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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.01.2024

Family First

Die mörderischen Cunninghams. Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen (Die mörderischen Cunninghams 1)
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Benjamin Stevenson hat hiermit einen guten, klassischen, englischen Krimi verfasst. Es gibt einen begrenzten, aber nicht zu kleinen Kreis an Verdächtigen. Es gibt viele Motive. Es gibt eine ausgefallene ...

Benjamin Stevenson hat hiermit einen guten, klassischen, englischen Krimi verfasst. Es gibt einen begrenzten, aber nicht zu kleinen Kreis an Verdächtigen. Es gibt viele Motive. Es gibt eine ausgefallene Todesart und zur Auflösung finden sich alle Beteiligten brav in der gemütlichen Bibliothek ein, wo alles noch einmal von Grund auf erklärt wird.
In diesem Fall heißt der Ich-Erzähler Ernest Cunningham. Er reist zu einem Familientreffen in ein verschneites Skiressort, das schon bald völlig im Schneesturm versinkt und von der Außenwelt abgeschnitten ist. Papa Cunningham ist schon vor Jahren bei einem krummen Ding ums Leben gekommen, doch nicht nur deshalb ist der Name Cunningham kein Renommee. Ernest versucht dem schlechten Ruf mit einem ehrbaren Beruf zu entkommen. Er schreibt Leitlinien für angehende (Krimi-)Autoren. Mit ziemlich viel Schalk im Nacken berichtet er nun im Nachhinein von diesen makabren Tagen im Schnee, die mit Leichen gespickt sind und bei denen viele Geheimnisse nach und nach gelüftet werden.
Der Schreibstil des Autors ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Es ist eine stete Gratwanderung zur selbstgefälligen Geschwätzigkeit, die manchmal schon ein klein wenig nervt. Allerdings ist die Kriminalhandlung extrem gut ausgedacht und absolut raffiniert. Mich hat es überrascht, dass mich insgesamt doch die Spannung eingefangen hat und ich unbedingt die Lösung lesen wollte. Deswegen kommt von mir eine klare Leseempfehlung, doch wie gesagt, das Buch ist sehr speziell!

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Veröffentlicht am 14.01.2024

Brutal und eklig

Das Insekt
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Sarah Thompson kann nicht an den Supererfolg ihres Erstlingswerks anknüpfen. Was keiner weiß: hier ist nicht alles Fiktion. Das Grauen hallt noch in ihr nach und die Furcht lässt sie nie mehr richtig los. ...

Sarah Thompson kann nicht an den Supererfolg ihres Erstlingswerks anknüpfen. Was keiner weiß: hier ist nicht alles Fiktion. Das Grauen hallt noch in ihr nach und die Furcht lässt sie nie mehr richtig los. Sie zieht mit ihrem Ehepartner in ein kleines, abgelegenes Häuschen, in dem sie sich schon bald verfolgt fühlt.
Therese ist eine brave Ehefrau mit einem fürchterlich faulen Mann. Auch sie muss um ihr Leben fürchten.
Jolene ist eine umtriebige Ehefrau mit einem braven Mann, der es nicht besser ergeht.
Diese drei Paare sind Figuren in einem Spiel, dass ein krankes Hirn ersonnen hat. Doch auch dieser Mensch war einmal ein Kind, das unvorstellbaren Grausamkeiten ausgesetzt war.
Die Vorstellung dieser Protagonisten dauert fast die Hälfte des Buches, findet aber nicht den richtigen Ton, um mich zu fesseln. Dann beginnt die Schilderung der Kindheit des Täters und die Autorin schwelgt in widerlichsten Szenarien. Diese ekelhaften Vorstellungen konnte ich nicht aushalten und habe das Hörbuch abgebrochen. Das half auch der routinierte Sprecher Gerrit Petersen nicht mehr weiter.

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Veröffentlicht am 12.01.2024

Mehr Hölle als Himmel

Himmelfahrt
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Harold Tunmore ist ein brillanter Wissenschaftler, erst in der Medizin, dann in der Physik. Deswegen wird er in ein geheimes Forschungsteam berufen, dass einen plötzlich aufgetauchten riesigen rätselhaften ...

Harold Tunmore ist ein brillanter Wissenschaftler, erst in der Medizin, dann in der Physik. Deswegen wird er in ein geheimes Forschungsteam berufen, dass einen plötzlich aufgetauchten riesigen rätselhaften Felsen untersuchen soll. Ist dieser überhaupt irdischen Ursprungs? Je höher das Team dem Gipfel kommt, um so mehr setzen mentale Angriffe der Gruppe zu. Es gibt tödliche Aggression innerhalb des Camps, aber auch reale Angriffe von nie vorher gesehenen Wesen. Vor allem Harold kommt dem Rätselhaften auf die Spur, denn anscheinend sprengt dieser Berg alle Dimensionen von Zeit und Raum. Der Drang, den Gipfel zu bezwingen, wird bei allen zur Besessenheit, doch die inneren Dämonen müssen in Schach gehalten und die tödlichen Gefahren von Außen überwunden werden. Die Geheimnisse des Berges führen zu hochgeistigen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern, über Gott, über den Sinn des Lebens, über die Zeit...
Diesen Gesprächen zu folgen fordert dem Leser einiges ab, vor allem, wenn man versucht die Logik bezüglich der zeitlichen Dimensionen zu verstehen.
Nicholas Binge hat hier einen Roman verfasst, der sowohl ein hohes Maß an Spannung bietet, als auch hohe Anforderungen an die Intelligenz des Lesers stellt.

