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Veröffentlicht am 12.10.2025

Welch schöne Sprache!

Ehrenwerte Affen
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Ehrenwerte Affen von Michael Köhlmeier

„Es wird noch ein bisschen etwas von einem Traum sein.“ S. 11

Michael Köhlmeier schreibt Märchen, Fabeln und Sagen von Mensch und Tier, biblische, moderne und klassische ...

Ehrenwerte Affen von Michael Köhlmeier

„Es wird noch ein bisschen etwas von einem Traum sein.“ S. 11

Michael Köhlmeier schreibt Märchen, Fabeln und Sagen von Mensch und Tier, biblische, moderne und klassische Texte, die in diesem zauberhaft aufgemachtem Büchlein vereint sind. Viele Gattungen aus Wald Feld und Flur, nebst dem Menschen, ringen um Anerkennung, Frieden und Gerechtigkeit. In siebzehn Geschichten spornt uns der Autor auf unterhaltsame Weise zum Nachdenken an. Er verpackt seine Weisheiten geschickt, so dass sich der Sinn oft erst beim zweiten Hinschauen offenbart. Manchmal lässt man des Geschriebene einfach auf sich wirken. Mir haben die Geschichten zum Teil recht gut gefallen. Andere Sachen des Autors sind mir bleibender in Erinnerung geblieben. Ein kleines, liebevolles, kurzweiliges Buch; gern zum Verschenken.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Buon appetito, ein Reise-Rezept-Buch

Il mondo della Pasta
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Il Mondo Della Pasta von Domenico Gentile

„Es gibt wohl keine Hausfrau in Apulien, die nicht ein Pastabrett zu Hause hat, um für die Familie frische Pasta von Hand zu machen.“ S.68

Die ganze Welt der ...

Il Mondo Della Pasta von Domenico Gentile

„Es gibt wohl keine Hausfrau in Apulien, die nicht ein Pastabrett zu Hause hat, um für die Familie frische Pasta von Hand zu machen.“ S.68

Die ganze Welt der italienischen Pastaformen, ihre Saucen und Rezepte findet der Autor auf seiner Reise durch Italien und beim Kochen mit Freunden und lieben Menschen. Die Fotografien von Oliver Brachat zeigen die zwischenmenschliche Nähe und Liebenswürdigkeit und sind zudem eine Liebenserklärung an das Handwerk der Pastaherstellung. Der informative Text mit zahlreichen Hintergrundinformationen, die leckeren Rezeptvorschläge mit Schritt für Schritt Anleitungen sowie die vielen Bilder wecken die Reiselust und lassen dem Leser das Wasser im Mund zusammenlaufen. Dieses Buch ist eine Hommage an die Nudel, eine Liebeserklärung an Italien. Ich habe mich selbst an den Rezepten ausprobiert und wurde mit schmackhaften Gerichten belohnt. Besonders gefallen haben mir die Ragu- und Suppentezepte. Auch vegetarische Rezeptvorschläge kommen nicht zu kurz. Die unglaubliche Vielfalt der italienischen, originalen Pastazubereitung hat mich erstaunt. Es lohnt sich, einmal die eingedeutschten Rezepte gegen die original italienische Zubereitung einzutauschen. Geschmacklich sind diese oft einfachen Sachen unglaublich lecker! Selbstgemachte Gnocci und die süßen Nudeln lohnen einen Versuch! Der Halbitaliener versteht sein Handwerk, ist er zwischen Nonnas und traditionellen Gaumenfreuden aufgewachsen. Domenico Gentile hat eine Leidenschaft zum Beruf gemacht und diese Lektüre ist ihm vortrefflich gelungen!

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Aus dem Nähkästchen geplaudert, tutto bene!

Alle weg
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Alle weg - Mein Winter an der Adria von Stefan Maiwald

„Das Leben wird in der Nebensaison auf angenehme Weise gleichförmig, die Tage ähneln einander. Und das ist sehr schön und tut, finde ich, der geistigen ...

