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Veröffentlicht am 12.10.2025

Ein feinfühliges Frauenporträt

Ja, nein, vielleicht
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MEINE MEINUNG

In ihrem aktuellen Roman „Ja, nein, vielleicht“ widmet sich die österreichische Autorin Doris Knecht erneut dem Leben ihrer namenlos bleibenden Protagonistin – einer geschiedenen, alleinerziehenden ...

MEINE MEINUNG

In ihrem aktuellen Roman „Ja, nein, vielleicht“ widmet sich die österreichische Autorin Doris Knecht erneut dem Leben ihrer namenlos bleibenden Protagonistin – einer geschiedenen, alleinerziehenden Mutter in ihren späten Fünfzigern, die sich nach dem Auszug ihrer Kinder in einem neuen Lebensabschnitt als alleinstehende „empty nester“ wiederfindet. Mit großer Authentizität und feinem Gespür für Zwischentöne schildert die Autorin den Prozess des Neuanfangs im Leben einer Frau, die sich mit ungeahnten Freiräumen konfrontiert sieht. Für die Protagonistin beginnt eine Zeit ohne die gewohnten Verpflichtungen, die nach außen hin von Ruhe und Gelassenheit geprägt scheint, in der sich jedoch neue Perspektiven, Chancen und vor allem persönliche Freiheit eröffnen. Zwischen Wehmut, inneren Zweifeln und vorsichtiger Zuversicht sucht sie nach einem neuen Selbstverständnis. Doch ihre neu gewonnene Unabhängigkeit wird schon bald durch unerwartete Ereignisse auf die Probe gestellt. So sieht sie sich gezwungen, sich nicht nur der komplexen Familiendynamik und grundlegenden Fragen zu ihrer Zukunft auseinanderzusetzen, sondern auch mit dem unausweichlichen Folgen des Älterwerdens und der eigenen Vergänglichkeit.

Der Roman entfaltet sich in kurzen, fragmentarischen Episoden, die das vielschichtige Leben der Ich-Erzählerin eindringlich erfahrbar machen. Die Protagonistin trägt dabei unverkennbar gewisse Züge der Autorin selbst.

Wir begleiten sie durch ihren Alltag, nehmen Anteil an ihren Erinnerungen und erleben ihr oft chaotisches Innenleben hautnah mit. Mit feinem Humor und einer ordentlichen Portion Selbstironie gewährt sie schonungslos Einblicke in ihre Selbstzweifel, Fehler, Verletzlichkeiten und Widersprüchlichkeiten. Die überraschende Begegnung mit Friedrich, einer alten Liebe, stellt die Protagonistin zudem vor die Frage, ob sie ihre Unabhängigkeit für eine neue Beziehung aufs Spiel setzen möchte. Während ihrer Suche nach Klarheit und neuen Gewissheiten gewinnt die komplex angelegte Protagonistin wertvolle Erkenntnisse über sich selbst, ihre veränderten Bedürfnisse und das Älterwerden. Knecht versteht es hervorragend, essentielle Lebensfragen in kleinen Alltagsbeobachtungen widerzuspiegeln und die Vielschichtigkeit weiblicher Selbstbestimmung im späteren Lebensabschnitt auszuloten.

Der Roman lebt somit weniger von unerwarteten Wendungen, sondern überzeugt durch feinsinnige, nuancierte Betrachtungen des Alltagslebens und regt nachhaltig zum Nachdenken über das eigene Leben an.

FAZIT
Ein feinfühliger und tiefgründiger Roman über das Loslassen, die Suche nach Selbstbestimmung und die Chancen des Neuanfangs – leise, humorvoll und voller lebensnaher Beobachtungen. Ein authentisches, facettenreiches Porträt einer Frau, die sich zwischen Vergangenheit und Zukunft, Bindung und Freiheit neu ausrichtet.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Der Klang der Stille – Ein äußerst feinsinniger Roman

Der Krabbenfischer
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MEINE MEINUNG
Der neue Roman Der Krabbenfischer von Benjamin Wood ist eine eindrucksvolle, nur rund 170 Seiten umfassende Erzählung, die mit ihrer leisen Melancholie und dichten Atmosphäre von der ersten ...

