Cover-Bild Mama & Sam
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: S. FISCHER
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 08.10.2025
  • ISBN: 9783103977417
Sarah Kuttner

Mama & Sam

Roman

Sarah Kuttner schildert in ihrem neuen Roman »Mama & Sam« eine Ausnahmesituation, wie es sie gar nicht selten gibt.

Eine Tochter steht in der Wohnung ihrer plötzlich verstorbenen Mutter. Die Mutter ist fort, ihre gesamten Ersparnisse auch. Was bleibt, sind Fragen: Warum ist die Wohnung so chaotisch, der Briefkasten so voll? Und wie ist es überhaupt möglich, seine eigene Mutter an einen Heiratsschwindler zu verlieren? 

Sarah Kuttner erzählt die Geschichte einer Frau, die Liebe suchte und auf einen Love Scammer traf. Die sich verliebte und die Augen verschloss. Die nichts zurückließ, außer einem schier endlosen Chat mit dem Betrüger. Vor allem aber ist es die Geschichte einer Tochter, die zurückbleibt, mit einer Leerstelle, wo einmal die Mutter war. 

Also liest die Tochter die Nachrichten, die nicht für sie bestimmt waren, liest Dinge über sich selbst, die sie nie wissen wollte. Und doch, ganz langsam, füllt sich die Leerstelle mit einer Nähe, wie sie beiden zu Lebzeiten nicht möglich war. 

Ein Roman über das Gefühl der Schuld, den Schmerz des Zurückbleibens, und die ungewollte Intimität eines Nachlasses. 

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2025

Auf Mutters Spuren, sehr berührend.

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Sie steht in der Wohnung ihrer Mutter und starrt auf das Loch im Dielenboden. Es sieht aus wie diese Kreidezeichnungen nach polizeilichen Ermittlungen. Die Tatortreinigerin erklärt, dass die Körperflüssigkeiten ...

Sie steht in der Wohnung ihrer Mutter und starrt auf das Loch im Dielenboden. Es sieht aus wie diese Kreidezeichnungen nach polizeilichen Ermittlungen. Die Tatortreinigerin erklärt, dass die Körperflüssigkeiten in das Holz gezogen sind. Vierzehn Tage hätte sie da gelegen, das sagte auch der Leichenbeschauer. Eine Nachbarin hatte die Polizei gerufen, weil das Licht Tag und Nacht brannte und weil der Geruch sie störte.

An Weihnachten hatte sie nach langer Zeit die Tür wieder für ihre Mutter geöffnet. Hatte sich ganz fest vorgenommen, toleranter zu sein, sich nicht wieder ärgern zu lassen. Die Tante hatte bis dahin zwischen den Stühlen gestanden zwischen der Tochter-Mutterpause und sich das beidseitige Gemecker angehört.

Sie solle sich doch einfach an die schönen Momente erinnern, sagt die Tante. Sie erinnert aber vor allem die cholerischen Ausbrüche der Mutter. Sobald die Mutter abends von der Arbeit kam, zog sie sich in ihr Schlafzimmer zurück. Die Tochter musste in ihrem Zimmer bleiben und bis dahin alle WC-Gänge erledigt haben. Und so pinkelte das Mädchen zuerst in die Zimmerecken, dort wo sie dachte, dass es am wenigsten auffallen würde. Nach der ersten harschen Ohrfeige hob sie die Matratze an und pinkelte auf den Lattenrost, sicher, dass die Mutter dort nicht nachsehen würde, aber der Geruch verriet sie.

Sie wird noch einmal in die Wohnung fahren müssen, um Papiere zu sichten. Behörden müssen informiert werden, das Erbe angenommen oder ausgeschlagen werden.

