Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2022

Starkes Ende, wo alle Fäden zusammenführen

Das Gold der Krähen
0

Für die Netflix-Serie „Shadow & Bones“ bin ich in die literarische Welt von Leigh Bardugo eingetaucht und auch wenn die Grisha-Reihe mehr magischer war, so war die Krähen-Dilogie komplexer und vor allem ...

Für die Netflix-Serie „Shadow & Bones“ bin ich in die literarische Welt von Leigh Bardugo eingetaucht und auch wenn die Grisha-Reihe mehr magischer war, so war die Krähen-Dilogie komplexer und vor allem bei der Charakterarbeit viel intensiver, weswegen sich auch alleine die Seitenzahl extrem unterschieden hat. Deswegen war schon „Das Lied der Krähen“ eine große Herausforderung, denn ich lese inzwischen doch deutlich seltener echte Schinken, während das früher noch deutlich normaler war. Deswegen habe ich „Das Gold der Krähen“ wirklich über einen sehr langen Zeitraum gelesen, was aber gar nicht so schlimm war, denn diese Welt ist trotz ihrer Komplexität sehr vertraut, auch weil inzwischen eben auch die Serienversion besteht, so dass noch mehr Bilder im Kopf sind. Dennoch finde ich den zweiten Band und zugleich Abschluss der Reihe etwas schwächer.

Die Dilogie ist alleine schon so komplex, weil mit den einzelnen Figuren oft tief in die Vergangenheit eingetaucht wurde. Im zweiten Band ist das etwas weniger, weil wir die wichtigsten Grundgeschichten kennen, aber gerade bei Jasper und Wylan gab es noch viel zu entdecken. Dennoch haben sich die einzelnen Kapitel auch ohne Eintauchen in die Vergangenheit manchmal gezogen. Gerade wenn es an die richtig spannenden Stellen geht, wo nicht mehr geplant wird, sondern wirklich gehandelt wird, dann sollte auch die Handlung wirklich im Vordergrund stehen. Da ist dann aber manchmal noch ein Schlenker zu viel mitgenommen worden. Das war im ersten Band etwas besser gelöst, weil da die Erzählweise konsequenter war.

Definitiv waren aber wieder sehr viele Wendungen und Überraschungen möglich. Diesmal ging es auch weniger um den einen großen Coup, sondern es waren ja oft Herausforderungen, die sich spontan ergeben haben, so dass Kaz nicht im Vorfeld schon einen klaren Plan haben konnte. Das hat etwas von der Genialität weggenommen, die im ersten Band so herausgestochen hat, weil Kaz eben für alles ein Ass im Ärmel hatte und dennoch hatte dieser etwas andere Schwerpunkt natürlich auch seine Reize, weil es noch mal ein anderes Mitfiebern war, weil eben auch Kaz an seine Grenzen gekommen ist und nicht jeder Plan in trockenen Tüchern war. Dieser Band hatte aber auch mehr Emotionen zu bieten, weil die einzelnen Liebesgeschichten forciert wurden. Nina und Matthias waren das Highlight im ersten Band und durften jetzt weiter zusammen wachsen, bei Kaz und Inez war es eben so zart und behutsam auf ihre eigene Art und Weise und bei Wylan und Jasper war es wiederum völlig anders. Es gab zwar gerade beim letzten Pärchen ein paar Vorhersehbarkeiten, die mir nicht so gefallen haben, auch weil es zu klischeehaft war, aber dennoch hat dieser starke Liebesaspekt etwas für sich gehabt.

Insgesamt kann ich auch sagen, dass es wirklich zufriedenstellend zu einem Ende gebracht wurde. Die großen Handlungsbögen haben alle ihren Abschluss bekommen, die großen Widersacher haben bekommen, was sie verdient haben und dennoch ist es natürlich keine klassische Heldengeschichte, weil die Protagonisten natürlich auch in der Welt des Verbrechens zuhause ist. Deswegen mussten auch dort Konsequenzen getragen werden und Entscheidungen getroffen werden. Es war auch gut, dass es kein völliges Happy End geworden ist, denn das hätte einfach nicht zu der Atmosphäre gepasst, wofür die Krähendilogie eben steht. Zudem ist auch die Geschichte der Protagonisten eher offen gehalten. Es gibt klare Richtungen, aber vieles bleibt auch spekulativ und das hat wirklich gut gepasst, weil es offene Fragen sind, mit denen ich leben kann.

