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Veröffentlicht am 03.09.2025

Menschliche Abgründe

Protokoll eines Verschwindens
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Der Titel "Protokoll eines Verschwindens" beschreibt den Roman schon ziemlich gut, denn es liest sich tatsächlich wie ein Protokoll aus unterschiedlichen Perspektiven, das ein echtes Verbrechen beschreibt. ...

Der Titel "Protokoll eines Verschwindens" beschreibt den Roman schon ziemlich gut, denn es liest sich tatsächlich wie ein Protokoll aus unterschiedlichen Perspektiven, das ein echtes Verbrechen beschreibt.
Ein junger Mann aus Brasilien, der in Hamburg lebt, verschwindet eines Tages spurlos. Seine Schwester und seine Mutter machen sich verzweifelt auf die Suche. Ein sympathischer und gutmütiger Pfleger lebt Monate lang mit einer Leiche zusammen, wird verurteilt, aber beteuert seine Unschuld. Wir begleiten den Autor wie er ein paar Jahre später versucht das Geschehene zu rekonstruieren und vor allem zu verstehen. Er führt viele Gespräche mit dem Täter selbst und mit den Hinterbliebenen des Opfers.

Der Roman ist spannend und hat eine distanzierte, aber gleichzeitig emotional tiefgründige Erzählweise. Er ist faszinierend und erschütternd zugleich, da es wirklich um die erschreckenden Abgründe der menschlichen Triebe geht und um die Macht der Verdrängung. Er zeigt auf, wie sehr man sich auch in Menschen täuschen kann, die charmant und symphatisch wirken.

Ich würde das Buch allen empfehlen, die sich gerne mit True Crime beschäftigen, denn es ist gut geschrieben und recherchiert. Allerdings braucht man starke Nerven für diese Lektüre und einige Teile des Buches waren schon schwer zu lesen für mich.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

wichtiges Thema aber sehr schwierige Lektüre

Botanik des Wahnsinns
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Botanik des Wahnsinns handelt von einem Protagonisten, der aus einer Familie mit vielen schweren psychischen Krankheiten kommt und sein ganzes Leben lang mit der Angst ringt, selber psychisch ...

Botanik des Wahnsinns handelt von einem Protagonisten, der aus einer Familie mit vielen schweren psychischen Krankheiten kommt und sein ganzes Leben lang mit der Angst ringt, selber psychisch krank bzw. "verrückt" zu werden. Im jungen Erwachsenenalter zieht es ihn weg aus seiner Heimatstadt München an verschiedene Orte und zu verschiedenen Studienfächern und schließlich landet er in Wien und wird Psychologe in einer Psychiatrie.

Der Anfang des Buches hat mir sehr gut gefallen, aber leider war der Schreibstil irgendwie dann doch nichts für mich, da die Geschichten der mentalen Probleme der Familienmitglieder irgendwie zu zusammenhangslos zwischen den Erzählungsstrang des Protagonisten geworfen wurden, was am Anfang noch interessant war, aber zunehmend verwirrend und anstrengend zu lesen. Es hat mich irgendwie sehr im Lesefluss gestört mit der Zeit. Dazu kam noch das wenig Namen benutzt wurden, sondern immer von " Die Mutter", "die Mutter meiner Mutter", "der Nachbar" etc. die Rede war, was sicher eine bewusste Entscheidung als Stilmittel war, mir aber nicht so zugesagt hat, da es auch verwirrend ist teilweise.

Wirklich herausragend an diesem Roman ist aber der Umgang mit psychischen Krankheiten in der Erzählung, weil der Autor es wirklich schafft, diese komplex und realistisch darzustellen, indem er die Geschichten der Menschen aus seiner Familie erzählt. Dabei kommt heraus wie sehr die Krankheiten das Leben, die Familie, die Beziehungen und das Schicksal beeinflusst. Und ein besonderer Fokus liegt auf dem Erbe für die nächste und die nachfolgenden Generationen.
Das Buch ist sehr bedrückend zu lesen durch das Thema, aber gleichzeitig nicht so berührend und bewegend wie es sein könnte, da durch den Schreibstil und die Erzählweise relativ viel emotionale Distanz aufgebaut wird.
Letzen Endes war der Roman für mich schwierig zu Ende zu lesen und der Schreibstil war teilweise einfach nicht so mein persönlicher Geschmack, dennoch habe ich einiges gelernt und aus der Lektüre mitgenommen.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Ein düsteres Märchen über Female Rage

Unbeugsam wie die See
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Wir begleiten in dem Roman die junge Studentin Lucy, die nach einem traumatischen Erlebnis mit ihrem Exfreund zu ihrer großen Schwester Jess an die Küste fliehen möchte und sie aber nicht Zuhause antrifft. ...

