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Veröffentlicht am 13.02.2025

Oberflächlich zusammengeschustert

Love will find you
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Wenn das Jahr schon so chaotisch und teilweise auch beängstigend losgeht, dann braucht man Cozy Romance mehr denn je. Bei Isabell Bennett, die für den deutschen Buchmarkt ein Neuling ist, hat mich dann ...

Wenn das Jahr schon so chaotisch und teilweise auch beängstigend losgeht, dann braucht man Cozy Romance mehr denn je. Bei Isabell Bennett, die für den deutschen Buchmarkt ein Neuling ist, hat mich dann neben den schönen Farben des Covers auch die Alpakafarm im Klappentext angesprochen. Da ich selbst erst im vergangenen Jahr bei einer Wanderung dabei war, war ich sehr gespannt, wie es fiktional umgesetzt wird.

Ich bin also enthusiastisch in die Geschichte reingegangen, musste aber für meinen Teil irgendwann feststellen, dass mir der gesamte Aufbau sowie Entwicklungen, Stilistik etc. doch insgesamt einfach zu oberflächlich sind. Auch wenn bei Cozy Romance dieser Eindruck immer latent vorhanden ist, so würde ich dennoch sagen, dass es dennoch eine Skala gibt und „Love Will Find You“ war für mich eher am unteren Spektrum, was ich nun auch genauer begründen möchte. Ein Grund ist für mich, dass die Perspektiven für mich nicht annähernd gerecht verteilt waren. Das Buch arbeitet in der Tendenz mit kürzeren Kapiteln, was für mich kein Kritikpunkt ist, weil es gut durch die Handlung treiben lässt. Aber dann kommen teilweise schon mal längere Kapitel (auch für Noah), was es aber umso auffälliger macht, dass Noah recht viel sehr, sehr kurze Kapitel hat. Da hatte ich ein wenig den Eindruck, dass Bennett zu ihm nicht viel eingefallen ist und sie ihn aber immer mit ein paar Gedanken dazwischen geschoben hat, damit wir nicht vergessen, dass er auch noch da ist. Das mag jetzt etwas übertrieben klingen, aber Noah war für mich als Figur leider deutlich unterdurchschnittlich entwickelt und aufgebaut. Seine ganze Geschichte bestand eigentlich nur aus Harper und die Familientragödie wurde dann auch eher über die Brüder transportiert. Leider einfach schade, wenn dann so der Funke zu der Figur nicht überspringen kann, denn so leidet dann auch die gesamte Liebesgeschichte.

Emma war als Figur durchaus ausgearbeiteter, auch weil wir viel mehr Einblicke in ihr Innenleben bekommen hat. Letztlich wirkt aber auch ihr Leben seltsam abgeschnitten. Selbst wenn Teile bewusst für die Spannung zurückgehalten werden, aber auch später ist es schwer, sich Emmas Leben vor Berryfield vorzustellen. Auch ihre Eltern werden mal erwähnt, doch sie an einem anderen Fleck auf der Erde lebend muss ja kein Kontaktabbruch bedeuten. Das sind leider alles so Lücken, die für mich offen geblieben sind. Wenn wir dann aber das Vorleben ausklammern, dann war Emma die Figur, zu der ich leichter Zugang erhalten habe. Ich fand es beachtlich, wie sie sich ein Leben aufgebaut hat, das mit den Alpakas und wie intensiv sie eingebunden wurden, das hat auch Spaß gemacht. Es waren hier also echt die Kleinigkeiten, die mich bei Laune gehalten haben. Ich mochte auch die Wanderungen, weil ich so eine Vorstellung der tollen Landschaft dort bekommen habe und weil es generell zur ganzen Stadt und den Figuren mit der Naturverbundenheit passte.

Kommen wir dann jetzt nochmal zum Handlungsverlauf. Auch wenn Noah an sich schon eine Hürde darstellte, aber ich fand es auch schade, wie schnell alles ging. Erst totaler Gegner, alles kritisieren und dann zack, alles super, ich lasse alles für dich stehen und liegen. Das Tempo passte so einfach nicht. Gerade weil die Geschichte sich Zeit für die intensiven Momente nimmt, ist es schade, wenn das nebenher wie auf der Autobahn wirkt. Gerade zum Ende hin haben sich für mich dann auch die Ereignisse überschlagen und es wurde stellenweise eine Dramatik ausgepackt, die es wieder komisch gemacht hat. Stichwort Lottie und Adrian. Insgesamt war in der Geschichte viel verpackt, was anders ausgearbeitet mich viel besser unterhalten hätte.

