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Veröffentlicht am 16.02.2026

Cheerleading als Protagonist

Cheer for Love
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Ki Stephens ist neu auf dem deutschen Buchmarkt und College-Romance ist für mich nicht mehr so selbstverständlich wie vor einigen Jahren, aber dennoch greife ich immer gerne nochmal zu, gerade bei Autoren, ...

Ki Stephens ist neu auf dem deutschen Buchmarkt und College-Romance ist für mich nicht mehr so selbstverständlich wie vor einigen Jahren, aber dennoch greife ich immer gerne nochmal zu, gerade bei Autoren, die ich noch nicht kenne. So kam ich an „Cheer for Love“.

Football haben wir doch relativ oft in NA-Geschichten, aber Cheerleading ist dann öfters nur ein Platzhalter für die Frau in der Geschichte. Umso überraschter war ich, dass Cheerleading, ganz dem deutschen Buchtitel entsprechend, quasi selbst ein Protagonist ist. Das hat mir richtig gut gefallen, weil es eine ganz andere Nuance hatte. Ich fand es zwar stellenweise etwas schwierig, die ganzen Begrifflichkeiten von den Stunts mir vorzustellen oder richtig zu interpretieren, aber wenn man so professionelle Cheerleading-Wettbewerbe schon mal mitbekommen hat, dann reicht das als wichtige Hilfe, dass ich es mir zumindest ungefähr vorstellen konnte. Football fiel zwar nicht komplett hinten über, aber es war nur eine kleinere Rolle und der Rest war Cheerleading und das hat mir Spaß bereitet.

Bei einem Aspekt kann ich Stephens als Autorin noch nicht richtig einschätzen, der sich gleich in mehreren Ebenen abbilden lässt. Die Autorin schwankt für mich sehr zwischen intensiv und ausführlich erzählend und sich dann wieder an der Oberfläche zu verlieren. Ich kenne viele Genrebücher, die sind einfach oberflächlich. Die kann man vielleicht gut lesen, aber sie geben mir emotional wenig. Wenn es aber Teile der Geschichte gibt, die richtig etwas anrühren, dann fällt auf, wenn die Autorin an anderen Stellen dann nachlässig wird und das wäre meine Kritik nach „Cheer for Love“. Ella und Hudson sind für mich beide Figuren, die mit Tiefe angelegt sind. Er hat einen Schicksalsschlag hinter sich, der ihn bis ins Jetzt prägt. Sie kommt aus sehr unterkühlten Familienverhältnissen und hat ihre wichtigste Bezugsperson frisch verloren. Ich wollte gerne mehr zu den beiden erfahren, aber ich habe doch zu oft eine Barriere empfunden. Deswegen gab es auch Meilensteine in ihrer gemeinsamen Geschichte, in denen ich ihn oder sie dann nicht richtig verstanden habe und teilweise sogar launisch empfand. Gerade am Ende finde ich dann auch, dass manche Andeutungen einfach im Nichts verhallen.

Und auch wenn es mir auf manchen Ebenen etwas fehlte, so mochte ich die Geschichte insgesamt. Das Cheerleading reißt viel raus und ich finde auch eine Wendung richtig cool. Zumal Hudson auch ohnehin spannend angelegt ist, weil er athletisch sehr begabt ist, aber seine Zukunft mehr in Geschichte sieht und das liest man auch selten. Ich mochte auch viele, kleine Momente zwischen dem Paar, weil sie von süß bis intimer alles gut abgebildet haben. Wir haben auch zu genug Nebenfiguren viele Andeutungen, weswegen ich umso überraschter bin, dass ich noch keine Infos gefunden habe, dass eine Reihe geplant ist. Sollte da nichts mehr kommen, wäre das auch noch ein Kritikpunkt, weil definitiv Lust auf mehr entstanden ist und da auch bewusst Infos zurückgehalten wurden, die ich wissen will.