Alle weg - Mein Winter an der Adria von Stefan Maiwald

„Das Leben wird in der Nebensaison auf angenehme Weise gleichförmig, die Tage ähneln einander. Und das ist sehr schön und tut, finde ich, der geistigen Gesundheit gut. Wir alle können uns ungestört unseren kleinen und großen Ritualen widmen,... .“ S. 51

Die ruhigen Töne von Stefan Maiwald sind nicht minder spannend, wie seine Erzählungen vom Sommer in Italien, speziell aus Grado und von der Adriaküste. Vom September bis in den April hinein, eine Herbst- und Winterinspiration, in der die Einheimischen zur Ruhe kommen. Doch ihre Geschichten und Begebenheiten erzählen von einem liebevollen und intensiven Miteinander. Der Autor schreibt vertraut, lustig, auf den Punkt. Sein einzigartiger Schreibstil ist wie eine gute Unterhaltung mit einem Freund und macht das Lesen so angenehm. Die seiten fliegen dahin und man fühlt sich selbst als Teil in Pinos Bar oder inmitten der großen Familie.
Eine Reise im Herbst, um die Sommersaison und den Urlaub in Italien nachklingen zu lassen, lohnt sich mit Sicherheit. Es ist anders, doch laut Stefan Maiwald nicht weniger schön. Denn abseits der agilen Sommermonate findet man hier Ruhe, Inspirationen und die Schönheit der Natur, nette Menschen, Gespräche und Geschichten über die Bewohner. Wer das mag, ist in der Nebensaison genau richtig hier. Dieses Jahr habe ich es verpasst, doch nächstes Jahr heißt mein Ziel Grado im Oktober mit Hund, denn auch für die Vierbeiner ist es an der Küste zu dieser Jahreszeit sehr angenehm.

Fazit: Stefan Maiwald ist ein Garant für erstklassige Unterhaltung! Ein Aufatmen und zurück zu den Basics zwischen Tradition und Eigenarten, perfekt für kurzweilige Lesestunden!

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Krimikomödie nach Art von Grasby

Der Tote im Kamin
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Der Tote im Kamin - Ein Fall für Inspector Frank Grasby von Denzil Meyrick (Dumont)

„Was für ein hübscher Kerl“, bemerke ich lächelnd.
„Wie bitte?“, fragt Wally einigermaßen verdutzt.
„Ihr Hund. Er heißt ...

Der Tote im Kamin - Ein Fall für Inspector Frank Grasby von Denzil Meyrick (Dumont)

„Was für ein hübscher Kerl“, bemerke ich lächelnd.
„Wie bitte?“, fragt Wally einigermaßen verdutzt.
„Ihr Hund. Er heißt Bill, nicht wahr?“
„Meine Güte, Inspector, Sie sind ja auf Zack. Kaum hier angekommen, und Sie kennen schon die Namen der Haustiere im Dorf. Jemanden wie Sie haben wir gebraucht.“
„Was meinen Sie damit?“
„Na ja, hier herrscht ein ausgewachsenes Chaos, und Bleakly ist wohl kaum in der Lage, allein einen Mord aufzuklären.“ S.183

Ja, schnell eingelebt hat sich der Inspector ins beschauliche Elderby. Doch die all zu schnell aus dem Kamin gepurzelte Leiche bestätigt den Anschein vom beschaulichen Landleben keineswegs. Denn Grasby, seine amerikanische Praktikantin Miss Dean oder einfacher Deedee und der allzeit müde Sergeant Bleakly haben alle Hände voll zu tun, als kurze Zeit später eine zweite Leiche auftaucht. In dieser ruhigen vorweinachtlichen Atmosphäre im Jahr 1952 ist reichlich kriminelle Energie vorhanden. Hier gilt es den Dorfbowohnern einmal genauer auf die Finger zu schauen.
Mit gewieften Dailogen, einer Portion schwarzhumoriger Episoden und liebenswert schrägen Charakteren erzählt Denzil Meyrick einen spannenden Cozy-Crime-Roman. In einem angemessenen Tempo und der Zeit entsprechend besticht die Geschichte durch angenehmen Lokalkolotit. Man spürt den Zeitgeist und erkennt beim Lesen gesellschaftliche Besonderheiten und Probleme.
Die Figuren konnten mich voll überzeugen und bestechen durch ihre typischen Charaktereigenschaften und teils schrägen Besonderheiten. Genauer der Inspektor mit seiner liebenswert tollpatschigen und doch direkten Art konnte mich mit seinen Aktionen fesseln.
Der Autor wählt Grasby bewusst als Ich-Erzähler aus. Basierend auf Tagebucheinträgen, Notizen, Polizeiberichten und Erinnerungen sowie Erzählungen entfaltet sich das abenteuerliche Leben des Frank Grasby nun vor den Augen der Leserschaft. Und zum Glück hat das alles Denzil Meyrick in seinen Roman zusammengefasst. Denn der leicht sonderbare Ich- Erzähler verleiht dem Gesagten einen besonderen Stil, den ich sehr mag.

Fazit: Ein wunderbarer Fall! Sehr lesenswert! Und einen Dank an den britischen bsw. schottischen Humor!
Danke und Chapeau Denzil Meyrick!

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Lazar, anmutig und schön

Lázár
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Lazar von Nelio Biedermann

Er saß dort, das schneeweiße Hemd mit rotbrauner Sauce bespritzt, an der Stelle des Herzens das Stück Rindfleisch, und konnte nicht sagen, wer dieses Kind war. Zwar wusste der ...

Lazar von Nelio Biedermann

Er saß dort, das schneeweiße Hemd mit rotbrauner Sauce bespritzt, an der Stelle des Herzens das Stück Rindfleisch, und konnte nicht sagen, wer dieses Kind war. Zwar wusste der Baron, dass es für sein Leben von Bedeutung war, aber weshalb fiel ihm nicht ein. So, jeder voreingenommenen Betrachtung enthoben, sah er Lajos zum ersten Mal, wie er wirklich war: blondhaarig, blauäugig, quallenhäutig.
Da fiel es ihm wieder ein: Das sollte sein Sohn sein. Dabei glich er ihm kein bisschen.
„Bist du dir sicher, dass das Kind von mir ist?“, fragte er spaßeshalber und gleichzeitig erkennend, dass er sich vor der Antwort fürchtete. S.18/19

In seinem 2. Roman erzählt der junge Autor Nelio Biedermann eine Familiengeschichte über mehrere Generationen. Diese ist inspiriert vom Schicksal seiner Anverwandten, einer ungarischen Adelsfamilie. Der Autor beschreibt die Blüte bis zum Niedergang des Adelsgeschlechts im zeitlichen Kontext zur historischen Geschichte des letzten Jahrhunderts. Beginnend kurz vorm Ausbruch des ersten Weltkrieges erstreckt sich die Erzählung bis in die 1950iger Jahre. Drei Generationen führen durch diesen sprachgewandten, anspruchsvollen Roman, den ich sehr gern gelesen habe. Seine sprachliche Exzentrizität lässt eindrucksvolle Bilder entstehen. Gerade die Landschaftsbeschreibungen und detailreichen Charakterzeichnungen sind äußerst gelungen, die Emotionalität bestechend. Nelio Biedermann haucht jeder seiner Figur eine absolute Intensität ein. Dabei entwirft er so unterschiedliche Wesenszüge, die der Geschichte Lebendigkeit bescheinigt.
Die erkenntliche Präzision der beschriebenen historischen Details lässt eine hervorragende Recherchearbeit vermuten. Bis ins Kleinste verliert er sich in Genauigkeit.

Das eindrückliche Cover finde ich besonders gelungend und passend. Ungarn ist seinerseit eine Pferdenation und das Pferd spielt traditionell eine wichtige Rolle in der Kutur und Geschichte des Landes. Die Pferdezucht in den Gestüten des Landes ist aus heutiger Sicht nicht wegzudenken. Des Weiteren verweist das Cover vielleicht auf eine Episode der Baronin Maria mit dem Pferdeknecht Pal, der dieselben wasserblauen Augen wie Lajos besitzt.

Fazit: Mit seinem vorliegenden Roman hat der Autor ein Stück Zeitgeschichte Ungarns und Europas eingefangen. Mit verschiedenen stilistischen Mitteln und literarischen Besonderheiten ist hier ein eindrücklicher Text entstanden. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl mich in seinen Worten zu verlieren oder zu verfahren, sondern fand das Geschriebene niveauvoll und gleichzeitig delikat. Ich hoffe zukünftig noch weitere Romane von Nelio Biedermann lesen zu dürfen!

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