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Veröffentlicht am 02.11.2020

Ein typischer Follett!

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
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„Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ ist der vierte Teil der Saga rund um den Ort Kingsbridge von Ken Follett, zeitlich jedoch als Prequel vor „Die Säulen der Erde“ eingeordnet. Das Buch lässt sich ...

„Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ ist der vierte Teil der Saga rund um den Ort Kingsbridge von Ken Follett, zeitlich jedoch als Prequel vor „Die Säulen der Erde“ eingeordnet. Das Buch lässt sich somit auch unabhängig lesen.

Im Jahr 997 kann der kleine Ort Drengs Ferry vom Bau einer Kathedrale nur träumen. Wie konnte die kleine Ansammlung von Häusern zu einem Ort, der einer Kathedrale würdig, ist aufsteigen? In Kingsbridge nimmt Follett uns mit zu den Anfängen. Die Geschichte baut er rund um vier Hauptpersonen auf. Sympathieträger sind drei ganz unterschiedliche Helden. Bootsbauer Edgar zieht, nachdem er während eines Wikingerangriffs in Combe alles verloren hat, mit seinen beiden Brüdern und seiner Mutter auf einen kleinen Bauernhof im Ort und kämpft mit viel praktischem Können und Verstand gegen Ungerechtigkeiten um seinen Lebensunterhalt. Die Edelfrau Ragna lässt ihre Familie in der Normandie zurück und muss in England schnell lernen sich zu behaupten. Aldred der Mönch überzeugt mit findigen Ideen und Humor. Den Helden dieser Geschichte stehen Bischof Wynstan und seine Familie gegenüber – skrupellos und hungrig nach Macht.

Wie auch in seinen anderen Romanen zeichnet Ken Follett seine Figuren eindeutig gut oder böse. Vor allem bei dem immerguten Edgar und Wynstan hätte ich mir noch mehr Schattierungen gewünscht. Ragna entwickelte sich im Laufe der Handlung zu meiner Lieblingsperson und konnte mich teilweise auch überraschen, nachdem ich sie zu Beginn als sehr naiv abgestempelt hatte.

Im Gegensatz zu „Die Säulen der Erde“ behandelt „Kingsbrigde“ für Folletts Verhältnisse einen relativen kurzen Zeitraum von zehn Jahren; 997 bis 1007. Vielleicht stammt daher auch mein Gefühl, dass in diesem Roman vergleichsweise weniger passiert, da man auch das weitere Leben der Kinder der Hauptpersonen nicht verfolgt. Trotzdem konnte mich der Roman durchaus fesseln. Das liegt auch an Ken Folletts Stil, der sich einfach lesen lässt und dabei ein detailreiches Bild der damaligen Zeit zeichnet. In den ersten drei Vierteln des Buches wird langsam Spannung aufgebaut – die im letzten Teil meiner Meinung nach etwas zu schnell und perfekt aufgelöst wird. Gut unterhalten gefühlt, habe ich mich dennoch.

Fazit – Über 1000 Seiten lesen sich wie im Fluge – ein schönes Lesevergnügen für Herbst und Winter mit allen (teilweise vorhersehbaren) Motiven eines klassischen Follett Romans.

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Veröffentlicht am 26.10.2020

Seichter Familienroman

Marigolds Töchter
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Marigolds Töchter ist ein leichter und seichter Familienroman, der sich rund um Marigold und ihre Familie dreht. In einem idylischen englischen Dörfchen lebt Marigold (Ende 60) mit ihrem Mann Dennis, ihren ...

Marigolds Töchter ist ein leichter und seichter Familienroman, der sich rund um Marigold und ihre Familie dreht. In einem idylischen englischen Dörfchen lebt Marigold (Ende 60) mit ihrem Mann Dennis, ihren beiden Töchtern und ihrer Mutter Nan. Marigold ist eine sehr herzenswarme Frau, die sich liebend gerne um die Familie und ihren Mann Dennis kümmernd, mit dem sie glücklich verheiratet ist. Die Autorin arbeitet ganz verschiedene Charaktere heraus: Das Nesthäckchen Suze, die noch zuhause lebt und auf eine Karriere als Influencerin hofft, die etwas schrullige, ständige mosernde, aber liebenswerte Nan und schließlich die künstlerisch begabte Daisy - Typ perfekte Tochter- , die nach 6 Jahren im Ausland zurück nach Hause kommt, um eine Trennung zu verarbeiten.

