Holt dir nicht die Sterne vom Himmel, aber hinterlässt ein Leuchten!
Bring Down the StarsInhaltserzählung:
"Es muss hart gewesen sein, nicht zu wissen, warum er gegangen ist", sagte ich.
"Das Warum ist mir egal", sagte Weston. "Das Warum ist, dass er schwach und feige ist - eine erbärmliche ...
Inhaltserzählung:
"Es muss hart gewesen sein, nicht zu wissen, warum er gegangen ist", sagte ich.
"Das Warum ist mir egal", sagte Weston. "Das Warum ist, dass er schwach und feige ist - eine erbärmliche Ausrede für einen Mann. Das Was Jetzt ist das Problem. Er hat meine Mom mit drei Kindern allein gelassen, die sie großziehen musste. Was jetzt? Das schrie unser leeres Haus uns entgegen. Und diese Frage bleibt auch nach all den Jahren: Was jetzt? Meine Kindheit pendelte zwischen Was jetzt? und Was hab ich falsch gemacht? hin und her."
"Du hast nichts falsch gemacht", sagte ich mit belegter Stimme. "Du warst ein kleiner Junge. Es war nicht dein Fehler."
Weston sah auf, und seine Augen waren sanft. "Manchmal ist das noch schwerer anzunehmen als Geld."
(Autumn und Weston, Seite 251/252)
"Sie haben Ihr Talent Ihrem besten Freund geschenkt. Warum?"
"Weil ich ihn liebe", sagte ich. "Ich will, dass er glücklich ist."
"Und was ist mit Ihrem Glück? Spielt es irgendeine Rolle in diesem Stück? oder sitzen Sie nur im Publikum und schleichen sich zur Hintertür hinaus, wenn es aus ist?"
"Ihm fällt es leichter, glücklich zu sein", sagte ich. Ich wollte Autumn nicht meinen ganzen Mist aufbürden. Meinen dämlichen Ballast, der dafür sorgt, dass ich ..."
"Dass Sie jedes Leben leben, außer dem einen, das Sie wollen."
(Professor Ondiwuje und Weston, Seite 312)
"Ein Schriftsteller, der Wirtschaftswissenschaften als Hauptfach wählt. Ein Läufer, der sein Talent ignoriert. Das Herz eines Dichters in der Rüstung eines Kriegers. Was ist passiert, dass Sie das Gefühl haben, selbst nichts Gutes zu verdienen?"
"Das Gute fühlt sich unerreichbar an", murmelte ich. "Ich hatte mal etwas Gutes und habe es verloren."
"Und jetzt greifen Sie nur nach Dingen, deren Verlust nicht wehtut."
(Professor Ondiwuje und Weston, Seite 313)
Autorin:
Emma Scott wurde in San Diego geboren, heute lebt und arbeitet sie in der Gegend um San Francisco. Ein Wunder, dass sie noch Zeit für Marathon-Läufe und ihre beiden Töchter findet. Bislang hat sie über ein Dutzend romantische Romane veröffentlicht, die sich hervorragend verkaufen. Einer davon, „Rush, dein Licht in mir“, ist 2018 auch ins Deutsche übersetzt worden. Zu Emma Scotts literarischen Vorbildern gehören Stephen King und Marion Zimmer Bradley. Scotts wahre Liebe ist allerdings das Fantasygenre. Neben Margaret Edith Weis und George RR Martin ist es vor allem Star Wars, das sie gefangen nimmt. Für das Star-Wars-Computerspiel „Knights of the Old Republic“ schreibt Emma Scott Fanfiction, die von der Star Wars Gemeinde begeistert aufgenommen wird. Durch den intensiven Austausch mit den Star-Wars-Fans lernt sie, für ihre künftigen Leser zu schreiben. 2017 gibt sie ihrer ursprünglichen Neigung nach und veröffentlicht unter dem Namen E.S. Bell den Fantasy-Roman „The Dark of the Moon“. Die Liebhaber ihrer romantischen Romane werden Emma Scott künftig wohl mit E.S. Bell teilen müssen.