Fazit: „Love Will Find You“ hat mich leider nicht so gepackt wie erhofft. Auch wenn die Erwartungshaltung bei Cozy Romance sicherlich sehr eigen ist, aber so oberflächlich hätte es insgesamt nicht sein müssen. Im Hier und Jetzt war vieles völlig okay, oft auch unterhaltend und mitreißend, aber die Figuren schienen keine Vergangenheit zu haben. Bei den zahlreichen Kritikpunkten bin ich mir nicht sicher, ob ich Isabell Bennett für mich so schnell noch auf dem Schirm haben werde.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Einer fehl am Platz

Bookish Belles – Liebe hat tausend Seiten
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Es ist echt schon lange her, dass ich ein Buch von Kelly Moran gelesen habe. Im Grunde muss ich auch gestehen, dass ich kein treuer Fan geworden bin, denn selbst die „Redwood“-Reihe, mit der für mich alles ...

Es ist echt schon lange her, dass ich ein Buch von Kelly Moran gelesen habe. Im Grunde muss ich auch gestehen, dass ich kein treuer Fan geworden bin, denn selbst die „Redwood“-Reihe, mit der für mich alles losging, habe ich nicht bis zum Ende verfolgt. „Bookish Belles“ kam jetzt aber dennoch genau richtig, weil ich weiß, dass Moran für wohlige Gefühle steht und die konnte ich gerade gut gebrauchen.

Wie bei jedem guten Weihnachtsfilm haben wir auch hier die Kleinstadt, die ihren Charme versprüht und das mit Mythen, Zusammenhalt und ganz viel Glaube an Zauber. Die Portion Magie hat hier zu dem Südstaatensetting echt gut gepasst, weil ich mir alles bildlich wunderbar vorstellen konnte. Auch die ganzen Andeutungen zu den drei Bookish Belles sowie den zukünftigen Bänden der Reihen hat für mich gut funktioniert, weil diese tiefe Vertrautheit, der Spaß und doch auch der Ernst haben einfach etwas in der Mischung, wo man gerne im Geschehen dabei ist. Jedoch muss ich tatsächlich sagen, dass mich der erste Band „Liebe hat tausend Seiten“ in der Paarung nicht so abholen konnte, was für mich vor allem an Graham lag. Relativ spät am Ende des Buchs gibt Rebecca eine Personenbeschreibung zu ihm ab und es tut mir leid, aber ich habe die mir präsentierte Figur darin nicht wiedererkannt. Ich fand ihn zwar keinesfalls problematisch, kein Bad Boy, keine Red Flags, aber er war für mich einfach langweilig und nichtssagend. Es kam keine Persönlichkeit rüber und dementsprechend war es schon sehr anstrengend, für das Paar richtig mitzufiebern.

Das ist extrem schade, denn Rebecca hat mir als Figur sehr gut gefallen. Gerade angesichts ihres Schicksals habe ich gut nachvollziehen können, warum sie abseits von Vallentine ihr Glück versuchen wollte und warum sie sich trotz schrecklicher Jahre in der Großstadt lange nicht zur Rückkehr entscheiden konnte. Manchmal muss man eben weggehen, um zu erkennen, was man zurückgelassen hat. Zudem hat mir die Darstellung ihrer Krankheit und wie sie als Figur darüber denkt und damit umgeht, sehr gut gefallen. Es war kein übertrieben dominanter Aspekt, sondern es floss angemessen ein, was für mich auch das unterstrichen hat, was Betroffene oft berichten. Sie wollen von ihrer Krankheit nicht bestimmt werden, aber sie wollen auch Verständnis entgegengebracht bekommen. Im beruflichen Kontext war es dann aus Rebeccas Perspektive auch sehr mitreißend mitzusehen, wie sie die Zeitung ruckzuck zum Leben erweckt hat, weil sie alles mit ihrer Leidenschaft umgerissen hat.