Wir begleiten in dem Roman die junge Studentin Lucy, die nach einem traumatischen Erlebnis mit ihrem Exfreund zu ihrer großen Schwester Jess an die Küste fliehen möchte und sie aber nicht Zuhause antrifft. Die beiden Schwestern verbinden seltsame Träume, Schlafwandeln und eine außergewöhnliche Hautkrankheit bzw. eine extreme Wasserallergie. Gleichzeitig erfährt Lucy, dass der Ort an den ihre Schwester gezogen ist und aus dem sie nun verschwunden zu sein scheint, berühmt ist dafür, dass dort über mehrere Jahrzehnte lang immer wieder Männer einfach ohne Spur verschwunden sind. Als angehende Journalistin und True-Crime-Enthusiastin macht Lucy sich auf der Suche nach den Spuren ihrer verschwundenen Schwester und versucht sie mit den anderen ungelösten Fällen des Ortes in Verbindung zu bringen. Dabei deckt sie mehrere dunkle Familiengeheimnisse auf.

Dieser Roman liest sich wie ein dunkles Märchen für Erwachsene. Er vermischt wunderbar Mythologie mit Mystery, Krimi, Familiengeheimnissen und den Geschichten von Generationen von Frauen, die durch Männer - und das Patriarchat generell - misshandelt wurden. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und emotional. Es ist sehr spannend geschrieben und es wird die ganze Zeit eine ganz mystische, dichte Atmosphäre erzeugt, besonders in Verbindung zum Meer.
Mir hat es wirklich gut gefallen und ich konnte es nach den ersten 100 Seiten kaum aus der Hand legen, weil es so packend war. Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass ich die beiden großen Plottwists ziemlich schnell erraten habe und ein großer Teil der Handlung voraussehbar war. Es war aber doch so gut geschrieben, dass ich das Buch trotzdem sehr genossen habe und es spannend fand. Und es hat mich auch wirklich berührt, besonders die Verbundenheit unter den Frauen.
Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für Fans von Magical Realism und Female Rage.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Wichtig, aktuell und inspirierend

In uns der Ozean
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Theresia Graw erzählt uns in diesem Roman die inspirierende und bewegende Lebensgeschichte von Rachel Carson. Sie wollte als Meeresbiologin in die Wissenschaft gehen, was ihr aber leider durch einen Schicksalsschlag ...

Theresia Graw erzählt uns in diesem Roman die inspirierende und bewegende Lebensgeschichte von Rachel Carson. Sie wollte als Meeresbiologin in die Wissenschaft gehen, was ihr aber leider durch einen Schicksalsschlag verwehrt wurde. Stattdessen konnte sie sich aber eine beeindruckende Karriere als Journalistin und Autorin aufgebaut, in der sie ihre Liebe zur Natur und besonders zum Meer ausdrücken konnte. Als unverheiratete Frau musste sie sich im Laufe ihres Lebens konstant der Misogynie in ihrem Berufsfeld stellen, da sie sich nie nicht in das Rollenbild ihrer Zeit einfügte. Je mehr sie sich durch ihre Arbeit mit der Natur beschäftigte, desto mehr erfuhr sie die vielen Wege wie die Umwelt durch die Industrie zerstört wird. Sie machte es sich zur Lebensaufgabe die Bevölkerung über die Gefahren der Umweltzerstörung zu informieren und wurde dadurch zu einer der wichtigsten Personen der Umweltbewegung und eine der ersten Aktivistinnen.

Dieser Roman war so bewegend, inspirierend und gleichzeitig spannend und außerdem habe ich viel dabei gelernt. Ein wirklich besonderes Buch über eine besondere Frau!
Trotz zahlloser Schicksalsschläge gibt Rachel Carson nie auf und kämpft weiter für ihre Unabhängigkeit, für ihre Karriere und für die Natur, die sie so sehr liebt. Der Sexismus, dem sie ständig ausgesetzt ist, macht einen sehr wütend, aber gleichzeitig lernt man all die Frauen wie Rachel Carson noch mal mehr wertzuschätzen, die vor uns kamen, die die patriarchalen Strukturen aufgebrochen haben und viele Sachen für Frauen von heute erst möglich gemacht haben. Leider zeigt es aber auch auf, wie manche Dinge sich leider noch nicht so weit verändert haben.
Ähnlich ist es mit dem Umweltschutz. Dieser Aspekt des Buches ist leider immer noch hochaktuell, was einen ebenfalls wütend macht beim Lesen.

