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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2026

Toller sozialkritischer Roman

Achtzehnter Stock
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Oh ja, diesen Roman mochte ich sehr. Ein schmales Buch mit kurzen Kapiteln und einem großartigen Schreibstil, der perfekt zur Story und zum Setting passt. Dicke Empfehlung schon einmal vorweg.

Wanda ist ...

Oh ja, diesen Roman mochte ich sehr. Ein schmales Buch mit kurzen Kapiteln und einem großartigen Schreibstil, der perfekt zur Story und zum Setting passt. Dicke Empfehlung schon einmal vorweg.

Wanda ist Schauspielerin. Leider nicht besonders erfolgreich. Das Geld ist mehr als knapp. Sie ist alleinerziehend. Gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Karlie lebt sie im achtzehnten Stock eines schäbigen Plattenbaus. Sie schlägt sich irgendwie durch. Doch die Luft wird immer knapper. Die Existenzangst wird allgegenwärtig.

Gleichzeitig hat Wanda einen Traum: als Schauspielerin erfolgreich arbeiten und so ihrem alten Leben entfliehen zu können. Plötzlich erhält sie ein verlockendes Angebot und DIE große Chance in der glamourösen Filmbranche. Sie beginnt einen Drahtseilakt zwischen Traum und Wirklichkeit. Zwischen Luftschlössern und Mutterrolle. Zwischen Sehnsucht und Herkunft. Wie viel setzt sie auf's Spiel? Wie weit geht sie?

Ohne zu viel zu spoilern: Das Ende der Geschichte ist ein wenig Hollywood-reif. Aber hej, irgendwie auch Balsam für die Leser-Seele. Und absolut wünschenswert für all die Frauen da draußen, die tagtäglich um ihr Überleben und für Gerechtigkeit kämpfen.

Ich finde die Protagonisten und auch die Handlungsorte sehr authentisch beschrieben. Wanda macht definitiv nicht alles richtig und doch kämpft sie sich durch. Die lockere, freche, direkte Art machen die ganze Geschichte rund. Wisst ihr, der Schreibstil macht bei mir einfach so so so viel aus. Sara Gmuer hat mich gekriegt. Ein sozialkritischer Roman, den ihr unbedingt lesen solltet (wenn ihr es ohnehin nicht schon längst getan habt). Ein Roman, der auch zeigt, dass Zuhause eben da ist, wo die Menschen das Herz am richtigen Fleck haben und nicht dort, wo das Geld regiert.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Neuen Wohlfühlkrimi für mich entdeckt

Stralsund ermittelt - Tote Dichter schreiben nicht
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Fahrradhändler Wolfram Stein wird ermordet aufgefunden. Es tauchen Hinweise auf einen mysteriösen „Club der toten Dichter“ und Ereignisse aus der Vergangenheit auf. Auch in der Villa von Psychotherapeutin ...

Fahrradhändler Wolfram Stein wird ermordet aufgefunden. Es tauchen Hinweise auf einen mysteriösen „Club der toten Dichter“ und Ereignisse aus der Vergangenheit auf. Auch in der Villa von Psychotherapeutin Nele tauchen Hinweise auf. Neben Kommissar Enno beginnen Nele, Hackerin Fanny und Gärtner Hektor wie in alter Manier selbst zu ermitteln. Ihre Spur führt bis auf die dänische Insel Bornholm. Dort wird klar: Der Täter hat es nicht nur auf die letzten Clubmitglieder abgesehen, sondern auch auf jeden, der ihm zu nahekommt. Ein bisschen Knistern und Liebe zwischen den Protagonisten kommen auch nicht zu kurz.

Ich konnte auch ohne den ersten Band sehr gut in die Geschichte hineinfinden. Ich mochte den Schreibstil, es las sich wunderbar flüssig und wirklich schnell weg. Ich mochte ebenfalls die Beschreibungen der Orte, darin steckt viel Liebe für die neue Wahlheimat von Nele – und übrigens auch der Autorin ;) Ich fand es besonders schön, dass das Ganze in Stralsund, also quasi vor meiner Haustür, spielt. Ich hatte tolle Bilder im Kopf, weil ich die Umgebung gut kenne.