MEINE MEINUNG
Der neue Roman Der Krabbenfischer von Benjamin Wood ist eine eindrucksvolle, nur rund 170 Seiten umfassende Erzählung, die mit ihrer leisen Melancholie und dichten Atmosphäre von der ersten Seite an zu fesseln weiß. Gekonnt entführt uns Wood in die 1960er Jahre und den kleinen Küstenort Longferry, und lässt uns das raue, von den Naturgewalten geprägte Meeresklima und die karge, nebelverhangene Landschaft der Nordwestküste Englands unmittelbar spüren.
Im Mittelpunkt der an zwei aufeinanderfolgenden Tagen spielenden Geschichte steht der junge Krabbenfischer Thomas Flett, der sich Tag für Tag dem Rhythmus der Gezeiten folgend durch den schlickigen, einsamen Küstenstreifen kämpft und seine kräftezehrende, oft trostlose Arbeit verrichtet. Seine kleine, von Traditionen und familiärer Verantwortung geprägte Welt hält viele Entbehrungen und nur wenig glückliche Momente für ihn bereit.
Die Begegnung mit dem amerikanischen Regisseur Edgar reißt Thomas kurzzeitig aus seiner eintönigen Alltagsroutine heraus. Edgars verlockendes, zugleich aber auch eigenartiges Angebot, seine Vision einer perfekten Verfilmung vor Ort umzusetzen, bringt Thomas zum Innehalten und lässt ihn heimlich von Veränderung, Freiheit und einem besseren, selbstbestimmten Leben träumen. Während sich zwischen den beiden eine zarte Freundschaft entwickelt, beginnt Thomas, sich seinen unerfüllten Sehnsüchten zu stellen; sei es der Traum von eigener Gitarrenmusik oder der Wunsch, endlich den Mut aufzubringen, sich Joan, der Schwester seines Freundes, zu nähern.
Mit seinem prägnanten, einfühlsamen Schreibstil und zahlreichen poetisch ausdrucksstarken Bildern gelingt es Wood hervorragend, Thomas’ Alltag facettenreich und lebendig vor unserem inneren Auge entstehen zu lassen Mit viel Feingefühl zeichnet er das Gefühlsleben des Protagonisten, wobei stets viel Unausgesprochenes zwischen den Zeilen schwingt. Ob die herbe Schönheit des nebligen Wattenmeers, das mühsame Krabbenfischen mit Pferd und Wagen, die Kälte und Einsamkeit oder auch Thomas vorsichtiger Optimismus – Wood versteht es hervorragend, Landschaft und Natur ebenso eindringlich zu schildern wie Thomas Welt authentisch, ungeschönt und ohne jede Sentimentalität, einzufangen. Gekonnt zeichnet er das vielschichtige Porträt eines jungen Mannes, der im Spannungsfeld von Loyalität, Ohnmacht, Resignation und stiller Auflehnung seinem Traum von Selbstverwirklichung, ausgedrückt durch die eigene Musik, ein bisschen näher näherkommt.
Auf eindrucksvolle Weise setzt er der bedrückenden Trostlosigkeit und melancholischen Grundstimmung immer wieder einen Hauch von Hoffnung entgegen und hebt die leise Wirkkraft bescheidener Lebensziele und den sanften Zauber persönlicher Träume hervor. Behutsam verwebt er zudem faszinierende Elemente des magischen Realismus in die berührende Erzählung und verleiht ihr dadurch eine ganz eigene, betörende Magie.

FAZIT
Eine leise und einfühlsame Erzählung, die als berührende Momentaufnahme das Leben eines jungen Mannes portraitiert – bildgewaltig, psychologisch vielschichtig und atmosphärisch dicht erzählt. Ein nuancenreiches und intensives Leseerlebnis, das lange nachhallt und zum Nachdenken anregt.

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  • Cover
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 06.10.2025

Charmanter schwedischer Hygge-Krimi mit kleineren Schwächen

Knäckeblut
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MEINE MEINUNG

„Knäckeblut“ von Björn Berenz ist bereits der dritte Band seiner in Schweden angesiedelten Hygge-Krimireihe rund um den schwedischen Kommissar Lars und die resolute deutsche Buchhändlerin ...

