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Veröffentlicht am 12.06.2018

Russisch Roulette

In den Fängen des Löwen
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Der schwedische Kommissar Zack Herry ist jung, attraktiv, mutig und ein brillanter Ermittler. Doch er ist auch exzessiv, drogen- und adrenalinsüchtig. Getrieben von seiner Vergangenheit und von den Kindheitserinnerungen, ...

Der schwedische Kommissar Zack Herry ist jung, attraktiv, mutig und ein brillanter Ermittler. Doch er ist auch exzessiv, drogen- und adrenalinsüchtig. Getrieben von seiner Vergangenheit und von den Kindheitserinnerungen, die ihn immer wieder einholen, die er aber für sich noch nicht einmal annähernd geklärt hat, findet er bei niemandem und nirgends Ruhe. Nachts treibt er sich in Clubs oder zwielichtigen Lokalitäten herum, da er sowieso keinen Schlaf findet. Sein einziger Freund ist Abdula, ein Drogendealer, der ihn auch gelegentlich mit Stoff versorgt. Seine Kollegin Deniz kann Zack nicht täuschen, doch sie deckt ihn - noch. Denn im Unterschied zum Vorgängerband ,,Die Fährte des Wolfes“ steht Zack nicht mehr am Rande des Abgrundes, sondern scheint schon im fliegenden Fall zu sein. Dadurch begeht er Fehler und lässt seine Kollegin in einem wichtigen Moment im Stich.
In diesem 2. Band wird die Leiche eines Jungen auf einem Schornstein gefunden. Offenbar wurde er zu Tode gefoltert, sein Körper weist zahlreiche Schnitte auf, wie von Tierkrallen. Doch keine Vermisstenanzeige passt zu Alter und Aussehen des Jungen. Bald ergeben sich jedoch Hinweise, dass der Junge aus einem Asylbewerberheim stammt.
Als ein weiterer Junge entführt wird, arbeiten Zack und seine Kollegen gegen die Zeit, um das Leben dieses Jungen retten zu können.
Auch dieser 2. Band ist hochspannend, intelligent konstruiert, mit interessanten, facettenreichen Figuren. Zack Herrys Handlungen gehen häufig an die Grenze des Nachvollziehbaren. So spielt er z.B. Russisch Roulette mit, um einen Hinweis auf das Versteck des entführten Jungen zu bekommen, wohl aber auch, um den Reiz des Risikos willen. Damit ist er eine extreme, polarisierende Figur, nicht nur für seine Kollegen, sondern wohl auch für die Leserschaft.
Das Ende deutet eine Fortsetzung an, auf die man sehr gespannt darf.

Veröffentlicht am 09.06.2018

Zu distanziert

Zu nah
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Detective Frankie Sheehan ist noch sehr gezeichnet von ihrem letzten Fall, bei dem sie einen Mörder auf frischer Tat ertappt hatte und selbst schwer verletzt wurde. Nach wie vor hat sie unter Flashbacks ...

Detective Frankie Sheehan ist noch sehr gezeichnet von ihrem letzten Fall, bei dem sie einen Mörder auf frischer Tat ertappt hatte und selbst schwer verletzt wurde. Nach wie vor hat sie unter Flashbacks und Panikattacken zu leiden, dennoch will sie unbedingt in den Polizeidienst im Dubliner Police Department zurückkehren.
Als die angesehene Wissenschaftlerin Eleanor Costello erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden wird, weist zwar einiges auf Selbstmord hin. Doch Frankie glaubt nicht daran und findet Hinweise, dass jemand bei Eleanor Costello war, als sie starb. Schon bald gibt es Hinweise, dass Costello häufig im Darknet unterwegs war und spezielle Vorlieben hatte.
Zu Beginn ist man als Leser etwas irritiert, da Frankie Sheehans Vorgeschichte so stark thematisiert wird, dass man glaubt, es müsse einen Vorgängerband geben. Den gibt es aber nicht! Und so versucht man, Frankies Verhalten, aber auch die Reaktion ihrer Kollegen nachvollziehen zu können, was allerdings der Konzentration auf den eigentlichen Fall, und leider auch der Spannung, abträglich ist. Frankie Sheehan bleibt einem eher fremd. Trotz der Ich-Perspektive und der dadurch unmittelbaren Darstellung ihrer Gedanken und Gefühle bleibt sie distanziert. Das Ende bietet zwar Dynamik und Spannung. Merkwürdig finde ich aber, dass sie, trotz ihrer Erfahrung, in solch eine Falle tappt.
Der Fall spielt zwar in Irland, allerdings wird dies außer durch trübes Wetter und häufige Pub-Besuche der Kollegen kaum spürbar. Schade, dass hier nicht mehr Landestypisches erkennbar wird. Für mich ist ,,Zu nah“ ein Thriller, den man lesen kann, aber nicht muss.