Natürlich ist es fragwürdig, warum nun private Ermittler einfach so ins Polizeihandwerk "pfuschen" dürfen und vertrauliche Informationen einfach so weitergegeben werden. Aber ganz ehrlich? Es ist ein Buch, eine fiktive Geschichte. Ich nehme das nicht so krumm und erfreue mich lieber an der frischen Geschichte. Wunderbar zum Abschalten und Eintauchen. Für richtige Krimi-Fans ist es dann vermutlich eher nichts. Wer überraschende Wendungen oder düstere Elemente erwartet, wird hier nicht fündig.

Wohlfühlkrimis sind meins, habe ich schon mit Frauke Scheunemann festgestellt. Das vereint alles, was ich so an leichten Romanen mag. Mit "Stralsund ermittelt" habe ich auf jeden Fall eine neue Buchreihe für mich gefunden, die ich weiterverfolgen werde.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Tolles Buch, jedoch zu viel Länge

Man müsste versuchen, glücklich zu sein
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Mein erster Roman von Julia Holbe und sicherlich nicht der letzte. Dennoch lässt mich das Buch etwas zwiegespalten zurück. Ich war, insbesondere während der ersten knapp 200 Seiten, echt begeistert. Am ...

Mein erster Roman von Julia Holbe und sicherlich nicht der letzte. Dennoch lässt mich das Buch etwas zwiegespalten zurück. Ich war, insbesondere während der ersten knapp 200 Seiten, echt begeistert. Am Ende zog es sich, 300 statt knapp 400 Seiten. Das wär's wohl gewesen.

Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei Schwestern, Flora und Millie, die sich nach sehr vielen Jahren in ihrem Elternhaus wiedersehen. Die Eltern sind verstorben, nun muss entschieden werden, wie es mit dem Nachlass weitergeht. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise in ihre Kindheit. Sie streiten, schweigen und nähern sich wieder an, treffen Freunde und Bekannte von früher, suchen Orte ihrer Vergangenheit auf. Im Mittelpunkt der Gespräche: die Lügen ihrer Eltern, alte Verletzungen, die zerrüttete Eltern-Beziehung, das gesamte chaotische Familiengefüge. All das hat die Schwestern massiv beeinflusst und nachhaltig geprägt.

Ich mag die Aufarbeitung der Eltern-Kinder-Beziehung sowie Schwestern-Verbindung. Sie gehen trotzig miteinander um. Und dann doch wieder zärtlich, vertraut, innig. Mit einem unterschiedlichen Blick auf ihre Kindheit, irgendetwas zwischen Verdrängen und Vergessen. Auch Humor fehlt nicht. Die Vergangenheit verbindet sie, so unterschiedlich sie sein mögen. Ich mag den Schreibstil. Und meine persönliche Quintessenz des Romans: Egal, was war, lass uns nicht ewig an der Vergangenheit abarbeiten oder gar als Entschuldigung für alles sehen. Sondern lass es besser machen, Frieden schließen, nach vorn blicken. Zum Schluss leider zu viel Länge. Per se aber ein gutes Buch, das dazu einlädt, Beziehungen zu beobachten und zu analysieren.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Hat mich leider nicht wie erwartet umgehauen

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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Gelegentlich mag ich es, in fantastische Welten einzutauchen. Ich weiß noch, wie ich damals in meiner Kindheit und Jugend die Harry Potter-Reihe verschlungen habe und kaum die Neuerscheinung des neuesten ...

Gelegentlich mag ich es, in fantastische Welten einzutauchen. Ich weiß noch, wie ich damals in meiner Kindheit und Jugend die Harry Potter-Reihe verschlungen habe und kaum die Neuerscheinung des neuesten Bandes erwarten konnte. Dieses euphorische Gefühl konnte bisher kein weiteres Buch toppen. Dieses hier (leider) auch nicht.

