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Veröffentlicht am 08.12.2025

Eines meiner Jahres-Higlights 2025

Himmel ohne Ende
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Als Poetry Slammerin ist Julia Engelmann bekannt wie ein bunter Hund. Ich war gespannt. Kann sie auch gute Geschichten schreiben, einen ganzen Roman füllen? Ich bin positiv überrascht. Und ein wenig verliebt. ...

Als Poetry Slammerin ist Julia Engelmann bekannt wie ein bunter Hund. Ich war gespannt. Kann sie auch gute Geschichten schreiben, einen ganzen Roman füllen? Ich bin positiv überrascht. Und ein wenig verliebt. In ihren Erzählstil, ihre poetische Sprache, in diese nachdenkliche 15-jährige Ich-Erzählerin Charlie, die sie vermutlich den Verletzlichen unter uns auf den Leib geschrieben hat.

Ich konnte mich gut in Charlies Ängste, Bedürfnisse und Gedanken einfühlen, die Heranwachsende beschäftigen, wenn sich um sie herum alles verändert und einstürzt. Wir begleiten Charlie auf einem Stück ihres Weges und schauen tief in ihren Kopf und ihre Gefühlswelt. Sie lebt mit ihrer Mutter allein, der Vater hat beide verlassen. Auch ihre beste Freundin wendet sich ab und verliebt sich in denselben Jungen wie Charlie – ein weiterer schmerzhafter Bruch. Für Charlie entsteht dadurch eine große Lücke nach der anderen. Und damit auch viel Unsicherheit.

Die Protagonistin durchlebt viel auf einmal: Verlust, Selbstfindung, die ersten Schritte des Erwachsenwerdens. Neue Begegnungen, etwa mit „Pommes“, helfen Charlie, wieder Vertrauen zu fassen und das Leben zu spüren - nicht mehr wie durch eine Glasscheibe getrennt von der Welt, sondern wie durch ein Autofenster, dass sich nach Belieben öffnen lässt. Julia Engelmann nutzt diese und viele andere sprachliche Bilder. Und genau das mag ich so sehr an dem Buch. Die Gefühls- und Innenwelt von Charlie wird so greifbarer, melancholischer, echter. Wenn ich ein klein wenig Kritik üben würde, dann nur daran, dass mir persönlich die Metapher des "Himmels" etwas zu oft aufgegriffen wurde.

Insgesamt eins meiner Highlights dieses Jahr. Große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 08.12.2025

"Verschickungskinder": Wichtiges Thema lesenswert verpackt

Am Meer ist es schön
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Habt ihr schon einmal von "Verschickungskindern" gehört? Zwischen den 50er und Ende der 80er Jahre wurden Millionen Kinder in Deutschland wochenlang auf "Erholungskur" geschickt und erlebten dort traumatisierende ...

Habt ihr schon einmal von "Verschickungskindern" gehört? Zwischen den 50er und Ende der 80er Jahre wurden Millionen Kinder in Deutschland wochenlang auf "Erholungskur" geschickt und erlebten dort traumatisierende Zeiten. Körperliche, psychische und sexuelle Gewalt prägten ihren Aufenthalt - eine Aufarbeitung wird bis heute erschwert. Ich kannte diese Thematik bis dato tatsächlich nicht.