Dieser Teil hat mich anfangs auch etwas skeptisch gemacht, weil alles so leicht und flott ging und ich daher auf die Baustellen in der Geschichte gewartet habe. Die kleinen Teile, in denen man hängen bleibt und nicht mehr mit dem Lesen (oder in meinem Fall Hören) aufhören möchte. Aber es baut sich doch immer besser auf, zumindest was die dramaturgische Entwicklung angeht. Denn an Graham hat sich nichts verbessert. Durch Rebecca als Gegenpol in der Zeitung wurde schnell deutlich, dass das alles nicht seine Leidenschaft ist, auch der Besuch seiner Eltern hat eigentlich gezeigt, was er alles nicht ist und spätestens dann die finale Aktion von Graham hat mir dann gereicht. Auch wenn es ein wohlverdientes Happy End gibt, aber es tut mir leid, Moran hat mich mit Graham überhaupt nicht vom Hocker gerissen.

Da ich „Liebe hat tausend Zeilen“ als Hörbuch hatte, habe ich mit Christiane Marx nur eine Stimme im Ohr gehabt. Das hat mich doch etwas überrascht, denn zuletzt hatten eigentlich alle Liebesgeschichten einen Mann und eine Frau, was ich durchaus auch angenehmer finde. Es ist nicht dramatisch, die männliche Perspektive von einer Frau vorgelesen zu bekommen, aber weil es menschlich schon mit Graham haperte, habe ich hier vielleicht noch deutlicher gemerkt, dass auch die männliche Stimme zur Identifikation fehlte. Unterm Strich ist Marx aber eine tolle Hörbuchsprecherin, die für mich Rebecca sicherlich ein Gesicht gegeben hat. Bei Graham war halt so schon viel verloren.

Fazit: Es hat Spaß gemacht, noch einmal Kelly Moran zu entdecken, diesmal mit dem Auftakt zu den „Bookish Belles“. Leider hat mir Graham als männlicher Protagonist gar nicht gefallen, was schade ist, weil Rebecca eigentlich alles im Gepäck hatte, um eine tolle Liebesgeschichte zu erhalten. Also alle Voraussetzungen top, eine Figur passte aber nicht rein.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Süß, aber auch ausbaufähig

Mismatch
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Im Jahr 2024 habe ich einige neue deutschsprachige Autoren im New Adult-Genre entdeckt und offenbar geht das auch 2025 so weiter. So habe ich meine erste Begegnung mit Laura Willud gehabt, deren Figuren ...

Im Jahr 2024 habe ich einige neue deutschsprachige Autoren im New Adult-Genre entdeckt und offenbar geht das auch 2025 so weiter. So habe ich meine erste Begegnung mit Laura Willud gehabt, deren Figuren in „Mismatch“ von Rebecca Veil und Max Hoffmann gelesen werden.

Nachdem ich bei Emily Alves und „You Are My Hurricane” zuletzt American Football hatte, geht es bei Willud nun zum Basketball, was ich in diesem Genere doch bislang eher selten zu lesen bekommen habe, dabei ist „One Tree Hill“ als meine erste Lieblingsserie (außerhalb von Kinderformaten) eng mit Basketball verknüpft. Dementsprechend ging es ein wenig zurück zu den Wurzeln. Insgesamt würde ich aber beispielsweise im Vergleich zu Alves sagen, dass der Anteil zum Sport hier nicht so dominant war. Dabei waren die Voraussetzungen durch Austin und Joyce sehr hoch, denn beide leben für den Sport. Er als Spieler, sie als Sportjournalistin. Aber ich habe doch wahrgenommen, dass es eher um eine andere Ebene ging, die für mich auch gut funktioniert haben, weil Austin auf der einen Seite eine sehr sensible und aufmerksame Persönlichkeit ist und weil auf der anderen Seite Joyce als lautere Figur dennoch im Umgang mit ihm so sanft und verständnisvoll ist, sodass die beiden für mich menschlich hervorragend funktioniert haben. Für mich wurde das in der Hörbuch-Version durch Veil und Hoffmann auch echt gut aufgegriffen, weil man die intensiven Gefühle der Figuren füreinander stets greifen konnte.

