„Henri-Jette-Sausebahn“ von ist ein wunderschön gestaltetes Bilder-/Vorlesebuch von Cornelia Boese und Pina Gertenbach, das genau passend zum 100-jährigen Krüss-Jubiläum erscheint.
Die Lok Henriette hat ...
„Henri-Jette-Sausebahn“ von ist ein wunderschön gestaltetes Bilder-/Vorlesebuch von Cornelia Boese und Pina Gertenbach, das genau passend zum 100-jährigen Krüss-Jubiläum erscheint.
Die Lok Henriette hat zwei kleine Enkelchen namens Henri und Jette, die zusammen in der Welt umhersausen. Die lustigen Reime begleiten die beiden Züge auf ihrer Reise im Bahnverkehr.
Die Reime sind wirklich gut gelungen, sie sind gut verständlich für Kinder und einfach lustig anzuhören.
Dank des extra-großen Formats können die Bilder ausgiebig bestaunt werden, während man den Kleinen vorliest. Die Illustrationen von Pina Gertenbach sind wirklich super schön bunt und fröhlich.
Mein Fazit: Das ist eine wirklich gelungene Fortsetzung des Kinderbuchklassiker „Henriette Bimmelbahn“ von James Krüss, der mit seinen bunten Bildern und den tollen Reimen ganz sicher Klein und Groß gleichermaßen begeistern wird!
Vielen Dank an den Baumhaus-Verlag und an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar!
"Hirschtier" von Claire Oshetsky erzählt die Geschichte von Margaret Murphy. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre beste Freundin Agnes auf tragische Weise. Seitdem verdrängt Margaret alle Erinnerungen ...
"Hirschtier" von Claire Oshetsky erzählt die Geschichte von Margaret Murphy. Als sie vier Jahre alt war, starb ihre beste Freundin Agnes auf tragische Weise. Seitdem verdrängt Margaret alle Erinnerungen an diesen Tag. Immerhin behauptete ihre Mutter allen gegenüber, sie sei am Unglückstag gar nicht aus dem Haus gegangen. Doch was ist die Wahrheit?
„.... noch bevor Hirschtier die Chance hat, mir zu sagen, was ich diesmal falsch gemacht habe – kommen mir Zweifel. Ich habe so lange erfundene Geschichten erzählt, dass die ungeschminkte Wahrheit sich hässlich und holperig anfühlt und die Fakten mir vorkommen wie geborgte Bruchstücke, aufs Geratewohl aus einem Wust von Hörensagen und altem Tratsch herausgepickt. Einmal versuchte ich, meiner Mutter die Wahrheit über den Tag der Flut auf dem Schulhof zu erzählen, und sie schlug mich und sagte: »MARGARETMURPHY, DUWIRSTDIESEABSCHEULICHELÜGENIEMEHRWIEDERHOLEN!«, und ich tat es nie mehr.
Und jetzt sprechen die altvertrauten Stimmen in meinem Kopf wieder auf mich ein, so wie immer. Sie versuchen, mir auszureden, was ich vom Tag der Schulhofüberschwemmung noch weiß. Du warst erst vier. Du warst zu klein, um dich dran erinnern zu können. So war es nicht. Deine Mutter sagt, du warst den ganzen Tag bei ihr und hast das Haus nicht verlassen. Sie sagt, du hast nie einen Fuß in diesen alten Schuppen gesetzt. Deine Erinnerung ist falsch. Was du Wahrheit nennst, ist nichts weiter als die Geschichte, die Ruby Bickford erfunden hat, ihre verleumderische Geschichte, die Lüge, zu der sie sich genötigt sah, weil sie nicht zugeben konnte, dass sie ihr Kind durch egoistische Vernachlässigung getötet hatte und dann ihr eigenes sträfliches Verhalten dem Nachbarskind in die Schuhe schieben wollte.
Ich bin unschuldig.
Vielleicht bin ich unschuldig.“
Jahre später erschein Margaret ein Fantasiewesen, ein Hirschtier, das sie zwingt, sich die Wahrheit über ihre Rolle bei Agnes’ Tod einzugestehen. Doch trotz ihrer Schuldgefühle scheitert Margaret daran, die Wahrheit auszusprechen.
„Bald wird sie erkennen, dass sie nicht zu retten ist. Bald wird sie wissen, dass das, was sie getan hat, unverzeihlich ist. Für den Rest ihres Lebens wird dieses Wissen immer da sein, wird sie in ein Geflecht von Schmerz und Schuldgefühl wickeln. O ja. Das Schuldgefühl ist das Schlimmste. Das Schuldgefühl ist das hohle Herz des Ganzen. Das Schuldgefühl hält die Schändlichkeit am Leben. Das Schuldgefühl folgt ihr überallhin, zwei Schritte hinter ihr.“
Margaret stiehlt ein Auto und geht weg; sie trifft auf Penny und Glo, die ebenfalls auf der Flucht sind.