Fazit: Leigh Bardugo hat ihren Krähen-Dilogie definitiv zufriedenstellend zu einem Ende gebracht und dabei auch auf Realismus und genau die Atmosphäre gesetzt, die sie die ganze Zeit über beabsichtigt hat. Dennoch ist der zweite Band etwas schwächer als der Abschluss, aber das ist rein vom Geschmack her, denn insgesamt ist es natürlich erzählerisch ein echtes Brett.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.05.2022

Einfach mein Lieblingspärchen

The Truest Thing - Jeder Moment mit dir
1

Unglaubliche sechs Jahre hat es nun gedauert, bis Emery und Jack für die deutschen Fans nun auch endlich ihr Happy End innerhalb der Hartwell-Love-Stories bekommen haben. Nach den ersten beiden Bänden ...

Unglaubliche sechs Jahre hat es nun gedauert, bis Emery und Jack für die deutschen Fans nun auch endlich ihr Happy End innerhalb der Hartwell-Love-Stories bekommen haben. Nach den ersten beiden Bänden hat auch Samantha Young selbst Schwierigkeiten gehabt, die Reihe noch zu vervollständigen und dann war der dritte Band auch noch über Dahlia und Michael und wieder hieß es warten. Dementsprechend hoffnungslos war ich inzwischen schon, bis dann doch endlich „The Truest Thing“ angekündigt wurde, was mich wirklich glücklich macht, denn die beiden mussten einfach ihr Glück finden.

In Reihen passiert es oft, dass man den Reihenauftakt zwar gut findet, aber schon dort ein Auge auf eine zukünftige Paarung wirft und spürt, dass da etwas Magisches vor sich geht und das will man dann natürlich endlich erleben. Bei der schüchternen Emery und dem gefährlichen Jack war das von Anfang an zu spüren, aber ihre gemeinsame Geschichte ist eben lange aufgespart worden, weswegen Young für diesen vierten Band nun auch erzählerisch in die Trickkiste greifen musste. Durch die anderen Bände war immer schon klar, dass zwischen Emery und Jack entscheidende Momente vorgefallen waren, die uns aber vorenthalten wurden, was sicherlich auch sinnig ist, da sie in ihrer Ausführlichkeit eben in den Band dieses Paares auch gehört. Aber neun Jahre holt man nicht mal so eben wieder ein, weswegen das erste Drittel des Buchs auch in der Vergangenheit erzählt ist, um die wichtigsten Momente einzufangen. Das fand ich einerseits sehr wichtig, weil nur so der Kern von Emery und Jack zu verstehen ist, aber andererseits ist es natürlich keine Erzählweise, die auf Dauer wirklich überzeugt, denn diese riesigen Zeitabstände geben der Geschichte etwas Mechanisches, so dass es schon viel Konzentration braucht, die Magie der einzelnen Kapitel wirklich aufkommen zu lassen. Da ich aber Fan von den beiden als Paar war, ist es mir natürlich gelungen, aber oft dachte ich auch, wann sind wir endlich in der Gegenwart, damit wir auch wirklich jeden kleinen Moment auch aufsaugen können?

Irgendwann ist das Buch dann wieder in der Gegenwart angekommen, aber für Emery und Jack wurde es nicht automatisch einfacher und auch hier war der Erzählstil nicht immer so geschickt. Die Chemie zwischen den beiden Figuren ist so stark, dass das alles gut zu überstehen war, aber es war schon ein krasser Gegensatz, wie auf einmal das Tempo wieder rausgenommen wurde, wie dann aber wieder Geheimnisse in völliger Idiotie aufgebaut wurden, obwohl es das gar nicht brauchte. Es war schon wirklich viel Hin und Her zwischen den beiden und die ein oder andere Schleife zu viel hätte ich gerne ausgespart, aber es gab eben auch soooo viele tolle Momente, die ich absolut nicht missen möchte. Der größte Plott Twist ist gerade für dieses Buch auch super gewählt, manches Mal ist es wegen des Verantwortungsaspekts ja etwas grenzwertig, aber bei den beiden hat es einfach gepasst, weil es die Verbindung zwischen ihnen noch mehr intensiviert hat und sich alles nur noch mehr nach Schicksal angefühlt hat.