Fazit: Sarah Kuttner hat in ihrem dritten Roman eine misslungene Mutter-Tochter-Beziehung verhandelt. Mit ihrer wunderbar einfachen und direkten Sprache lässt sie ihre Protagonistin auf den Nachlass ihrer Mutter los. Im Laufe der Geschichte erfahre ich, dass die Tochter wusste, dass die Mutter einem Love-Scammer verfallen war. Sie hatte sogar zusammen mit der Tante versucht, der Mutter zu erklären, auf was sie sich eingelassen hat, doch die fühlte sich bevormundet und verbat sich die Einmischung. Das Interessante an Kuttners Geschichte ist, wie die Tochter beim Durchgehen des Nachrichten-Chats den Mutterspuren folgt und einen Menschen entdeckt, der ihr so nah wird, wie er ihr zu Lebzeiten nie sein konnte. Sie entdeckt die liebevolle Frau mit den unbefriedigten Bedürfnissen und Ängsten. Wie klug und witzig sie sein konnte. Und sie entdeckt das ganze Dilemma. Die kühle Mutter, wie sie sie kannte, als überforderte, depressive Alleinerziehende. Echte Wertschätzung hatte sie nie erlebt. Endlich war da jemand, der sie so annahm, wie sie war. Als die Mutter ahnte, dass sie betrogen und vorgeführt wird, konnte sie auf die Liebesbekundungen nicht mehr verzichten. Die Scham hätte alle guten Gefühle zunichte gemacht. Eine wundervolle Annäherung an eine Frau, ganz ähnlich meiner eigenen Mutter. Zu sehen, wie sie Bewunderung für diese Frau entwickelt und der Ton, der immer versöhnlicher wird, die Erinnerungen an Momente, die eben doch schön waren, das hat mich ganz tief berührt und mir ein paar Tränchen geschenkt.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Toll

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„Unbeweglich sitze ich in einer Pfütze aus Wut, Angst, Verletzung. Ich möchte auf irgendwas einschlagen, so voll bin ich.“

„Stattdessen bin ich ein Stehaufmännchen geworden. Eine, die einfach immer weiterkämpft. ...

„Unbeweglich sitze ich in einer Pfütze aus Wut, Angst, Verletzung. Ich möchte auf irgendwas einschlagen, so voll bin ich.“

„Stattdessen bin ich ein Stehaufmännchen geworden. Eine, die einfach immer weiterkämpft. Eine, die durchzieht. Die hart im Nehmen ist. Die aufpassen muss, denn die anderen tun es nicht.“

Die Mutter ist verstorben. Kontakt gab es in den letzten Monaten nicht mehr. Mama war verliebt in Sam, einen berühmten Schauspieler. Schwester und Tochter haben sie gewarnt aber sie fühlte sich endlich geliebt. Ihr ganzes Leben lang versuchte die Mutter liebenswert und begehrenswert für Männer zu sein. Einsam war sie, hatte selbst zu wenig Liebe für sich übrig. Dann der tolle Schauspieler, mit dem sie über Social Media schrieb. Alle roten Flaggen wurden übersehen. Nun ist sie tot. Ihre Tochter, die „Kinderkommissarin“ versucht anhand der Chatverläufe raus zu finden was passiert ist. Dabei arbeitet sie auf, was genau eigentlich zwischen ihr und ihrer Mutter stand und wie viele schöne Erinnerungen es an ihre Kindheit eigentlich noch gibt.

Ich bin ein großer Fan von Sarah Kuttners Romanen und musste natürlich auch diesen hier lesen. Der letzte Roman ist ein paar Jahre her und ich war sehr neugierig auf diesen hier. Das Thema ist ja sehr präsent und sicher allen bekannt. Aber warum passiert sowas? Warum fallen intelligente Frauen auf diese Art Nachrichten rein? Sarah Kuttner schreibt wieder klar, auf den Punkt. Sie scheut sich nicht davor ihre Gefühle zu beschreiben. Das macht sie für mich ganz großartig. Schmerzhaft sind die Erinnerungen an ihre Kindheit und daran was Mama passiert ist ist. Hätte sie ihr helfen können? Kuttner arbeitet auf, klug und einfühlsam. Sie legt den Finger tief in die Wunde. Es tut weh beim Lesen, regt an zum nachdenken. Definitiv ein Buch, das einen nicht mehr loslässt. Ich hab es an einem Tag gelesen. Modern, intelligent und einfach großartig. Manche Sätze sprachen mir tief aus dem Herzen. Danke, Danke, Danke für dieses Leseerlebnis.

Ich brauch bestimmt nicht mehr erwähnen, dass es eine ganz große Empfehlung bekommt.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Wie schnell es gehen kann

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INHALT
Es geht „Love Scamming“. Sarah (Protagonistin im Buch) erfährt vom Tod ihrer Mutter, sie kann diesen nicht einfach hinnehmen und fängt an zu recherchieren. Sie wusste von Sam, und von der großen ...

