Ein sehr besonderes Buch!
Wenn wir lächeln"Wenn wir lächeln" handelt von den Freundinnen Jara und Anto, beide in ihren Jugendjahren. Sie sind ständig wütend, ständig unterwegs und immer betrunken mit dem Baseball-Schläger in der Hand.
Zu dem ...
"Wenn wir lächeln" handelt von den Freundinnen Jara und Anto, beide in ihren Jugendjahren. Sie sind ständig wütend, ständig unterwegs und immer betrunken mit dem Baseball-Schläger in der Hand.
Zu dem Zeitpunkt, wo die Handlung einsetzt, steht Jara auf einer Brücke über dem Rhein, in den Anto soeben gesprungen ist. Die ganze Geschichte spielt sich in diesem Moment in Jaras Kopf ab und ist ein einziger, teilweise zusammenhangsloser Bewusstseinsstrom, der ihr durch den Kopf geht. Sie denkt an unzählige Situationen, springt gedanklich hin und her. Was soll sie jetzt tun, wie haben sie und Anto sich kennengelernt, was haben sie gemeinsam erlebt, was hat zu diesem Moment geführt? Das alles ist sehr chaotisch und in Jaras Subjektivität. Dementsprechend ist sie in diesem Moment der Panik eine unzuverlässige Erzählerin und es gibt vieles, was nicht wirklich zusammenpasst, nicht real ist, unlogisch wirkt oder in der falschen Reihenfolge erzählt wird. Und genau das macht dieses Buch aus, denn beim Lesen entwickelt man ein Gefühl für diese Nuancen!
Ich habe es komplett geliebt! Es ist mir zu Anfang etwas schwergefallen, in diesen Gedankenstrom reinzukommen, aber sobald er mich einmal eingesogen hatte, bin ich nicht mehr rausgekommen und habe das Buch in nur einer Nacht komplett beendet.
Beim Lesen habe ich alle Emotionen durchlebt, weil mich Jaras Gedanken so sehr mitreißen konnten. Ich habe geweint und war mit ihr unglaublich wütend auf die Welt. Darum geht es in diesem Buch vor allem: um die Wut von jungen aufwachsenden Frauen.
Der Schreibstil ist einfach unglaublich! Ich liebe dieses stilistische Mittel des Bewusstseinsstroms, weil es für eine gewisse Poetik und Nahbarkeit sorgt. Es muss nicht alles passen und glatt sein, sondern ist genau auf den Punkt und sagt dabei so viel aus.
Jara und Anto sind als Figuren schwer greifbar. Ich kann nicht wirklich sagen, ob ich sie mag, da ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, einen genauen Blick auf sie zu bekommen. Jaras Gedanken sind so sprunghaft und die beiden so viel in Bewegung, dass das einfach schwer ist. Zumal wir Anto nur aus Jaras Perspektive kennenlerne, die nicht zuverlässig ist und Jara selbst auch nur durch ihre Gedanken kennenlernen. Dadurch bleibt viel offen, worüber ich immer noch nachdenke und das macht die beiden für mich so besonders.
Über das ganze Buch werde ich definitiv noch länger nachdenken! Ein großes Highlight und eins meiner neuen Lieblingsbücher!