Jack bleibt mir als Figur definitiv am meisten in Erinnerung, auch von den ganzen Herren der Reihe. Er hat wirklich unfassbar viele Fehler gemacht, aber es steckten tatsächlich nie egoistische Motive dahinter. Das mag paradox klingen, aber ich finde es ein tolles Beispiel für eine komplexe Figur, die so viel Gutes in sich hat, aber dennoch Fehlentscheidung an Fehlentscheidung reiht, wobei das schon ein subjektives Urteilen ist, denn für irgendwen hat Jack immer das Richtige getan. Bei Emery war die Entwicklung nach hinten raus als Badass-Frau etwas schnell und ich wäre auch gerne in die Gründe für ihre Schüchternheit noch tiefer eingetaucht, aber es musste eben viel Zeit abgedeckt werden und es sei der Geschichte verziehen. Naja und zusammen, das habe ich jetzt eh schon oft genug betont, zusammen war es eh Feuerwerk ohne Ende!

Fazit: Die Wartezeit auf „The Truest Thing“ war wirklich lang und ich muss auch gestehen, dass mir die Objektivität hier wirklich schwer fällt, weil Emery und Jack für mich ein Paar waren und sind, die man nicht so oft so perfekt findet. Dennoch hatte ich in der Erzählweise definitiv Kritikpunkte anzubringen, was das Leseerlebnis definitiv nicht perfekt hat werden lassen, aber ich kann die beiden als Paar nicht mit einer deutlich schlechteren Bewertung gehen lassen, weil es doch irgendwie zu gut war. Fangirl-Moment off.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2022

Moncomble testet die Grenzen aus

Bet On You
0

Eine sehr spannende Sache bei der französischen NA-Autorin Morgane Moncomble ist definitiv, dass sie sich immer wieder neu ausprobiert. Sei es das Setting, sei es das Alter, sei es die berufliche Situation, ...

Eine sehr spannende Sache bei der französischen NA-Autorin Morgane Moncomble ist definitiv, dass sie sich immer wieder neu ausprobiert. Sei es das Setting, sei es das Alter, sei es die berufliche Situation, sei es die Themen und deswegen ist schon jeder Klappentext von ihr wieder eine neue Überraschung, weil man eben nicht weiß, was kommt jetzt? In „Bet On You“ geht es dem Titel recht gut entsprechend ums Pokern, wobei das natürlich nur ein kleiner Teil der Wahrheit ist, denn natürlich geht es vor allem um eine Liebesgeschichte. Und dennoch ist der große Rahmen eben die Pokerweltmeisterschaft in Las Vegas, was auf jeden Fall wieder so ein typischer Moncomble-Überraschungseffekt ist.

Zunächst ist das Pokern inhaltlich wirklich ein fester Anker der Geschichte, denn es ist eine Leidenschaft, die das Protagonistenpärchen Rose und Levi gemeinsam teilen. Deswegen war es schon nett, dass zu Beginn einige grobe Poker-Grundlagen erklärt wurden. Ich bin zwar nicht völlig unwissend, aber auch wahrlich kein Profi, so dass die Begrifflichkeiten auf jeden Fall eine gute Hilfe waren. Dennoch muss man sagen, dass sie eben nur für das erste Drittel entscheidend waren, denn später hat das Pokern immer mehr an Bedeutung verloren. Während man zunächst als Leser und Leserin noch mit an den Pokertisch oder zum Üben zwischen Rose und Levi mitgenommen wurde, hat sich das irgendwann aufgelöst. Die Weltmeisterschaft war zwar immer noch im vollen Gang, aber dennoch waren andere Themen wichtiger. Fand ich das schade? Nicht vollständig, zumal das Thema Pokern jetzt auch nicht mein Hauptgrund war, „Bet On You“ zu lesen und dennoch muss ich sagen, dass ich es immer etwas schade finde, wenn gewisse Themen einfach fallen gelassen werden, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Das erscheint mir immer etwas schludrig.

Kommen wir also stattdessen zur Liebesgeschichte. Das Knistern zwischen Rose und Levi ist wirklich durchgängig toll geworden, so dass es wirklich eine gemeinsame Geschichte war, bei der man gut und gerne mitgefiebert hat. Dennoch ist es eine Geschichte, die definitiv am Rand der Überdramatik pendelt. Ich fand es für das Setting, für die Geschichte von Levi und vor dem Hintergrund, was Tito als Antagonist für ein Typ ist, dennoch so gerade eben passend, denn eine süße Liebesgeschichte hätte wahrlich nicht gepasst. Zudem muss man auch sagen, dass die Thematik einer vorgegebenen Beziehung immer wunderbar zieht. Es war wunderbar, wie das zwischen Rose und Levi in allen Zügen ausgespielt wurde, denn es hat doch einige sehr prickelnde Szenen mit sich gebracht. Dennoch haben sich diese beiden Figuren auch wirklich viel wehgetan. Das ist für mich immer so eine kleine rote Flagge, wo ich immer schaue, ist es nicht irgendwann zu viel, aber gerade vor dem Hintergrund ihrer ganzen Geheimnisse hat es schon noch gepasst und ich habe mich nicht völlig dran gestört, weswegen ich auch ihr letztliches Happy End sehr gut genießen konnte.

