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Veröffentlicht am 11.09.2025

Schwieriges Thema gut und einfühlsam aufbereitet

Something happened to Ally
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Seit einer Ewigkeit schwärmt Ally für Sean Nessel. Sean Nessel, der wohl der beliebteste Junge ihrer Schule ist, ein Star in der Fußballmannschaft und absoluter Mädchenschwarm. Und Sean Nessel, der Ally ...

Seit einer Ewigkeit schwärmt Ally für Sean Nessel. Sean Nessel, der wohl der beliebteste Junge ihrer Schule ist, ein Star in der Fußballmannschaft und absoluter Mädchenschwarm. Und Sean Nessel, der Ally auf einer Hausparty endlich näher kommt - und dann ihr Nein ignoriert. Um zu verhindern, dass dieses Ereignis Seans Ruf beeinträchtigt, beauftragt dieser schließlich Blythe damit, die Sache "wieder in Ordnung zu bringen" und zu verhindern, dass Ally ihn anzeigt...

"Something happened to Ally" ist ein Jugendbuch, welches ein unheimlich schwieriges Thema in den Fokus rückt. Immer wieder beschäftigt es sich mit den Nachwirkungen von Seans Tat, mit Allys Gefühlswelt während des "Danachs". Dabei wird einfühlsam geschildert, mit welcher Wut, Scham, Unsicherheit und - gerade nach Blythes Manipulationsversuchen - vielleicht auch Schuld diese zu kämpfen hat, welchen Ekel sie empfindet. Allys Geschichte wird in einem sanften Ton geschildert, die Intensität der Situation wird durch einen jugendlich-leichten Schreibstil ebenso wie ein typisches, filmreifes amerikanisches Highschool-Setting abgemildert. Und doch werden ihre Erfahrungen keineswegs verharmlost, Allys Geschichte ausreichend eindringlich und aufweckend dargestellt, während trotz all des Schmerzes eine Perspektive geboten und mittelbar Mut gemacht wird. So bin ich mir sicher, dass auch junge Leser sich vorsichtig an diese Thematik herantrauen können.

Trotz dieses beschriebenen, gelungenen Balanceakts und des passenden Schreibstils fehlte es mir gerade zur Mitte hin an neuen Informationen, Gefühlen oder Ereignissen. Denn die Handlung kommt in meinen Augen irgendwann zum Stocken, kreist immer weiter um Blythe und zieht sich für einige Kapitel in die Länge. Möglicherweise dient dies dazu, Allys Emotionen und Situation zu unterstreichen. Ich persönlich musste mich allerdings ein wenig durch den Mittelteil kämpfen.

Abgesehen davon empfehle ich das Buch gerne an junge Leser weiter, die Interesse daran haben, sich an ein solch schwieriges Thema, welches gut und einfühlsam aufbereitet wurde, heranzutasten. Ich kann mir diesen Roman auch sehr gut als Schullektüre vorstellen, welche anschließend zur weiteren Diskussion anregen soll.
4/5 Sterne

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Eine Zeitreise in die 60er Jahre

Lebensträume. Ärztin einer neuen Zeit
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Es ist das Jahr 1961: Für Vicky und Achim gehört es - wie bei so vielen anderen Ostberlinern - zum Alltag, tagtäglich in den Westen zu pendeln. Denn das junge Paar studiert in Westberlin gemeinsam Medizin. ...

Es ist das Jahr 1961: Für Vicky und Achim gehört es - wie bei so vielen anderen Ostberlinern - zum Alltag, tagtäglich in den Westen zu pendeln. Denn das junge Paar studiert in Westberlin gemeinsam Medizin. Doch als plötzlich eine Mauer genau zwischen den beiden Teilen Berlins errichtet wird, sind die beiden gezwungen, ihre Zelte in der Heimat abzubrechen und in den Westen zu fliehen. Während Achim kurz darauf verhaftet wird, gelingt es Vicky, ihr Studium erfolgreich abzuschließen. Trotz zahlreicher Widrigkeiten verschlägt es sie an die Flughafenambulanz Frankfurt am Main - immer mit der Hoffnung, dass ihr geliebter Achim doch noch zu ihr zurückkehrt...

