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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2025

Zu unrealistisch, zu viel an Drama.

Schallplattensommer
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Ein Jugendroman mit der 17-jährigen Maserati als starker Hauptperson wimmelt von problematischen Familienverhältnissen in idyllisch dörflichem Sommerambiente. Auch die männlichen Jugendlichen kämpfen wie ...

Ein Jugendroman mit der 17-jährigen Maserati als starker Hauptperson wimmelt von problematischen Familienverhältnissen in idyllisch dörflichem Sommerambiente. Auch die männlichen Jugendlichen kämpfen wie sie mit mehr seelischem Chaos als mit körperlichen Anstrengungen, deren erwartete Aufklärung nur in vagen Andeutungen vorliegt. Die hier beschriebenen schwierigen Lebensumstände von Maserati mit dementer Großmutter und vernachlässigtem Schulbesuch erscheinen unrealistisch und sehr konstruiert. Zu viele dramatische Familiengeheimnisse bevölkern dieses Jugendbuch mit zu wenigen Rückblicken in Vergangenes. Ernste Themen wie Vernachlässigung, Ausgrenzung, Selbstmordgedanken werden angerissen in diesem zu kurzen Schallplattensommer.

Eigentlich ist dies keine leichte Sommerlektüre, behaftet mit nur sehr zarten Anklängen von liebevollen Sehnsüchten Heranwachsender.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Trotz ereignisarmer Handlung viel Spannung

Der große Wunsch
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Es geht um die Geschichte des Protagonisten Murad, der im türkisch-irakisch-syrischen Dreiländereck seine erwachsene Tochter Naima sucht, die aus ihrer Heimatstadt Berlin verschwunden ist, um sich dem ...

Es geht um die Geschichte des Protagonisten Murad, der im türkisch-irakisch-syrischen Dreiländereck seine erwachsene Tochter Naima sucht, die aus ihrer Heimatstadt Berlin verschwunden ist, um sich dem IS anzuschließen. Diese erschütternde Vater-Tochter-Geschichte verarbeitet vor dem Hintergrund der kriegerischen Konflikte im Nahen Osten Murads Gedanken zu Herkunft, Migration und Ausgrenzungserfahrungen in Deutschland, zum Islamischen Staat und seinen Mechanismen in der gegenwärtigen Medienwelt. Auf seinen Wanderungen in dem unwirtlichen Herkunftsland seines Vaters fühlt er sich ebenso entfremdet wie in Berlin. In seinen zentralen Reflexionen während monatelangem Warten an der syrischen Grenze auf Nachrichten über seine Tochter geht es um diese Fluchtursachen. Handynachrichten des Boten, der Ex-Frau Dorothee und übermittelte Audiofiles der Tochter beleben den scheinbaren Handlungsstillstand in Murads isolierter Lebensweise mit geheimnisvoller Dynamik, zwischen all seinen Zweifeln. Die dominierende Frage, warum sich junge, unreligiöse Menschen aus Europa überhaupt dem IS zuwenden, bleibt in vielen Facetten offen.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Berlin im Wandel der Jahrzehnte, das Altern und die Unwägbarkeiten des Lebens

Im wechselnden Licht der Jahre
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Die Hauptfigur Alexander Bengt, fast 60 Jahre alt, reflektiert über seine Kindheit, Jugend, Studienzeit und diversen Berufstätigkeiten in Westberlin, anfangs mit Blick auf die Mauer, stets voller Einsamkeit. ...

Die Hauptfigur Alexander Bengt, fast 60 Jahre alt, reflektiert über seine Kindheit, Jugend, Studienzeit und diversen Berufstätigkeiten in Westberlin, anfangs mit Blick auf die Mauer, stets voller Einsamkeit. Endet der erste Teil mit Tabea, seiner nach zehn Jahren wieder präsenten, großen Liebe, behandelt der zweite Teil Veränderungen in und um Berlin nach dem Mauerfall. Nun wohnhaft mit Familie im Speckgürtel, in Kleinmachnow, beschäftigt sich Alex mit seiner Angst zu altern, stellt detailliert seine Nachbarn in seiner Straße vor neben der Arbeit an seiner erfolgreichen Waschbär-Kinderbuchreihe. Ab Teil drei schlägt das Schicksal mehrmals drastisch zu: Ein Unfall, Erpressung, familiäre Pflichtteilsforderung und evtl. Ideenraub von Christian Mehlborns Waschbären Jesus. Im vierten Teil entspannt sich die Sachlage um alle Familienmitglieder mit tiefgründigen Reflektionen über den eigentlichen Sinn des Lebens. Die teils skurrilen Charaktere mit diversen Befindlichkeiten werden einfühlsam skizziert, die herauf beschworenen Bilder der derzeitigen Gesellschaft werden dabei realistisch und unterhaltsam porträtiert. Tiefe und Dramatik erhält der Roman durch die Höhenflüge und Tiefpunkte im Leben von Alex. Der Schreibstil ist angenehm humorvoll, authentisch, direkt und ehrlich.

