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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

Leider nichts für mich

Just for the Summer
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Da Abby Jimenez ja sehr gehypt ist und ich noch nichts von ihr gelesen habe, bin ich mit relativ hohen Erwartungen an dieses Buch ran und wurde leider enttäuscht. Ich verstehe auch irgendwie nicht, wie ...

Da Abby Jimenez ja sehr gehypt ist und ich noch nichts von ihr gelesen habe, bin ich mit relativ hohen Erwartungen an dieses Buch ran und wurde leider enttäuscht. Ich verstehe auch irgendwie nicht, wie es so gute Bewertungen überall hat.

Die Anfangsprämisse mit dem Reddit-post und dem Fluch fand ich eigentlich eine coole und originelle Idee, obwohl dies im Verlauf des Buches kaum noch eine Rolle spielt. Die erste Hälfte des Buches war noch ganz gut, aber dann ging es leider stetig bergab.
Ich fand tatsächlich die Hintergrundgeschichte viel spannender, als die Entwicklung der Beziehung zwischen Emma und Justin, was bei einem Romance-Buch irgendwie nicht so sein sollte. Emma fand ich als Charakter gleichzeitig langweilig und nervig und außerdem wirkte sie in ihrem inneren Monolog überhaupt nicht wie jemand Ende 20, sondern eher wie eine 16 Jährige. Justin und Maddy waren ganz gute Charaktere, obwohl Justin ein bisschen zu perfekt und unrealistisch ist. Was Justin und Emma außer ihrem Trauma und dass sie beide gut aussehen verbindet, ist irgendwie nie klar geworden.
Dann kam einmal die fast Trennung und dann die richtige Trennung und beide Male aus dem gleichen Grund, was sehr künstlich konstruiert wirkte.
Die Auflösung der ganzen Geschichte mit der Mutter und Emmas Familie wirkte auf mich sehr sehr unrealistisch und über dramatisiert. Aber dann ist Emma in 6 Monaten auf einmal über dieses krasse Trauma hinweggekommen und ist "geheilt". Ja klar.
Generell wirkte das Buch teilweise nicht wie für Erwachsene geschrieben, sondern eher wie YA, da besonders aus Emmas Sicht ihre Gefühle so einfach beschrieben wurden und immer wieder gleich. Und dann nachdem sie sich immer mit dieser metaphorischen Insel beschrieben hat, ist sie auf einmal krank und buchstäblich allein auf einer echten Insel. Da musste ich echt die Augen verdrehen.

So für einen Tag am Strand wenn man ohne hohe Erwartungen rangeht, ist das Buch auf jeden Fall nicht schlecht, aber für mich war es leider am Ende nichts. Mir hätte es wahrscheinlich gefallen, als ich jünger war, aber jetzt konnte ich mich mit Emmas kindischen Gedanken kaum identifizieren, obwohl wir im gleichen Alter sind. Sehr schade!

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Poetisch und berührend

Die Geschichte des Klangs
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"Die Geschichte des Klangs" sind zwei Kurzgeschichten, die mit einander verbunden sind.
Lionel und David sind junge Musikstudenten, die sich in einander verlieben und zusammen einen Sommer lang auf der ...

"Die Geschichte des Klangs" sind zwei Kurzgeschichten, die mit einander verbunden sind.
Lionel und David sind junge Musikstudenten, die sich in einander verlieben und zusammen einen Sommer lang auf der Suche nach vergessenen Folksongs durch das Land reisen, um die Lieder für die Nachwelt aufzunehmen. Nach diesem Sommer verliert sich der Kontakt und Lionel wird Jahre später im hohen Alter daran erinnert, als er die Tonträger von diesem Sommer anhören kann.
Annie findet auf dem Dachboden ihres neu gekauften Hauses diese Tonträger und setzt sich in Kontakt mit der vorherigen Besitzerin. Durch ein Gespräch mit dieser, hinterfragt sie ihre Entscheidungen im Leben und ihre Ehe.