Barbara Leciejewski erzählt in ihrem fiktiven Roman die Geschichte der achtjährigen Susanne, die gemeinsam mit anderen Kindern in St. Peter-Ording untergebracht war. Maßlose Strenge, emotionale Kälte, Demütigungen und psychische Gewalt prägten ihre Zeit dort. Ihre Eltern erhielten regelmäßig geschönte Postkarten á la "Am Meer ist es schön." - sie ahnten nichts. Die Kinder waren der erwachsenen Willkür ausgeliefert. Nur ihr Zusammenhalt ließ sie die Zeit überstehen. Bis ins Erwachsenenalter sitzen die Wunden und verdrängten Erlebnisse tief. So bricht am Sterbebett ihrer Mutter all das Ungesagte aus Susanne heraus. Wir wechseln in dem Roman also zwischen Gegenwart und Kindheitserinnerungen. Aufgrund der Erzählperspektive der kindlichen Susanne wird die Geschichte noch eindringlicher, noch zerbrechlicher, noch emotionaler. Es zeigt auch, wie stark die Erlebnisse nachwirken und wie schwer die Schuld auch auf den Schultern der Eltern liegt. So oder so ähnlich könnten die Erfahrungen all der Verschickungskinder ausgesehen haben.

Der Roman von Barbara Leciejewski liest sich, trotz der schweren Thematik, sehr gut. Ich wollte das Buch kaum zur Seite legen. Es ist bewegend, erschütternd, gefühlvoll, aufklärend. Große Empfehlung! Dass niemand etwas gesehen oder unternommen hat, ist unvorstellbar. Was sagt uns das? Wir sollten mehr hinsehen. Und laut werden. Der Roman leistet definitiv seinen Beitrag.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Politische Radikalisierung - ein wichtiges Buch

Unter Grund
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Gerade in aktuellen Zeiten, in denen eine starke Hinwendung zum Rechtsextremismus spürbar und in den Wahlergebnissen sichtbar ist, sind Bücher wie "Unter Grund" besonders wichtig. Insbesondere um zu verstehen, ...

Gerade in aktuellen Zeiten, in denen eine starke Hinwendung zum Rechtsextremismus spürbar und in den Wahlergebnissen sichtbar ist, sind Bücher wie "Unter Grund" besonders wichtig. Insbesondere um zu verstehen, was in (jungen) Menschen vorgeht, was sie dazu bewegt oder bewegen kann, sich politisch rechten Gruppierungen anzuschließen.

In dem Roman von Annegret Liepold werden wir mit Frankas Gegenwart, aber insbesondere auch ihrer Vergangenheit konfrontiert. Eingebettet in den laufenden NSU-Prozess, den sie als Lehrerin mit ihrer Schulklasse besucht, lässt sie ihre eigene Jugend und auch Familiengeschichte Revue passieren. Aufgrund von Orientierungslosigkeit und Frust ist Franka, anfangs eher unfreiwillig, in die rechte, gewalttätige Szene gerutscht, wurde dort aufgefangen und mitgezogen.

Ich fand "Unter Grund" gut, habe aber ein wenig gebraucht, um in die Geschichte reinzufinden. Erst ab dem zweiten Drittel ging die eigentliche Thematik erst richtig los. Besonders die Aktualität dieses Buches ist bedeutend und zeigt auf, wie leicht es ist, Menschen zu beeinflussen. Menschen, die nach Zugehörigkeit suchen, einsam, unsicher oder orientierungslos sind.

Meiner Meinung nach bietet der Roman eine wunderbare Grundlage für einen Austausch über politische Radikalisierung. Lektüre-Empfehlung für Schulen? Wäre doch eine gute Idee.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

So ein wunderbares Kinderbuch!

Die Goldene Schreibmaschine
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Ich bin auf Arbeit schon oft an diesem Fantasy-Buch vorbeigelaufen und immer wieder aufgrund des Covers und Titels hängen geblieben. Nachdem ich nun meinen ersten Henn-Roman gelesen hatte, wurde es Zeit, ...

Ich bin auf Arbeit schon oft an diesem Fantasy-Buch vorbeigelaufen und immer wieder aufgrund des Covers und Titels hängen geblieben. Nachdem ich nun meinen ersten Henn-Roman gelesen hatte, wurde es Zeit, endlich zu seinem Kinderroman zu greifen. So ein fantastisches und magisches Buch! Ein bisschen habe ich mich in meine eigene Kindheit und Jugend zurückversetzt gefühlt, als ich Harry Potter regelrecht verschlungen habe. Wir alle sollten zwischendurch mehr Kinderbücher lesen und die Welt mit Kinderaugen sehen.