Da wir mit Joshua, Joyces Bruder, noch eine weitere Figur haben, die Basketball spielt, ist mir im Vergleich doch stark aufgefallen, dass er und Austin sehr unterschiedlich zu dem Sport stehen. Während Joshua alles auf die Spielkarte Sport setzt und dementsprechend fast schon eine krankhafte Besessenheit entstehen lässt, ist Austin angesichts des lange zurück gehaltenen Geheimnisses ganz anders dazu eingestellt. Er hat deutlich gelernt, dass Basketball nicht alles ist und dementsprechend ist seine Ausstrahlung. In dem Sinne ging es zwischen Austin und Joyce auch weniger um Basketball. Wenn sie dann aber auf ihren Bruder traf, da hat man am ehesten die Liebe für den Sport gemerkt, aber es ist eindeutig kein Schwerpunkt, zumal auch bei Joyces Leidenschaft zu merken ist, dass es nicht nur um Basketball geht. Sie hat so eine ausgeprägte Neugier, will immer was Neues lernen und sie hat dann auch eine Art, diese Informationen aufzuarbeiten, indem sie sie niederschreibt. Diese Art würde sie aber zu allen Themensektoren prägen, das war deutlich zu merken.

Mir ist auch klar, dass Joyces Journalisten-Ader rüberkommen sollte, aber ich fand es gerade in der ersten Hälfte doch auch irritierend, wie sie sich in Austins Vergangenheit eingebissen hat. Die ganze Art von Austin hat demonstriert, dass er nicht aus Flirterei sich mit Infos zurückgehalten hat, sondern dass seine Gedanken dazu tiefer und verletzlicher sind. Deswegen fand ich Joyces Art da zunächst deplatziert. Es hat zwar zu lustigen Momenten geführt, wie beispielsweise beim Trinkspiel, aber sie konnte echt kaum locker lassen. Daher war ich fast froh, als Austins Vergangenheit bekannt war, weil dann genau das zum Tragen kam, was ich weiter oben beschrieben habe. Vielleicht war aber auch das Geheimnis etwas zu überdramatisiert. Auch wenn es sicherlich kein schönes Erlebnis für ein Team ist, aber die Folgen wirkten doch etwas unrealistisch. Damit will ich unterm Strich sagen, dass ich Willuds Stärken als Autorin schon sehe, dass ich aber auch die Tendenz sehe, dass sie noch zu sehr auf Klassiker zugreift, um die Handlung am Laufen zu halten. Dabei gibt es genug dramatische Wendungen, die sich viel natürlicher anfühlen können. Aber damit hat sie eindeutig Wachstumspotenzial.

Fazit: Ich habe „Mismatch“ gerne gehört, würde aber insgesamt sagen, dass es noch viel Ausbaupotenzial gibt. Während die Figurenzeichnung an sich sehr sympathisch ist und auch das Miteinander einfach nur süß-ehrlich rüberkommt, so würde die Handlung mehr natürliche Dramatik vertragen. Denn bei so bodenständigen Figuren muss es nicht wie eine Daily Soap wirken.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Mit erzählerischen Schwächen

Golden-Heights-Reihe, Band 2 - Unlock My Truth
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Was war ich doch froh, Saskia Louis letztes Jahr mal wieder richtig entdecken zu kennen. Nachdem ich sie länger aus den Augen verloren hatte, war die Golden Heights-Reihe genau das richtige Momentum, um ...

Was war ich doch froh, Saskia Louis letztes Jahr mal wieder richtig entdecken zu kennen. Nachdem ich sie länger aus den Augen verloren hatte, war die Golden Heights-Reihe genau das richtige Momentum, um wieder zurückzukehren und ich hatte am ersten Band rund um Lexie und Logan auch großen Spaß. Nun geht es also zurück, um diesmal die Geschichte von Ty und Carly zu lesen.

Es ist schon durchaus amüsant, dass wir zwei Charaktere wie Ty und Carly haben und aufgrund des ersten Bandes denkt man, ach, er ist der mit den sieben Siegeln und sie das offene Buch. Umso überraschter war ich, dass gleich durch die Rückblende zu Beginn des Buchs verraten wird, dass Carly die mit den vielen Geheimnissen ist. Das ist auch wenig das vorherrschende Thema von „Unlock my Truth“, weswegen der Titel auch echt perfekt passt. Ty und Carly haben jeweils für sich große Geheimnisse. Carlys lernen wir früh kennen und warten dann nur noch ab, was kommt wie raus, während es bei Ty umgekehrt ist, dass er sich nach und nach anvertraut, nur um dann doch noch eine Sache aus dem Nichts rauszuhauen. Eigentlich fand ich es auch positiv, wie offen beide Figuren mit dem Thema Geheimnisse waren, weswegen es dann explizit für mich schade war, dass es dennoch am Ende für den großen ‚Streit‘ genutzt werden musste. Auch wenn es offensiv alles angesprochen wird, aber hier fand ich es einfach schade, dass es eine selbsterfüllende Prophezeiung wurde. Ich denke schon, dass man Carlys Geheimnisse noch anders hätte aufdecken können und dann auch im Kontext ganz anderer Konsequenzen. Der erste Band hatte auch einen richtigen Showdown, der auch etwas Düsteres hatte. Das Potenzial war in Band 2 ebenfalls vorhanden, weswegen es hier etwas lasch alles aufgelöst wurde, dabei hätte man so eine düstere Atmosphäre auch bestens für den Knall um Carly nutzen können.