Fazit: Ki Stephens hat mich mit „Cheer for Love“ auf jeden Fall neugierig gemacht. Dass Cheerleading hier so prominent besetzt war, das war eine positive Überraschung und hat mir eine neue Welt eröffnet. Ansonsten hat der Schreibstil gewisse Tücken, weil ich mehr wollte, als ich bekommen habe. Alles in allem war es aber dennoch eine empfehlenswerte Lektüre, weil die Autorin Potenzial hat.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Harry Potter trifft "Alchemised"

The Ordeals
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Anhand des Covers und der Inhaltsbeschreibung von „The Ordeals“ musste ich sofort an eine Mischung aus Harry Potter und „The Alchemised“ denken, was doch ganz gut passt, weil das eine aus einer Fanfiction-Idee ...

Anhand des Covers und der Inhaltsbeschreibung von „The Ordeals“ musste ich sofort an eine Mischung aus Harry Potter und „The Alchemised“ denken, was doch ganz gut passt, weil das eine aus einer Fanfiction-Idee des anderen entstanden ist. „The Alchemised“ hat einfach einen erwachseneren Ton und auch einen hohen Grag an Komplexität gehabt. Deswegen komme ich in meiner Bewertung des Auftakts von „The Ordeals“ auch wieder bei der Mischung aus.

Ich habe „The Ordeals“ als Hörbuch gehabt und wurde mit der Stimme von Sarah Dorsel durch das Geschehen geleitet. Sie hatte ich schon mal als Sprecherin und ich höre sie wirklich gerne. Hier hatte ich sie auch komplett im Ohr, weil das Buch nur aus der Perspektive von Sophia geschrieben ist. Sie ist schnell zu dieser Rolle geworden und ich habe sie gerne durch das Geschehen begleitet.

Kommen wir jetzt nochmal zur Einschätzung von „The Ordeals“ im Verhältnis zu den in den Einleitungen angesprochenen Bücher. Sophia und die anderen Charaktere sind in der Tendenz auf jeden Fall reifer als Harry Potter und Co. und man merkt auch, dass von Anfang an es kaum moralische Grenzen gibt. Weil überall tödliche Gefahren lauern. Umgekehrt war ich aber doch sehr erleichtert, dass die übernatürliche Welt von „The Ordeals“ nicht so komplex wie in „The Alchemised“ war. Es gab im Verhältnis nur wenige Kategorien von Begabten und für mich war auch klar definiert, wer welche Talente und Fähigkeiten hat. Gleichzeitig hat das Buch ansonsten auf Begriffe gesetzt, die man auch ohne High Fantasy-Leseerfahrung kennt, sodass ich vom Verständnis her stets mitgekommen bin. Das ist bei Fantasy in Hörbuchform für mich meistens schwieriger, also umso besser, dass es gut geklappt hat.

Wir bekommen von Sophia schnell ein sehr ausführliches Bild und ich fand sie eine sehr sympathische Protagonistin. Sie ist durch ihren Vertrag mit ihrem Onkel schon früh als Kämpferin aufgewachsen. Sie ist zwar in ihren Fähigkeiten geschult, aber im Verhältnis zu anderen Kandidaten bei der Killmarth-Akademie ist sie eher unterlegen. Dafür macht sie es durch Lebenserfahrung und schon mehrfach ausgetragenen Überlebenskämpfen wett. Gleichzeitig ist von Anfang eine sehr sensible und empathische Seite präsent, sodass Sophia sich leicht an Menschen bindet und für sie alles tun würde. Der früh gesetzte emotionale Einschnitt war da clever, um diese Charakterseiten an ihr sofort präsent zu haben. Und auch wenn sie in den Ordeals dann oftmals an ihre Grenzen kommt, aber sie hat die Kapazitäten, um weit voraus zu denken und sie weiß auch, wann sie Hilfe annehmen muss.

