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Veröffentlicht am 03.09.2025

Glaube, Identität und Selbstverwirklichung

Monstergott
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In "Monstergott" geht es um die Geschwister Esther und Ben, die in einer strengen, konservativen Freikirche aufgewachsen sind und als junge Erwachsene nun aus unterschiedlichen Gründen mit den Regeln ...

In "Monstergott" geht es um die Geschwister Esther und Ben, die in einer strengen, konservativen Freikirche aufgewachsen sind und als junge Erwachsene nun aus unterschiedlichen Gründen mit den Regeln dieser Gemeinschaft ringen.
Esther hat vor allem Probleme mit dem sehr traditionellen Rollenbild der Frau in der Gemeinde und hätte gerne eine leitende Position. Ben währenddessen leidet unter einem Geheimnis, das er nicht einmal seiner Schwester anvertrauen kann, obwohl er ihr sehr nahesteht. Er versucht krampfhaft alles in seinem Leben nach Gottes Willen zu richten, aber kämpft mit Gefühlen, Bedürfnissen und seiner Sexualität, die seiner Meinung nach nicht mit seinem Glauben vereinbar sind.

Ein sehr interessantes und kritisches Buch über ein komplexes Thema, welches nicht Religion oder den Glauben an sich kritisiert, sondern die teilweise wirklich gefährlichen, extremen und sektenartigen Gemeinden, die es ja von jeder Religion und Glaubensrichtung gibt. Die Autorin schafft es die Komplexität dieses Themas wunderbar aufzuarbeiten. Sie zeigt wunderbar die schönen Seiten dieser Art von Gemeinden, so wie die enge Gemeinschaft, die Verbundenheit, die Jugendarbeit etc., die natürlich ihren Reiz für viele Leute haben. Gleichzeitig zeigt sie die Schattenseiten dieses dogmatischen Glaubens, wie die strengen und altmodischen Regeln und Rollenbilder und dass man sofort ausgestoßen werden kann, wenn man sich nicht in diesem Sinne verhält. Besonders gut wird die Scheinheiligkeit und Doppelmoral aufgezeigt.

Als jemand, der noch nie viel mit solchen Freikirchen zu tun hatte, hat mir dieses Buch sehr viele Sachen verständlich gemacht und in mir viel Empathie und Mitgefühl für Leute, die in so einer Gemeinschaft aufwachsen, erweckt. Außerdem sehr viel Respekt für den Mut und die Kraft aus solchen Gemeinschaften auszubrechen. Obwohl ich anders als die beiden aufgewachsen bin, konnte ich mich durch den Schreibstil und die Charakterisierung gut in Esther und Ben hineinversetzen.
Generell haben mir die Charaktere sehr gut gefallen, denn es gibt eigentlich niemand, der wirklich "böse" ist, sondern alle versuchen nur, ihren Glauben auszuleben, so wie sie es für richtig halten. Somit ist das Buch sehr realistisch und gibt die Komplexität des Themas wieder.

Dieser Roman hat mich sehr berührt und zum Nachdenken gebracht. Ich denke es ist eine sehr gute Auseinandersetzung mit dem Thema Glaube und Glaubensgemeinschaft und ich würde es sowohl Atheisten, als auch gläubigen Christen empfehlen. Es behandelt allerdings auch sehr schwere Themen und ist keine leichte Kost.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Menschliche Abgründe

Protokoll eines Verschwindens
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Der Titel "Protokoll eines Verschwindens" beschreibt den Roman schon ziemlich gut, denn es liest sich tatsächlich wie ein Protokoll aus unterschiedlichen Perspektiven, das ein echtes Verbrechen beschreibt. ...

Der Titel "Protokoll eines Verschwindens" beschreibt den Roman schon ziemlich gut, denn es liest sich tatsächlich wie ein Protokoll aus unterschiedlichen Perspektiven, das ein echtes Verbrechen beschreibt.
Ein junger Mann aus Brasilien, der in Hamburg lebt, verschwindet eines Tages spurlos. Seine Schwester und seine Mutter machen sich verzweifelt auf die Suche. Ein sympathischer und gutmütiger Pfleger lebt Monate lang mit einer Leiche zusammen, wird verurteilt, aber beteuert seine Unschuld. Wir begleiten den Autor wie er ein paar Jahre später versucht das Geschehene zu rekonstruieren und vor allem zu verstehen. Er führt viele Gespräche mit dem Täter selbst und mit den Hinterbliebenen des Opfers.

