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fredhel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.07.2018

Farblos

In tödlicher Gesellschaft
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Felix Graf von Keitenburg ist spurlos verschwunden. Weil die Familie gute Kontakte zur Berliner Polizei hat, wird das Ermittlerduo Kathleen/Alexander undercover ins Familienschloss eingeschleust. Sie sollen ...

Felix Graf von Keitenburg ist spurlos verschwunden. Weil die Familie gute Kontakte zur Berliner Polizei hat, wird das Ermittlerduo Kathleen/Alexander undercover ins Familienschloss eingeschleust. Sie sollen dort getarnt als adliges Geschwisterpaar aus dem fernen Uruguay nach Anhaltspunkten suchen. Die Rolle fällt beiden recht schwer, denn diese vornehmen Kreise haben ihre eigenen Attitüden. So nebenbei werden diese "Von und Zu" von der Autorin ganz schön ins Auge gefasst, und nicht jeder kommt dabei gut weg. Strahlende Ausnahme ist der fesche Linus von Mahlensee, der das Herz der bis dato so spröden Kathleen im Sturm erobert. 
Weder Kathleen und Alexander können ihre ganze Energie in die Arbeit stecken, denn beide haben privat grosse Sorgen: Kathleen um ihren Sohn, der todunglücklich bei seinem Vater ist, und Alexander um seine kranke schwangere Freundin und sein ungeborenes Kind.
Diese privaten Abstecher machen die Geschichte natürlich noch interessanter, aber trotzdem bleiben mir die beiden fremd. Ich sehe sie nicht vor meinem inneren Auge. 
Die Darstellung der Adelskreise ist ganz amüsant, da ist es mir fast schon egal, wie nah das an der Realität ist. 
Doch der gesamten Story fehlt der gewisse Pfiff, raffinierte Wendungen, schlaue Schlussfolgerungen, elegante Formulierungen. Da hilft auch die Actionszene auf den letzten Seiten nicht mehr. Sie gibt einem nur das gute Gefühl, dass der Böse hinter Gitter kommt.
Vielleicht bin ich aber auch einfach nur mit zu grossen Erwartungen an den Krimi herangetreten, weil die Aufmachung einfach sehr professionell wirkt und ich mir von einem Buch aus dem Piper Verlag mehr versprochen habe. 

Veröffentlicht am 25.07.2018

Sonniges Sizilien

Nie wieder Amore!
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Mit sehr viel Schwung und Humor zieht Tessa Henning ihre Leser auf die wunderschöne Insel Sizilien, öffnet die Augen für die traumhafte Landschaft, die geschichtsträchtige Architektur, die herzlichen Menschen ...

Mit sehr viel Schwung und Humor zieht Tessa Henning ihre Leser auf die wunderschöne Insel Sizilien, öffnet die Augen für die traumhafte Landschaft, die geschichtsträchtige Architektur, die herzlichen Menschen und das gute Essen.
Ihre Hauptperson, die pensionierte Apothekerin Moni, folgt den Spuren ihrer ersten grossen Liebe, Vincenzo. Damals brach der Kontakt abrupt ab. Moni landete in einer mittelmäßigen Ehe und nun rafft sie sich mit 67 Jahren noch einmal auf, und gibt ihrem Leben neuen Schwung. Sie findet Unterkunft in einer zauberhaften alten Villa, die eigentlich bald eine Sprachschule beherbergen soll, doch leider hat die Mafia ihre Finger im Spiel. Die gute Lage wäre ideal für ein Touristenhotel. Immer neue Schikanen bedrohen Monis neue Freundinnen, die sich durch nichts entmutigen lassen. Auch Monis Tochter und Enkel Jan sind erst einmal sehr skeptisch. Bei jeder Gefahr schlägt die Handlung neue, unerwartete Haken, es gibt kluge Schachzüge und glückliche Schicksalsfügungen und hinterher für alle, bis auf die Mafia natürlich, eine gute Lösung.
"Nie wieder Amore!" ist die perfekte Urlaubslektüre.
Oder Vorurlaubslektüre, um sich auf den Urlaub einzustimmen.
Oder Winterlektüre, wenn man mit literarischen Sonnenstrahlen dem Winterblues entfliehen will.

Veröffentlicht am 24.07.2018

Grimmig

Der Schatten
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Nach einer gescheiterten Beziehung bricht die Journalistin Norah Richter alle Brücken ab und zieht von Berlin nach Wien. Sie ist keine sympathische Frau, sehr introvertiert und abweisend, aber im Job wohl ...

