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Veröffentlicht am 10.09.2025

Mitmenschlichkeit, besonders wichtig in Kriegszeiten

Grand Hotel Avalon
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Die Szenerie spielt in einem Luxushotel in West Virginia, in den Appalachen gelegen mit mehreren Sulfat Quellen. Vorgestellt wird die Hauptfigur June Porter Hudson als Hoteldirektorin, die seit mehr als ...

Die Szenerie spielt in einem Luxushotel in West Virginia, in den Appalachen gelegen mit mehreren Sulfat Quellen. Vorgestellt wird die Hauptfigur June Porter Hudson als Hoteldirektorin, die seit mehr als zehn Jahren mit Diskretion, Einfühlungsvermögen und besonderem Engagement für gesellschaftlich hochstehende Gäste sowie für ihr Personal diesem Resort vorsteht. Hoss wird sie von ihrem Personal genannt, eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine große, starke und angesehene Person mit überzeugenden mitmenschlichen Qualitäten. Durch den Angriff der Japaner auf Pearl Harbour wandelt sich der Hotelkomplex zu einer Art Gefängnis für feindliche Botschaftsangehörige aus Washington wie Deutsche, Japaner, Italiener und Ungarn. In vier Teilen geht es in diesem historischen Roman auch um die diplomatische Zusammenarbeit von FBI und den Beamten des State Departments, die den Austausch gegen internierte Amerikaner im Ausland bewerkstelligen. Die Themen Euthanasie und Sterilisation werden an der Romanfigur der 10-jährigen Hannelore Wolf sehr greifbar dargelegt, da sie nicht spricht und zu Wutanfällen neigt. Die monatelange, angespannte Atmosphäre mit Abhörvorrichtungen, Ausgangssperre, Langeweile, Rationierung von Nahrung und Benzin wird bildlich greifbar. Der bedrückende Gefängnischarakter in diesen Kriegszeiten ab Januar 1942 wird durch die geheimnisvollen Heilwasser mit ihrer besonderen Magie noch betont. Aus Rückbesinnungen von FBI-Agent Tucker Rye Minnick erhält man traurige Einblicke in weiter zurückliegende Bergarbeiterstreiks, z.B. das Matewan-Massaker, geprägt von Armut und Vernachlässigung ist auch Junes Kindheit.

Interessante Einblicke in historische, diplomatische Kriegspraktiken.. 4*

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Die industrielle Revolution für bäuerliche Betriebe

Die Zeit der Frauen – Eine große Erfindung
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Die Szenerien zum Ende des 19. Jahrhunderts spielen auf einem großen Bauernhof mit Milchwirtschaft im ostwestfälischen Clarholz, dann auf einem Posthof in Herzebrock und einer alten Kornmühle zwischen ...

Die Szenerien zum Ende des 19. Jahrhunderts spielen auf einem großen Bauernhof mit Milchwirtschaft im ostwestfälischen Clarholz, dann auf einem Posthof in Herzebrock und einer alten Kornmühle zwischen Münster und Paderborn. Katharina Zumwinkel, einziger Nachkomme des Milchbauern und Carl Thiele, eigentlich Maurer. sind das Unternehmerpaar im Mittelpunkt der Geschichte. Gemeinsam entwickeln sie eine Maschine, die die Arbeit auf dem elterlichen Hof revolutioniert: eine Milchzentrifuge Unter Ausnutzung der Zentrifugalkraft werden diese weiterverarbeitenden Maschinen zur Herstellung von Butter, Käse und Quark eingesetzt, zeit- und energieeinsparend. Bis jedoch die offizielle Gründung des gemeinsamen Unternehmens »Zentrifugenfabrik Carl Thiele & Cie.« abgeschlossen ist, entfaltet sich manch prickelnde Situation. Die Rolle, die Katharina spielt, ist schon wichtig für den Erfolg des Unternehmens, berät sie doch wenn auch mehr im Hintergrund ihren Ehemann Carl, bringt wichtige Ideen ein und unterstützt Carls Ideale als aufmerksame Gesprächspartnerin. In den Roman sind wichtige historische Figuren wie der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Heinrich Conrad von Studt oder auch Friedrich_Beyer, Unternehmer eingeflochten. Der Schreibstil mit Wiederholung mancher Tatsache hätte etwas kreativer ausfallen können, selbst die Liebesgeschichte wirkt etwas langatmig.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Vom Schwinden und Verschwinden

Hinter der Hecke die Welt
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Etwas abstrakt wirkt das Cover mit den grob stilisierten Blättern von einer hier unsichtbaren Hecke, wie der Buchtitel suggerieren könnte. Auf zwei Erzählebenen geht es in sehr unterschiedlichen Szenarien ...