INHALT
Es geht „Love Scamming“. Sarah (Protagonistin im Buch) erfährt vom Tod ihrer Mutter, sie kann diesen nicht einfach hinnehmen und fängt an zu recherchieren. Sie wusste von Sam, und von der großen Liebe ihrer Mutter. Sie wusste vom blinden Vertrauen der Mutter gegenüber Sam, sie wusste nichts, von dem vielen Geld. Sie wollte wissen, was genau geschehen war und wieviel Geld Sam von ihr bekam, sie lies den Chat sichern und fing an zu lesen.
„Es ist eine sehr schlechte Auflistung von Außenständen, an deren Ende eine summierte Zahl steht. (...) Die Frage ist, ob Geld geflossen ist und wenn ja wie viel. Die Antwort auf beide Fragen ist: 104.000Euro.“ S. 47

„Und dann haben sie tatsächlich den Videocall. Sie schreibt ihm danach, dass sie jetzt sehr glücklich sei, obwohl sie nur ein eingefrorenes, dunkles Bild von ihm gesehen habe. Er trug eine Kapuze und sah im gedämmten Licht fast wie ein Afrikaner aus, hihi, schrieb sie. Laut Interpol stammt etwa die Hälfte der Romance Scams auf afrikanischen Ländern (..) aber meine Mutter schreibt, dass sie nun überzeugt sei, und er müsse vorerst keine Selfies mehr schicken.“ S.134

EINDRUCK UND FAZIT
Ich merke richtig, wie ich sie am liebsten schütteln würde, und das sich in mir die Frage hochdrängt: wie um Himmels willen kann man das nicht merken. ABER: und ich finde, dass hat Sarah Kuttner gut herausgearbeitet, es ist egal wie schlau du bist - es kann dich dennoch treffen. Denn die Scammer spielen mit deinen Emotionen, sie schotten dich ab und stellen eine Abhängigkeit her. Es ist ganz beklemmend und schockierend zu lesen, wie schnell man reinrutscht und einfach nicht wieder rauskommt. In „Hey guten Morgen wie geht es dir“ konnte ich schon etwas in die Thematik reinschnuppern, aber dieses Buch hier hat mich sehr berührt. Ich bin so wütend, aber auf wen eigentlich? Auf die Scammer! Und auf diese unglaublich Frechheit! Danke für dieses wichtige Buch!!!

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Bewegend und eindringlich

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MEINUNG:

Sarah Kuttner ist eine Person, die mich seit meiner Jugend begleitet und deren Bücher ich schon alle gelesen habe. Besonders ihr letzter Buch Kurt hat mich sehr berührt und gezeigt, dass sie ...

MEINUNG:

Sarah Kuttner ist eine Person, die mich seit meiner Jugend begleitet und deren Bücher ich schon alle gelesen habe. Besonders ihr letzter Buch Kurt hat mich sehr berührt und gezeigt, dass sie emotional tiefe Geschichten schreibt. Ich kaufe jedes Buch von ihr und habe mich auf Mama & Sam sehr gefreut.

Die Geschichte beginnt mit dem Tod der Mutter. Die Kapitel springen immer wieder vor und zurück, aber es durch eine Monatszeitleiste am Anfang der Kapitel gut erkennbar, wo man sich befindet. Es ist schnell klar, dass das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter schwierig war sowohl in der Kindheit als auch im Erwachsenen Alter. Für mich war das nachvollziehbar beschrieben. Dadurch entstand auch eine gewisse Entfremdung zwischen den beiden Frauen. Als Puffer dazwischen ist immer die Tante bzw. Schwester der Mutter. Durch die nachträgliche Sichtung der Chats mit dem Love Scammer und des Nachlasses ihrer Mutter, schafft eine ungewollte Intimität und auch nochmal das Entdecken von Seiten an ihrer Mutter, die zu Lebzeiten nicht gekannt hat. Seiten, die sie nicht an ihr erlebt hat. Außerdem schweben die Unklarheiten über die letzten Tage ihrer Mutter, denn Todeszeitpunkt und einige Indizien passen nicht zusammen. 