Nach einer gescheiterten Beziehung bricht die Journalistin Norah Richter alle Brücken ab und zieht von Berlin nach Wien. Sie ist keine sympathische Frau, sehr introvertiert und abweisend, aber im Job wohl recht erfolgreich. Von Beginn an taucht immer wieder der Name Arthur Grimm in ihrem Leben auf. Eine Bettlerin weissagt, dass Norah ihn töten wird. In ihrer neuer Wohnung verschwinden Dinge, andere tauchen auf. Norah wird immer verwirrter, erst recht, als sie anonyme Nachrichten auf ihrem Handy erhält und Freunde sich von ihr abwenden. Bis sie endlich ihre Situation sachlich analysiert und den Hintergründen auf die Spur kommt, dümpelt der Thriller mehr als Roman vor sich her. Melanie Raabes Sprachkunst ist bildhaft und imponierend, weil aber die Distanz zur Protagonistin nicht überwunden wird, zieht sich das Buch unangenehm in die Länge. Erst als Norah aus ihrer Handlungsstarre erwacht, selbst an den Fäden zieht, gewinnt der Plot an Tempo und mündet in einem grandiosen Finale, das endlich die Bezeichnung Thriller verdient. Im Nachhinein bin ich von dem Buch begeistert, denn die Grundidee ist außergewöhnlich. "Der Schatten" ist eins dieser Bücher, die den Leser über den Buchdeckel hinaus noch beschäftigen

Veröffentlicht am 17.07.2018

Öde erzählt

Opfer
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Nicht nur das stylische Cover, sondern ganz besonders der Klappentext haben mich auf den Thriller neugierig gemacht. Leider habe ich mich von Seite zu Seite quälen müssen, denn der Schreibstil des Autors ...

Nicht nur das stylische Cover, sondern ganz besonders der Klappentext haben mich auf den Thriller neugierig gemacht. Leider habe ich mich von Seite zu Seite quälen müssen, denn der Schreibstil des Autors ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Man hat das Gefühl, die Handlung unter Glas und wie in Zeitlupe zu beobachten. Einerseits wird alles sehr genau beschrieben, was in den brutalen Szenen fast schon an die Grenze des Erträglichen geht, andererseits springen die Emotionen nicht über, denn zu groß ist die Distanz zu den Protagonisten.
Der Plot selbst ist genial- Ermittler und Verbrecher sind von überragender Intelligenz und agieren wie Schachspieler. Ich bin immer noch begeistert, wie sich die Handlung entwickelt. Die Wendung, die das Ganze nimmt, ist nicht vorhersehbar und allein deswegen vergebe ich drei Lesesterne. Wenn diese tolle Story jemand anderes erzählt hätte, wäre es die volle Punktzahl geworden.

Veröffentlicht am 11.07.2018

Unehelich

Der englische Liebhaber
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Charlotte ist nicht begeistert, als sie ihre Arbeit in Berlin unterbrechen muss, um ihre sterbende Mutter in Münster ein letztes Mal sehen zu können. Die Begegnung verläuft ausgesprochen emotionslos und ...

Charlotte ist nicht begeistert, als sie ihre Arbeit in Berlin unterbrechen muss, um ihre sterbende Mutter in Münster ein letztes Mal sehen zu können. Die Begegnung verläuft ausgesprochen emotionslos und ebenso sachlich wickelt sie einige Zeit später die Bestattung ab. Die Auflösung des Haushaltes kann sie auf ihren Vetter abwälzen und nur wenige Dinge nimmt sie als Erinnerung mit nach Berlin: eine vertrocknete Rose, einen Siegelring, eine teure Armbanduhr und die Tagebücher ihrer Mutter.
Charlotte ist eine sehr unsympathische, ichbezogene Person, die ihrer Mutter nicht verzeihen kann, dass sie zwar als Kind der Liebe empfangen, aber als uneheliches Besatzerkind im stockkonservativen Münster vielen Anfechtungen ausgesetzt war. Erst im Lesen der Tagebücher, die Anna im Hinblick auf ihren Tod und um Verständnis heischend für Charlotte geschrieben hat, ändert sich die Sicht der Tochter.
In Annas Leben war nur Platz für ihre einzigartige Liebe zum englischen Captain Jeremy Frazer, der plötzlich aus ihrem Leben verschwand, noch bevor sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählen konnte. Die Tagebücher sind Zeugnis ihrer unverbrüchlichen Treue trotz der Ungewissheit, zugleich leuchten sie aber auch das Leben in der Nachkriegszeit aus. Nicht nur was die Dinge des täglichen Lebens betraf, sondern auch die philosophische Frage nach dem Sinn des Krieges und erst recht nach dem Sinn des Lebens. Anna nimmt alle Entbehrungen auf sich, weil sie dem Kind ihrer großen Liebe ein gutes Leben ermöglichen möchte, doch Charlotte ist nur fordernd und aufsässig. Sie ist ihrer Mutter für nichts dankbar, und auch die Annäherung an ihren Vater, den sie als Erwachsene endlich kennenlernen darf, verläuft holprig. Bis zum Schluss erklärt sich Charlottes permanente Gekränktheit und unterschwellige Aggression nicht.
Insgesamt sind die drei Hauptpersonen Anna, Charlotte und Jeremy sehr verschlossene, eigenwillige und starke Charaktere, jedoch keine Sympathieträger. Das macht es schwer, sich mit dem Buch anzufreunden, auch nicht zuletzt weil manche Passagen doch recht trocken und zäh geschrieben sind. Dann plötzlich findet sich der Leser in Annas Betrachtungen über das Leben wieder und es bleibt etwas hängen, das auch noch da ist, wenn man das Buch aus der Hand gelegt hat. Deshalb gibt es eine klare Leseempfehlung von mir, auch wenn mir der Klappentext eigentlich eine geheimnisvolle Liebesgeschichte suggeriert hat.