Die Reihe hat natürlich auch eine Liebesgeschichte, aber es war sehr angenehm, dass die Beziehung von Sophia und Alden zwar wichtig, aber nicht zentral war. Die Ordeals standen im Vordergrund sowie die Geheimnisse rund um Sophias Vergangenheit. Wir haben auch Rätsel zu Aldens Familie, was auch ein gutes Gleichgewicht darstellt, ohne dass wir aber seine Perspektive brauchen. Wir haben auch Greg und Tessa als zwei weitere sehr wichtige Figuren und ich fand, dass sie ebenfalls geholfen haben, nicht nur eine Liebesgeschichte zu erzählen. In Bezug auf die intimeren Szenen fand ich auch positiv, dass sie nicht kopflos wirkten. Die Figuren waren sich stets des gefährlichen Szenarios bewusst und es trotzdem etwas entstanden, was gut rübergekommen ist.

Die Handlung selbst ist sehr spannend angelegt. Es gibt eine gute Mischung aus ruhigeren und dann wieder Sequenzen mit Tempo. Das sorgt für Charaktertiefe, aber auch für den Wunsch, immer weiter zu hören. Bei den Prüfungen ist konkret immer eine echte Gefahr zu spüren, weil es nicht klassische Schulprüfungen sind, nein, es geht buchstäblich um Leben und Tod. Zudem wird das Risiko auch immer in dem Sinne größer, dass mit immer mehr Infos klar ist, dass es um mehr als die Ordeals geht. Das macht die Geschichte unweigerlich von Kapitel zu Kapitel reicher, ohne dabei aber zu komplex zu werden. Das Ende ist verdammt düster und setzt damit natürlich einen idealen Schlusspunkt, um unbedingt weiterlesen zu wollen.

Fazit: „The Ordeals“ ist für mich ein gut funktionierender Auftakt. Es gab zwar noch keinen Wow-Effekt, aber das ist nicht schlimm, weil die Atmosphäre stimmt. Es gibt einige sehr sympathische Figuren, es gibt einen angemessenen Grad an Komplexität und es war insgesamt sehr spannend. Das Ende macht auch große Lust auf mehr.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Übernatürlicher Stimmungskiller

Middle of the Night
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Nachdem ich „Hope’s End“ von Riley Sager vor wenigen Jahren richtig gut fand, habe ich zwischendurch mit „Schwarzer See“ noch ein älteres Buch zwischen geschoben, was mich ebenfalls zu unterhalten wusste. ...

Nachdem ich „Hope’s End“ von Riley Sager vor wenigen Jahren richtig gut fand, habe ich zwischendurch mit „Schwarzer See“ noch ein älteres Buch zwischen geschoben, was mich ebenfalls zu unterhalten wusste. Mit „Middle of the Night“ geht es jetzt zurück zum Autor und seinem neusten Werk.

Ich habe für meine Verhältnisse und vor allem für einen Thriller sehr lange an „Middle of the Night“ gelesen, was kein gutes Zeichen ist. Auch wenn mit Hemlock Cove, wo mehrere Familien schon jahrelang eine eingeschworene Nachbarschaft bilden, eine intime Atmosphäre geboten wird, wollte für mich einfach nicht so eine Stimmung aufkommen, wie ich es von Sager als Autor kenne. Was sicherlich noch zusätzlich nicht mein Fall war, das waren die übernatürlichen Andeutungen und Anlehnungen. Auch wenn das nur Ausflüge sind und keinesfalls das Hauptthema des Buchs ist, aber ich hatte damit nicht gerechnet und dann hat es in mir einfach nicht ausgelöst und das hat fast die gesamte erste Hälfte sehr zäh gemacht.