Was „Bet On You“ aber definitiv auch zu bieten hat, das ist viele Wendungen. Die passen so gerade eben noch auf eine Hand und das ist für NA schon ungewöhnlich. Zudem muss ich sagen, dass in den jeweiligen Perspektiven von Rose und Levi nahezu nichts zuvor verraten wurde. Es gab keine Andeutungen, die man sofort entschlüsseln konnte, sondern dann gab es einen Perspektivwechsel und prompt die Antwort und das hat mich doch sehr unterhalten, weil es der Geschichte auch immer eine neue Schicht noch verliehen hat. Zudem ist das Set an Nebencharakteren auch wirklich liebenswert. Auch sie sind der Geschichte angemessen alle am Rand des Figurenspektrums angesiedelt, aber wie gesagt, es passt, die Extremen sorgen hier für die das gewisse Extra.

Fazit: „Bet On You“ von Morgane Momcomble überrascht wieder mit einer ganz anderen Idee. Auch wenn das Pokern zunehmend als Thema untergeht, aber es bietet ein interessantes dramatisches Setting, in dem sich der Rest dann abspielt und da wird wirklich alles an Emotionen ausgespielt. Auch wenn „Bet On You“ so einige Grenzen austestet, ich war insgesamt sehr gut unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.05.2022

No-Gos, aber doch auch mit Highlights

More than Words
0

„More Than Words“ ist meine erste Begegnung mit Mia Sheridan, auch wenn mir der Klappentext sehr bekannt erschien, aber ich glaube, dass Brittainy C. Cherry und eine weitere Autorin einmal eine recht ähnliche ...

„More Than Words“ ist meine erste Begegnung mit Mia Sheridan, auch wenn mir der Klappentext sehr bekannt erschien, aber ich glaube, dass Brittainy C. Cherry und eine weitere Autorin einmal eine recht ähnliche Idee hatten, wo ein Pärchen aus der Jugend sich aus den Augen verliert, um nach Jahren wieder zueinander zu finden. Aber gerade weil mir die Story so ein wenig vertraut wirkte, war ich doch etwas unsicher, ob ich wirklich zuschlagen sollte. Letztlich habe ich dem Buch eine Chance gegeben und war definitiv überrascht.

Das Überraschendste an „More Than Words“ ist sicherlich, dass das Buch mir unheimlich viele unterschiedliche Eindrücke vermittelt hat, so dass ich lange nicht wusste, wie ich Mia Sheridan als Autorin einordnen soll. Die Kennenlerngeschichte von Jessie und Callen hat definitiv schon die nötige Schwere, die ich oft suche, denn gerade bei Callen hat man gleich gemerkt, dass diese definitiv von einigen Dämonen gejagt wird. Jessie wirkt dagegen zunächst sehr träumerisch und naiv, aber letztlich ist es glaube ich genau diese Kombination, die die beiden so perfekt füreinander in diesem Moment gemacht hat. Nach dem Zeitsprung in die Gegenwart war ich mit Callen dann erstmal gar nicht glücklich. Natürlich hat seine bereits in der Kindheit angedeutete Geschichte Spuren hinterlassen und dennoch lernen wir ihn als Mann kennen, wo wirklich mit der Lupe nach positiven Aspekten zu suchen ist, weswegen ich auch wirklich erst das Schlimmste befürchtete. Denn nicht nur ist Callens Perspektive zunächst viel von schmutzigen Gedanken geprägt, sondern er ist menschlich auch wirklich kalt, abweisend und damit einfach nicht zu packen. Deswegen war auch die Wiederbegegnung mit Jessie echt schrecklich, denn er hat sie nicht mal erkannt und ich dachte mir, was soll das denn für eine Liebesgeschichte sein? Vielleicht bin ich da auch zu romantisch, aber das ist schon ein Punkt, der so einer Geschichte Magie nehmen kann.