An diesem Kritikpunkt hat man wohl schon ein bisschen bemerkt: hier gibt es ein paar Baustellen. Auch wenn ich das Buch wieder sehr flüssig lesen konnte und es auch unterm Strich sofort als empfehlenswerte Unterhaltung einstufen würde, so ist es im direkten Vergleich und vor allem als Louis-Kennerin doch etwas schwächer. Mit fehlte allgemein etwas der Zug in der Geschichte. Gerade am Anfang fehlte das Gasgeben, weil wir uns nicht deutlich entfernt haben von dem Status zu Ty und Carly, den wir schon kannten. Dazu muss ich auch sagen, dass Carly eigentlich genau die Figur ist, die am besten auf die Erzählstimme von Louis passt, wie ich sie schon mehrfach erlebt habe. Es gab auch Szenen, in denen das gut auf die Spitze getrieben wurde, weil ich da echt meinen Spaß an Carly hatte. Aber es wirkte oft genug wie zwei verschiedene Persönlichkeiten. Natürlich hat auch jeder mit dem Schalk im Nacken eine sehr ernste Seite, aber es wirkte doch so, als habe Louis nur sehr dosiert ihren Humor auf die Seiten losgelassen, dabei wäre das mit Carly so viel intensiver möglich gewesen.

Nach diesem Meckern möchte ich jetzt aber festhalten, dass mich Ty und Carly als Paar durchaus gepackt haben. Mit dem Auftauchen von Tys Vater und dann dem Zusammenziehen kam richtig Schwung rein und ich mochte viele der gemeinsamen Momente. Man hat bei ihnen auch richtig die Ebene gemerkt, auf der sie einander gut tun und dass sie sich trotz ihrer Geheimnisse auch kennen. Ich mochte auch speziell Tys Entwicklung, der immer so pessimistisch und nüchtern an alles herangeht und mit seinem Vater ist dann auch noch die Personifikation davon direkt vor ihm und ausgerechnet in dieser Phase dann dank der Liebe immer mehr loslassen zu können, super! Ich fand auch, dass seine ganzen Beweggründe sehr viel dringlicher und aufeinander aufbauend dargestellt wurden. Umgekehrt heißt das nicht, dass es mit Carly eine Barriere gab, aber es war nach Geschlechtern eher überraschend verteilt.

Fazit: „Unlock my Truth“ ist bei der Dilogie für mich der schwächere Band. Auch wenn ich beide Figuren individuell und auch zusammen mochte, aber es war in den kleinen Aspekten nicht immer ideal gewählt, sodass ich immer an eine Vision der Geschichte denken musste, die deutlich mehr hätte strahlen können.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Interessante Themen, denen Spannung als Krönchen fehlten

Dark Cinderella
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Auch wenn es eigentlich völlig logisch ist, so bin ich doch immer wieder erstaunt, wie alleine im deutschsprachigen Raum mir schon so viele Autoren in dem Sinne ergangen sind, dass ich sie zwar überall ...

Auch wenn es eigentlich völlig logisch ist, so bin ich doch immer wieder erstaunt, wie alleine im deutschsprachigen Raum mir schon so viele Autoren in dem Sinne ergangen sind, dass ich sie zwar überall mit ihren Büchern sehe, aber es ist doch noch nie zusammengekommen. Anya Omah gehört definitiv auch dazu. Bei ihrem neuen Reihenauftritt, „Dark Cinderella“ war ich angesichts des Titels erst etwas skeptisch, was sich wohl hinter der Geschichte verbirgt, aber ich bin froh, dass ich den Sprung ins Wasser gewagt habe.