MEINE MEINUNG

„Knäckeblut“ von Björn Berenz ist bereits der dritte Band seiner in Schweden angesiedelten Hygge-Krimireihe rund um den schwedischen Kommissar Lars und die resolute deutsche Buchhändlerin und Hobbydetektivin Ina, die ihren Lebensmittelpunkt ins idyllische Småland auf den idyllischen Tingsmålahof verlegt hat.
Mit seinem lebendigen, humorvollen Erzählstil und stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen versteht es Berenz, das winterliche Småland in all seiner verschneiten Pracht lebendig werden lassen und eine idyllische Atmosphäre zu schaffen, die zum Wohlfühlen einlädt. So gelingt es mühelos, in die hyggelige Stimmung dieses Wohlfühlkrimis einzutauchen.
Mit einem charmanten Augenzwinkern bedient Berenz in seinem Schwedenkrimi alle gängigen Klischees, die man als Deutscher über Schweden so im Kopf hat. Besonders gelungen sind hierbei auch die kleinen „Schwedisch für Anfänger“-Einschübe, die humorvoll schwedische Sprachkenntnisse vermitteln und geschickt das Schweden-Flair unterstreichen.
Der packende, beklemmende Prolog wirft gleich von Beginn an einen dunklen Schatten über die friedliche Szenerie. Die unheilvolle Vorahnung hängt schwer über der malerischen Landschaft und erzeugt gekonnt ein spannungsvolles Wechselspiel zwischen der behaglichen Winteridylle und dem drohenden düsteren Ereignis, dessen Eintreten zunächst zeitlich unbestimmt bleibt.
Mitten im sonst so ruhigen Treiben des Kunsthandwerkermarkts sorgt das rätselhafte, spurlose Verschwinden des jungen Glasbläsers für Aufregung. Zusätzlich erregen anonyme Drohbriefe, die verschiedene Umweltvergehen anklagen, weiteres Aufsehen. Als passionierte Krimileserin und versierte Hobbyermittlerin fühlt sich Ina natürlich herausgefordert, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen; insbesondere da ihr Schwiegersohn in spe, Kommissar Lars, die Ermittlungen nur halbherzig vorantreibt und sichtlich von privaten Problemen eingenommen ist.
Inas Ermittlungen ziehen sich jedoch in die Länge, und ihre beharrliche Einmischung wird von der örtlichen Polizei eher mit Missmut betrachtet. Trotz Inas unermüdlichen und mitunter unbequemen Engagements vergeht viel Zeit, bevor das bewährte Ermittlerduo letztlich gemeinsam tätig wird und die entscheidenden Spuren entdeckt.
Der vielversprechende Kriminalfall entfaltet sich leider nur sehr zäh, da immer wieder private Verstrickungen der Figuren in den Vordergrund treten und die eigentlichen Ermittlungen in den Hintergrund rücken. Dies beeinträchtigt den kontinuierlichen Spannungsbogen erheblich, wodurch der Krimi an Dynamik verliert und die angestrebte fesselnde Atmosphäre nur bedingt zustande kommt. Zusätzlich trüben logische Brüche und Inkonsistenzen im Handlungsverlauf etwas das Lesevergnügen.
Dieser Wohlfühlkrimi überzeugt vor allem durch seinen lebendigen Humor, spritzigen Wortwitz und flotte Dialoge, die für eine herrlich unterhaltsame Dynamik sorgen. Zudem lockert eine gehörige Portion Situationskomik das Geschehen immer wieder angenehm auf.
Berenz gelingt es besonders, seine Charaktere lebendig und facettenreich zu zeichnen, wodurch sie mit ihren Eigenheiten, Geheimnissen und Hintergründen für viel Abwechslung sorgen. Im Mittelpunkt steht die energische und etwas eigensinnige Ina, deren gelegentlich überhebliche Art und impulsiver Aktionismus nicht immer Sympathien weckt. Gerade diese Ecken und Kanten machen es jedoch spannend und unterhaltsam, ihre oft unkonventionellen Ermittlungen zu verfolgen. Einzig bei einigen der skurrilen Nebenfiguren vermisst man etwas mehr Präsenz in der Handlung, da diese durchaus mehr Potenzial für eine tiefgründigere Rolle gehabt hätten.
Es macht aber großen Spaß, eigene Theorien über Täter und Motive zu entwickeln, die durch überraschende Wendungen stets wieder überdacht werden müssen. Nach zahlreichen falschen Fährten und einer dramatischen Zuspitzung überrascht uns Berenz am Ende mit einem gelungenen Plottwist und einem packenden Finale, in dem die verschiedenen Handlungsstränge schließlich zu einer stimmigen und überraschenden Auflösung zusammengeführt werden.

