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Veröffentlicht am 04.05.2025

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Die Schlange von Sirmione
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Zunächst einmal ist da das Cover. Ich mag das Design mit dem schönen einladenden Titelbild und den abgerundeten Ecken. Ein richtig schönes Taschenbuch, perfekt für den Urlaub.

Eine Hauptrolle in dem Büchlein ...

Zunächst einmal ist da das Cover. Ich mag das Design mit dem schönen einladenden Titelbild und den abgerundeten Ecken. Ein richtig schönes Taschenbuch, perfekt für den Urlaub.

Eine Hauptrolle in dem Büchlein spielt der Gardasee. Gerade die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen sind es, die die Lektüre zu einem zauberhaften Genuss machen. Also Achtung: „Die Schlange von Sirmione“ verführt zum Koffer packen und hinfahren.

Edwina Teufel, eine österreichische Kriminalinspektorin, die sich am Gardasee zur Genesung befindet, ist eine nicht ganz einfache Heldin. Sie ist keine, der die Herzen zufliegen. Im Cosy Crime ermittelt gemeinhin eine Privatperson. Eigentlich ein Stilmerkmal des Genres. In Edwinas Fall wird es dadurch verkompliziert, dass sie zwar vor Ort eine Privatperson ist, selbst aber immer wieder in einen Fall einmischt und dabei ihre berufliche Rolle betont. Das macht es aus meiner Sicht so schwierig, sich mit ihr anzufreunden. Sie wirkt oft besserwisserisch, arrogant und selbstsüchtig. Doch im Laufe des Buches erklärt sich dieses Verhalten. Man muss nur dranbleiben.

Der Stil ist typisch für Isabella Archan, voller Temperament und Humor. Wie bei der Autorin üblich bestechen auch hier ihre bunte Erzählweise, die Bildhaftigkeit ihrer Sprache und der erkennbare Background als Schauspielerin. Mit Sprache kann Isabella Archan umgehen! Der Kriminalfall wird schlüssig aufgelöst.

Fazit: Ein netter Cosy Crime für den Urlaub, mit viel italienischem Flair, frech und typisch Isabella Archan.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Faszinierender Mehrgenerationenroman aus der Elbmarsch

Stromlinien
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Die Elbe ist en vogue. Waren mir zunächst vor allem die Krimis von Romy Fölck bekannt, die in der Elbmarsch angesiedelt sind, ließ mich Katja Kewerisch in ihrem Roman „Agens geht“ einen anderen ...

Die Elbe ist en vogue. Waren mir zunächst vor allem die Krimis von Romy Fölck bekannt, die in der Elbmarsch angesiedelt sind, ließ mich Katja Kewerisch in ihrem Roman „Agens geht“ einen anderen Blick auf die Elbe gewinnen. Jüngst begeisterte mich die Flusslinien von Katharina Hagena und nun also sind es die Stromlinien von Rebekka Frank. Was ist da los an der Elbe? Wieso animiert sie nun endlich dazu, in der Literatur wahrgenommen zu werden? Vielleicht liegt es daran, dass dieser unspektakuläre Fluss bedroht ist. Frank beschreibt, wie übrigens auch Hagena, die dramatischen Auswirkungen der Elbvertiefung auf Flora und Fauna. Das ist übrigens nicht die einzige Parallele zwischen diesen beiden großartigen Romanen, die sich sogar im Titel ähneln. Die Elbe ist dort in der Elbmarsch kein romantischer Flusslauf; sie ist eine gefährliche Autobahn für vollkommen überdimensionierte Containerschiffe. Und doch, sie ist ein berührend verletzlicher Fluss, Lebensraum bedrohter Arten und offenbar zunehmend Inspiration für Autorinnen.

Ich komme nicht umhin, Hagenas Flusslinien und Franks Stromlinien immer wieder zu vergleichen. Beide Romane sind generationsübergreifend. Es geht um Familienbindungen, um Frauenleben, um Feminismus. Sehr gut gefällt mir, dass in beiden Romanen auch junge Frauen eine Rolle spielen. Beide Bücher sind gesellschaftskritisch, politisch, feministisch, ohne dabei die große Moralkeule zu schwingen. Gerade Frank zeigt auf, dass auch Irrungen und Wirrungen zum Leben gehören. Eine ihrer Protagonistinnen war 38 Jahre lang in Haft. Alea, die Mutter der Zwillinge Enna und Jule. Wir erfahren lange nicht, wie es dazu gekommen ist. Flusslinien ist eben kein Kriminalroman, auch wenn das Motiv der Schuld, moralisch und juristisch, eine große Rolle spielt. Frank gelingt der große Wurf, eine komplexe Geschichte über mehrere Generationen zu spinnen, beginnend 1923 und endend im hier und jetzt. Sie weckt Emotionen, rührt ihre Leserschaft zutiefst an, und lässt doch genug Freiraum für eine eigene Bewertung.