„‘Ich fühle eine unheilvolle Wendung dieser Geschichte nahen. Sie dräut über meiner Zukunft. Mir geht die Zeit aus, mein Happy End zu finden. Hirschtier lenkt mich nicht. Es unterbricht mich nicht mit ätzenden Zwischenrufen oder höhnischen Bemerkungen.‘“
Anfangs fand ich die Erzählweise der Autorin sehr interessant; Margarets wiederholte Versuche, sich an die Wahrheit zu erinnern, immer wieder in Fantasien zu flüchten. Doch mit der Zeit wurde das Buch irgenwie sehr zäh und verstrickte sich in Wiederholungen und sehr vielen Fantasien.
Mir war das Buch, das zwar seine guten Momente hatte; insgesamt doch zu wirr und ausschweifend.
Wirklich überzeugen konnte es mich leider nicht.
Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar
Hazel sagt nein von Jessica Berger Gross kommt vom Cover her sehr unauffällig daher, doch der Plot hat es wirklich in sich.
Die 18-Jährige Hazel Blum freut sich auf eine großartige Zukunft. Ihre Familie ...
Hazel sagt nein von Jessica Berger Gross kommt vom Cover her sehr unauffällig daher, doch der Plot hat es wirklich in sich.
Die 18-Jährige Hazel Blum freut sich auf eine großartige Zukunft. Ihre Familie ist gerade von New York ins beschauliche Riverburg gezogen, auch um ihren Traum von einer Zukunft an einem Liberal Arts College und einer Karriere als Schriftstellerin zu ermöglichen. Ihr Vater hat eine Professur dort angenommen, die einige finanzielle Annehmlichkeiten bietet.
Doch gleich an ihrem ersten Tag an der neuen Highschool ändert sich Hazels Leben auf völlig unerwartete Art und Weise:
"Manche Leute [....] behaupten, dass sich innerhalb eines Augenblicks alles ändern kann. Nach Hazels (zugegeben begrenzter) Erfahrung stimmte das nicht. Veränderung, ob politische oder private, dauerte ewig, und allgemein kam nicht viel dabei herum. Wir schleppen uns voran wie Raupen, bis wir unter dem Stiefel des Patriarchats und der Hausarbeit zermalmt werden. Erst an einem Morgen in Maine, am ersten Tag ihres letzten Schuljahres an der Highschool von Riverburg, erkannte Hazel, wie naiv sie gewesen war. Selbstverständlich konnte sich von einem auf den anderen Moment alles ändern. Nur bei ihr das bis dahin noch nicht passiert."
Hazel kann es nicht fassen, als der Schuldirektor sie in sein Büro rufen lässt und ihr eröffnet, dass er sich jedes Jahr eine Schülerin der Abschlussklasse für eine s*xuelle Beziehung aussucht - und dieses Jahr ist sie seine Auserwählte. Doch womit der Direktor nicht gerechnet hat: Hazel sagt Nein!
Doch damit ist es leider nicht getan:
"Als Hazel zum Direktor Nein sagte, hatte sie geglaubt, die Demütigung wäre damit vorbei. Doch jetzt wurde ihr klar, dass diese womöglich erst begann."
Hazels Reaktion setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die nicht nur ihr Leben und das ihrer Familie, sonder auch der ganzen Stadt auf den Kopf stellen.
Der Schreibstil ist ein recht gelungener Mix aus ernsthaft und unterhaltsam; dennoch fehlte es mir stellenweise etwas an Tiefe.
Hazels Entwicklung gefiel mir insgesamt recht gut, vor allem gegen Ende hin:
"Dad [...] trank auf ihre 'erstaunliche Leistung'.
Nur, dass nicht sie das geschafft hatte. Überhaupt nicht. Sondern er, Dick White. Denn Hazel wusste, und ihren Eltern musste das auch klar sein, außer sie machten sich etwas vor - und wahrscheinlich war es der ganzen Welt klar -, dass Hazel ein paar (absolut beschissene) schreckliche Minuten ihres Lebens genommen und ausgepresst hatte wie ihre Mutter ihre morgendliche Grapefruit. Bis auf die Schale. Sie hatte es nicht aus eigener Kraft ans Vassar geschafft. Sie hatte die Hilfe des Schuldirektors gebraucht.
Denn wer hätte sie gewollt, wenn White sie nicht gewollt hätte?"
Dass Hazel am Ende so klarsichtig und stark ist, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, fand ich einen gelungenden Abschluss.