Übersetzerin:
Inka Marter, geboren 1968 in Hamburg, ist Romanistin und freie Literaturübersetzerin. Sie promovierte zum Erzählwerk Norah Langes (Recuerdo y voz. La narrativa de Norah Lange en sus contextos, Köln 2010).
Bewertung:
Das Cover ist wunderschön gestaltet, in 3D-Prägung und toller Farbmischung von rosa, rot, lila, beige und gold. Zum Titel passend sind kleine Lichtpunkte und Sterne eingeprägt. Insgesamt wirkt das Cover so edel. Auch hier hat Emma ihre typische Playlist zu ihrer Geschichte angehängt.
Der Aufbau ist definitiv gelungen.Vor allem war auch die Spannung bei mir groß, wer neben Autumn erzählt; Weston oder Connor. Ich fände sogar beide Sichtweisen spannend und mal neuartig, wenn drei Ich-Erzähler im Buch wären. Leider ist dem nicht so - wäre echt mal was anderes), sondern wieder nur zwei Erzählweisen; Autumn und Weston. Da es hier um eine Dreiecksbeziehung geht, fehlt mir hier manchmal die Sichtweise von Connor. Er ist mir bis zuletzt etwas undurchsichtig geblieben. Es beginnt auch ungewöhnlich mit Weston als Junge, geht weiter zu Weston als Jugendlicher, bis wir bei dem Erwachenden Weston ankommen. Da beginnt dann auch die Erzählung von Autumn. Wirklich gelungen aufgebaut!
📖“Arm zu sein ist verdammt einfach. Du brauchst für jeden Scheiß Geld und hast es nicht. Ende.”📖
(Weston, Seite 29)
Am sympathischsten ist mir Weston. Die Zerrissenheit zu Connor schreibt Emma wunderbar. Auch die Zerrissenheit für den Leser, finde ich. Mal nervt mich Connor, dann mag ich ihn wieder. Im Grunde ist er ein guter Mann. Autumn kann mich ehrlich gesagt nicht so begeistern … Connors Gefühle wirken durchweg teilweise unwirklich und nicht tief Autumn gegenüber. Bei seinen Beichten, dass er sie wirklich mag und es anders als sonst machen möchte, hat auf mich jedoch aufrichtig gewirkt. Und so pendelte ich stetig zwischen unechte Gefühle und Aufrichtigkeit. Seine ganze Persönlichkeit hat mich innerlich zerrissen zwischen "Ich mag ihn" und "Ich mag ihn nicht". Für beides liefert er reichlich Munition. Vor allem reflektiert er sein Verhalten überhaupt nicht, was ihn unsympathisch an vielen Stellen macht. Er nutzt Weston schamlos aus und überlegt gar nicht, was er damit bei Autumn und Weston anrichtet, er fragt nicht mal, wie Weston sich damit fühlt. Er denkt nur an sich.
📖“Sie hat gesagt, sie liebt meine Seele. Aber meine Seele …”, sagte er voll beißender Bitterkeit und zeigt auf mich, “… bist du.”📖
(Connor, Seite 324)
Mich nervt Autumns unrealistische Vorstellung ja schon etwas … sie erwartet, dass Connor poetisch ist und für sie dichtet. Wenn er es tut, ist sie wie von Sinnen (SPOILER: Hallo? Da liest sie ein Gedicht, von dem sie glaubt, es ist von ihm, und dann schläft sie deshalb mit ihm?! Ziemlich erbärmlich, finde ich.) Wenn er es nicht tut, ist sie enttäuscht. Das passt so gar nicht mit den restlichen Charaktereigenschaften ihrer Figur. Sie ist schon etwas naiv und leichtgläubig, aber mich stört eher ihre Anforderungen. Dass Connor dem nicht gerecht werden kann und frustriert darüber ist, kann ich total nachvollziehen. Ich finde es von Autumn einfach etwas oberflächlich.