Für mich war das Buch ein Page Turner, denn ich wollte unbedingt wissen, wie es soweit kommen kann, dass vor allem ältere Frauen auf solche Maschen reinfallen und ihr ganzes Geld an solche Personen überweisen. Mittels Chats sind wir ganz nah dran, genauso wie die Protagonistin. Es fühlt wie ein Eindringen an, aber man kann auch nicht aufhören. Es ist oft schmerzhaft die Chats zu lesen, denn der Mann behandelt sie offensichtlich schlecht und die Masche ist erkennbar. Es werden auch die Dynamiken deutlich, wie so etwas auf Dauer funktioniert, nämlich durch Manipulation, Gaslighting etc. und alles basierend auf dem Bedürfnis der Mutter nach Liebe, Geborgenheit und Gesehen werden. Anhand des Gelesenes kann die Tochter auch einige Geschehnisse rekonstruieren bzw. nochmal neu bewerten. Am Ende des Buches gibt es auch ein paar Tipps, wenn man merkt, dass Angehörige und Freunde selbst Opfer einer solchen Person sein könnten.

FAZIT:

Mama & Sam ist eine Mutter-Tochter-Geschichte und irgendwie auch eine Liebesgeschichte, wenn auch basierend auf einem Love Scam. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durch gesuchtet, weil ich einfach wissen wollten, wie solche Geschichten passieren können. Sarah Kuttner hat es geschafft dies verständlich zu machen und so auch der Erzählerin ein bisschen Trost und rückwirkendes Verständnis für ihre Mutter zu geben. Das Buch sollte viele LeserInnen finden!

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Veröffentlicht am 18.03.2026

»Wenn man Chaos im Kopf hat, neigt man dazu, das Äußere aufzuräumen. Denn auf das Äußere hat man mehr Einfluss.«

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Die Mutter der Ich-Erzählerin ist tot.
Und ihr Tod wurde zuerst gar nicht bemerkt. Schließlich war die Beziehung zwischen den beiden schon immer kompliziert.
Sie denkt wieder vermehrt an ihre Kindheit ...

Die Mutter der Ich-Erzählerin ist tot.
Und ihr Tod wurde zuerst gar nicht bemerkt. Schließlich war die Beziehung zwischen den beiden schon immer kompliziert.
Sie denkt wieder vermehrt an ihre Kindheit und findet ihre Vermutung bestätigt – da war wenig Liebe.
Umso überraschter ist sie, als den Chat ihrer Mutter mit ihrem Partner von Anfang an bis zu ihrem Tod nachliest. Sie stößt auf ernst gemeinte Liebesbekundungen und Zärtlichkeit. Etwas, was sie von ihrer Mutter nicht kannte.
Dabei hat sich das Pärchen nie getroffen. Kein Wunder, ihr Freund ist kein geringerer als Sam Heughan. Und er ist es wirklich!
Zumindest bestätigt er ihr das immer wieder, z.B. durch schlecht bearbeitete Selfies. Zuerst ist die Mutter der Protagonistin auch skeptisch, doch sie lässt sich von ihm stets überzeugen und genießt einfach das Gefühl, geliebt zu werden und das um jedem Preis.
Der Preis ist hoch.
Bereits nach einigen Nachrichten bitter der Love Scammer, um die erste von unzähligen weiteren Apple Karten, da sein Internet angeblich aufgebraucht sei.
Und sie willigt ein – immer.
Bis sie über 100.000€ und ihr Leben verloren hat.

Jede*r fragt sich, wie man eigentlich auf Love Scammer hereinfallen könnte, so auch die Ich-Erzählerin und Mutter dieses Romans. Es ist nicht so, als hätte sie ihre Mutter, als sie noch lebte, nicht gewarnt. Doch allen Warnungen zum Trotz belügt sie ihre Familie, weil sie trotz dieser extrem toxischen Beziehung glücklich war.
Die Nachrichten des angeblichen Sams sind dreist und immer wieder kommt er auf das Geld zu sprechen, gibt ihr Schuldgefühle oder zweifelt an ihrer Liebe. Und doch wirken die Nachrichten ihrer Mutter immer wieder reflektiert. Dennoch gibt sie nach und fällt erneut auf ihn rein.

Auch wenn ich anfangs skeptisch war, wie die Autorin dieses Thema umsetzen würde, fand ich es ab etwa der Hälfte des Buches sehr bedrückend und die Chat-Verläufe zwischen Mama & Sam kaum auszuhalten. Schließlich analysiert Sarah Kuttner eindrücklich, wie Love Scam funktioniert.

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