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Veröffentlicht am 10.01.2024

Wenn die Hütte brennt

Deine Welt wird brennen
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Hauptkommissar Völxen muss miterleben, wie auf dem Nachbarhof eine alte Scheune bis auf die Grundmauern niederbrennt. Bei den Löscharbeiten wird eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche gefunden.
Diese ...

Hauptkommissar Völxen muss miterleben, wie auf dem Nachbarhof eine alte Scheune bis auf die Grundmauern niederbrennt. Bei den Löscharbeiten wird eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche gefunden.
Diese Scheune bewohnte seit einigen Wochen ein reicher Manager, der nach einem Trip mit halluzinogenen Pilzen sein Leben von Grund auf ändern wollte. Abkehr vom Konsum, Hinwendung zur Natur. Er vertiefte den Kontakt zu seinem unehelichen Sohn und dessen Gruppe von radikalen Umweltschützern. Diese stehen nun bei den Verdächtigen in vorderster Front, aber auch andere Mitglieder der Familie hätten ein gutes Motiv.
Die Handlung verläuft etwas zäh, denn die Mordermittlung besteht aus erster Linie aus Befragungen. Interessant sind dagegen die absolut unterschiedlichen Charaktere und das Flair von Landidyll, das dem Tatort anhaftet. Ganz zum Schluss ergibt sich noch ein überraschender Ermittlungsansatz, mit dem man nicht rechnen konnte. 4 Lesesterne für ein Buch, das zwar ein wenig zu ruhig daherkommt, aber dennoch nette Lesestunden beschert.

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Veröffentlicht am 08.01.2024

Teils Märchen, teils Sozialkritik

Das Vogelmädchen von London
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Shay wird in einer Gemeinschaft groß, die in der Deutung des Vogelflugs göttliche Zeichen zu erkennen glaubt. Um den Unterhalt für sich und ihren Vater zu verdienen, arbeitet sie als Falknerin, übernimmt ...

Shay wird in einer Gemeinschaft groß, die in der Deutung des Vogelflugs göttliche Zeichen zu erkennen glaubt. Um den Unterhalt für sich und ihren Vater zu verdienen, arbeitet sie als Falknerin, übernimmt aber auch zusätzlich noch Botengänge. Sie läuft trittsicher über Londons Dächer, fliegt fast wie ein Vogel in dieser Höhe. Weil das Geld vorne und hinten nicht reicht, nimmt sie zusätzlich noch einen kleinen Job als Souffleuse in einem Theater an. Die Schauspieler sind Jungen, die der Theaterbesitzer mit mehr oder minder unlauteren Mitteln von der Straße eingefangen hat. Nach der Vorstellung müssen einige Kinder noch zum Privatvergnügen der Reichen herhalten.
Shay freundet sich schnell mit dem Star des Ensembles an. Die beiden müssen fliehen, als sie einen Adligen böse austricksen, um Kampfhähne zu befreien. Doch das ganze Land gerät immer mehr wegen der großen Kluft zwischen Arm und Reich in Aufruhr. Shay gerät sogar zwischendurch in Gefangenschaft, weil sich mit ihrer Wahrsagekraft gut Geld verdienen lässt. Der Roman endet in einem düsteren Finale.
Generell muss man sagen, dass sich dieses Buch inhaltlich in vier sehr unterschiedliche, leider nicht ganz so harmonisch ineinandergreifende Teile gliedern lässt.

Shays Leben als Vogeldeuterin - Shay als Teil der Theaterkompanie - Shay gefangen im Käfig - Shay im finalen Kampf

Während der Anfang noch sehr mystisch ist, geht das Geschehen langsam über in eine Gesellschaftskritik und mündet in eine gewaltsame Revolution. Weil der Schreibstil nicht einheitlich ist, bedauerlicherweise auch einige Längen bietet, ist es schwer in den Lesefluss zu kommen. Man weiß nicht recht, worauf der Autor abzielt. Beeindruckend allerdings ist, wie genau die Charaktere der Hauptpersonen skizziert sind und welche Entwicklung die einzelnen durchlaufen. Einen Leseeindruck in Bewertungspunkte zu fassen, fällt schwer, weil sich gute und schlechte Passagen abwechseln.

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