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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2026

Ein stimmiger zweiter Fall

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Der erste Fall von Commissario Gaetano hat mich letztes Jahr ganz schön gefordert. Diesmal war es anders, und ich habe die Ermittlungen viel lieber verfolgt.

In der Osterwoche, während sich die Prozessionen ...

Der erste Fall von Commissario Gaetano hat mich letztes Jahr ganz schön gefordert. Diesmal war es anders, und ich habe die Ermittlungen viel lieber verfolgt.

In der Osterwoche, während sich die Prozessionen durch Neapel ziehen und das Leben zwischen Tradition und Alltag pulsiert, verschlägt es Gaetano eigentlich ins kampanische Hinterland zur Familie. Doch die Ruhe hält nicht lange: Ein Toter im Hafenbecken zwingt ihn zurück in den Dienst. Gemeinsam mit seiner neuen Kollegin folgt er den Spuren quer durch die Stadt, vom eleganten Chiaia bis hinunter nach Mergellina, dorthin, wo das alte Neapel auf das neue trifft.

Die Geschichte wirkte auf mich stimmiger und vor allem nicht mehr ganz so brutal wie beim ersten Mal. Ich konnte mich schneller hineinfinden und musste kaum innehalten. Auch Gaetano wirkt ruhiger und irgendwie mehr bei sich selbst. Seine Ecken und Kanten sind noch da, aber sie sind nicht mehr ganz so abschreckend. Vielleicht habe ich mich an ihn gewöhnt oder er hat sich ein Stück verändert.

Neapel bleibt dabei das, was es ist: laut, chaotisch, voller Widersprüche und Abgründe. Aber dieses Mal habe ich mich weniger fremd gefühlt in seinen Gassen.

„Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl“ war für mich sehr angenehm zu lesen. Immer noch intensiv, aber nicht mehr so schwer. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn es wieder ans Ermitteln geht im dritten Fall „Commissario Gaetano und die Tränen des Vesuvs“.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Beeindruckende Frauen

Die Riesinnen
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Es gibt Bücher, da lese ich die erste Seite und denke, das könnte ein Highlight werden. Sowas passiert mir nicht oft, aber bei dem Roman „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner war das mal wieder der Fall. ...

Es gibt Bücher, da lese ich die erste Seite und denke, das könnte ein Highlight werden. Sowas passiert mir nicht oft, aber bei dem Roman „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner war das mal wieder der Fall.

Die Riesinnen, das sind drei Frauen, drei Generationen - Mutter, Tochter, Enkelin - in einem kleinen Dorf im Schwarzwald.
Die Geschichte beginnt in den 1960er Jahren und erstreckt sich dann über mehrere Jahrzehnte.

Da ist zuerst mal Liese, die in die Metzgerei ihres Mannes einheiratet und dabei so vieles erdulden muss. Dann ihre rebellische Tochter Cora, die die Enge des Dorfes nicht erträgt und die Heimat verlässt. Sie will in die Welt hinaus und ihren eigenen Weg finden. Und dann ist da noch Enkelin Eva, die traditionell und modern zugleich ist.

Hannah Häffner ist mit "Die Riesinnen" ein starker Generationenroman gelungen, der mich wirklich gefesselt hat. Was für eine kraftvolle Geschichte über drei beeindruckende Frauen!
Drei Frauen, drei Schicksale, untrennbar miteinander verbunden. Und jede dieser Frauen ist auf ihre eigene Art eine Riesin. Stark und widerstandsfähig.

Brillant wurde auch die Atmosphäre des Schwarzwalddorfes eingefangen. Man riecht förmlich den Duft der Tannen, hört das Läuten der Kirchenglocken und spürt die bedrückende Enge, aber auch die Geborgenheit dieser kleinen Welt. Die 1960er und auch Jahre danach werden so lebendig, als wäre man selbst dabei gewesen.

Ich bin sehr begeistert von dieser Lektüre.
Absolute Leseempfehlung für alle, die kraftvolle Frauengeschichten und atmosphärische Familienromane lieben!

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Hier und dort

Das schönste aller Leben
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„Das schönste aller Leben“ von Betty Boras hat mich von der ersten Seite an tief berührt.
Die Geschichte rund um die Protagonistin Vio, die - wie die Autorin selbst - als Kind von Rumänien nach Deutschland ...