Ich habe das Buch als Hörbuch konsumiert. Chantal Busse und Vincent Fallow waren für mich jeweils völlig neue Stimmen, sodass es in jedem Fall Gewöhnungssache war. Mit Busse als Sofia ging es etwas schneller, aber insgesamt muss ich sagen, dass ich mich an beide Stimmen bis zum Ende sehr gut gewöhnt hatte und beide haben durch die Stimmen Gestalt bei mir angenommen und ich hatte auch den Eindruck, dass die Ausstrahlung mit dem übereinstimmt, was ich charakterlich dem Inhalt entnommen habe. Aber es ist nicht nur aus technischer Sicht ein zu empfehlendes Buch, sondern auch inhaltlich. Wie gesagt war ich angesichts des Buchtitels erst etwas verwirrt, was mich wohl erwartet, die Neuinterpretation eines Märchens? Das würde ich mal verneinen, wenn auch der Königshof, wenn auch von einem erfundenen Land, immer märchenhafte Assoziationen haben wird. Aber mein Eindruck war schnell, dass wir eine sehr realistische Geschichte erhalten, die mich angesichts der Themenvielfalt sehr gut unterhalten hat.

Wir haben auf der einen Seite den Blick in das Königshaus Skonien. Wir haben natürlich die Außenperspektive von Sofia darauf, aber für mich war es viel spannender, Maximilians Perspektive zu erleben, weil er das Leben lebt und bei seiner jüngeren Schwester sieht man auch deutlich die Bürde des Lebens. Dementsprechend hat es mir gut gefallen, mit ihm in seine Gefühlslage einzutauchen und dann auch das Verhältnis zu seiner Mutter zu ergründen, die am stolzesten und stoischsten die Monarchie verkörpert. Durch die Tatsache, dass Sofia eine Woman of Color ist, kam natürlich noch eine spezielle Perspektive rein, auf die ich gleich noch komme, aber auch so ist deutlich etwas an der Monarchie gerüttelt worden. Es war keinesfalls eine Abrechnung, weil sonst Omah vermutlich auch nicht dieses Setting gewählt hätte, aber auf jeden Fall eine Anregung Monarchie moderner zu denken. Sofia wiederum hat durch ihre Forschung zum Kolonialismus, die für sie ein sehr persönliches Thema ist, noch einmal einen anderen Aspekt eingebracht und mir hat es gefallen, wie es durch diesen Kontext auch sehr erwachsen wirkte und man dadurch auch bei Maximilian gemerkt hat, wie sehr er die Bürde seines Titels empfindet, aber dass er den Einfluss daraus auch nutzen möchte. Aber auch so musste ich wegen Sofias Hautfarbe auch ein wenig an Meghan und Harry denken. Es ist kein großes Thema gewesen, aber wer weiß, was da nicht noch kommt.

Charakterlich und von den Inhalten her war für mich also wirklich alles sehr, sehr gut, aber was mir für diesen ersten Band gefehlt hat, das war etwas Tempo und vor allem mehr Gas hinter dem Mysterium, was Alva passiert ist. Denn mit der Frage, was ist ihrer Freundin passiert, fangen wir an. Das ist so das erste Häppchen nach der Überdosis was uns reizt, dazu mehr zu erfahren. An einer Stelle wird es auch selbstreflexiv angesprochen, dass Sofia ihre Pläne durch den Job am Hof etwas aus den Augen verliert, aber es erkennen und trotzdem Zeit vertrödeln, macht es nicht rückgängig. Ich denke, dass dieser Suspense-Anteil „Dark Cinderella“ alleine wegen des Titels extrem gut steht, dementsprechend hat mich dieser Punkt etwas enttäuscht, dass das immer mehr verloren gegangen ist, ehe dann für den Cliffhanger nochmal ordentlich etwas ausgepackt wurde. Das war nötig, wirkt aber dann fast schon etwas viel. Wäre die Atmosphäre zwischendurch mehr bedient worden, dann wäre es auch besser verteilt.

Fazit: Damit wären wir dann auch schon beim finalen Gesamteindruck angekommen, denn „Dark Cinderella“ hat für mich viele Stärken entfaltet, aber eine Schwäche preisgegeben. Die Stärken überwiegen die Schwächen deutlich, aber im zweiten Band will ich dann wirklich die Spannung, denn dann haben wir genau die ideale Mischung.

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