Veröffentlicht am 01.06.2018

Goethe und Schiller auf kriminalistischen Pfaden

Die Affäre Carambol (Goethe und Schiller ermitteln)
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Auch wenn die Handlung frei erfunden ist: neben der Dichtung gibt es auch ein Fünkchen Wahrheit, und wenn es nur der historische Rahmen rund um ,,Franckfurth“ oder das Verhältnis der beiden Dichterfürsten ...

Auch wenn die Handlung frei erfunden ist: neben der Dichtung gibt es auch ein Fünkchen Wahrheit, und wenn es nur der historische Rahmen rund um ,,Franckfurth“ oder das Verhältnis der beiden Dichterfürsten zueinander wäre.
Sehr unterhaltsam, in 39 kurzen Kapiteln, wird aus der Sicht Schillers eine wirklich abenteuerliche Räuberpistole geschildert, in die er mit seinem Freund Goethe verwickelt wird, als sie die ,,Frau Mama“, Goethes Mutter in Frankfurt zum Tee beehren.
Geheime Depeschen an Napoleon Bonaparte schüren bei einigen Stadträten die Angst, dass es eine Verschwörung und einen möglichen neuen Krieg mit Frankreich geben wird. Und da die Stadträte in ihren eigenen Reihen niemandem vertrauen, beauftragen sie Goethe und Schiller, der Sache nachzugehen. Schillers vorsichtige und eher bescheidene Art hebt sich deutlich von Goethes Abenteuerlust und Draufgängertum ab. Aus Schillers Sicht werden auch Goethes Hang zur Selbstdarstellung und seine amourösen Abenteuer auf sehr unterhaltsame Weise geschildert.
Nicht nur Cover und Einband, auch Orthographie und Stil vermitteln einen antiquarischen Eindruck, was das Buch zu etwas Besonderem macht und nicht nur für Kenner der deutschen Literatur zu einem feinen Leseerlebnis werden lässt.

Veröffentlicht am 15.05.2018

Doppeltes Krimivergnügen

Die Morde von Pye Hall
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Als die Lektorin Susan Ryeland das Manuskript zum letzten Band der Atticus Pünd-Reihe des Autors Alan Conway zu lesen beginnt, erwartet sie gewohnt gute Unterhaltung und Spannung. Atticus Pünd ist eine ...


Als die Lektorin Susan Ryeland das Manuskript zum letzten Band der Atticus Pünd-Reihe des Autors Alan Conway zu lesen beginnt, erwartet sie gewohnt gute Unterhaltung und Spannung. Atticus Pünd ist eine klassische Detektivfigur, von ähnlichem Format wie Hercule Poirot oder Sherlock Holmes. Auch die Fälle, die er stets elegant und unaufgeregt löst, sind ähnlich gelagert. In dem Manuskript dieses letzten Falls ,,Morde von Pye Hall“ stürzt die Haushälterin beim Staubsaugen die Treppe hinunter und wird vom Gärtner tot aufgefunden. Nur kurz darauf wird der Hausherr Sir Magnus Pye durch ein Schwert enthauptet. Durch diesen Mord gerät auch der Tod der Haushälterin in ein anderes Licht. Ist der Sohn der Haushälterin der Täter, da er noch kurz zuvor einen bösen Streit mit seiner Mutter öffentlich austrug? Oder war es die Frau von Sir Magnus, die sich schon lange mit einem Liebhaber vergnügt? Doch gerade in dem Moment, als der Detektiv Atticus Pünd den Täter verkündet, bricht das Manuskript ab und die restlichen Kapitel bleiben unauffindbar, zur großen Enttäuschung von Susan Ryeland. Da ihr dies keine Ruhe lässt, beginnt sie zu ,,ermitteln“. Als kurz darauf der Autor Alan Conway von seiner Dachterrasse in den Tod stürzt, zweifelt die Lektorin Ryeland trotz eines handgeschriebenen Abschiedsbriefs daran, dass Conway Selbstmord verübt hat. Zu viele Personen profitieren vom Tod des sehr erfolgreichen, aber äußerst unbeliebten Autors. Im Zuge ihrer Ermittlungen ergeben sich immer mehr Parallelen zwischen den fiktiven ,,Morden von Pye Hall“ und dem Geschehen um Alan Conway. Offenbar hat der Autor Conway einige Personen seines Umfelds als Vorbilder für seine Romanfiguren verwendet, was diesen nicht immer gefällt. Die beiden Fälle werden so geschickt ineinander verwoben. Als Leser erlebt man das Geschehen aus Sicht der Lektorin Susan Ryeland und teilt dadurch deren Verdachtsmomente, Zweifel, Irrungen und Wirrungen, was das Ganze wirklich verzwickt und spannend macht. Bis kurz vor dem Ende bleibt man recht ahnungslos, bis zur überraschenden Auflösung der beiden Fälle. Ein wirkliches, doppeltes Krimi -Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 11.05.2018