"Aber ich verstehe das nicht. Warum willst du dein Buch nicht mehr schreiben?"
" ich sage nicht, dass ich nie eins schreibe. Vielleicht später mal einen Roman ich weiß es nicht!
[...]
Ich schätze, ich ... ich fühle mich dafür noch zu jung. So was passiert immer noch ständig, wisst ihr? Und ich will nicht darüber definiert werden. Über White. Ich denke, ich kann so viel anderes sagen, aber ich weiß eigentlich noch nicht, wie ich es sagen soll."
Mit dem (mangelnden) Handeln ihrer Eltern konnte ich mich dagegen (selbst Mutter) nicht so ganz anfreunden; den kleinen Bruder Wolf fand ich dagegen sehr sympathisch.
Insgesamt wurden meine (zugegebenermaßen sehr hohen!) Erwartungen an die Ausarbeitung der spannend klingenden Ausgangssituation leider nicht ganz erfüllt. Ich hätte mir etwas mehr „Schlagkraft“ gewünscht; vieles verlief mir insgesamt zu glatt.
Ich vergebe final 3,5 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Lübbe Verlag und an www.lesejury.de für dieses Rezensionsexemplar!
Auf den Roman „Pizza Orlando“ von Clara Umbach war ich sehr gespannt, da der Klappentext so vielversprechend klang:
Clara und Nina, die sich schon seit ihrer Jugend kenne, treffen sich als Erwachsene ...
Auf den Roman „Pizza Orlando“ von Clara Umbach war ich sehr gespannt, da der Klappentext so vielversprechend klang:
Clara und Nina, die sich schon seit ihrer Jugend kenne, treffen sich als Erwachsene wieder. Da leidet Nina bereits unter den ersten Symptomen der unheilbaren Huntington-Krankheit, an der auch ihre Mutter starb, als Nina gerade 20 war. Nina und Clara verlieben sich und beginnen eine stürmische Liebesbeziehung, trotz der Diagnose und der Entfernung ihrer Wohnorte Berlin bzw. Hamburg. Mit Chatnachrichten halten sie die Beziehung aufrecht – oder versuchen es zumindest, denn Clara hat ihre eigenen Probleme als alleinerziehende Mutter mit Geldnöten, während Nina nicht ans Sterben denken will. Können die beiden eine gemeinsame Zukunft haben?
Leider fand ich gerade die Teile, die in Chatnachrichten-Form waren, sehr anstrengend zu lesen, und sie machten den größten Teil des Romans aus. Es ist so sehr schwer, der Geschichte zu folgen, es kommt kein wirklicher Lesefluss auf.
Die Abschnitte in Fließtext sind meiner Meinung nach deutlich gelungener und haben mir besser gefallen.
„Die Idee der Krankheit greift der Krankheit vor und wirft einen Schatten, lange bevor die eigentlichen Symptome einsetzen.
Nach dem Gentest, den du mit Anfang zwanzig durchführen ließest, entschiedest du dich jahrelang dagegen, das Ergebnis abzuholen. Du warst sechsundzwanzig, als du es schließlich doch wissen wolltest. »Ach du Scheiße«, sagte die Ärztin, als sie den Briefumschlag öffnete. Deine Notizen aus diesen Tagen gabst du mir in Form einer weiteren Liste:
[...]
In den folgenden Jahren bemühtest du dich, intensiver denn je, um die Aufrechterhaltung einer Identität. Weiter arbeiten, jetzt erst recht. Du begannst einen Masterstudiengang, gingst auf Veranstaltungen, knüpftest Kontakte. Rückblickend sagtest du, der Wunsch eines Klassenaufstiegs sei nie stärker gewesen als zu dieser Zeit. Der Literaturbetrieb schien dir das richtige Vehikel dafür zu sein, Professionalität ein Anker, den du ins Leben warfst. Etwas, das ich von dir übernommen habe, ist die positive Verwendung des Wortes professionell in allen möglichen Situationen, die eigentlich nichts mit einer Berufswelt zu tun haben. Professionalität als höchstes Kompliment.“
Doch auch insgesamt hatte ich an dieses emotionale und schwere Thema höhere (oder vielleicht einfach andere?) Erwartungen. Für mich las sich das alles sehr distanziert, mir fehlte hier die Tiefe, die Protagonistinnen blieben sehr distanziert für mich. Auch der Schreibstil war einfach so gar nicht mein Fall, leider.
Obwohl ich das Thema ansich sehr interessant fand, konnte mich dieses Buch leider nicht überzeugen und ich vergebe wohlwollende 2 von 5 Sternen, würde das Buch aber nicht weiterempfehlen.
Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Das Cover des Romans „Half his age“ von Jennette McCurdy polarisiert sicher, doch der Inhalt hat mich neugierig gemacht: Die 17jährige Waldo ist ein Kind der Unterschicht und sie hat ihren Platz in der ...
Das Cover des Romans „Half his age“ von Jennette McCurdy polarisiert sicher, doch der Inhalt hat mich neugierig gemacht: Die 17jährige Waldo ist ein Kind der Unterschicht und sie hat ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht so recht gefunden. Ihre alleinerziehende Mutter ist kaum zuhause, sondern rennt irgendwelchen Männern hinterher. Währenddessen ist Waldo auf sich gestellt, muss neben der Schule noch jobben, um Geld zu verdienen. Und sie füllt ihr Leben mit bedeutungslosem Sex mit Gleichaltrigen und Onlineshopping.
„Natürlich weiß ich, dass man mit einem Rouge sein Leben nicht umkrempeln kann, aber trotzdem ist es schön, in den drei Tagen Lieferzeit daran zu glauben. Es ist schön, daran zu glauben, dass nur ein Rouge-Stift den Unterschied ausmacht zwischen Margot Robbie und mir. Es ist schön, an Versprechen zu glauben, auch wenn es bloß leere sind.“
Doch dann verliebt sie sich unsterblich in Mr. Korgy, ihren Lehrer für kreatives Schreiben. Der ist zwar nicht wirklich attraktiv und zudem verheiratet mit Kind, doch Waldo ist sich sicher: Nur mit ihm kann sie glücklich werden!
Wir sind bei Waldos heimlicher Affäre zu Mr. Korgy hautnah dabei, besonders die Einblicke in ihr Innenleben fand ich hier sehr gelungen. Die expliziten Schilderungen, was Waldos Körperlichkeiten und Gefühle angeht, mag nicht jedem behagen; aber gerade die brutale Ehrlichkeit empfand ich als eine Stärke des Romans.
„Er war von meinen Texten, die ich über meine Herkunft geschrieben habe, beeindruckt, aber es wirklich mit eigenen Augen zu sehen, ist eine andere Sache. Die Leute haben nämlich Angst, dass die Armut auf sie abfärben könnte. Und der schlechte Geschmack, der dazugehört. Sie lesen lieber ein Buch darüber. Oder gucken einen Film, in dem Jennifer Lawrence so tut, als wäre sie arm, während ihr Achthundert-Dollar-Highlighter in den Nahaufnahmen schimmert. Aber sie wollen nicht wissen, wie es tatsächlich ist, oder dem auf eine echte Art nahe kommen. Außer vielleicht mit einem Scheck über ein- oder zweitausend Dollar, den sie um die Feiertage herum an die Heilsarmee oder ans Rote Kreuz ausstellen. Aber setzt man sich der Armut damit überhaupt aus? Oder ist das nur wieder eine Art, sich noch mehr davon zu distanzieren?“
Mir hat Jennette McCurdys Roman über Klassenunterschiede und Armut, Liebe und Begehren, Sex, Konsum, Wut und Macht insgesamt sehr gut gefallen. Ihr Schreibstil ist schmerzhaft ehrlich und schonungslos direkt. Derb, aber nicht zu heftig. Es kamen alle Emotionen sehr gut rüber, es war mal lustig, aber auch erstaunlich tiefgründig.
Vor allem Waldo als Protagonistin mit all ihrer Direktheit fand ich sehr sympathisch. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter und deren Verhalten war gut dargestellt; nur Mr. Korgy blieb als Charakter (vor allem anfangs) ein wenig blass für mich.
Waldos Wandlung im Laufe der Geschichte fand ich aber sehr gelungen und das Ende stimmig.
„Ich will, dass die Wut in mir hochkocht. Dass sie mich dazu bringt, ihre Schmuckschale an die Wand zu werfen und sie zur Rede zu stellen. Sie zu fragen, wie lange sie mich schon anlügt. Und sich selbst. Zu fragen, wann sie aufgehört hat, zu den Meetings zu gehen. Oder ob sie immer noch hingeht und sich zweiteilt wie Jekyll and Hyde. Ich will schreien. Oder heulen. Aber stattdessen starre ich sie bloß an, und dann werde ich von etwas Unbeschreiblichem überschwemmt.
Einer Welle der Erkenntnis. Des Friedens. Der Freiheit. Diese Art von Frieden und Freiheit, die sich nur einstellt, wenn man keine Erwartungen mehr an jemanden hat. Wenn man die Version einer Person, die man unbedingt haben wollte, die man gebraucht hätte, loslässt, und sobald man das loslässt, verschwindet auch all der Groll, der damit verbunden war.“
Vielen Dank an den Blumenbar Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!