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Veröffentlicht am 10.09.2021

Der Serienmörder ist wieder da

Ausweglos
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Eine angelehnte Wohnungstür, dahinter eine arg zugerichtete Frauenleiche und ein verletzter, bewusstloser Mann. Die Tote ähnelt den Opfern eines Serienmörders in Hamburg und führt scheinbar zu einer neuen ...

Eine angelehnte Wohnungstür, dahinter eine arg zugerichtete Frauenleiche und ein verletzter, bewusstloser Mann. Die Tote ähnelt den Opfern eines Serienmörders in Hamburg und führt scheinbar zu einer neuen Spur.

Rasant und einnehmend ist Fabers Schreibstil. Mit drei Hauptfiguren bestreitet er diesen einzigartigen Thriller, indem Noah, Elias und Linda jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen. Durch die prägnante Sprache entsteht ein Tempo, dem man sich kaum entziehen kann und auch inhaltlich spannt sich ein fesselnder Bogen von der ersten bis zur letzten Seite.

Kurz und übersichtlich sind die einzelnen Kapitel gehalten, die Handlung kommt mit wenigen Figuren aus, wodurch der Leser einen guten Überblick bewahren kann, obwohl er ständig den Blickwinkel wechselt. Mehrere Überraschungen sorgen trotz der knapp fünfhundert Seiten für absolute Kurzweile, Elias, der außergewöhnliche Alleingänger unter den Ermittlern, tappt im Dunkeln.

Henri Faber hat mit diesem Thriller ein bemerkenswertes Debut geliefert, über das man nicht viele Worte zu verlieren braucht: die geniale, dynamische Schreibweise spricht für sich. Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall weiter!



Titel Ausweglos

Autor Henri Faber

ISBN 978-3-423-21977-8

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 496 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook und Hörbuch

Erscheinungsdatum 23. Juli 2021

Verlag dtv

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Veröffentlicht am 07.09.2021

Die verschiedenen Vier

Weil wir Schwestern sind
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Katharina, Herzchirurgin, Judith, Lehrerin an einer sogenannten Problemschule, Eva, Hausfrau und Mutter, sowie ehemals Kanzleiassistentin und Miriam, genannt Mimi, Weltenbummlerin, sie alle verbindet eines: ...

Katharina, Herzchirurgin, Judith, Lehrerin an einer sogenannten Problemschule, Eva, Hausfrau und Mutter, sowie ehemals Kanzleiassistentin und Miriam, genannt Mimi, Weltenbummlerin, sie alle verbindet eines: sie sind Schwestern, allerdings so unterschiedlich, wie es nur sein kann. Als nun nach siebenundzwanzig Jahren ein Lebenszeichen ihrer Mutter aus Nepal auftaucht, treten fast vergessene Wunden über den Verlust der Mutter zutage, die sich ganz einfach damals aus dem Staub gemacht und Hamburg verlassen hat. So unterschiedlich, wie sie nun einmal sind, fallen auch die Reaktionen auf eine mögliche Rückkehr von Hannah aus.

In fabelhaftem Schreibstil lässt uns Lucy Astner die vier Schwestern kennenlernen. Die Autorin wählt die Sicht des neutralen Erzählers und stellt dabei in jedem Kapitel eine der jungen Frauen in den Mittelpunkt. Ich bin begeistert davon, wie man ganz durchschnittliche Alltagssituationen so interessant und ansprechend schildern kann. Auf knapp fünfhundert Seiten kommt keine Langeweile auf, die Szenen sind zum Schmunzeln, zum Mitleiden, zum Empören und zum Freuen. Vollkommen realistisch treten dem Leser die vier Schwestern entgegen und sind so bildhaft charakterisiert, dass man sich gut mit einer von ihnen identifizieren und die anderen zumindest verstehen kann. Mitten aus dem Leben gegriffen sind alle Schauplätze, sodass man sofort eintaucht in diese wunderbare Geschichte und die kurzen und übersichtlichen Kapitel nur so dahinfliegen.

Von der ersten Seite weg fesselt Astner ihre Leser und spannt einen logisch nachvollziehbaren Bogen bis zur Überraschung, die am Ende nicht ausbleiben darf. Durch die klare Charakterisierung aller Figuren fügen sich alle Fäden schlüssig zusammen und ergeben einen stimmigen und warmherzigen Roman, den ich sehr, sehr gerne weiter empfehle.