Ben Shattuck ist ein sehr talentierter Erzähler, der Gefühle und Musik wunderbar poetisch schreibt. Auf so wenigen Seiten schafft er es sehr schöne und tiefgründige Geschichten zu vermitteln, die auch vom Übersetzter gut ins Deutsche übertragen wurden.
Allerdings hätte die Geschichte für meinen Geschmack doch noch etwas länger sein können und ich frage mich, warum nur zwei Kurzgeschichten der Sammlung im Deutschen veröffentlicht wurden. Ich denke, dadurch fehlt einiges, da die Kurzgeschichten ja miteinander verbunden sind. Ich hätte mir eine komplette Übersetzung gewünscht.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Packend und emotional

Atmosphere
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Da mich das Thema Weltraum und NASA nicht so interessiert, ich aber ein Fan von Evelyn Hugo und Daisy & the six war, bin ich ein bisschen skeptisch an das Buch herangegangen, wurde aber nach wenigen Kapiteln ...


Da mich das Thema Weltraum und NASA nicht so interessiert, ich aber ein Fan von Evelyn Hugo und Daisy & the six war, bin ich ein bisschen skeptisch an das Buch herangegangen, wurde aber nach wenigen Kapiteln restlos überzeugt und Atmosphere wird auf jeden Fall ein Jahreshighlight sein.

Es spielt in den 80er Jahren. Joan wird für das NASA Astronauten-Programm ausgewählt und muss sich in diesem von Männer dominierten Umfeld als eine der sehr wenigen ersten Frauen behaupten, während sie sich das erste Mal in eine Frau verliebt, in einer Zeit, in der man als queere Person nicht für die Regierung arbeiten durfte.

Der Roman ist von Anfang spannend und emotional. Es wird sehr auf die Schwierigkeiten von Frauen in den 1980er Jahren eingegangen. Zum einem in der NASA, wo wir sehr verschiedene Frauencharaktere kennenlernen, die alle unterschiedlich mit Sexismus und Misogynie umgehen. Auf der anderen Seite ist da Joans Schwester Barbara, die als unverheiratete alleinerziehende Mutter anderen Schwierigkeiten ausgesetzt ist.
Die queere Liebesgeschichte wurde auch sehr schön und realistisch geschrieben. Vanessa ist ein sehr interessanter und komplexer Charakter. Die wichtigste Beziehung des Buches ist aber eigentlich die besondere Verbindung zwischen Joan und ihrer Nichte Francis, die sich durch die ganze Geschichte zieht und wunderschön beschrieben ist.
Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass Joan als Protagonistin kaum Schwächen hat und ein bisschen zu perfekt ist. Auch ihre Schwester Barbara ist leider ein bisschen eindimensional, aber in die andere Richtung.

Auf jeden Fall eine ganz klare Leseempfehlung, selbst wenn man nicht sich nicht so für den Weltraum und Astronauten interessiert.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Ausbrechen aus einer Lebenskrise und die Macht der Freundschaft

Der Schlaf der Anderen
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"Jetzt, denke ich, jetzt wäre ein guter Moment um aufzuwachen. Endgültig Schluss zu machen mit alldem hier. Ich will hier nicht sein. Nicht auf dieser Kreuzung, nicht bei diesen Menschen. Nicht in diesem ...

"Jetzt, denke ich, jetzt wäre ein guter Moment um aufzuwachen. Endgültig Schluss zu machen mit alldem hier. Ich will hier nicht sein. Nicht auf dieser Kreuzung, nicht bei diesen Menschen. Nicht in diesem Leben."

Sina und Janis lernen sich kennen, als Sina in die Schlafklinik kommt, in der Janis als Nachtwache arbeitet. Die Begegnung und der Beginn einer einzigartigen Freundschaft ist der Auslöser für einen Wendepunkt im Leben der beiden Frauen. Sie haben zwar auf den ersten Blick kaum etwas gemeinsam außer ihrem Alter, doch sie beide sind in gewisser Weise festgefahren und befinden sich schon lange in einer Art Überlebensmodus. Sie sind beide überfordert mit ihrem Leben insgesamt und teilen ein Gefühl von Einsamkeit sowie den Kampf mit Depressionen. Ihre Begegnung ist der Moment in dem beide Frauen aus ihrer Situation ausbrechen und ihr Leben ändern.

Das Buch hat mir sehr gefallen, da die besondere Prämisse sehr gut umgesetzt wurde. Die zwei Protagonistinnen sind authentisch und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Besonders Sina ist eine Figur, die sehr real wirkt und mit der sich viele Frauen identifizieren können. Die Geschichte setzt sich damit auseinander, wie schwierig es ist, seinen eigenen Weg zu gehen und wie viele sich einfach von der gesellschaftlichen Norm mitreißen lassen und am Ende unglücklich sind. Es geht darum, den Mut zu haben, anders zu sein, auch wenn man auf Unverständnis vom Umfeld stößt. Und vor allem geht es um den Wert von echten Freundschaften, die bei vielen Menschen im Laufe des Erwachsenlebens auf der Strecke bleiben.