Worum geht's? Emily entdeckt in ihrer Lieblingsbibliothek eine geheime Tür zu einer verborgenen Bibliothek, in der alle je geschriebenen Bücher lagern. Zudem steht dort eine magische goldene Schreibmaschine, mit der man Geschichten umschreiben und damit die Realität verändern kann. Als Emilys Lehrer, ein egoistischer und skrupelloser Bösewicht, versucht, die Schreibmaschine für seine eigenen Zwecke zu nutzen, muss Emily all ihren Mut aufbringen, um die Welt und auch sich selbst zu beschützen.

Worte haben Macht. Und können die Welt verändern. Genau das zeigt Carsten Henn hier fantasievoll auf. Die Protagonistin liebt Bücher, die Bibliothek ist ihr Rückzugsort. Ich konnte mich daher so gut mit ihr identifizieren. Ich bin direkt in die Geschichte versunken, hatte Bilder im Kopf und habe das Buch beinahe in einem Rutsch durchgelesen. Ich mochte es sehr sehr gern. @carsten.henn hat sprachlich mal wieder gezaubert. Für Kinder ab 10 Jahren, aber definitiv auch für ältere LeserInnen geeignet 😉

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Autobiografisch. (Leider) aus dem Leben gegriffen.

Mama & Sam
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Die Ich-Erzählerin, die auf eine physisch sowie psychisch gewaltvolle Kindheit zurückblickt, erfährt vom Tod ihrer Mutter. Dieser kommt zu früh, unerwartet. Und hinterlässt viele Fragezeichen. Zurück bleibt ...

Die Ich-Erzählerin, die auf eine physisch sowie psychisch gewaltvolle Kindheit zurückblickt, erfährt vom Tod ihrer Mutter. Dieser kommt zu früh, unerwartet. Und hinterlässt viele Fragezeichen. Zurück bleibt eine Tochter, die sich u. a. anhand von Chatverläufen Stück für Stück durch die letzten Lebensmonate ihrer Mutter arbeitet. Eine Mutter, die von einem Love-Scammer namens Sam schamlos ausgenutzt wurde. Eine Frau, die sich für vermeintliche Liebe und Nähe komplett hingegeben hat. Ihr Geld, ihre Zeit, ihr Vertrauen an einen Fremden, ein Phantom verschenkt, ja vergeudet hat. Weil sie selbst so zerbrechlich und bedürftig war? In gewisser Weise lernt die Tochter ihre Mutter bei ihrer wochenlangen Recherche neu kennen. Verzeiht ihr nicht ihre Taten, aber versöhnt sich auf gewisse Weise dennoch mit ihr.

Und ich frage mich: Wie konnte das einer intelligenten Frau passieren? Wie konnte sie sich so offensichtlich hinters Licht führen lassen? Warum hat sie das mit jeder Faser gespürt und dennoch zugelassen? Und, wie kann es sein, dass all dies auf diese oder ähnliche Weise tagtäglich geschieht? Wie fragil ist unsere Welt, unser Miteinander? Wie einsam sind ältere Menschen? Wo treibt uns die KI noch hin?

Es ist kein Roman im klassischen Sinne. Eher eine autobiografische Abhandlung. Eine Spurensuche. Auch nach dem "Warum?". Eine Verarbeitung. Sarah Kuttner überzeugt auch in diesem Buch wieder mit ihrer direkten, unverstellten Art, ohne Schnörkel.

Ich habe ebenfalls den Buchpreis-Gewinner 2024 "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" von Martina Hefter gelesen. Auch hier geht es um Love-Scam. Diese Geschichte war mir allerdings schwer zugänglich. Sarah Kuttner's Roman möchte ich an dieser Stelle thematisch daher sehr empfehlen.

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