Sehr unterhaltsam!

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Zeitgemäßes, politisch mögliches Zukunftsszenario – zum Nachdenken.

Im Land der Wölfe
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Es geht neben der Historie der fiktiven ostdeutschen Stadt Grenzlitz um die Bürgermeisterwahl mit vier beteiligten Parteien. Besonders zwischen den rechten "Blauen" mit dem Kandidaten Paul Witte und ...

Es geht neben der Historie der fiktiven ostdeutschen Stadt Grenzlitz um die Bürgermeisterwahl mit vier beteiligten Parteien. Besonders zwischen den rechten "Blauen" mit dem Kandidaten Paul Witte und den "Zukunftsgrünen" mit Katja Stötzel als zukünftiger Bürgermeisterin entwickelt sich ein spannungsgeladener Wahlkampf. Als Ich-Erzählerin und Coachin der Grünen fungiert die Berlinerin Nana, die in separatem Erzählstrang in experimentellem Schreibstil ihre Kindheit und Jugend mit ihrem älteren Bruder Noah aufarbeitet. Aktiv in diesem kommunalpolitischen Wahlkampf sind weitere Gruppierungen wie die „Identitäre Bewegung“ , die 1-Prozent-Bewegung und die "Antifa" verwickelt. Themen wie z.B. Kameraüberwachung und damit Grundrechte-Vernichtung neben Kampf dem politischen Islam und Migration sorgen neben problematischer Geschlechtsidentität zweier Männer für aufregende Entwicklungen. Die Rolle des rechten Ex-Zeitsoldaten und JVA-Beamten Falk Schloßer, samt "Mentholgeruch" und Carhartt-T-Shirt, ist nicht im Schwarz-Weiß-Muster gehalten, trifft er doch auf die Linke Nana mit überzeugenden Argumentationen, findet sich aber auch wieder an der provozierenden Seite seines rechten Parteifreundes und Bürgermeisterkandidaten Paul Witte wieder.
Dieses Wahlkampf-Szenarium kommt in seiner erschöpfenden, bedrohlichen Auswirkung auf einen Teil der Beteiligten realistisch an.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Anna Freud zwischen Lern- und Lehranalyse

Ich bin Anna
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Auf zwei Erzählebenen geht es um Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, jeweils als Ich-Erzähler. Im Alter von 84 Jahren, 1980 wohnhaft in London, beschreibt zunächst Anna rückblickend ihr Leben ...

Auf zwei Erzählebenen geht es um Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, jeweils als Ich-Erzähler. Im Alter von 84 Jahren, 1980 wohnhaft in London, beschreibt zunächst Anna rückblickend ihr Leben ab 1917 in Wien, ihre Tätigkeiten für die psychoanalytische Vereinigung und ihre Entwicklung zur Psychoanalytikerin. Über eine (fiktive) Lernanalyse bei ihrem Vater gelangt sie zur Lehranalyse. Neben biographischen Fakten geht es bei dem fiktiven Protagonisten Stadlober um dessen Ödipuskomplex und um „Eros" und „Thanatos“. Anna, voller Loyalität zur Familie, sieht sich selbst als Antigone, als mythische Figur neben der starken Vaterfigur Ödipus.
Die Zuordnung der meist kapitelweise wechselnden Ich-Perspektive von Anna und ihrem Übervater ist nicht immer sofort machbar, auch aufgrund gleichen Schreib- und Wortschatzstils, den Gedankenfluss lähmend. Teils fiktiv, teils biographisch, ist die Idee der Lernanalyse kreativ. Über Annas Biographie nach 1938 in London etc. zu lesen, wäre auch interessant gewesen.
Insgesamt wirkt der Roman eher schleppend im Schreibstil.

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