"Ein Weg aus Tinte und Magie" ist Band 1 der Dilogie. Den Lesern wird eine recht komplexe Welt eröffnet - die der Buchreisenden und der Geschichten, in die sie eintauchen. Denn: In London gibt es eine Buchhandlung, die es Eingeweihten ermöglicht, gemeinsam mit den Libronauten in ihre Lieblingsromane zu reisen. Diese besitzen magische Stimmen und können so an ausgewählte Orte bspw. in Herr der Ringe, Alice im Wunderland oder die Nibelungensage führen. Protagonist ist Adam, ein ewiger Libronauten-Lehrling, der bei einer der Buchreisen auf eine rätselhafte Tür stößt. Als er beginnt, das Rätsel lösen zu wollen, gerät er in einen Strudel aus Geheimnissen, Lügen, gefährlichen Buchreisen und anderen Gefahren. Und plötzlich werden Freunde zu Feinden. Und andersrum...

Ich finde die Idee der Geschichte an sich richtig gut: durch Tore in Buchgeschichten zu gehen, Schauplätze zu besuchen, einen Blick auf literarische Figuren erhaschen zu können. Ich meine, wer hätte nicht mal Lust, in einem Pub im Auenland oder in der Großen Halle in Hogwarts zwischen all den Zauberschülern zu sitzen? Ich wäre dabei! Ich hatte beim Lesen viele Bilder im Kopf, und konnte mich dank des magischen Settings gut wegträumen. Und dennoch kommen hier einige Kritikpunkte: Für meinen Geschmack war die Story irgendwann zu überladen, es gab zu viele Längen, einiges hätte geraffter, damit temporeicher, spannender sein können. Es kamen so viele Namen, Welten, Geschichten dazu - war mir persönlich zu viel.

Band 1 endet mitten in der Geschichte. Ob ich den 2. Teil lesen werde, weiß ich noch nicht. Entscheide ich wohl spontan.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ich brauchte ein wenig, am Ende Fazit: Gut!

Maifliegenzeit
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Da ich automatisch fast nur zu Büchern von Autorinnen greife, wollte ich mal wieder dem Roman eines Mannes eine Chance geben. So, here it is. "Mailfliegenzeit" ist ein schmales Buch. Ich habe es innerhalb ...

Da ich automatisch fast nur zu Büchern von Autorinnen greife, wollte ich mal wieder dem Roman eines Mannes eine Chance geben. So, here it is. "Mailfliegenzeit" ist ein schmales Buch. Ich habe es innerhalb eines Tages durchgelesen. Bisher kannte ich keine Werke des Autors und habe es aufgrund des Themas ausgewählt.

Hans erzählt seine Geschichte. Und die seiner damaligen Frau Katrin, die mittlerweile verstorben ist. Die beiden haben in der ehemaligen DDR ein Kind bekommen. Kurz nach der Geburt wurde ihnen mitgeteilt, dass der Junge verstorben sei. Viele Ungereimtheiten führen dazu, dass Katrin an den Aussagen der Ärzte zweifelt – Hans nicht. Sie entfernen sich innerhalb kürzester Zeit voneinander. Die Beziehung geht zu Ende. Später beginnt Hans doch nachzuforschen. Und rund 40 Jahre später meldet sich plötzlich der tot geglaubte Sohn.

Nach erster Recherche handelt es sich um ein hochumstrittenes Thema. Wer sich näher belesen mag, wird hier sicherlich sehr spannende und auch tragische Geschichten finden, die bis heute nicht aufgeklärt sind.

Die Geschichte geht, auch zwischen den Zeilen, viel tiefer rein: Wie gehen Eltern (unterschiedlich) mit solch einem Verlust und ihrer Trauer um? Und was macht all das mit dem adoptierten Kind, welches unterschiedliche Versionen der eigenen Vergangenheit und Herkunft serviert bekommt? Es ist ein doch eher leises Buch. Es enthält neben der eigentlichen Geschichte teils poetische Kapitel übers Angeln; Erinnerungen an Hans Kindheit und seinen Vater. Zunächst fand ich diese Abschnitte eher befremdlich, sie störten meinen Lesefluss. Ich musste in den Schreibstil erst hineinfinden. Am Ende schließt sich jedoch der Kreis und ich mochte das Buch sehr gern.

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