Cheerleading als Protagonist
Cheer for LoveKi Stephens ist neu auf dem deutschen Buchmarkt und College-Romance ist für mich nicht mehr so selbstverständlich wie vor einigen Jahren, aber dennoch greife ich immer gerne nochmal zu, gerade bei Autoren, ...
Ki Stephens ist neu auf dem deutschen Buchmarkt und College-Romance ist für mich nicht mehr so selbstverständlich wie vor einigen Jahren, aber dennoch greife ich immer gerne nochmal zu, gerade bei Autoren, die ich noch nicht kenne. So kam ich an „Cheer for Love“.
Football haben wir doch relativ oft in NA-Geschichten, aber Cheerleading ist dann öfters nur ein Platzhalter für die Frau in der Geschichte. Umso überraschter war ich, dass Cheerleading, ganz dem deutschen Buchtitel entsprechend, quasi selbst ein Protagonist ist. Das hat mir richtig gut gefallen, weil es eine ganz andere Nuance hatte. Ich fand es zwar stellenweise etwas schwierig, die ganzen Begrifflichkeiten von den Stunts mir vorzustellen oder richtig zu interpretieren, aber wenn man so professionelle Cheerleading-Wettbewerbe schon mal mitbekommen hat, dann reicht das als wichtige Hilfe, dass ich es mir zumindest ungefähr vorstellen konnte. Football fiel zwar nicht komplett hinten über, aber es war nur eine kleinere Rolle und der Rest war Cheerleading und das hat mir Spaß bereitet.
Bei einem Aspekt kann ich Stephens als Autorin noch nicht richtig einschätzen, der sich gleich in mehreren Ebenen abbilden lässt. Die Autorin schwankt für mich sehr zwischen intensiv und ausführlich erzählend und sich dann wieder an der Oberfläche zu verlieren. Ich kenne viele Genrebücher, die sind einfach oberflächlich. Die kann man vielleicht gut lesen, aber sie geben mir emotional wenig. Wenn es aber Teile der Geschichte gibt, die richtig etwas anrühren, dann fällt auf, wenn die Autorin an anderen Stellen dann nachlässig wird und das wäre meine Kritik nach „Cheer for Love“. Ella und Hudson sind für mich beide Figuren, die mit Tiefe angelegt sind. Er hat einen Schicksalsschlag hinter sich, der ihn bis ins Jetzt prägt. Sie kommt aus sehr unterkühlten Familienverhältnissen und hat ihre wichtigste Bezugsperson frisch verloren. Ich wollte gerne mehr zu den beiden erfahren, aber ich habe doch zu oft eine Barriere empfunden. Deswegen gab es auch Meilensteine in ihrer gemeinsamen Geschichte, in denen ich ihn oder sie dann nicht richtig verstanden habe und teilweise sogar launisch empfand. Gerade am Ende finde ich dann auch, dass manche Andeutungen einfach im Nichts verhallen.
Und auch wenn es mir auf manchen Ebenen etwas fehlte, so mochte ich die Geschichte insgesamt. Das Cheerleading reißt viel raus und ich finde auch eine Wendung richtig cool. Zumal Hudson auch ohnehin spannend angelegt ist, weil er athletisch sehr begabt ist, aber seine Zukunft mehr in Geschichte sieht und das liest man auch selten. Ich mochte auch viele, kleine Momente zwischen dem Paar, weil sie von süß bis intimer alles gut abgebildet haben. Wir haben auch zu genug Nebenfiguren viele Andeutungen, weswegen ich umso überraschter bin, dass ich noch keine Infos gefunden habe, dass eine Reihe geplant ist. Sollte da nichts mehr kommen, wäre das auch noch ein Kritikpunkt, weil definitiv Lust auf mehr entstanden ist und da auch bewusst Infos zurückgehalten wurden, die ich wissen will.
Fazit: Ki Stephens hat mich mit „Cheer for Love“ auf jeden Fall neugierig gemacht. Dass Cheerleading hier so prominent besetzt war, das war eine positive Überraschung und hat mir eine neue Welt eröffnet. Ansonsten hat der Schreibstil gewisse Tücken, weil ich mehr wollte, als ich bekommen habe. Alles in allem war es aber dennoch eine empfehlenswerte Lektüre, weil die Autorin Potenzial hat.