„Das schönste aller Leben“ von Betty Boras hat mich von der ersten Seite an tief berührt.
Die Geschichte rund um die Protagonistin Vio, die - wie die Autorin selbst - als Kind von Rumänien nach Deutschland kommt, ist sehr atmosphärisch und sehr bewegend erzählt.
Vor allem Vios Depression nach dem Unfall ihrer kleinen Tochter ging mir so nahe. Die seelischen Wunden, die bleiben, das ständige Erinnern durch die sichtbaren Narben, all das wird so intensiv und realistisch beschrieben, dass ich beim Lesen gut mit Vio mitfühlen konnte.
Auch der zweite Erzählstrang rund um Theresia im 18. Jahrhundert fügt sich absolut stimmig in den Roman ein.

Besonders gefallen hat mir, wie lebendig und authentisch die Figuren gezeichnet sind, sodass ich schnell und gut eine Verbindung zu ihnen aufbauen konnte.
Man merkt, dass der Roman eben nicht nur fiktiv ist, und dass viele Erfahrungen miteinfließen.
Gut gelungen ist auch der Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen, was der Lektüre Tiefe und Spannung verleiht.

„Das schönste aller Leben“ ist ein absolut lesenswertes Buch, das lange nachhallt und das ich von Herzen empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Lektüre zum Entschleunigen

Mathilde und Marie
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„Was wiegt so schwer auf deiner Seele?“

Dieser fast poetische Satz stammt aus dem Buch „Mathilde und Marie“ und gibt einen guten Eindruck davon, mit welch schöner Sprache Torsten Woywod seinen Debütroman ...

„Was wiegt so schwer auf deiner Seele?“

Dieser fast poetische Satz stammt aus dem Buch „Mathilde und Marie“ und gibt einen guten Eindruck davon, mit welch schöner Sprache Torsten Woywod seinen Debütroman geschrieben hat.

Es ist eine ruhige, warmherzige Geschichte über Menschlichkeit, Freundschaft und die Schönheit kleiner Alltagsmomente.

Die Handlung führt uns nach Redu, einem tatsächlich existierenden Bücherdorf in Belgien, in dem Buchläden, verwinkelte Gassen und feste Rituale den Rhythmus des Lebens bestimmen. Marie, Anfang 20, kommt hierher, um Abstand zu gewinnen, und begegnet Mathilde, die das Dorf seit Jahren ihr Zuhause nennt. Anfangs verschlossen, öffnet sich Mathilde langsam, und zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine leise, glaubwürdige Freundschaft.

Besonders eindrucksvoll ist die Atmosphäre des Romans: die spürbare Liebe zu Büchern und unabhängigen Buchläden, die Nähe zur Natur, die feinen Beobachtungen des Alltags - bis hin zum charmanten Dorfhund Anneliese. Gelegentlich wirkt die Welt etwas zu idyllisch, doch die angenehme Erzählweise und das stimmige Gesamtbild überwiegen.

„Mathilde und Marie“ ist ein Buch zum Innehalten und Durchatmen, zum Entschleunigen. Ideal für alle, die leise Geschichten, Bücherliebe und menschliche Nähe schätzen.

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Veröffentlicht am 24.12.2025

Nachdenklich und bewegend

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Das Buch hat mich emotional sehr angesprochen und sich insgesamt angenehm lesen lassen. Der Schreibstil ist ruhig, bildhaft und schafft schnell Nähe zu den Figuren. Besonders die Abschnitte, die in der ...

Das Buch hat mich emotional sehr angesprochen und sich insgesamt angenehm lesen lassen. Der Schreibstil ist ruhig, bildhaft und schafft schnell Nähe zu den Figuren. Besonders die Abschnitte, die in der Vergangenheit spielen, haben mich gefesselt.

Ganz überzeugt hat mich jedoch die Verbindung der beiden Zeitebenen nicht. Das Gemälde ist in der früheren Geschichte sehr präsent und wirkt dort bedeutungsvoll. In der Gegenwart tritt es für mein Empfinden zu sehr in den Hintergrund. Obwohl es immer wieder erwähnt wird, konnte ich die angekündigte enge Verbindung zwischen den Frauen nicht richtig spüren. Auch kurze Begegnungen zwischen Figuren aus unterschiedlichen Zeiten blieben für mich ohne große Wirkung.

Sehr gelungen fand ich dagegen die zentrale Frage des Romans: was wir unseren Eltern schulden und wie sehr frühere Generationen unser eigenes Leben prägen. Diese Themen werden sensibel und nachvollziehbar dargestellt und haben mich zum Nachdenken gebracht.

Insgesamt ist dies ein berührender Roman mit starker Sprache, den ich durchaus empfehlen kann.

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