Le Lavandou in Aufruhr

Das Grab unter Zedern (Ein-Leon-Ritter-Krimi 4)
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Dies ist der 4. Fall um Dr. Leon Ritter, Rechtsmediziner aus Deutschland, der seine zweite Heimat im beschaulichen Städtchen Le Lavandou im Süden Frankreichs gefunden hat. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, ...

Dies ist der 4. Fall um Dr. Leon Ritter, Rechtsmediziner aus Deutschland, der seine zweite Heimat im beschaulichen Städtchen Le Lavandou im Süden Frankreichs gefunden hat. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, Capitaine Isabelle Morell von der Gendarmerie Nationale, ermittelt Leon Ritter mit teils unkonventionellen Methoden.
Als ein vermeintlicher Kindermörder vorzeitig aus der Haft entlassen wird, sind die rechtschaffenen Bürger Le Lavandous in Aufruhr. Die meisten glauben, Paul Simon habe seine damals zehnjährige Tochter Amélie getötet. Doch die Leiche von Amélie wurde nie gefunden. Und Paul Simon wurde nun vom Berufungsgericht aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Doch Simon kann seine Freiheit in Le Lavandou nicht genießen. Eine Art Bürgerwehr belagert sein Haus und einige Männer drangsalieren ihn sogar. Doch Simon ist auf der Suche nach dem wahren Täter. Als kurz darauf ein Toter am Strand gefunden wird, glaubt Leon Ritter nicht an einen Unfall. Seine Nachforschungen führen ihn nach Porquerolles, was zu sehr interessanten Schilderungen der Inselbewohner und der besonderen Atmosphäre auf der (fast) autofreien Insel führt. Allerdings hat Dr. Leon Ritter nicht nur an seinem eigenen Arbeitsplatz mit einem missgünstigen Chef und einem neuen Kollegen, der ihn womöglich verdrängen will, zu kämpfen. Auch die Polizei, allen voran Commandant Zerna, aber auch die strenge Kommissarin Lapierre aus Toulon, nehmen Leon Ritters Ermittlungen nicht gerade begeistert auf. Immerhin pfuscht er ihnen damit ziemlich ins Handwerk.
Dr. Leon Ritter, der zu Beginn der Reihe noch allzu brav und stets bedächtig und sympathisch war, darf nun etwas mehr Charakter und auch mal schlechte Laune zeigen. Allerdings ist auch hier nur Dr. Ritter, mit Hilfe seiner Partnerin Isabelle Morell, in der Lage, den Fall zu lösen, was etwas übertrieben wirkt.
Zum Ende gibt es eine erstaunliche Wendung, die die Spannung deutlich hochtreibt. Die Auflösung erfolgt dann aber leider recht schnell und wirkt etwas zu konstruiert.
Wofür der Autor wohl nichts kann, was ich aber sehr störend finde, sind die teils falsch geschriebenen französischen Wörter und Wendungen. Entweder richtig oder gleich weglassen!