FAZIT
Unterhaltsamer Wohlfühlkrimi, der mit seinem humorvollen Erzählstil und hyggeliger Atmosphäre punktet. Wer über nur mäßige Spannung sowie einige Ungereimtheiten und Logikschwächen hinwegsehen kann, findet dennoch einen kurzweiligen Cosy Crime vor der winterlichen Kulisse Smålands.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Brillanter Auftakt mit viel britischem Flair

Der Tote im Kamin
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MEINE MEINUNG
„Der Tote im Kamin“ von Denzil Meyrick ist ein atmosphärisch dichter, etwas skurriler Spannungsroman mit viel britischem Humor, der den gelungenen Auftakt zu einer historischen Krimi Reihe ...

MEINE MEINUNG
„Der Tote im Kamin“ von Denzil Meyrick ist ein atmosphärisch dichter, etwas skurriler Spannungsroman mit viel britischem Humor, der den gelungenen Auftakt zu einer historischen Krimi Reihe um den sympathischen Ermittler Inspector Frank Grasby bildet.
Gekonnt entführt uns Meyrick in das verschneite Winteridyll von Elderby, einem abgeschiedenen Dorf in den North York Moors, mitten im Dezember 1952.
Im Mittelpunkt steht Inspector Frank Grasby, der nach einem fatalen Missgeschick in das beschauliche Dörfchen Elderby strafversetzt wird, um dort eine Einbruchserie aufzuklären. Als dem Inspector bei seinen Befragungen zu einem Einbruchsversuch im adligen Herrensitz Holly House eine Leiche aus dem Kamin entgegenstürzt, muss Grasby schon am ersten Tag in einem komplexen Mordfall ermitteln. Doch schon bald erschüttert ein neues rätselhaftes Verbrechen den scheinbar friedlichen Alltag in Elderby. Mit einer weiteren unerwarteten Wendung verwandeln sich Grasbys Ermittlungen immer mehr in ein perfides Katz-und-Maus-Spiel, bei dem niemand mehr wirklich vertrauenswürdig erscheint.

