es ist nicht leicht, Mensch zu sein
WiederholungDer Roman wirkt sehr lebensnah und deutlich, es könnte sich auch um eine Aufarbeitung von tatsächlich erlebten Verletzungen aus der Vergangenheit sein. Die Autorin spricht unangenehme Themen an, sie ist ...
Der Roman wirkt sehr lebensnah und deutlich, es könnte sich auch um eine Aufarbeitung von tatsächlich erlebten Verletzungen aus der Vergangenheit sein. Die Autorin spricht unangenehme Themen an, sie ist direkt, ehrlich, aber sie lässt dennoch viel Raum, um zwischen den Zeilen zu lesen, die Gedanken schweifen zu lassen und das unausgesprochene zu verarbeiten. Die Erzählperspektive der Ich-Erzählerin wechselt von der Gegenwart in die Vergangenheit, ausgelöst durch eine Beobachtung von ihr und dort bleibt sie hängen und arbeitet die schwierige und bedrückende Jugendzeit auf. Die erste Liebe, die eigentlich eine schöne Erfahrung sein sollte, wird überschattet vom Kontrollzwang der Mutter, von Lügen, Familiengeheimnissen, Missbrauch steht ungesagt im Raum, wird nie direkt angesprochen, aber ist dennoch präsent, nur nicht in Worten. Das Vertrauen in die eigene Familie ist zerstört, nach außen hin spielt man die Rolle der funktionierenden Familie. In Gedanken und im Tagebuch wird festgehalten, dass das „was wir erdichten, von größerer Bedeutung sein kann, als das, was wahr ist“. Auch dass „Aussage gegen Aussage“ gegenüberstehen, eindeutige Beweise gibt es nicht und wem wird man trauen? Dem Familienvater, der das Geld verdient und die Ehefrau und Geschwister hinter sich hat oder der pubertierenden Tochter mit blühender Fantasie? Das Buch ist emotional herausfordernd und nicht einfach zu verarbeiten und ist einprägsam und bewegend. Es wirkt auch lange nach dem Lesen noch nach, wiederholend und wiederholend.