Zum Glück hat die Geschichte aber Jessie, die definitiv der ruhende Pol ist. Sie hat sich immer noch etwas von ihrer kindlichen Naivität behalten, aber gleichzeitig ist sie auch eine junge Frau, die ich gerne begleitet habe, sich noch besser selbst in der Welt zu finden. Zudem stand sie auch im krassen Gegensatz zu Callen, denn als Expertin für altfranzösische Sprache hat sie eine sehr außergewöhnliche Leidenschaft und deswegen war ich überrascht, wie intensiv ihre Arbeit auch eingebunden wurde. Auch wenn ich die Geschichte aus dem Umkreis von Jeanne D’Arc nicht gebraucht hätte, war es schon außergewöhnlich und es hat mir eben auch bewiesen, dass Mia Sheridan durchaus eine Autorin ist, die meinen Geschmack treffen kann. Als sich das Geschehen dann auch in das französische Loiretal verschiebt, greift dann langsam aber sicher diese Atmosphäre auch auf Callen über und es wurde wirklich deutlich besser. Er alleine, aber sie beide zusammen natürlich auch. Die beiden haben auch wirklich einige schöne intensive Momente, wenn doch auch immer das Damoklesschwert über ihnen schwebt, dass sich Callen für das feste Beziehungsleben nicht bereit oder vielmehr nicht würdig fühlt.

Als schließlich später sich die Konflikte häufen, hat die Geschichte wieder einen kleinen Bruch erfahren, denn ihr Streitgespräch war wirklich heftig und von beiden Seiten wurden Aussagen getätigt, die ich als viel zu viel empfunden habe, denn da wurde sich in einem Ausmaß verletzt, wovon es manchmal auch kein Zurück gibt. Dementsprechend konnte ich in dem Moment auch nicht für beide mitleiden, sondern war regelrecht entsetzt. Andererseits kommt dann dieses Ende, was wiederum echt perfekt ist. Natürlich kitschig, aber dennoch in einem Rahmen, den ich als perfekt für die gemeinsame Geschichte fand und deswegen haben mich die Schwachstellen zwischendurch umso mehr geärgert.

Fazit: Mia Sheridan hat mir mit „More Than Words” eigentlich bewiesen, dass ich sie auf dem Zettel behalten sollte, weil sie über genüg Tiefgründigkeit und außergewöhnliche Ideen verfügt, aber gleichzeitig gab es eben auch klare No-Gos. Diese konnten zwar immer behoben werden, weil ich auch nicht abgebrochen habe. Ideal war es deswegen aber definitiv nicht, weswegen ich hoffe, dass sowas in späteren Büchern nicht mehr so negativ auffällt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.05.2022

Stark zurück

Lonely Heart
0

Lange, lange hat es gedauert, bis nun mit „Lonely Heart“ wieder ein Buch von Mona Kasten erschienen ist. Natürlich ist das Verständnis groß, dass nach den riesigen Erfolgen, die sie mit ihren NA-Reihen ...

Lange, lange hat es gedauert, bis nun mit „Lonely Heart“ wieder ein Buch von Mona Kasten erschienen ist. Natürlich ist das Verständnis groß, dass nach den riesigen Erfolgen, die sie mit ihren NA-Reihen feiern durfte, vielleicht auch ein kreatives Loch folgte und finde es daher gut, dass auch nicht zwanghaft ein neues Werk geschrieben werden musste, bis es dann plötzlich bei „Lonely Heart“ wieder Klick machte. Deswegen war meine Lust auf dieses neue Buch, das die Scarlet Luck-Reihe einläutet, auch immens groß.

Zunächst finde ich es super, dass bei „Lonely Heart“ auch der Trend zu beobachten ist, sich von High School und College zu lösen, um auch abseits davon Geschichten zu erzählen. Das war nun jahrelang doch wirklich das Must-Have in diesem Genre und ich habe mich auch nie beschwert, aber je mehr ich andere Geschichten aus diesem Genre lese, die sich auch abseits davon eine Nische schaffen, desto mehr weiß ich die Abwechslung zu schätzen. Mona Kasten hat zudem eine interessante Mischung gefunden. Denn Adam als Teil der Band Scarlet Luck erinnert ein wenig an eine klassische Rockstar-Romance, während Rosie mit ihrem Dasein als Webradio-Moderatorin die moderne Arbeitswelt verkörpert, verbunden mit Social Media und auch ein wenig Influencer-Dasein, was mich wiederum an die Richtung erinnert, die auch Anabelle Stehl mit ihrer neuen Reihe eingeschlagen hat. Diese Welten lassen sich hier auch wirklich wunderbar miteinander verweben, denn die Band ist eben zu Gast bei Rosie und dann wiederum teilen sie auch die Welt Social Media, weil sie dort beide eine Präsenz brauchen, die ihr Job verlangt.