Der Roman ist spannend und hat eine distanzierte, aber gleichzeitig emotional tiefgründige Erzählweise. Er ist faszinierend und erschütternd zugleich, da es wirklich um die erschreckenden Abgründe der menschlichen Triebe geht und um die Macht der Verdrängung. Er zeigt auf, wie sehr man sich auch in Menschen täuschen kann, die charmant und symphatisch wirken.

Ich würde das Buch allen empfehlen, die sich gerne mit True Crime beschäftigen, denn es ist gut geschrieben und recherchiert. Allerdings braucht man starke Nerven für diese Lektüre und einige Teile des Buches waren schon schwer zu lesen für mich.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

wichtiges Thema aber sehr schwierige Lektüre

Botanik des Wahnsinns
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Botanik des Wahnsinns handelt von einem Protagonisten, der aus einer Familie mit vielen schweren psychischen Krankheiten kommt und sein ganzes Leben lang mit der Angst ringt, selber psychisch ...

Botanik des Wahnsinns handelt von einem Protagonisten, der aus einer Familie mit vielen schweren psychischen Krankheiten kommt und sein ganzes Leben lang mit der Angst ringt, selber psychisch krank bzw. "verrückt" zu werden. Im jungen Erwachsenenalter zieht es ihn weg aus seiner Heimatstadt München an verschiedene Orte und zu verschiedenen Studienfächern und schließlich landet er in Wien und wird Psychologe in einer Psychiatrie.

Der Anfang des Buches hat mir sehr gut gefallen, aber leider war der Schreibstil irgendwie dann doch nichts für mich, da die Geschichten der mentalen Probleme der Familienmitglieder irgendwie zu zusammenhangslos zwischen den Erzählungsstrang des Protagonisten geworfen wurden, was am Anfang noch interessant war, aber zunehmend verwirrend und anstrengend zu lesen. Es hat mich irgendwie sehr im Lesefluss gestört mit der Zeit. Dazu kam noch das wenig Namen benutzt wurden, sondern immer von " Die Mutter", "die Mutter meiner Mutter", "der Nachbar" etc. die Rede war, was sicher eine bewusste Entscheidung als Stilmittel war, mir aber nicht so zugesagt hat, da es auch verwirrend ist teilweise.

Wirklich herausragend an diesem Roman ist aber der Umgang mit psychischen Krankheiten in der Erzählung, weil der Autor es wirklich schafft, diese komplex und realistisch darzustellen, indem er die Geschichten der Menschen aus seiner Familie erzählt. Dabei kommt heraus wie sehr die Krankheiten das Leben, die Familie, die Beziehungen und das Schicksal beeinflusst. Und ein besonderer Fokus liegt auf dem Erbe für die nächste und die nachfolgenden Generationen.
Das Buch ist sehr bedrückend zu lesen durch das Thema, aber gleichzeitig nicht so berührend und bewegend wie es sein könnte, da durch den Schreibstil und die Erzählweise relativ viel emotionale Distanz aufgebaut wird.
Letzen Endes war der Roman für mich schwierig zu Ende zu lesen und der Schreibstil war teilweise einfach nicht so mein persönlicher Geschmack, dennoch habe ich einiges gelernt und aus der Lektüre mitgenommen.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Ein düsteres Märchen über Female Rage

Unbeugsam wie die See
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Wir begleiten in dem Roman die junge Studentin Lucy, die nach einem traumatischen Erlebnis mit ihrem Exfreund zu ihrer großen Schwester Jess an die Küste fliehen möchte und sie aber nicht Zuhause antrifft. ...