Ich möchte direkt sagen, dass ich durch Stromlinien großartig unterhalten wurde. Die Protagonistinnen wurden stimmig beschrieben, die Handlungsstränge genial verbunden und aufgelöst. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, auch wenn Frank dabei aus meiner Sicht hinter Hagena zurückbleibt. Dafür ist das Cover für mich jetzt schon ein Highlight des Jahres. Optisch und haptisch passt dieses Cover so wunderbar zum Buch, dass es mich richtig glücklich macht.

Voller Überzeugung vergebe ich auch hier fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus!

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Was ist wirklich passiert?

Der irische Fremde
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Mary, eine junge Frau mit einem schweren Trauma aus ihrer Kindheit, verbirgt ihre seelischen Narben hinter einer coolen Fassade. Sie ist unfähig Bindungen einzugehen, betäubt sich mit Alkohol, Kaffee, ...

Mary, eine junge Frau mit einem schweren Trauma aus ihrer Kindheit, verbirgt ihre seelischen Narben hinter einer coolen Fassade. Sie ist unfähig Bindungen einzugehen, betäubt sich mit Alkohol, Kaffee, Nikotin und Sex. Doch was ist damals tatsächlich passiert? Die plötzliche Begegnung mit einem mysteriösen Fremden bringt sie völlig durcheinander. Plötzlich erinnert sie sich an Ereignisse, die lange zurückliegen. Als Leserin muss man sich darauf einlassen, dass dieser Krimi ausschließlich aus Marys Perspektive geschrieben ist. Doch das passt richtig gut zu dieser lebhaften Geschichte. Matthias Moor verwendet dazu eine bildhafte und mitreißende Sprache, lässt uns teilhaben an Marys Erinnerungen und neuen Erlebnissen, egal ob es um die wunderschöne Landschaft oder um eine schnelle Bettgeschichte geht. Die Erzählung ist intensiv, Marys innerpsychische Prozesse werden anschaulich beschrieben. Oft geht sie über Grenzen, um sich selbst wahrnehmen zu können. Dabei findet Mary Schritt für Schritt zu sich selbst zurück. Genau darin liegt für mich die Stärke dieses Krimis.

Es ist schwer über den Rest zu schreiben, ohne zu spoilern. Mary kommt dem Geheimnis ihrer Kindheit näher, doch irgendwann wird die Geschichte etwas verworren. Was ist wirklich passiert? Moor bietet hier mehr als eine Lösung. Das nervt am Ende sogar die Protagonistin. Dennoch ein sehr gutes Buch mit einer spanenden Geschichte.

Ich vergebe 4 Sterne. ⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Kennen Sie Hanna Krause?

Schwebende Lasten
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Was für ein Roman! Annett Gröscher lässt uns teilhaben am Leben der Hanna Krause. Wer das ist? Wie bitte, Sie kennen Hanna Krause nicht? Hanna ist eine einfache Frau, vielleicht wohnt sie ja in Ihrer Nachbarschaft. ...

Was für ein Roman! Annett Gröscher lässt uns teilhaben am Leben der Hanna Krause. Wer das ist? Wie bitte, Sie kennen Hanna Krause nicht? Hanna ist eine einfache Frau, vielleicht wohnt sie ja in Ihrer Nachbarschaft. Sie ist keine Heldin, sie handelt rein pragmatisch. Was bleibt ihr auch übrig in diesem Leben, das ihr nichts schenkt. So viele Schicksalsschläge, so viele historische Ereignisse, die sich auf ihr Leben auswirken. Geboren im Kaiserreich durchlebt sie ein ganzes Leben in Deutschland, Kriege, eine Revolution, zwei Diktaturen. Sie liebt die Blumen, die in diesem Buch eine nicht unwichtige Rolle spielen, und muss doch ihren Beruf als Blumenbinderin mit dem der Kranführerin tauschen. Sie erträgt so vieles, und doch geht das Leben immer irgendwie weiter. Damit steht Hanna Krause symbolisch für all die unerzählten Frauenleben in diesem Land. "Schwebende Lasten" ist ein Buch mitten aus dem Leben derer, über die gemeinhin keine Bücher geschrieben werden. und gerade dadurch ist unglaublich lesenswert.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Nordic Crime aus Norwegen - Brandaktueller Auftakt einer Politthriller-Trilogie