Angelegt ist die Geschichte aus Grasbys retrospektiver Perspektive als „Memoiren eines Ermittlers“, in die bisweilen Polizeiberichte, Zeugenaussagen und Tagebucheinträge als neutrale Perspektiven eingeschoben sind.
Die klug konstruierte Handlung entfaltet sich zunächst in der verschneiten Winterkulisse der North York Moors und nimmt dann allmählich Fahrt auf. Die Spannung baut sich behutsam auf und wird von einem feinen Geflecht aus Verdächtigungen, Täuschungen, dunklen Dorfgeheimnissen und unheilvollen Verwicklungen getragen.
Meyrick gelingt es mit seinen eindrucksvollen Schilderungen hervorragend, ein überzeugendes und teils melancholisches Lokalkolorit einzufangen. Dabei werden nicht nur die unterschiedlichen Schauplätze und die winterliche Atmosphäre der North York Moors lebendig und fesselnd dargestellt, sondern auch das Setting der ländlichen Nachkriegsprovinz wird authentisch und atmosphärisch dicht geschildert. Darüber hinaus versteht er es, ein stimmiges Zeitkolorit sowie ein facettenreiches Gesellschaftsporträt zu zeichnen. Durch detailreiche Beschreibungen wird die eigentümlich angespannte Stimmung der frühen 1950er Jahre greifbar, wobei gesellschaftliche Konventionen, Vorurteile, Klassenbewusstsein, Nahrungsmittelrationierungen und die Sehnsucht nach Stabilität in präzisen Alltagsbeobachtungen und pointierten Darstellungen anschaulich vermittelt werden.
Beeindruckend ist zudem Meyricks Erzählstil, der den Zeitgeist der frühen 1950er Jahre gekonnt einfängt.
Besonders facettenreich und lebensnah ist Meyricks Figurenzeichnung, insbesondere die des vielschichtigen Protagonisten Inspector Frank Grasby. Der etwas unbeholfene, liebenswert-exzentrische Ermittler besticht trotz einiger Schwächen durch britisches Understatement, beeindruckende Entschlossenheit und seinen Charme. Seine Interaktionen mit den eigenwilligen Dorfbewohnern und Zusammenarbeit mit dem narkoleptischen Sergeant Bleaking und der attraktiven Praktikantin Deedee, einer amerikanischen Kriminologie-Studentin, sorgt für so manches humorvolle Missverständnis.
Daneben überzeugen auch die gut ausgearbeiteten, schillernden Nebenfiguren, die mit einer gehörigen Portion schrulligem Charme ausgestattet sind. Neben Grasbys kauziger Vermieterin Mrs. Gaunt und ihrem Raben sorgen auch seine Polizeikollegen sowie eine Vielzahl kurioser Dorfbewohner für humorvolle Momente und spritzige Situationskomik. Ein besonderes Highlight ist der ironische, schwarz-humorige Erzählstil, gepaart mit typisch britischem Understatement und witzigen Dialogen, die immer wieder für zahlreiche Momente zum Schmunzeln bieten.
Was zunächst als klassischer britischer Whodunnit vor nostalgischer Kulisse mit charmantem Cosy-Crime-Flair beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einem wendungsreichen Agententhriller im Spannungsfeld des Kalten Krieges. Die Handlung gewinnt an Komplexität und Tiefe, während sich hinter den idyllischen Fassaden politische Intrigen und gefährliche Verschwörungen von weitreichender Dimension verbergen.
Der komplexe Kriminalfall rund um Inspector Frank Grasby lädt nicht nur zum Miträtseln ein, sondern hält dank zahlreicher raffinierter Wendungen den Spannungsbogen durchgängig hoch. Immer neue, verwirrende Enthüllungen führen uns geschickt an der Nase herum und halten uns bis zur letzten Seite in Atem, bis uns schließlich der Autor mit einer vollkommen unerwarteten, aber stimmigen Auflösung überrascht.
Ein wirklich besonderes Leseerlebnis, das Lust auf weitere Fälle mit Inspector Grasby macht.
FAZIT
Ein fesselnder, historischer Spannungsroman, der ein faszinierendes Gesellschaftspanorama der frühen 1950er Jahre zeichnet - voller britischem Witz, faszinierenden Charakteren verblüffenden Twists und stimmigem Zeitgeist.
Ein empfehlenswerter Lesegenuss für Freunde historischer Spannung!

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Jenseits des Mythos - Beeindruckende Biografie

Peggy Guggenheim
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MEINE MEINUNG

Mona Horncastle ist mit ihrer faszinierenden Biografie „Peggy Guggenheim – Freigeist, Mäzenin, Femme fatale“ ein facettenreiches Porträt eine der schillerndsten und vielleicht auch widersprüchlichsten ...

MEINE MEINUNG

Mona Horncastle ist mit ihrer faszinierenden Biografie „Peggy Guggenheim – Freigeist, Mäzenin, Femme fatale“ ein facettenreiches Porträt eine der schillerndsten und vielleicht auch widersprüchlichsten Persönlichkeiten der Kunstwelt des 20. Jahrhunderts gelungen. Mit ihrem prägnanten, lebendigen Erzählstil nimmt sie uns mit auf eine fesselnde Entdeckungsreise, die nicht nur bemerkenswerten Aspekte der berühmten Kunstförderin, sondern auch ihre inneren Brüche sichtbar macht.

Ihre Biografie über Peggy Guggenheim bietet einen tiefgründigen und erfreulich vorurteilsfreien Einblick in das Leben und die außergewöhnlichen Leistungen der berühmten Mäzenin, Kunstsammlerin und Förderin moderner Kunst und präsentiert uns vor allem den Menschen hinter dem Mythos. Zum Vorschein kommt eine beeindruckende Frau sowie eine visionäre und couragierte Kämpferin für die Kunst, die zeitlebens mit Humor, Ironie und beeindruckender Selbstreflexion gegen Vorurteile und Klischees ankämpfte.