In der zweiten Hälfte wurde es allmählich besser, weil dann auch mehr Sagers Erzählweise hervorkommt, die ich schätze. Irgendwann fielen die Verdächtigungen auf alle mal und es gab immer geschickt eingesetzte Rückblenden in die unmittelbare Tatnacht, als Billy verschwand. Klar, je früher die Perspektive auftaucht, desto unwahrscheinlicher war die Hauptbeteiligung, aber ich fand es dennoch interessant, wie so ganz simple Kleinigkeiten als Motiv ausgereicht hätten, denn nicht hinter jedem Mord steckt ein aufwendig geschmiedeter Plan.

Wir haben Ethan, der mit Billy im Zelt geschlafen hat, in der Gegenwart als zentralen Erzähler. Er war jetzt nicht unbedingt ein Charakter, der gut greifbar war. Warum, das wird irgendwann noch aufgeklärt, aber auch so fand ich es doch tragisch an ihm dargestellt, wie so ein Ereignis in der Kindheit alles auf den Kopf stellt und aus ihm einen gebrochenen Mann gemacht hat. Anfangs wirkt er auch sehr lustlos, aber die zweite Buchhälfte lebt dann auch davon, dass er immer zielstrebiger wird und auch Verrücktes anstellt. Bei der finalen Auflösung hatte ich gewisse Ideen, einige sind eingetroffen, andere nicht. Das zeigt also auch an diesem wichtigen Punkt, dass ich ein sehr zwiespältiges Gefühl hatte.

Fazit: „Middle of the Night“ kann für mich die Faszination von „Hope’s End“ nicht reproduzieren. Ich fand den Einstieg und dann fast gut die Hälfte sehr zäh. Gerade die ganzen übernatürlichen Andeutungen waren nicht meins. In der zweiten Hälfte war Sager als Autor für mich dann deutlicher wahrzunehmen. Da kam mehr Zug rein und obwohl es am Ende nochmal einen Sog gab, ist es für mich bedingungslos zu empfehlender Thriller.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Showdown auf abgelegener Insel

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Die Bücher von Emily Rudolf sind mir natürlich schon begegnet und einige Buchblogger haben sie auch schon fleißig in die Kamera gehalten, sodass mir schon länger klar war, dass ich gerne mal einen Thriller ...

Die Bücher von Emily Rudolf sind mir natürlich schon begegnet und einige Buchblogger haben sie auch schon fleißig in die Kamera gehalten, sodass mir schon länger klar war, dass ich gerne mal einen Thriller der Autorin lesen möchte. Nun war es mit „Die Housesitterin“ soweit.

Ich habe als Hörbuch konsumiert, dementsprechend hatte ich gleich drei Stimmen im Ohr. Ich finde es gut, wenn man sich da mehr Aufwand leistet, um verschiedene Perspektiven zu vertonen, damit man sie direkt für sich unterschieden hat. Rebecca Veil habe ich auch schon öfters gehabt. Nils Nelleßen habe ich als Synchronstimme wiedererkannt, aber auch Florens Schmidt war sehr angenehm. Ich fand auch, dass alle drei Stimmen sehr reif klangen und passten damit gut für mich auf die Figuren.

Da ich Rudolfs Stil noch nicht kenne, kann ich sie nun nicht intern vergleichen, aber es eine Stilistik, die man auf dem Buchmarkt mehrfach findet. Da würde ich wahrscheinlich die Namen Lucy Clarke und Sophie Stava. Ich mag diese Bücher, also habe ich zumindest inhaltlich richtig zugegriffen. Zunächst fängt „Die Housesitterin“ so an, als würden wir eher im Genre Horror unterwegs sein. Cecelia hütet nämlich ein Haus auf einer abgelegenen Insel, in der eine gewisse Stimmung schnell aufkommt und dann ereignen sich auch schnell seltsame Dinge im Haus. Die Autorin hat sich dann relativ früh entschieden, die erste Wendung einzubauen und ab da fällt es schwer, eine inhaltlich dominierte Rezension zu schreiben, weil sich in der Handlung doch einiges verbirgt, was man im Vorfeld keinesfalls wissen will, um sich nicht des Erlebnisses zu berauben.