📖Hoffnungslos versuchte ich auszubrennen, was ich für Autumn empfand, und tat so, als würde ihr Glück mich erfüllen. Das Glück der beiden Menschen, die mir auf der Welt am wichtigsten waren. Der beiden Menschen, die ich liebte.📖
(Weston, Seite 241)
Die Beziehung zwischen Autumn und Weston ist kaum zu vernehmen. Hier hat Emma die beiden viel zu wenig Platz geschaffen, obwohl sie Westen erzählen lässt und nicht Connor. Dadurch fehlte die intensive Verbindung zu den beiden und das, was sie verbindet. Dadurch waren Autuns Gefühle zu Weston für mich nicht so recht fühlbar, mir fehlt hier einfach mehr Kontakt mit den beiden. Es wirkt halt etwas an den Haaren herbeigezogen. Westons Gefühle zu Autumn wiederum sind für mich deutlich spürbar gewesen, weil die Autorin ihm die tiefsten Empfindungen erzählen lässt.
📖“Warum nennst du mich immer Weston und nicht Wes?”
Ich zuckte mit den Achseln. “Wes ist eigentlich die Kurzform für Wesley. Weston ist einzigartig.”
“Du bist die einzige, die mich so nennt.”
“Dann bin ich wohl auch einzigartig.”
Ein winziges Lächeln lag auf seinen Lippen. “Bist du.”📖
(Weston und Autumn, Seite 250)
Nach der Lebensentscheidung von Connor und Weston wird die Erzählung etwas flacher und weniger gefühlvoll. Hier hat Emma wohl eine Pause von Intensität eingelegt. Das Ende finde ich doch etwas zu schnell formuliert. Die Sache, auf die sich Weston und Connor einlassen (Spoiler), wirkt auf mich konstruiert. Plötzlich passiert es, und dann in der entscheidenden Szene ..., die für meinen Geschmack auch noch sehr salopp geschrieben ist … weiß nicht recht. Als ob keine Zeit mehr für das Ende zum Schreiben da war, sehr schade! Das kann Emma so viel besser! Ich habe das Ende vorhergesehen, aber nicht, weil Emma es so vorhersehbar geschrieben hat, sondern einfach mein eigener Gedankenlauf. Für mich war es einfach klar, wie es endet. Natürlich schön offen, damit wir Leser schmachten bis zum zweiten Band. Zum Glück nur noch 2 Monate warten …
Der Klappentext führt einen etwas fehl, was schade ist. Ich habe alle Rezensionen zum Buch gelesen und entdeckt, dass ich nicht die Einzige bin, der es aufgefallen ist. Schlimm ist es nicht, nur fällt es eben auf. Dafür, dass die Poesie ein Hauptthema ist, kam es viel zu wenig vor. Emma hat nur hier und da mal ein paar Gedichtzeilen eingefügt, das finde ich sehr bedauerlich! Ich habe mich echt gefreut, einiges dazu zu lesen, da ich Poesie liebe und selbst als Jugendliche gedichtet habe.
📖"Wenn ich Ihre Arbeiten lese, spüre ich einen jungen Mann mit einem tiefen Feuer in seinem Innern und kalten Mauern um ihn herum. Einen Mann, der Lyrik im Blut hat", fuhr der Professor fort. "Aber der sein Blut nicht vergießt, wenn es jemand sehen kann."📖
(Professor Ondiwuje, Seite 92)
Die Bedeutung des Titels wird auch erst ganz am Schluß deutlich. Ich habe mich bis dahin stetig gefragt, was der Titel mit der Geschichte zu tun hat ... Im übrigen gefällt mir total, dass am Ende der Geschichte, Westons Gedichte (sind ja leider nur drei) im Original angehängt wurden.
Fazit:
Leider hat die Geschichte im Ganzen mir nicht die Sterne vom Himmel geholt. Nicht so intensiv erzählt wie die "All In"-Reihe, aber viel emotionaler als "The Light in us". Trotz der Kritikpunkte brenne ich darauf, Band 2 zu lesen, und ich bin heilfroh, nicht ewig darauf warten zu müssen!
📖"Gestehen Sie diese Liebe ein, Wes. Sie gehört nicht nur dieser Frau. Es ist auch Ihre."📖
(Professor Ondiwuje, Seite 314)