Der Schreibstil passt zur Geschichte und den Charakteren. Der Schlaf bzw. das Nichtschlafen wird wunderbar als Representation der Gefühlswelt der Figuren benutzt und ist der Faden, an dem sich die Geschichte leitet. Besonders der erste Satz und der letzte Satz sind sehr gut gewählt und bieten einen perfekten Rahmen für die Geschichte.

Alles in allem hat mich das Buch von Anfang an gepackt, sodass ich es locker in 2 Tagen durchgelesen habe und ich danach erst mal über das Gelesene nachdenken musste. Eine klare Leseempfehlung für mich.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

sehr aktuelles Gedankenexperiment

Gesellschaftsspiel
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Gesellschaftsspiel handelt von drei sehr unterschiedlichen Frauen einer Familie, die nach langer Zeit wieder zusammen kommen und sich nicht nur mit einem Todesfall auseinandersetzen müssen, sondern auch ...


Gesellschaftsspiel handelt von drei sehr unterschiedlichen Frauen einer Familie, die nach langer Zeit wieder zusammen kommen und sich nicht nur mit einem Todesfall auseinandersetzen müssen, sondern auch mit einer neuen App eines Tech-Milliardärs,die ihre Heimatstadt Weimar in ein gesellschaftliches Experiment verwandeln soll. Es soll eine Form der direkten Demokratie entstehen, die Bürgerbeteiligung per App ermöglicht.

Der Roman legt den Fokus vor allem auf die Reaktionen und die Konsequenzen dieses Experiments sowie die Vorbereitungsphase. Es geht weniger darum, ob eine solche Neuorganisation des demokratischen Systems tatsächlich umsetzbar wäre, sondern mehr um die gesellschaftlichen und philosophischen Fragen, die damit verbunden sind.

Dora Zwickau hat einen distanzierten, aber angenehmen Schreibstil, der auch eher trockene Themen aus Politik, Soziologie und Philosophie interessant macht und durchdringt, ohne dabei wie ein Lehrbuch zu wirken. Die normale Erzählform aus der Sicht einer der drei Protagonistinnen wird immer wieder durchbrochen durch Chatverläufe, Podcast-transkripte und Twitter-threads, was bei dem Thema des Romans sehr gut passt. Dadurch wirkt die ganze Geschichte auch noch viel realer.

Dagmar, Annika und Isabelle sind authentische Figuren und sehr unterschiedlich, obwohl sie aus einer Familie kommen. Ich hätte es allerdings auch interessant gefunden noch eine andere Sicht auf die App zu bekommen, die nicht aus der studierten Akademikerblase kommt.

Das Thema des Romans fand ich extrem interessant und es ist natürlich brandaktuell, obwohl ich durch den Titel und den Klappentext eigentlich erwartet habe, dass es auch um die wirkliche "Utopie/ Dystopie" geht und nicht nur um die Zeit davor. So lässt das Ende ziemlich viel offen, was aber wohl eindeutig so gewollt ist. Die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Rechtsruck, der Macht der Superreichen und dem Einfluss der Technologie und gleichzeitig die Kritik an dem jetzigen, relativ starren System und der Schwächen bzw. Verbesserungsmöglichkeiten der Demokratie ist dennoch sehr gut gelungen, und hat mich an vielen Stellen zum Nachdenken gebracht. Die Randgeschichte der 3 Frauen war auch gut gelungen, aber hätte es meiner Meinung nach in dieser Form gar nicht gebraucht, sondern stattdessen hätte man noch tiefer in das Gedankenexperiment eintauchen können.

Ich würde dieses Buch allen empfehlen, die sich für Politik und die Probleme der Demokratie in der modernen Welt interessieren und die sich gerne über diese Themen Gedanken machen. Man braucht allerdings schon ein Grundinteresse und Wissen in diesen Bereichen, um den Roman zu genießen, denn es ist wirklich kein leichter, super spannungsgeladener Roman, den man einfach so weglesen kann.

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