Titel Weil wir Schwestern sind

Autor Lucy Astner

ISBN 978-3-442-48955-8

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 480 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 16. August 2021

Verlag Goldmann

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Das verborgene Wien

Donaumelodien - Totentaufe
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Wien, 1876: Der Geisterfotograf Hieronymus Holstein und sein Weggefährte, der bucklige Franz, unterstützen die polizeilichen Ermittlungen rund um grausam zugerichtete Tote. Selbstverständlich nicht ganz ...

Wien, 1876: Der Geisterfotograf Hieronymus Holstein und sein Weggefährte, der bucklige Franz, unterstützen die polizeilichen Ermittlungen rund um grausam zugerichtete Tote. Selbstverständlich nicht ganz uneigennützig, will doch Hieronymus im Gegenzug dafür Informationen zu seiner verschollenen Liebe einholen.

Mit „Habe die Ehre“ und „G‘schamster Diener“ fühlt sich der Leser sofort ins einstige Wien zurückversetzt, wobei hier jedoch kein Besuch von erlauchten Herrschaften und erlesenen Kaffeehäusern stattfindet und der Gugelhupf keine Süßspeise ist, sondern der Leser zwischen Sliwowitz und Brandineser die Nachforschungen begleitet und sogar zu den Strottern und Griaslern (Ausgestoßene, Obdachlose – weniger geläufige Ausdrücke werden mittels Fußnoten im Buch erklärt) ins Kanalnetz hinabsteigt. Auch das Wien jenseits der Donau, nämlich Kaisermühlen, spielt eine kleine Rolle, wodurch dieser Wienkrimi zu einem ganz besonderen wird. Neben den detailreich geschilderten Vierteln in der Hauptstadt gibt es auch viele interessante Einblicke in eher unbekannte Lebenswelten, wie jene der zugezogenen „Ziegelbehm“, die auch geschichtlich dokumentiert sind.

So erschafft Autor Bastian Zach einen hervorragend recherchierten Hintergrund für unerklärbare Morde, schreibt mit einer guten Portion Wiener Schmäh über Untergrundgestalten und Irre. Viele historisch belegte Einzelheiten untermalen die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Toten und lassen ein Wien von früher wieder lebendig werden. Alles wird umso lesenswerter, als mit Hieronymus und Franz zwei schlitzohrige und schlagfertige Figuren im Mittelpunkt stehen, die einem sofort sympathisch sind. Aber auch Anezka mit ihrer Kinderschar steht den beiden um nichts nach, sie sorgt für das Wohl ihrer zwei Mieter ebenso wie für einiges Schmunzeln beim Leser.

Mit einem ruhigen Schreibstil, gespickt mit Wiener Ausdrücken und einer Menge Humor, entsteht ein sehr authentischer Krimi, der gut durchdacht ist und für die eine oder andere Überraschung sorgt. Eingestreute Hinweise auf vergangene Abenteuer lassen Neulinge in Sachen Donaumelodien jedenfalls neugierig werden, nicht nur auf etwaige Folgebände, sondern auch auf den Vorgänger „Praterblut“, den ich unbedingt bald lesen möchte.

Fazit: ein empfehlenswerter Roman, der auf vielen Ebenen punkten kann: Titelbild, Recherche, Sprachstil, Charaktere und Handlung, woraus ein wunderbarer Gesamteindruck resultiert!



Titel Donaumelodien - Totentaufe

Autor Bastian Zach

ISBN 978-3-8392-0021-6

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 315 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Reihe Geisterfotograf Hieronymus Holstein

Erscheinungsdatum 7. Juli 2021

Verlag Gmeiner

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Zukunft

Network
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„Den Menschen muss gesagt werden, was sie tun sollen. Der normale Bürger braucht Regeln.“ (Zitat Pos. 6104, Kapitel Nothing happens)

Das Berlin im Jahre 2046 weist recht deutliche Unterschiede zur heutigen ...