Wir begleiten in dem Roman die junge Studentin Lucy, die nach einem traumatischen Erlebnis mit ihrem Exfreund zu ihrer großen Schwester Jess an die Küste fliehen möchte und sie aber nicht Zuhause antrifft. Die beiden Schwestern verbinden seltsame Träume, Schlafwandeln und eine außergewöhnliche Hautkrankheit bzw. eine extreme Wasserallergie. Gleichzeitig erfährt Lucy, dass der Ort an den ihre Schwester gezogen ist und aus dem sie nun verschwunden zu sein scheint, berühmt ist dafür, dass dort über mehrere Jahrzehnte lang immer wieder Männer einfach ohne Spur verschwunden sind. Als angehende Journalistin und True-Crime-Enthusiastin macht Lucy sich auf der Suche nach den Spuren ihrer verschwundenen Schwester und versucht sie mit den anderen ungelösten Fällen des Ortes in Verbindung zu bringen. Dabei deckt sie mehrere dunkle Familiengeheimnisse auf.

Dieser Roman liest sich wie ein dunkles Märchen für Erwachsene. Er vermischt wunderbar Mythologie mit Mystery, Krimi, Familiengeheimnissen und den Geschichten von Generationen von Frauen, die durch Männer - und das Patriarchat generell - misshandelt wurden. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und emotional. Es ist sehr spannend geschrieben und es wird die ganze Zeit eine ganz mystische, dichte Atmosphäre erzeugt, besonders in Verbindung zum Meer.
Mir hat es wirklich gut gefallen und ich konnte es nach den ersten 100 Seiten kaum aus der Hand legen, weil es so packend war. Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass ich die beiden großen Plottwists ziemlich schnell erraten habe und ein großer Teil der Handlung voraussehbar war. Es war aber doch so gut geschrieben, dass ich das Buch trotzdem sehr genossen habe und es spannend fand. Und es hat mich auch wirklich berührt, besonders die Verbundenheit unter den Frauen.
Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für Fans von Magical Realism und Female Rage.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Wichtig, aktuell und inspirierend

In uns der Ozean
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Theresia Graw erzählt uns in diesem Roman die inspirierende und bewegende Lebensgeschichte von Rachel Carson. Sie wollte als Meeresbiologin in die Wissenschaft gehen, was ihr aber leider durch einen Schicksalsschlag ...

Theresia Graw erzählt uns in diesem Roman die inspirierende und bewegende Lebensgeschichte von Rachel Carson. Sie wollte als Meeresbiologin in die Wissenschaft gehen, was ihr aber leider durch einen Schicksalsschlag verwehrt wurde. Stattdessen konnte sie sich aber eine beeindruckende Karriere als Journalistin und Autorin aufgebaut, in der sie ihre Liebe zur Natur und besonders zum Meer ausdrücken konnte. Als unverheiratete Frau musste sie sich im Laufe ihres Lebens konstant der Misogynie in ihrem Berufsfeld stellen, da sie sich nie nicht in das Rollenbild ihrer Zeit einfügte. Je mehr sie sich durch ihre Arbeit mit der Natur beschäftigte, desto mehr erfuhr sie die vielen Wege wie die Umwelt durch die Industrie zerstört wird. Sie machte es sich zur Lebensaufgabe die Bevölkerung über die Gefahren der Umweltzerstörung zu informieren und wurde dadurch zu einer der wichtigsten Personen der Umweltbewegung und eine der ersten Aktivistinnen.

Dieser Roman war so bewegend, inspirierend und gleichzeitig spannend und außerdem habe ich viel dabei gelernt. Ein wirklich besonderes Buch über eine besondere Frau!
Trotz zahlloser Schicksalsschläge gibt Rachel Carson nie auf und kämpft weiter für ihre Unabhängigkeit, für ihre Karriere und für die Natur, die sie so sehr liebt. Der Sexismus, dem sie ständig ausgesetzt ist, macht einen sehr wütend, aber gleichzeitig lernt man all die Frauen wie Rachel Carson noch mal mehr wertzuschätzen, die vor uns kamen, die die patriarchalen Strukturen aufgebrochen haben und viele Sachen für Frauen von heute erst möglich gemacht haben. Leider zeigt es aber auch auf, wie manche Dinge sich leider noch nicht so weit verändert haben.
Ähnlich ist es mit dem Umweltschutz. Dieser Aspekt des Buches ist leider immer noch hochaktuell, was einen ebenfalls wütend macht beim Lesen.

Der Schreibstil hat mir auch sehr gut gefallen. Die Landschaftsbeschreibungen drücken wirklich gut die Liebe und Faszination aus, die Rachel Carson für die Natur hatte.

Auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung!

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