Bewusst verzichtet die Autorin die Darstellung von Peggys skandalisiertem Privatleben und oberflächlichen Klatschgeschichten über ihre zahlreichen Affären mit berühmten Persönlichkeiten, sondern konzentriert sich auf eine nuancierte Betrachtung ihrer vielschichtigen Persönlichkeit und ihres Lebenswerks. Besonders eindrucksvoll gelingt Horncastle der Balanceakt zwischen dem glamourösen Image der Kosmopolitin und den psychologischen Abgründen hinter der Fassade – ihren wechselvollen Liebesbeziehungen, seelischer Krisen und den oft widersprüchlichen Entscheidungen ihres Lebens. Berührend beschreibt Horncastle auch die zerrissenen familiären Beziehungen, insbesondere Peggys komplizierte Rolle als Mutter, ohne jedoch von ihrem Hauptanliegen abzuschweifen. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen ihrer Verletzlichkeit und ihres mutigen Engagements für die Moderne Kunst zeigt sich die faszinierende Komplexität dieser Frau.

Horncastle widmet sich insbesondere auch der Frage, wie Guggenheims Lebensleistung losgelöst von Geschlechterklischees beurteilt würde. Sie macht eindrucksvoll deutlich, dass viele Anfeindungen und Vorurteile gegenüber Peggy auf ihr Frausein und ihre Rolle in einer männlich dominierten Kunstwelt zurückzuführen sind. Anschaulich porträtiert sie Peggy als emanzipierte Frau, die sich gegen die vorherrschenden Zwänge ihrer Epoche durchsetzte und unbeirrbar ihren Weg ging. Die Autorin legt großen Wert auf eine wissenschaftlich fundierte Einbindung der Biografie in die komplexen kulturhistorischen und gesellschaftlichen Kontexte der jeweiligen Epoche, insbesondere der Umbrüche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gekonnt lässt sie dabei Peggys Leben in verschiedenen Episoden lebendig werden. So folgen wir ihren Spuren von den privilegierten Ursprüngen in der New Yorker Guggenheim-Dynastie über die ersten Schritten als junge Frau in der kosmopolitischen Pariser Avantgarde der 1920er Jahre. Zudem erfahren wir über ihren mutigen Einsatz als Fluchthelferin zur Rettung vieler Künstler und ihrer Werke vor dem Zugriff den Nazis. ihrer prägenden Rolle als Förderin und Impulsgeberin moderner Kunst in New York sowie schließlich dem Aufbau ihres kulturellen Vermächtnisses mit ihrem Museum in Venedig. Eindrucksvoll arbeitet Horncastle auch weniger bekannte Aspekte heraus. So unterstützte Guggenheim nicht nur avantgardistische Kunstschaffenden wie Marcel Duchamp, Max Ernst oder Jackson Pollock sondern förderte auch Künstlerinnen wie Leonora Carrington. Ihr außergewöhnliches Gespür für innovative Strömungen und ihre Risikobereitschaft prägten die moderne Kunst maßgeblich.

Mit beeindruckender Faktenfülle, zahlreichen Briefzitaten und einer Vielzahl präzise eingebundener Namen gelingt Mona Horncastle eine außergewöhnlich dichte Dokumentation von Peggy Guggenheims facettenreichem Leben und Wirken. Ihre umfassende, packend erzählte Biografie weckt Neugier auf weitere Entdeckungen rund um diese widersprüchliche und inspirierende Frau, die verletzlich und couragiert, visionär wie exzentrisch war – und deren kompromissloses Engagement die Kunstwelt auch heute noch enorm inspirierend ist.


FAZIT

Eine rundum gelungene Biografie mit einem differenzierten, eindrucksvollen Porträt von Peggy Guggenheim als faszinierende komplexe Persönlichkeit und außergewöhnliche Kunstmäzenin.

Eine anregende und bereichernde Lektüre für alle, die sich für Kunst, Kulturgeschichte und besonders für die Rolle starker Frauen in der Modernen Kunst interessieren.

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