Die Handlung selbst dreht sich rund um das Thema Demenz. Marigold beginnt langsam vergesslicher zu werden und benötigt zum ersten Mal in ihrem Leben Hilfe. Es wird sehr eindringlich beschrieben, wie schwierig es für sie, die sich ihr ganz Leben immer zuerst um andere gekümmert hat und alles im Griff hatte, nun ist, mit der zunehmenden Unsicherheit umzugehen.

Ihre Töchter und die anderen Dorfbewohner finden teils herzerwärmende Ideen um ihr den Umgang zu erleichern. Die Handlung entwickelt sich ruhig und vorhersehbar und außer der obligatorischen Liebesgeschichte für Daisy, die wieder auf die Füße kommen muss passiert auch sonst nicht sehr viel. Die Charaktere und ihre Handlungen sind teilweise sehr klischeebeladen und ein großer Spannungsbogen wird nicht aufgebaut.

Trotzdem habe ich das Buch ganz gerne gelesen - es ist für einen regnerischen Herbsttag auf dem Sofa als leichte, schnelle Lektüre geeignet.

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Veröffentlicht am 05.10.2020

Arved Fuchs rüttelt wach!

Das Eis schmilzt
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Arved Fuchs erzählt in seinem Buch "Das Eis schmilzt" sehr eindringlich vom Klimawandel aus seiner Sicht als Polarforscher. In Kapitel 1 bis 9 beschreibt er zunächst die Veränderungen von Klima ...

Arved Fuchs erzählt in seinem Buch "Das Eis schmilzt" sehr eindringlich vom Klimawandel aus seiner Sicht als Polarforscher. In Kapitel 1 bis 9 beschreibt er zunächst die Veränderungen von Klima und der Polarregion, die er in den letzten Jahren beobachten konnte. Kapitel 10 bis 16 richten sich auf konkrete Beispieleprojekte, die lokal bereits erfolgreich einen anderen Umgang mit Resourcen und Energie betreiben und einige Schlussbemerkungen.

Die zu Beginn des Buches dargelegte Problematik ist für mich keineswegs neu, trotzdem schafft Arved Fuchs es mich mit dem Buch und den teilweise erschütternden Fotos von Umweltverschmutzung wachzurütteln. Der Stil des Buches gleicht einem spannenden Vortrag. Die Lektüre führt mir sehr deutlich vor Augen, dass es jetzt Zeit ist zu handeln. Die folgenden Beispiele zeigen gut auf, dass ein anderer Umgang mit Resourcen möglich ist. Insgesamt bin ich nach dem Buch sehr motiviert, mein Verhalten noch weiter möglichst klimafreundlich anzupassen. Was mir an dem Buch etwas fehlt, ist eine konkrete Liste mit Handlungsempfehlungen um die entstandene Motivation direkt umzusetzen. Was kann jeder Einzelne tun, wie können wir Veränderung auf höherer Ebene anstoßen und einfordern? Natürlich kann und sollte man sich hier eigenständig weiter informieren, allerdings ist das Buch an sich so motivierend, dass ich eine Liste mit konkreten Anregungen sehr hilfreich gefunden hätte.

Unabhängig vom Inhalt gefällt mir das Buch auch gestalterisch sehr gut. Sowohl Cover als auch der Innenteil sind grafisch sehr modern und ansprechend gehalten. Ein schönes Detail ist zum Beispiel das kleine Eisberg Icon, das in jedem Kapitel etwas kleiner dargestellt wird. Auch die Typografie und der Einsatz von Fotos unterstreicht diesen Eindruck. Außerdem ist das Buch im cradle to cradle Verfahren produziert und klimapositiv gedruckt - dies hätte ich bei der Thematik natürlich auch erwartet. Auch wenn in erster Linie der Inhalt zählt, weiß ich die schöne Gestaltung sehr zu schätzen.

Insgesamt finde ich das Buch sehr ansprechend und einen wichtigen Anstoß in Sachen Klimaschutz. Ein zusätzliches Kapitel mit konkreten Empfehlungen für Privatpersonen würde es meiner Meinung nach perfekt machen.