Etwas abstrakt wirkt das Cover mit den grob stilisierten Blättern von einer hier unsichtbaren Hecke, wie der Buchtitel suggerieren könnte. Auf zwei Erzählebenen geht es in sehr unterschiedlichen Szenarien um Vergänglichkeit in unserer Welt: hier ein aussterbendes Dorf mit wenigen Erwachsenen und nur noch zwei Kindern ohne weiteres Wachstum, jedoch mit einer alles beschützenden, dominanten Hecke. Und dort am Nordpol geht es in einer Expedition um Veränderungen in der sich wandelnden Natur, quasi weit hinter der Hecke. Hier im Dorf erlebt Doras Tochter eher Stagnation, Langeweile, ihre Perspektiven gefasst in kindgemäßen Sprachstil mit kurzen Kapiteln und einfachem Satzbau. Aber dort im Eis fällt Doras Arbeit als Forscherin auf dem Expeditionsschiff wissenschaftlich aus, mit interessanten Details zu Veränderungen der Arktis, des Klimas und seinen Auswirkungen. Lose eingestreut sind lehrreiche Kapitel zu historischen Ereignissen, zu seltenen bzw. ausgestorbenen Tierarten und Pflanzen. Grobe, nur stilisierte Zeichnungen unterbrechen die an sich ruhigen Handlungsstränge. Die Szenerie im Dorf rund um die Hecke wirkt unrealistisch, eher wie eine surreale Wirklichkeit. Dagegen birgt die Arbeit in der Arktis neue Erkenntnisse über dortige veränderte Ökosysteme mit weltweiter Resonanz. Leider bilden die Erzählebenen kein Ganzes, werden nicht mit einem roten Faden verknüpft. Die Hauptprotagonisten mit Dora in der Arktis und ihrer Tochter Pina im Dorf sind nicht recht greifbar.

Insgesamt aktuelle, etwas verwirrende Themenbereiche.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Luise Straus-Ernst, die erste Frau von Max Ernst, im Pariser Exil

Zauberkreis Paris. Roman aus dem Exil
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Scheinbar autobiografisch unterlegt beschreibt die jüdische Autorin unter einem Pseudonym, als Fortsetzung in 38 Folgen in einer deutschsprachigen Pariser Tageszeitung, ihre Alltagserfahrungen in diesem ...

Scheinbar autobiografisch unterlegt beschreibt die jüdische Autorin unter einem Pseudonym, als Fortsetzung in 38 Folgen in einer deutschsprachigen Pariser Tageszeitung, ihre Alltagserfahrungen in diesem Exil ab 1934, umgeben von vielen Vertriebenen. Selber geplagt von Heimweh, Einsamkeit und Geldmangel agieren ihre Hauptfiguren Ulla Frankfurter aus Köln, Bibliothekarin, kämpferische Heldin, und Antiheld Peter Krimmer, Redakteur mit Verbindung zu Kommunisten. Das bescheidene Milieu in der großen Stadt der Liebe und das Zusammenleben mit Franzosen und den Exilanten werden einfühlsam dargestellt. Der harte Weg aus unschönen Erfahrungen mit perspektivlosen Hilfsangeboten, auch mit Selbstverachtung, bis zu positiver Aufbruchsstimmung in einer Landkommune, wird sehr lebendig eingeflochten. Entgegen der zerstörerischen NS-Ideologie versucht die Autorin den vielen Exilanten, Kraft aus der Mutlosigkeit und Verzweiflung zu geben, an der schließlich der Antiheld Peter scheitert. Dass es nicht nur um die Sicherung der materiellen Existenz geht, sondern auch um Anstand, Ehre, Selbstachtung, wird ebenso betont. Die Nachbearbeitung mit einem Nachwort und einer Zeittafel ist hilfreich.
Insgesamt ein berührendes Ambiente.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Traumatische Verarbeitung vom Verlust eines (scheinbar) geliebten Menschen

Eskalationsstufen
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Nach dem 8-Stufen-Modell von Dr. Jane Monckton Smith dreht sich dieser Roman um eine Gewalthandlung mit Kalkül, die zunächst im 1. Kapitel als überzeugende Liebesgeschichte daherkommt. Jedoch in Kapiteln ...

Nach dem 8-Stufen-Modell von Dr. Jane Monckton Smith dreht sich dieser Roman um eine Gewalthandlung mit Kalkül, die zunächst im 1. Kapitel als überzeugende Liebesgeschichte daherkommt. Jedoch in Kapiteln 8 und Null tritt die Realität von Gewalt gegen Frauen hervor, die lt. o.g. Autorin vorhersehbar ist. Im künstlerischen Ambiente von Wien angesiedelt geht es um die talentierte Julia Moser, Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache, und den bereits profilierten Maler JoeN., der im ländlichen Raum um Linz eine Jagdhütte geerbt hat. Unglückliche Restriktionen aufgrund der Pandemie, verursacht durch Covid 19, sind kreativ ab 5. Kapitel mit dem überstürzten Ortswechsel dorthin eingebaut als gravierender Kontrollmechanismus des Täters. Nach den zwei letzten, relativ kurzen Kapiteln bewegt sich der Fokus gedanklich erneut auf das anfängliche Kapitel NULL, denn dortige drastische Informationen verwirren zu Anfang des Leseprozesses. In Ich-Perspektive erzählt Julia in zunehmend verwirrendem Gedanken- und Handlungsfluss ihre steigende Bedrängnis. Zum Ende hin ist der Satzbau, zunehmend gestückelt, teils abgebrochene Satzteile wiederholend, hemmt er zwar den Lesefluss, sorgt aber für reichliche Dynamik.
Ein sehr ernstes Thema thematisch gut umgesetzt.

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