diesem Buch etwas dabei!

Das Büchlein ist aufgrund seines kompakten Formats und geringer Seitenanzahl super als Geschenkidee geeignet. Auch das farbenfrohe Cover gefällt mir gut, dieses und der Titel regen sofort den Appetit an und wecken die Lust zum selbst Backen. Die kunterbunten Mini-Gugelhupfe sehen wirklich zum Anbeißen aus, die Bilder im Buch könnten insgesamt nur etwas schärfer sein.

Eine weitere Besonderheit gibt es bei dem tollen Büchlein noch zusätzlich, die man beim Durchblättern der Rezeptideen zunächst gar nicht vermutet: Alle Rezepte sind rein pflanzlicher Natur und somit ideal für die vegane Ernährung! Dabei sind die Zutaten trotzdem nicht ausgefallen, sondern lassen sich in jedem Supermarkt finden – eine tolle Alternative für Veganer oder Allergiker. Passend dazu liegt dem Buch ein Info-Flyer bei, der weitere Tipps dazu gibt, durch welche Alternativprodukte sich Eier ersetzen lassen.

Ich habe einige der Rezepte ausprobiert, sie ließen sich schnell und unkompliziert umsetzen. Änderungen im vorgegebenen Rezept mussten kaum vorgenommen werden, ich habe mich nur zugegebenermaßen nicht ganz so streng an die vegane Rezeptvorgabe gehalten, da ich tierische Milchprodukte einfach zu gerne esse. Auch das hat gut funktioniert und war superlecker, ich freue mich aber auch darauf, die vegane Variante bei Gelegenheit auszutesten. Die fertigen Gugelhapse sahen nicht nur zum Anbeißen aus, sie waren auch superlecker und haben meiner Familie und meinen Arbeitskollegen ganz wunderbar geschmeckt. Die kleine Haps-Form hat für viele Lacher, Nachfragen und für Begeisterung gesorgt - und erwartungsgemäß waren die Gugelhapse schneller weg als ich schauen konnte. Ich werde definitiv ganz bald wieder ein Rezept aus diesem Buch backen!

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Tolles Leseabenteuer auf Münchner Volksfest im Jahr 1900

Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis
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Colina glaubt fest daran, dass das Leben mehr für sie bereithält, als Bier auszuschenken. Doch als einfache Schankmagd 1990 im München ist das Leben hart: Sie lebt lediglich vom Trinkgeld der Gäste, hat ...

Colina glaubt fest daran, dass das Leben mehr für sie bereithält, als Bier auszuschenken. Doch als einfache Schankmagd 1990 im München ist das Leben hart: Sie lebt lediglich vom Trinkgeld der Gäste, hat noch einen kleinen Sohn zu versorgen und ist permanent auf der Flucht vor dem gewalttätigen Ehemann. Selbstbewusst beschließt Colina, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und bewirbt sich bei einem reichen Bierbrauer aus Nürnberg als Gouvernante für dessen Tochter Clara. Diese hat jedoch ihren eigenen Kopf und agiert ganz und gar nicht so, wie Colina und ihr Vater es sich wünschen…

„Oktoberfest 1990 – Träume und Wagnis“ ist das Erstlingswerk der bayrischen Autorin Petra Grill und wurde als begleitender Roman zur gleichnamigen ARD-Serie anhand der Drehbücher verfasst. Trotz dieser Vorlage steht das Buch als eigenständiges Werk da, welches sich vor der Serie keinesfalls verstehecken muss, meiner Meinung nach diese sogar übertrifft. Es lassen sich aber problemlos Buch und Serie genießen, da es sich zwar um dasselbe Geschehen handelt, dieses aber aus anderen Blickwinkeln und aus Perspektive unterschiedlicher Figuren beleuchtet wird.

Petra Grill ist es ganz wunderbar gelungen, die Stimmung und das Flair der 1990 mit allen Licht- und Schattenseiten einzufangen. Auch der typisch Münchnerische Lokalkolorit inklusive Dialekt zieht sich durch das gesamte Buch, als Leser hat man wirklich sofort das Gefühl, in die bayrische Landeshauptstadt zur damaligen Zeit katapultiert worden zu sein. Sehr gut gefallen hat mir insbesondere der Einbezug tatsächlich existierender Personen oder historischer Ereignisse, es ist spürbar, dass sich die Autorin intensiv und mit viel Herzblut befasst und jede Menge recherchiert hat. Chapeau vor dieser wunderbaren Leistung!

Dies hängt insbesondere mit dem lebendigen und anschaulichen Schreibstil Petra Grills zusammen. Sie beschreibt Menschen, Gebäude und Gegebenheiten sehr detailliert und authentisch, so dass man sich als Leser ein genaues Bild machen kann. Noch dazu lässt sich das Buch flüssig und angenehm lesen, die Kapitel haben eine angenehme Länge. Emotionen sind nachvollziehbar beschrieben und greifen auf den Leser über, ich habe eine regelrechte Achterbahn der Gefühle erlebt.

Inhaltlich gibt es in „Oktoberfest 1990“ mehrere Handlungsstränge, die parallel laufen, sich miteinander verflechten, wieder auseinanderdriften und letztendlich aber doch alle Bestandteile eines großen und ganzen sind. Dabei gibt es einen permanent hohen Spannungsbogen, der verschiedene Höhepunkte erlebt, auch durch teilweise wirklich überraschende Wendungen. Am Ende sind mir noch einige Fragen offen geblieben, aber diese werden sich im Verlauf der Serie noch klären – insofern hat das dem positiven Gesamteindruck keinerlei Abbruch getan. Verschiedene Figuren erfahren in den einzelnen Phasen des Buches mal mehr, mal weniger Beachtung, so dass sie nach und nach dem Leser immer vertrauter werden, er sie aber dennoch gut auseinanderhalten kann. Einige davon wachsen einem richtig ans Herz, andere benötigen etwas Zeit, bis man sie einschätzen kann, wieder andere sind von Beginn an unsympathisch. Jede für sich ist aber facettenreich und durchgängig konzipiert und somit absolut glaubwürdig. Eine tolle Mischung!

Insgesamt haben mich das Buch und das Münchner Oktoberfest mich sehr schnell in seinen Bann gezogen und ich war wirklich traurig, als ich mich von Colina, Clara und Co. Verabschieden musste. Die toll recherchierten Hintergrundinformationen und die dadurch treffend vermittelte Atmosphäre haben dem Buch eine Authentizität gegeben, die man oft in historischen Romanen vermisst. Auch die Figuren waren lebensnah und sind mir ans Herz gewachsen. Ein Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann!

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