Fakt ist aber, das nichts ist, wie es scheint. Und auch wenn ich solche Bücher schon wiederholt gelesen habe, aber ich bin dann immer beeindruckt, wenn es der Autorin wie in diesem Falle gelingt, dass sie dennoch Zusammenhänge herstellt, die ich nicht so erraten hätte. Die Figuren haben alle Abgründe, keiner davon ist sofort ein Sympathisant, aber das ist auch die Absicht hinter dem Buch. Verständnis für einzelne Entscheidungen werden dennoch erzeugt, denn das Buch arbeitet auch viel mit Rückblenden, in denen es aus der Perspektive des jeweilig betroffenen Charakters viel Input gibt.

An Kritik würde ich wohl anbringen, dass ich nicht immer alles logisch schlüssig fand, vor allem in dem Kontext, dass alle Figuren auf eine Art eine Agenda haben. Manches ging mir dann etwas zu einfach bzw. mir war nicht klar, ob alle Konsequenzen von der Autorin bedacht wurden. Weiterhin gibt es dann noch zwei Figuren, die irgendwann völlig verloren gehen. Auch hier kam mir der Gedanke, dass es ‚einfach‘ gehen musste. Aber das sind zwei Aspekte, die das Leseerlebnis nicht erheblich beeinflusst haben. Gerade als Hörbuch mit den verschiedenen Stimmen ist bei mir ein stetiges Interesse da gewesen, wie es wohl weitergeht und wer das letzte Ass im Ärmel hat, denn es zieht sich am Ende extrem spannend zu. Mit dem Ende bin ich auch zufrieden. Ob die letztliche Botschaft jetzt für mich das Aushängeschild wäre, wohl eher nicht, aber es ist eine Message, die bei anderen Untergenres auch gerne angeboten wurde, von daher kann ich Rudolf an dieser Stelle gut verstehen.

Fazit: „Die Housesitterin“ hat mir die Autorin Emily Rudolf näher gebracht und ich habe auf jeden Fall Interesse geweckt bekommen, sie zukünftig im Auge zu behalten. Sie ist die deutsche Antwort auf einige internationale Veröffentlichungen und sie muss sich da nicht verstecken. Es gab für mich zwar ein paar logische Fragen, aber den inhaltlichen Aufbau und den Spannungsbogen, das kann ich beides nur sehr loben. Für mich war es ein gutes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Falsche Themen für Gwen & Bash

Wild Card
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Im Elsie Silver-Universum verfliegt Zeit einfach anders, zumal die Autorin auch wirklich fix im Schreiben ist. Daher sind wir mit „Wild Card“ jetzt schon wieder am Ende ihrer Reihe angekommen, die uns ...

Im Elsie Silver-Universum verfliegt Zeit einfach anders, zumal die Autorin auch wirklich fix im Schreiben ist. Daher sind wir mit „Wild Card“ jetzt schon wieder am Ende ihrer Reihe angekommen, die uns nach Rose Hill entführt hat. Wie ist der Abschluss gelungen?

Ich habe die ersten drei Bände alle als Hörbuch gehabt, da war es dann jetzt mal ein Bruch von mir, auf die Ebook-Ausgabe zurückzugreifen, obwohl der Wechsel so herum auf jeden Fall einfacher ist. Aber ich werde die Reihe eindeutig mehr mit Stimmen verbinden. Kommen wir jetzt aber zum Inhalt. Age Gap bei Liebesgeschichten ist ein Trope, der sehr spaltet und hier wird es durch den Inhalt auch noch etwas auf die Spitze getrieben, weil Gwen mal mit dem Sohn von Bash zusammen war. Ja, das klang schon etwas gewöhnungsbedürftig, ich muss aber sagen, dass es im Buch selbst gar nicht so rüberkam, was vor allem an Gwens Reife liegt. Bash wirkt keinesfalls jung, er passt schon gut auf sein Alter und er ist einfach (unwissend) sehr früh Vater geworden, was das ganze Geschehen schnell relativiert. Aber Gwen ist eine alte Seele, die durch Yoga und ihr Gespür für Esoterik eine Perspektive auf die Welt gefunden hat, sodass sie von Tripp emotional Lichtjahre entfernt wirkt, für Bash dann wiederum genau richtig.