Wo soll ich bei einem solch außergewöhnlich dichten, allumfassenden Roman bloß anfangen? Denn "Lebensträume. Ärztin einer neuen Zeit" ist sicherlich alles andere als ein gewöhnlicher historischer Roman. Ich würde ihn vielmehr als Zeitkapsel beschreiben: Gleich in den ersten wenigen Kapiteln erkennt man als Leser die Arbeit und das Herzblut, die in diese tiefgehende Recherche der Autorin geflossen sein müssen. Den Rahmen der Geschichte bilden dabei einschlagende historische Ereignisse der 60er Jahre. Ausgeschmückt werden diese durch historische Persönlichkeiten, musikalische Untermauerungen und kleine Details wie beispielsweise entsprechende Dialekte. Und - was wohl ein Herzstück der Geschichte sein dürfte - natürlich exzellent dargestellte medizinische Feinheiten der damaligen Zeit. Während man den Alltag der Protagonistin Vicky mitverfolgt, fühlt es sich immer wieder an, als würde man gleich neben ihr in der Sanitätsbaracke des Flughafens stehen. Es werden spannende medizinische Fälle (teils sogar inspiriert von wahren Begebenheiten) präsentiert, welche wiederum vom akkurat recherchierten medizinischen Fortschritt zu dieser Zeit begleitet werden.

Und auch auf Ebene der einzelnen Figuren lässt diese Buch definitiv nicht zu wünschen übrig: Während der knapp 600 Seiten erlebt man Vickys Entwicklung bis hin zu einer statthaften jungen Ärztin mit. Aller Widrigkeiten zum Trotz kämpft sie sich durch und wächst dem Leser so ans Herz. Auch weitere Charaktere wie Vickys Freund Achim, ihr Chefarzt oder ihre teuren Freundinnen kommen nicht zu kurz, präsentieren ihre Ecken und Kanten und erhalten ausreichend Raum, um gemeinsam mit Vicky zu wachsen.

Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung für Liebhaber von historischen Romanen, die viel Wert auf Details legen und Lust auf ein paar medizinische Abenteuer haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich dieses Buch gerade für Kinder der 60er Jahre ein wenig wie "Nach-Hause-Kommen" anfühlen dürfte!
5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Inspirierende Message inmitten magischer Lesestunden

Die Bestimmung der Mondsteinkinder
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"Den Mondstein in der Hand, von Schärfe und Verstand, Schwarz auf dem Haupt, einer Chance beraubt, die Haut rein und zart, das Herz stark und hart."

Eigentlich passt die Prophezeiung zur bevorstehenden ...

"Den Mondstein in der Hand, von Schärfe und Verstand, Schwarz auf dem Haupt, einer Chance beraubt, die Haut rein und zart, das Herz stark und hart."

Eigentlich passt die Prophezeiung zur bevorstehenden Königslese so gar nicht zum jungen Meelo, einem Perlentaucher mit panischer Angst vor dem Wasser. Und doch bricht er gemeinsam mit einem Steppenkrieger auf, um die bevorstehende Königswahl, in welcher ein Kind des Reiches zum neuen König gekrönt wird, hautnah mitzuerleben. Auf seiner Reise lernt Meelo die Flügelpferd-Hüterin Ria kennen - und erfährt schon bald von einem finsteren Geheimnis, was alles zu verändern vermag...

Wer vom magischen, ein wenig düsterem und dennoch fantastischem Cover zu "Die Bestimmung der Mondsteinkinder" ebenso hin und weg war wie ich, wird sich freuen, sobald er einen Blick in das Innere des Buches wirft: Die Buchdeckel werden geziert von einer hübschen, umfassenden Landkarte und jedes Kapitel weist eine im selben Stil gehaltene Vignette auf.