Der Schreibstil hat mir auch sehr gut gefallen. Die Landschaftsbeschreibungen drücken wirklich gut die Liebe und Faszination aus, die Rachel Carson für die Natur hatte.

Auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Tolle Idee, aber frustrierend zu lesen

Im Leben nebenan
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Das Konzept des Romans hat mir sehr gut gefallen. Antonia ist Mitte 30 und lebt mit ihrem Partner zusammen in der Großstadt und hat einen unerfüllten Kinderwunsch. Eines Morgens wacht sie plötzlich ...

Das Konzept des Romans hat mir sehr gut gefallen. Antonia ist Mitte 30 und lebt mit ihrem Partner zusammen in der Großstadt und hat einen unerfüllten Kinderwunsch. Eines Morgens wacht sie plötzlich in einem anderen Leben auf. Auf einmal lebt sie in einem Haus in ihrem Heimatdorf, ist verheiratet mit ihrem ersten Freund aus Schulzeiten und hat ein Baby, um das sie sich kümmern muss. Sie erinnert sich aber nur an ihr "altes" Leben und ihr kommt alles fremd vor.
Wir Leser begleiten Antonia dabei, wie sie sich mit ihrem alternativen Leben auseinander setzt. Im Wechsel dazu sehen wir sie auch (als Toni), wie sie ihr Leben in der Großstadt ohne Kinder normal weiterlebt.
Die Frage wie unser Leben wäre, wenn wir uns an einem Punkt anders entschieden hätten, stellt sich ja jeder im Laufe seines Lebens und ist immer spannend. Was wäre, wenn ich immer noch mit meiner Jugendliebe zusammen wäre? Was wäre, wenn ich in der Heimat geblieben wäre und nicht in die Großstadt gezogen wäre? Und genauso umgekehrt. Das sind Fragen mit denen sich wahrscheinlich fast jeder identifizieren kann und die das Buch sehr realistisch machen, obwohl es Magic Realism ist. Und das hat Anne Sauer auch gut umgesetzt.

Das Buch setzt sich sehr stark mit Kinderfrage auseinander und wie unsere Gesellschaft mit Frauen in Relation dazu umgeht. Es behandelt einen unerfüllten Kinderwunsch sowie gar keinen zu haben, ungewollte Mutterschaft, postpartale Depressionen und generell die Schwierigkeiten und die schönen Seiten der Mutterschaft. Es wird auch viel darauf eingegangen, wie ein Kind sowie ein unerfüllter Kinderwunsch sich auf eine Beziehung auswirkt.
Es ist auf jeden Fall ein sehr wichtiges und lesenswertes Buch, da es sich realistisch und überhaupt nicht verklärt bzw. romantisierend mit dem Thema Mutter sein/ nicht sein auseinander setzt.

Leider fand ich das Buch insgesamt zu frustrierend, also zu negativ und deprimierend, da Antonia eigentlich in beiden Versionen ihres Lebens irgendwie unzufrieden ist. Viele sagen, dass absichtlich kein Leben besser als das andere dargestellt wird, aber am Ende ist sie in beiden Versionen die meiste Zeit unglücklich. Ich verstehe ja, dass es realistisch sein soll, aber so war das irgendwie nicht besonders lebensbejahend zu lesen. Außerdem hat mich ein bisschen der Stellenwert der Kindfrage gestört, so als ob Frauen sich nur über das Mutter sein oder nicht Mutter sein definieren. Mir hat irgendwie die Perspektive einer Frau gefehlt, die nie einen Kinderwunsch hatte und damit zufrieden lebt, was auch viele Leute betrifft. Für mich als eine Frau ohne Kinderwunsch fühlte es sich am Ende so an, als ob die zweite Antonia sich einfach nur damit abgefunden hat kinderlos zu sein, nachdem es nicht funktioniert hat und nicht, als ob sie sich bewusst dazu entschieden hat. Daher fand ich nicht, dass beide Versionen "gleichwertig" behandelt wurden. Es liest sich wie ein Buch, das versucht das ganze Thema feministisch zu behandeln, und auch teilweise gute Gesellschaftskritik beinhaltet, aber am Ende in der Frage doch zu oberflächlich bleibt.

Insgesamt finde ich aber trotzdem, dass es ein sehr lesenswertes Buch ist, vor allem wenn man sich selber mit der Frage, ob man Kinder möchte oder nicht, auseinander setzt, und würde es vor allem Frauen den 20er und 30er Jahren empfehlen.

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