Rosie war mir als Protagonistin gleich ungeheuer sympathisch, denn ihre ganze Art, ihren Job auszuführen, ihre Leidenschaft, ihr Anspruch, den Gästen das Gefühl zu geben, wirklich gehört zu werden, all das hat mich wirklich sehr begeistert, weil sofort ein Funke übergesprungen ist. Dazu finde ich auch ihre Geschichte mit der Trauer um die Mutter und die distanzierte Beziehung zum Vater wirklich interessant. Adam ist als Figur etwas schwieriger zu packen, zumal ich es auch seltsam fand, dass er auf dem Klappentext konsequent bei seinem Geburtsnamen benannt wurde, während es in der Geschichte selbst fast ausschließlich bei Beast geblieben ist, was ich durchaus etwas seltsam als Name finde. Als Künstlernamen völlig okay, aber gerade, als die Beziehung zwischen ihm und Rosie dann wirklich immer intensiver wurde, war es doch manchmal etwas störend. Aber zurück zu Adam (und ja, ich fühle mich wohler so, ihn so zu nennen), denn es ist ja sofort zu merken, dass wir es mit einem schwer traumatisierten jungen Mann zu tun haben, der wirklich schaurige Dämonen hat, die ihm nachjagen. Speziell sein permanenter Alkoholkonsum ist aber nichts, was ihn sofort sympathisch macht. Es ist sicherlich zu verstehen, aber es ist natürlich schade, ihn so zu erleben und dass er sich nicht anders zu helfen weiß. Dementsprechend war meine Symapthiewaage zunächst deutlich ausgeschlagen, denn Rosie trägt die Geschichte, auch wenn sie natürlich ebenfalls ihre traurigen und selbstzweifelnden Momente hat, aber Adams Kapitel waren definitiv harte Kost zwischendurch.

Das wiederum verlangt aber ein Kompliment für Mona Kasten, denn Adam so ausführlich traumatisiert darzustellen, ist nicht einfach zum Schreiben und verlangt auch viel Fingerspitzengefühl, um das zu transportieren und das ist definitiv gelungen. Insgesamt ist es auch gut, dass die Geschichte langsam und dadurch intensiv erzählt ist, denn gerade solche Traumata lassen sich nicht sofort überwinden und in diesem Sinne ist es gut, für diese Geschichte nichts zu überstürzen. Dazu passt es dann auch wunderbar, dass Kasten sich für eine etwas andere Erzählweise entschieden hat. Normalerweise verlange ich immer, dass das Protagonistenpärchen viel miteinander agiert, aber das ist bei Rosie und Adam im logischen Maße nicht ganz einfach gewesen, deswegen sind clevere Situationen gefunden worden, um die beiden zueinander zu bringen, aber es passte auch, dass die zweite Hälfte fast nur Fernbeziehung war. Zwar war es dadurch anteilig sehr viele Nachrichten, statt wirkliche Geschichte, aber gleichzeitig hat es die Geschichte auch modern gemacht und ich finde es beachtlich, dass auch über die Ferne die Chemie aufrechterhalten wurde und im Grunde ja auch intensiviert werden konnte. Weiterhin ist es super, dass beide Figuren sehr berechtigt behandelt werden. Wir erleben beide in ihrem Alltag, wir begleiten Rosie als Moderatorin, wir begleiten Adam auf Tour und wie er sich bei den Konzerten fühlt und das sorgt dafür, dass man sich bei beiden mitgenommen fühlt. Und ganz von alleine wächst dann die Bindung zu Adam auch mehr. Nun ist für den zweiten Band natürlich die große Frage, was genau hat Adam erlebt. So richtig kann ich mir noch keinen Reim machen, wie es genau abgelaufen ist und es wird extrem herausfordernd, wie die beiden eine wirklich körperliche Beziehung führen können, aber beides klingt vielversprechend, weswegen ich mich sehr auf den zweiten Band freue.

Fazit: Es war gut, dass sich Mona Kasten hin zu „Lonely Heart“ Zeit gelassen hat, denn es ist ein wirklich gut gelungener Auftakt mit für sie neuen Wegen. Alles etwas moderner, aber dennoch sofort als etwas von ihr zu erkennen. Dazu bietet Adam wirklich viel Dramatik, die gut angepackt wird und die beiden zusammen haben eine ungewöhnliche Geschichte, die aber auch völlig anders funktioniert. Band 2 darf da gerne ganz schnell kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere