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Veröffentlicht am 21.08.2022

Keine Masche fallen lassen!

Mörderische Masche
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Mörderische Masche ein Fall für Henri und den Häkelklub von Karla Lettermann (dtv)

Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

Nur dass die Ernte bei Maike gelandet war, und nicht, wo sie hingehört hätte: beim ...

Mörderische Masche ein Fall für Henri und den Häkelklub von Karla Lettermann (dtv)

Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

Nur dass die Ernte bei Maike gelandet war, und nicht, wo sie hingehört hätte: beim Rinderbaron selbst.
Henri stockte der Atem, als er sich klarmachte, worauf seine Mutmaßungen hinausliefen. Konnte Maikes Tod wirklich geplant gewesen sein? S.135

Ursprünglich wollte Maike das Polnische Warmblut auf dem Hof des Rinderbarons begutachten. Gatte Henri ärgert sich darüber, den Jahrestag, noch dazu einen Sonntag, allein verbringen zu müssen und öffnet den Cremant ohne seine Frau. Ohne Grüße und liebe Gesten verlässt sie mit dem Rad das gemeinsame Anwesen und fährt ihrem Schicksal entgegen. Der Zusammenstoß mit des Bauerns dicken, nasenberingten Bullen endet für die junge Frau tödlich und Henri bleibt als Witwer zurück. Übrig bleibt auch der kleine Handarbeitsladen mit dem resoluten Frollein Langner. Die Angestellte Edda nimmt sich Henri an und schleppt ihn zum Strickzirkel in den Häkel-Club. In Häkel-Henri kommt langsam wieder Leben und damit tauchen Fragen auf, die unbedingt beantwortet werden müssen. Mit Hilfe der Häkel-Frauen sucht Henri nach Lösungen mit dem Verlust fertig zu werden und Maikes Unglück zu rekonstruieren.

Karla Lettermann hat sich hier nicht um einen klassischen Krimi bemüht. Viel mehr ist ihr ein Roman mit liebenswerten Protagonisten und stimmiger Handlung gelungen. Der flüssige Schreibstil und die positive Grundstimmung helfen Henri bei der Trauerbewältigung.
Ganz nebenbei erfährt man Wissenswertes rund ums Thema Häkeln und eine Anleitung für Henris Sommerschal darf dabei nicht fehlen.

Fazit: Ein Cosy-Crime, der zum Nachdenken anregt und mir persönlich gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 04.08.2022

Heilung und Tod liegen nah beieinander

Die versteckte Apotheke
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Die versteckte Apotheke ein Roman von Sarah Penner (Harper Collins Verlag)

Jahrhunderte mochten mich von demjenigen trennen, der das Fläschchen als Letztes in der Hand gehalten hatte, und doch teilten ...

Die versteckte Apotheke ein Roman von Sarah Penner (Harper Collins Verlag)

Jahrhunderte mochten mich von demjenigen trennen, der das Fläschchen als Letztes in der Hand gehalten hatte, und doch teilten wir genau das gleiche Gefühl des kühlen Wassers zwischen unseren Fingern. Es kam mir vor, als würde das Universum auf seine seltsame und widersinnige Weise mit mir in Kontakt treten, um mich an die Begeisterung zu erinnern, die ich einst für die unbedeutenden Kleinigkeiten vergangener Epochen empfunden hatte, wenn ich nur unter den Schmutz blickte, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hatte. S.62

Caroline entdeckt beim Mudlarking etwas in der Themse, was ihr den Ansporn zu einer historischen Recherche gibt. Dabei findet sie nicht nur zu sich selbst zurück, sondern lüftet das Geheimnis der versteckten Apotheke im 18. Jahrhundert und deren Akteuren.
Der Plot ist richtig gut und die Autorin versteht es Spannung aufzubauen. Dies wird durch die drei Erzählstränge aus der Vergangenheit und dem Jetzt noch forciert. Ein paar Längen und Wiederholungen, gerade in den Erzählungen der Gegenwart, trüben den Lesegenuss etwas und sind unnötig platziert. Trotzdem hat mir besonders der historische Erzählstrang und die Geschichte der Apotheke mit den sympathischen Frauen sehr gut gefallen. Dieser Handlungsverlauf wird besonders atmosphärisch präsentiert. Bereichernd sind die Einblicke in die Arzneikunde mit ihrem heilenden und gleichzeitig zerstörerischen Potential sowie der Rezeptteil am Ende des Romans.
Die Charaktere und deren Empfindungen sind gut beschrieben. Bei Caroline ist noch Luft nach oben.

Fazit: Ein ruhig erzählter Roman und gute Unterhaltungsliteratur, wobei die Autorin nicht alle Möglichkeiten der Romangestaltung ausschöpft. Bemerkenswert ist die liebevolle Gestaltung des Covers, eine Karte vom Handlungsort London 1791, der alte Apothekerschwur, ergänzende Informationen zu Rezepturen und Wirkstoffen und Pflanzenzusätzen sowie das erklärende Nachwort. Daher kann ich die versteckte Apotheke gern weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 26.06.2022

Erfrischend!

Wie man sich einen Lord angelt
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Wie man sich einen Lord angelt ein Roman von Sophie Irwin (Knaur Verlag)
„Entschuldigen Sie bitte vielmals, Miss, aber gehört dieser hier Euch?“
Ja! Sie blickte auf und sah dem jungen Gentleman in die ...

Wie man sich einen Lord angelt ein Roman von Sophie Irwin (Knaur Verlag)
„Entschuldigen Sie bitte vielmals, Miss, aber gehört dieser hier Euch?“
Ja! Sie blickte auf und sah dem jungen Gentleman in die Augen, der ihr den Slipper mit geröteten Wangen und einem Ausdruck in den Augen offerierte, der immer in interessierter wurde, während er ihr Gesicht musterte. Es war tatsächlich Mr de Lacy.
„Viele Dank“, hauchte sie ergriffen und nahm den Schuh entgegen. Fraglos wäre nun ein Erröten ihrerseits angemessen gewesen, und Kitty versuchte mit aller Macht, ihren Wangen einen sanften Rotton aufzuzwingen, allerdings ohne Erfolg. Wortlos verfluchte sie die Tatsache, dass sie einfach nicht zu den Menschen gehörte, die schnell rot wurden. S.40/41

Eine attraktive junge Frau, die weiß, was sie will und was zu tun ist, um ihre Familie zu retten. Sie setzt all ihren reizenden Charme und ihre berechnende Intelligenz ein, um sich einen potenziellen Kandidaten zu angeln, der bereit ist, die Spielschulden des verstorbenen Vaters zu tilgen und somit das Familiencottage, sie und ihre Schwestern vor dem Hungertuch zu bewahren.
Im Jahr 1818 wittert Kitty in London ihre Chance und hat den Fuß schon in der Tür, als sie sich auf listige Weise Zutritt zur Ballsaison und somit zur gehobenen Gesellschaft verschafft. Der ebenbürtige Gegner Lord Radcliffe scheint ihr dabei einige Steine in den Weg legen zu wollen. ...

Die Autorin versteht es durch einen anschaulichen Schreibstil und erfrischende Dialoge ein zeitgemäßes Bild der englischen Konventionen aufzustellen.
Mit Kitty Talbot hat Sophie Irwin eine umwerfend taffe Heldin erschaffen die ganz wunderbar in diese amüsante Geschichte passt. Die Begebenheiten sind eine perfekte Mischung durchzogen von historischen und romantischen Charme. Gern habe ich Kitty im Schlagabtausch mit Lord Radcliffe auf ihrem Weg begleitet und kann diesen zauberhaften Roman für vergnügliche Lesestunden wärmstens weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 22.05.2022

Entscheide selbst!

Morgen kann kommen
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Morgen kann kommen ein Roman von Ildiko von Kürthy (Wunderlich Rowohlt Verlag)

Damals lernte ich, dass Vorfurcht die schlimmste Furcht ist. Ihr helles Pendant ist die Vorfreude, die ebenfalls oft größer ...

Morgen kann kommen ein Roman von Ildiko von Kürthy (Wunderlich Rowohlt Verlag)

Damals lernte ich, dass Vorfurcht die schlimmste Furcht ist. Ihr helles Pendant ist die Vorfreude, die ebenfalls oft größer ist und länger dauert als das freudige Ereignis selbst. Was ich leider nicht lernte, war, wie es gelingen kann, sich die Angst für den Moment aufzusparen, wo man sie zu Recht hat. „Wir überqueren die Brücke dann, wenn wir sie erreichen“, hat mein Vater oft gesagt,... S.10

Was für ein wundervoller Roman! Die Geschichte lebt von dem brillanten Schreibstil der Autorin, der vor Metaphern, Wortwitz, Weisheiten und Lebensbejahung sprüht. Die Gedanken, Ideen und die ganze Bandbreite an Gefühlen transportiert Ildiko von Kürthy durch die bunte Mischung der Protagonisten direkt in die Geschichte. Der leichte Schreibstil macht die Auf und Abs der kapriziösen, manchmal strapaziösen und teils überzeichneten Figuren um Längen wieder wett. Die unterschiedlichsten Themen werfen Fragen auf und regen zum Nachdenken an. Wer das Ganze nicht zu ernst nimmt und zu viel erwartet liest hier eine tolle Geschichte verschiedenster Schicksale verpackt in einer humorvollen Geschichte.

Die liebevollen, farbigen Illustrationen untermalen den Text und fügen sich ausgezeichnet in die Aufmachung ein.

Fazit: Ildiko Kürthys „Morgen kann kommen“ hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine wunderbare Botschaft, die ich im Gelesenen sehe: Verlass dich auf dein Bauchgefühl und lass dich nicht von den Meinungen anderer Leute leiten. Nimm dein Leben in die Hand und gestalte deine Veränderungen selbst. Steh zu deinen Konsequenzen und entscheide, was gut für dich ist und was dich voranbringt. Wenn Du Dich nicht entscheidest, wird jemand anderes das für Dich tun. Die Frage ist dann, wer das sein wird und die Antwort darauf könnte dir unter Umständen nicht gefallen.

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Veröffentlicht am 27.03.2022

Geschichte trifft auf Kriminalistik

Engel des Todes
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Engel des Todes ein historischer Kriminalroman und 3. Band der Paul Stainer-Reihe von Thomas Ziebula
(Wunderlich)

„Etwa eine Dienstreise nach Dresden?“ Valerie biss sich auf die Unterlippe.
Er schüttelte ...

Engel des Todes ein historischer Kriminalroman und 3. Band der Paul Stainer-Reihe von Thomas Ziebula
(Wunderlich)

„Etwa eine Dienstreise nach Dresden?“ Valerie biss sich auf die Unterlippe.
Er schüttelte den Kopf und faltete die Briefbögen zusammen.
„Sag, dass du nicht fortmusst!“ Beinahe flehend schaute sie zu ihm auf.
„Schlimmer.“
„Randalieren etwa die Arbeiter wieder?“
„Noch schlimmer.“ Er atmete tief.
„Was denn?!“ Sie zerrte an seinem Arm. „Nun sag doch endlich, Gustl!“
„Bürgerkrieg.“
S.24

Thomas Ziebula lässt seinen Protagonisten 1920 in Leipzig zur Zeit des Kapp-Putsches agieren. Bürgerkriegsähnliche Zustände und Auseinandersetzungen an der Streikfront lassen Vergangenes in Stainers Erinnerungen aufflammen. Ein Mörder nutzt die Gelegenheit und lässt sich zu einer Serie grausamster Morde hinreißen. Er hat eine Liste erstellt und arbeitet diese gnadenlos ab. Die Spurensuche für Kriminalinspektor Paul Stainer und seine Mitarbeiter ist erschwert und sie ermitteln unter schwierigsten Bedingungen. Dank der historischen Straßenkarte von Leipzig 1920 im Inneneinband kann man die Aktivitäten verfolgen und gut einordnen.

Im dritten Band der historischen Reihe treffen wir auf altbekannte Figuren, Paul, Junghans, Vera Sonntag, Josephine und Mona König. Schnell ist man wieder ein Teil diese kleinen Gemeinschaft. Mit Blick auf dieses persönliche Milieu laufen die Ermittlungen nach dem Täter, der hintergründige Einblicke in seine Motive und Vorgehensweise zulässt. Unter den Einfluss historischer Aspekte liest man eine spannende und höchst interessant konstruierte Geschichte.

Der Einstieg in den neuen Stainer gestaltet sich höchst politisch. Doch sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Ich habe denn Anlass genutzt und weitere Informationen zu den historischen Gegebenheiten eingeholt. Thomas Ziebulas Romane sind immer ein Ausflug in die Geschichte und man kann einiges Wissenswertes dazulernen. An den fünftägigen Ausnahmezustand des Putschversuchs im März 1920 lehnt der Autor seine Kriminalgeschichte an. Dies gestaltet er mit Hilfe weiterer gekonnt stilistisch korrekter Mittel äußerst abwechslungsreich und spannungsreich. Besonders hat mir das Gedicht von Rainer Maria Rilke am Anfang gefallen. Auch weiß der Leser immer, in wessen Gedankengängen er sich beim Lesen gerade befindet. Mich hat der wunderbare Schreibstil von Thomas Ziebula wieder einmal beeindruckt, wobei ich mich in der ganzen Geschichte sehr gut zurechtgefunden habe. Ein fulminanter, rasanter Showdown in dem alle Fäden schlüssig zusammenlaufen, krönen das Ende dieser Erzählung, doch hoffentlich nicht das Ende dieser Reihe.

Mir hat das Lesen viele spannungsgeladene und aufschlussreiche Stunden beschert. Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen mit Paul Stainer und Co. Ich empfehle zum Verständnis diese Reichenfolge: „Der rote Judas“, „Abels Auferstehung“, „Engel des Todes“.

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