Ich mochte die gemeinsame Geschichte der beiden, zumal wir ähnlich wie Band 3 sehr ausgiebig dem Beginn ihrer Beziehung beiwohnen und es war so ein richtig cooler RomCom-Start mit einer Zufallsbegegnung, wo für ein Paar die Zeit stehen bleibt, aber dann treibt sie das Leben auseinander. Der Kniff mit Tripp ist da nur noch eine weitere Steigerung. Ich hatte wirklich sehr stark den Eindruck, dass sich Silver hier bei vielen beliebten Filmen Anleihen genommen hat und deswegen konnte ich mir eine Verfilmung auch sofort wunderbar ausmalen. Dann passiert, als wir zur Echtzeit der Reihe aufschließen, ein gewisser Bruch. Die Geschichte geht in etwas über, was bei Silver dazu gehört: Tiefgang. So haben wir die Entwicklung rund um Clyde, wir haben das erzwungene Zusammenwohnen des Paares, sodass mehr Gespräche und mehr Verständnis füreinander entstehen kann. Aber ich muss sagen, dass der Funken von beispielsweise Tabby und Rhys nicht überspringen wollte. Und ich weiß gar nicht so genau, woran das eigentlich liegt, weil es schließlich um Chemie geht. Aber ich fand gewisse Stellen eindeutig ein bisschen schlampig gelöst, vielleicht ist es also ein Gesamteindruck, der für mich hier zum Problem wurde.

Da wäre beispielsweise die Andeutung zu Bash, dass er aus beruflichen Gründen vor einem Burnout steht. Ich fand das spannend, weil es sehr viele Menschen betrifft und weil der Weg zurück unglaublich schwer ist. Deswegen war ich neugierig, was Silver daraus machen wird und fand das einfach viel zu wenig. Es gab die eine starke Szene, als Bash von einem Einsatz zurückkehrt und das war es. Ich fand es schade und ich fand es der Brisanz der Thematik gegenüber nicht gerecht. Das zweite betrifft dann den finalen Showdown, der für mich eigentlich sehr spannend gestaltet war, gerade wenn man wie ich schon viele Feuerwehrserien gesehen hat. Aber auch hier hat es sich die Autorin letztlich einfach gemacht, obwohl die Thematik aufgrund des Klimawandels sehr wichtig ist und immer noch bedrohlicher für die Menschheit werden wird. Das hat mich zusammengenommen einfach ein bisschen geärgert, zumal dann eben das Hindernis Tripp für mich zu sehr aufgebauscht wurde. Ich hätte hier die Schwerpunkte wohl intuitiv ganz anders gewählt.

Umgekehrt war doch sehr toll, dass der Abschlussband gleichermaßen für Vor- als auch Rückschau genutzt wurde. Wir haben mit Beau eine bekannte Figur aus einer anderen Reihe dabei, mit Emmett haben wir einen Hinweis auf die nächste Reihe, die es dieses Jahr auch nach Deutschland schaffen wird. Das hat es mir den Paaren dieser Reihe sehr, sehr rund gemacht.

Fazit: „Wild Card“ war für mich eher der schwächste Band der Reihe, was nach dem dritten sehr guten Band doch ein kleiner Schlag war. Ich mochte das Paar an sich und auch charakterlich fand ich sie reizvoll, aber die Geschichten, die um sie herum gesponnen wurden, die haben mich nicht überzeugt. Also bleibt zum Abschluss eher ein gemischter Eindruck, aber Silver bleibt eine Queen, das ist klar.

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