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Veröffentlicht am 05.10.2020

Hat leider meine Erwartungen nicht erfüllt

Das Perchtenerbe
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Das Perchtenerbe von Birgit Arnold hat mich vor allem aufgrund der Thematik "Altes Brauchtum - Frau Percht" angesprochen. Das Buch beginnt mit Marie, die bei ihrer Großmutter alte Masken entdeckt. ...

Das Perchtenerbe von Birgit Arnold hat mich vor allem aufgrund der Thematik "Altes Brauchtum - Frau Percht" angesprochen. Das Buch beginnt mit Marie, die bei ihrer Großmutter alte Masken entdeckt. Daraufhin erzählt ihr Großmutter ihr die Geschichte von Criste und Frau Percht. Auf den ersten Seiten fand ich das Buch atmosphärisch dicht und konnte mich gut in die Winternacht einfühlen.

Leider hat das Buch im weiteren Verlauf meine Erwartungen nicht erfüllt. Auf nur 150 Seiten wurde die Hauptgeschichte sehr schnell erzählt, allerdings hatte ich dabei trotzdem das Gefühl sehr häufig die gleichen, erklärenden Sätze zu lesen. Auch eine Identifikation mit den Charaktären kam so nicht wirklich auf. Das liegt auch daran, dass Criste meiner Meinung nach auf ihr Schicksal häufig etwas unglaubwürdig reagiert. Die Beschreibung des Perchtenbrauchtums ist an vielen Stellen sehr düster und grausam, allerdings kam durch die sehr kurzgefasste, wiederholende Schreibweise bei mir kaum Grusel auf. Insgesamt wurden die Themen Frau Percht, Unterwelt und Zwischenwelt jedoch eher kurz und oberflächlich gestreift. Die Grundidee des Buches finde ich nach wie vor spannend, allerdings hätte diese Geschichte noch ausgereifter sein können.

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Veröffentlicht am 01.10.2020

Überraschend gut auf den zweiten Blick

Die zitternde Welt
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Die zitternde Welt von Tanja Paar beschreibt die Familiengeschichte eines ungewöhnlichen Paares. Maria reist 1896 hochschwanger dem Vater ihres Kindes, Wilhelm nach Anatolien hinterher und beginnt ...

Die zitternde Welt von Tanja Paar beschreibt die Familiengeschichte eines ungewöhnlichen Paares. Maria reist 1896 hochschwanger dem Vater ihres Kindes, Wilhelm nach Anatolien hinterher und beginnt dort mit ihm ein neues Leben in wilder Ehe. Ein Zitat aus dem Buch beschreibt meiner Meinung nach die Beziehung besonders gut: "Maria war wie der Drache in der Luft, er ihr Gewicht am Boden. Dazwischen eine dünne Schnur, die manchmal gefährlich surrte und sie doch hielt und ihr Richtung gab. Ohne ihn, das wusste sie, wäre sie abgehoben und zerschellt. (S.105)"

Auf nur 300 Seiten bringt uns Tanja Paar die Lebensgeschichte der beiden mit eindringlichen Szenen und Dialogen nah. Die ausgewählten Szenen sind reduziert auf das Wesentliche, jede trägt dazu bei einen Charakter kennenzulernen. Für mich war das Buch eine Liebe auf den zweiten Blick, im ersten Teil musste ich noch warm werden mit dem Erzählstil der Autorin. Während der erste Teil vor allem das Leben von Maria und Willhelm beschreibt, die in Anatolien trotz aller Unterschiede ein glückliches Leben aufgebaut haben, entfaltet sich im zweiten Teil der tragische Teil der Geschichte und der Blick richtet sich auf das Leben der Kinder. Zwei Weltkriege beeinflussen das Geschehen stark, doch manchmal entscheiden kleine Momente über das Schicksal.

Die zitternde Welt ist kein Buch, das man so nebenher liest, viel steht zwischen den Zeilen. Vor allem der zweite Teil hat mich jedoch in seinen Bann gezogen. Das Cover finde ich sehr passend gewählt: Es zeigt einen auf dem Kopf stehenden Orangenbaum und auch für Maria steht die Welt im Buch plötzlich auf dem Kopf.

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