Doch nicht nur die Gestaltung des Buches vermag es, zu überzeugen. Binnen kürzester Zeit lernt der Leser die einzelnen Figuren der Geschichte gut kennen, welche zuvor in einer kurzen Personenübersicht auf einen Blick vorgestellt werden. Schon bald erkennt man, wie einzigartig jeder Charakter - zumindest in Bezug auf Kinder, denn Erwachsene wirken hier eher wie Requisiten oder schmückendes Beiwerk - gezeichnet ist. Besonders positiv aufgefallen ist mir an dieser Stelle Protagonist Meelo, welcher durch seine sanftmütige Art besticht und mit Fleisch und Blut für die inspirierende Message des Buches einsteht: Du kannst alles schaffen, wenn du nur fest genug daran glaubst, ganz egal, was andere denken!

Die Geschichte und das Worldbuilding unterstreichen diese Botschaft angemessen. Hier und da wird mit einer ordentlichen Prise Magie und Fantasie gearbeitet - und spätestens die geflügelten Pferde dürften jedes Kinderherz höher schlagen lassen! Schade nur, dass das Buch immer mal wieder ein paar Längen aufweist. Aber hier muss man wohl einfach kurz durch, um dann den Rest des Buches umso besser genießen zu können.

Wer Lust auf eine von Kindern beherrschte, magische Welt hat und einem spannenden Abenteuer nicht abgeneigt ist, sollte sich dieses Buch näher ansehen. Ich bin mir sicher, dass es Kinderaugen zum Strahlen bringen wird.
4/5 Sterne

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Gutes Konzept vor einem sommerlichen Setting, allerdings mit ausbaufähigen Charakteren

Girls' Trip - Vier Freundinnen. Eine Luxusjacht. Eine tödliche Reise.
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"Das Wasser unten wirbelt herum wie ein lebendiges Wesen, und die Wellen pulsieren gleich einem Herzschlag."

Als Maggie gemeinsam mit ihren Freundinnen Giselle, Emi und Vivi an Board der Jacht "Escape" ...

"Das Wasser unten wirbelt herum wie ein lebendiges Wesen, und die Wellen pulsieren gleich einem Herzschlag."

Als Maggie gemeinsam mit ihren Freundinnen Giselle, Emi und Vivi an Board der Jacht "Escape" geht, freut sie sich auf einen unvergesslichen, luxuriösen Trip. Inmitten von leckeren Cocktails, unterhaltsamen Landgängen und zahlreichen Bediensteten genießen die Freundinnen die Tage auf hoher See. Bis eine von ihnen eines Nachts über Bord geht - und Maggie mittels Videoaufzeichnungen auf frischer Tat dabei ertappt wird, wie sie Giselles Sturz zu verantworten hat. Aber ist diesen wirklich zu trauen?

"Girls' Trip" ist ein Young Adult Thriller, welcher direkt von Beginn an mit einer spannenden, innovativen Erzählweise zu bestechen weiß. Denn hier wird die Geschichte der Mädchen rückwärts erzählt. Dieser Thriller beginnt mit der Tat und eröffnet dabei anschließend Seite für Seite Hintergründe dieser, Hinweise sowie Ermittlungsansätze und individuelle Lebenswege der Protagonistinnen. Eingerahmt von Tagebuchauszügen, Nachrichtensendungen, Chatnachrichten sowie Polizeiverhören wird dem Leser so das Gefühl vermittelt, selbst die Rolle der Ermittler einnehmen zu können. Sicherlich geht durch die Vorwegnahme der Tat ein Stück weit das typische Thrillergefühl verloren. Durch klug eingesetzte Details werden so aber hin und wieder einzelne Puzzleteile zwischen den Zeilen platziert, dessen Zusammensetzen für eine ganz eigene Art von Spannung sorgt.

Interessant ist dabei auch das Setting der Geschichte, welche unter anderem mitten auf hoher See oder auf kleinen Inseln auf dem Weg in die Karibik spielt. Gepaart mit dem luxuriösen Leben der reichen Protagonistinnen eröffnet sich so ein sommerliches Lesegefühl - "Girls' Trip" macht sich sicherlich hervorragend als Strandlektüre!