„Den Menschen muss gesagt werden, was sie tun sollen. Der normale Bürger braucht Regeln.“ (Zitat Pos. 6104, Kapitel Nothing happens)

Das Berlin im Jahre 2046 weist recht deutliche Unterschiede zur heutigen Stadt auf: die großteils arbeitslosen Menschen der ehemaligen Mittelschicht müssen beschäftigt werden und sind daher gezwungen, einer Netzarbeiter-Tätigkeit nachzugehen. Wer sich weigert, wird ausgestoßen und verliert sämtliche Bürgerrechte und sein regelmäßiges Bürgergeld. Diese Elenden kämpfen in den heruntergekommenen Außenbezirken ums bloße Überleben.

Ein wunderschönes Titelbild und ein vielversprechender Klappentext wecken die Neugier auf diesen Zukunfts-Thriller. Tatsächlich ist der Beginn mit Mallmann, dem Erfinder des Virtual-Work-Gesetzes, spannend, aber rasch wird man beim Lesen des Schreibstils überdrüssig, der vornehmlich aus aneinandergereihten, kurzen Hauptsätzen besteht und durch keinerlei Flüssigkeit geprägt ist. Die handelnden Personen werden vorgestellt, als würde man Steckbriefe in einer Computerdatei lesen: stets ungefähres Alter, Frisur, mögliche Herkunft, etc. Alles klingt so hölzern und schematisiert, aber eventuell ist genau das der Effekt, der erzielt werden soll, um die systematische Ordnung der künftigen Vereinigten Staaten Europas zu charakterisieren. Dennoch geht der Kern der Handlung um Mallmanns Ermordung und die Auslöschung einiger virtueller Identitäten verloren in langatmigen Schilderungen der künftigen Lebenswelt. Immer wieder schweift der Autor ab und zerfasert den roten Faden, wodurch etliche Strecken entstehen, die nichts mit den Kriminalfällen zu tun haben.

Allein die dystopische Zeichnung einer Welt, in der wir uns vielleicht in wenigen Jahren tatsächlich befinden, ist bedrückend und regt zum Nachdenken an.



Titel Network

Autor Ansgar Thiel

ISBN 978-3-8392-0065-0

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 505 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 4. August 2021

Verlag Gmeiner

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Veröffentlicht am 30.08.2021

Besoffen

Neben wem du erwachst
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Während ihr Ehemann Niall auf einer Geschäftsreise im Ausland weilt, vergnügt sich Louise mit ihrer Freundin April in einem Nachtclub – und wacht am Morgen danach neben einer kalten Leiche auf.

Spannend ...

Während ihr Ehemann Niall auf einer Geschäftsreise im Ausland weilt, vergnügt sich Louise mit ihrer Freundin April in einem Nachtclub – und wacht am Morgen danach neben einer kalten Leiche auf.

Spannend lässt sich dieser Krimi an, teils aus der Sicht der Ermittler, teils als Brief Louisens an Niall, in dem sie ihre Vergangenheit als farbloses Mauerblümchen aufarbeitet und ihre Alkoholsucht begründet. Für Kenner der Serie gibt es ein freudiges Wiedersehen mit „alten Bekannten“ aus dem Ermittlerteam rund um DCI Jonah Sheens und einigen eingestreuten Einblicken ins Privatleben, gut dosiert, gerade für alle Zusammenhänge passend.

Wie gewohnt, ist der Schreibstil flüssig zu lesen, die Kapitel in angenehmer Länge und beleuchten Schritt für Schritt mühsame Polizeiarbeit, weil die einzige Zeugin sturzbetrunken war und sich an nichts erinnern kann. Gekonnt lenkt die Autorin den Tatverdacht auf einige wenige Personen und bewahrt dadurch einen guten Überblick. Während die ersten beiden Drittel des Romans eher ruhig verlaufen, kommt später deutlich mehr Dynamik auf, welche den Leser nun nicht mehr loslässt. Allerdings kommen jetzt fast zu viele Wendungen und Überraschungen ins Spiel, sodass die Glaubwürdigkeit ein klein wenig darunter leidet.

Trotz dieser geringfügigen Kritik ist auch Band 3 der Reihe wieder absolut lesenswert. Eine interessante Grundidee und ein sympathisches Ermittlerteam bescheren spannende Krimistunden.



Titel Neben wem du erwachst

Autor Gytha Lodge

ISBN 978-3-455-01229-3

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 400 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 3. August 2021

Reihe Detective Chief Inspector Sheens ermittelt

Verlag Hoffmann und Campe

Originaltitel Lie beside me

Übersetzer Sepp Leeb, Kristian Lutze

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