Echokammer
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"Wäre die Politik nicht schmutzig, könnte es schließlich jeder machen."
Norwegen steht kurz vor der Parlamentswahl. Alleine die Ränkespiele und Intrigen rund um die fiktive Kandidatin der Arbeiterpartei, ...

"Wäre die Politik nicht schmutzig, könnte es schließlich jeder machen."
Norwegen steht kurz vor der Parlamentswahl. Alleine die Ränkespiele und Intrigen rund um die fiktive Kandidatin der Arbeiterpartei, Christiane Nielson, würden schon ausreichend Stoff für einen Politthriller bieten. Ihr scheint jedes Mittel recht zu sein, um an die Macht zu kommen. Ihr zur Seite steht ihr juristischer Berater Jens Meidell, ein ehemaliger Polizeijurist und Verfechter einer harten Hand gegenüber Kriminellen. Als Sohn der ehemaligen Parteivorsitzenden Ingrid Meidell kennt er das politische Geschäft seit Kindesbeinen, war bislang aber nicht selbst politisch aktiv. Innerparteilich hat Nielson nicht nur Befürworter, doch die Presse feiert sie. Unterstützt wird sie auch von einer politischen Beraterfirma. Welches Mittel ist dabei legitim, um die Wahl zu gewinnen?
Doch Ingar Johnsrud belässt es nicht dabei, sondern zeichnet ein Bild von einer Gesellschaft, deren Demokratie von rechtem Gedankengut bedroht ist. Gerade die verschiedenen Facetten des Rechtsextremismus fand ich sehr gut dargestellt, von der Prepperszene, sozial benachteiligten Jugendlichen mit Neonazi-Tendenzen, einer gewaltbereiten rechten Szene, den ideologischen und finanziellen Unterstützern aus gutem Hause, und Menschen, denen alles recht ist, um ein gutes Geschäft zu machen. Ebenso wird der gesellschaftliche Twist wurde gut dargestellt, rechte Positionen werden bis weit über die sogenannte bürgerliche Mitte bis in die Arbeiterpartei hinein salonfähig. Die Populistin Christina scheut nicht davor zurück, wenn es ihr zum Wahlsieg verhelfen könnte.
Man müsste mehr wissen über die norwegische Politik, um einordnen zu können, weshalb Ingar Johnsrud ausgerechnet die Arbeiterpartei in den Mittelpunkt seines Romans gestellt hat. Die Partei, deren Jugendorganisation 2011 vom Rechtsterroristen Anders Breivik auf Utøya angegriffen wurde. In Johnsruds Thriller droht ein weiteres Terrorszenario. Rechtsextremisten bedrohen das Land, ein Terroranschlug steht unmittelbar bevor. Das tödliche Gift Rizin ist im Spiel. Der Countdown läuft.
Inhaltlich ein spannender Politthriller, den ich weiterempfehlen würde, auch wenn die Ermittlungen mir teilweise zu oberflächlich dargestellt wurden. Das Ermittlerduo, bestehend aus Liselott Benjamin, einer ehemaligen Polizeiunterhändlerin, und dem ehemaligen Anti-Terrorexperten Martin Tong, bleibt leider ziemlich blass. Insbesondere von Benjamin konnte ich mir bis zum Ende des Buches kein wirkliches Bild machen.
Der Thriller endet mit einem spannenden Cliffhanger, der Lust auf die Fortsetzung macht. „Echokammer“ ist der erste Band einer Trilogie, der im norwegischen Original den Titel „Patrioter“ (Patrioten). Der deutsche Titel erklärt sich nicht von selbst. Gemeint ist damit der Effekt, dass Menschen im Internet nur noch mit Gleichgesinnten kommunizieren und sich dadurch immer weiter in eine Ideologie verstricken. „Echokammer“ ist erschreckend real und dabei vor allem eins: hochspannend.

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