Etwas weniger hat mir leider die Art und Weise gefallen, wie die einzelnen Figuren gezeichnet wurden. Klar, jedes der Mädchen hatte ihre Ecken und Kanten und war ebenso glaubwürdig in ihren jeweiligen Hintergründen und Motivationen. Allerdings erschienen sie mir allesamt recht klischeehaft und im Allgemeinen etwas blass. Viele von ihnen hätten meiner Meinung nach auch durch ein beliebiges "Rich Kid" ausgetauscht werden können.

Zu meinen Kritikpunkten zähle ich weiter auch den Schluss der Geschichte. Wie bereits angerissen, besticht die Autorin durch einen gerissenen Einsatz von spannenden, kleinen Details, welche den Leser auf unterschiedliche Fährten locken. Hier hätte unheimlich viel Potential für eine fulminante Auflösung gesteckt. Letztendlich wurde diese mir aber zu schnell abgehandelt. Und obwohl der Schlussteil hier und da durchaus überraschend war, fand ich diesen durch die Kürze insgesamt zu überzogen und nicht optimal zum Rest des Buches passend.

Nichtsdestotrotz wurde ich beim Lesen gut unterhalten und denke, dass diese Lektüre vor allem bei etwas jüngeren Lesern gut ankommen sollte. Sie lässt sich flott lesen, bietet ein tolles Setting und ist durchaus innovativ und interessant gestaltet.
3,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Spannendes, steampunk-ähnliches Setting

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen
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Als alle Stricke reißen, findet sich das junge Waisenmädchen Maggie Fishbone prompt im Institut "Midwatch" wieder. Das von außen düster anmutende Internat ist speziell dafür konzipiert, unerwünschte Mädchen ...

Als alle Stricke reißen, findet sich das junge Waisenmädchen Maggie Fishbone prompt im Institut "Midwatch" wieder. Das von außen düster anmutende Internat ist speziell dafür konzipiert, unerwünschte Mädchen aufzunehmen und diese zu anständigen Mitgliedern der Gesellschaft zu formen. So scheint es zumindest - denn niemand ahnt, dass es sich dabei eigentlich um eine Schule handelt, die kluge Ermittlerinnen ausbilden soll. Und schon bald erwartet Maggie und ihre Freundinnen ihr erstes Abenteuer und ein erster, mysteriöser Fall...

Wer einen ersten Blick in "Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen" wirft, dürfte schnell von der wundervollen Gestaltung im Innenteil des Buches überzeugt werden. Denn dieses Kinderbuch ist gespickt von zahlreichen detailverliebten, in blau und weiß gehaltenen Illustrationen, die dem Leser auf fast jeder Seite in klein und groß nur so ins Auge springen und nicht nur einfache Darstellungen der jeweiligen Szenerie enthalten, sondern auch durch abwechslungsreiche Tipps und Rezepte begeistern können.
Und so schön die Illustrationen auch sind - ich habe mich unheimlich darüber gefreut, dass auch der Schreibstil der Autorin super mit diesen mithalten kann. Denn auch dieser ist, nicht im Übermaß und genau richtig platziert, detailreich und vor allem wundervoll atmosphärisch. Ich konnte mir das Setting und die Atmosphäre rund um Midwatch bildlich vorstellen, war ganz begeistert von dieser steampunk-ähnlichen Welt und der leicht mystischen, vintageartigen Stimmung, die über das Buch hinweg erzeugt wird.

Auch die Handlung selbst hat es mir hier angetan. Sie bedient sich unterschiedlicher Genres, bietet einige Krimielemente an, bei denen der Leser selbst miträtseln, -raten und -ermitteln kann und reicht sogar bis hin zur Einbeziehung von fantastischen Elementen. Es ist also wirklich für jeden Geschmack etwas dabei!

Ich freue mich sehr, dass ich in Maggies Welt eintauchen und mich in eine Welt wegträumen konnte, die herrlich altmodisch und thematisch doch modern wirkt. Von mir gibt es definitiv eine Leseempfehlung!
5/5 Sterne

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