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Veröffentlicht am 10.02.2026

Übernatürlicher Stimmungskiller

Middle of the Night
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Nachdem ich „Hope’s End“ von Riley Sager vor wenigen Jahren richtig gut fand, habe ich zwischendurch mit „Schwarzer See“ noch ein älteres Buch zwischen geschoben, was mich ebenfalls zu unterhalten wusste. ...

Nachdem ich „Hope’s End“ von Riley Sager vor wenigen Jahren richtig gut fand, habe ich zwischendurch mit „Schwarzer See“ noch ein älteres Buch zwischen geschoben, was mich ebenfalls zu unterhalten wusste. Mit „Middle of the Night“ geht es jetzt zurück zum Autor und seinem neusten Werk.

Ich habe für meine Verhältnisse und vor allem für einen Thriller sehr lange an „Middle of the Night“ gelesen, was kein gutes Zeichen ist. Auch wenn mit Hemlock Cove, wo mehrere Familien schon jahrelang eine eingeschworene Nachbarschaft bilden, eine intime Atmosphäre geboten wird, wollte für mich einfach nicht so eine Stimmung aufkommen, wie ich es von Sager als Autor kenne. Was sicherlich noch zusätzlich nicht mein Fall war, das waren die übernatürlichen Andeutungen und Anlehnungen. Auch wenn das nur Ausflüge sind und keinesfalls das Hauptthema des Buchs ist, aber ich hatte damit nicht gerechnet und dann hat es in mir einfach nicht ausgelöst und das hat fast die gesamte erste Hälfte sehr zäh gemacht.

In der zweiten Hälfte wurde es allmählich besser, weil dann auch mehr Sagers Erzählweise hervorkommt, die ich schätze. Irgendwann fielen die Verdächtigungen auf alle mal und es gab immer geschickt eingesetzte Rückblenden in die unmittelbare Tatnacht, als Billy verschwand. Klar, je früher die Perspektive auftaucht, desto unwahrscheinlicher war die Hauptbeteiligung, aber ich fand es dennoch interessant, wie so ganz simple Kleinigkeiten als Motiv ausgereicht hätten, denn nicht hinter jedem Mord steckt ein aufwendig geschmiedeter Plan.

Wir haben Ethan, der mit Billy im Zelt geschlafen hat, in der Gegenwart als zentralen Erzähler. Er war jetzt nicht unbedingt ein Charakter, der gut greifbar war. Warum, das wird irgendwann noch aufgeklärt, aber auch so fand ich es doch tragisch an ihm dargestellt, wie so ein Ereignis in der Kindheit alles auf den Kopf stellt und aus ihm einen gebrochenen Mann gemacht hat. Anfangs wirkt er auch sehr lustlos, aber die zweite Buchhälfte lebt dann auch davon, dass er immer zielstrebiger wird und auch Verrücktes anstellt. Bei der finalen Auflösung hatte ich gewisse Ideen, einige sind eingetroffen, andere nicht. Das zeigt also auch an diesem wichtigen Punkt, dass ich ein sehr zwiespältiges Gefühl hatte.

Fazit: „Middle of the Night“ kann für mich die Faszination von „Hope’s End“ nicht reproduzieren. Ich fand den Einstieg und dann fast gut die Hälfte sehr zäh. Gerade die ganzen übernatürlichen Andeutungen waren nicht meins. In der zweiten Hälfte war Sager als Autor für mich dann deutlicher wahrzunehmen. Da kam mehr Zug rein und obwohl es am Ende nochmal einen Sog gab, ist es für mich bedingungslos zu empfehlender Thriller.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Showdown auf abgelegener Insel

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Die Bücher von Emily Rudolf sind mir natürlich schon begegnet und einige Buchblogger haben sie auch schon fleißig in die Kamera gehalten, sodass mir schon länger klar war, dass ich gerne mal einen Thriller ...

Die Bücher von Emily Rudolf sind mir natürlich schon begegnet und einige Buchblogger haben sie auch schon fleißig in die Kamera gehalten, sodass mir schon länger klar war, dass ich gerne mal einen Thriller der Autorin lesen möchte. Nun war es mit „Die Housesitterin“ soweit.

Ich habe als Hörbuch konsumiert, dementsprechend hatte ich gleich drei Stimmen im Ohr. Ich finde es gut, wenn man sich da mehr Aufwand leistet, um verschiedene Perspektiven zu vertonen, damit man sie direkt für sich unterschieden hat. Rebecca Veil habe ich auch schon öfters gehabt. Nils Nelleßen habe ich als Synchronstimme wiedererkannt, aber auch Florens Schmidt war sehr angenehm. Ich fand auch, dass alle drei Stimmen sehr reif klangen und passten damit gut für mich auf die Figuren.

Da ich Rudolfs Stil noch nicht kenne, kann ich sie nun nicht intern vergleichen, aber es eine Stilistik, die man auf dem Buchmarkt mehrfach findet. Da würde ich wahrscheinlich die Namen Lucy Clarke und Sophie Stava. Ich mag diese Bücher, also habe ich zumindest inhaltlich richtig zugegriffen. Zunächst fängt „Die Housesitterin“ so an, als würden wir eher im Genre Horror unterwegs sein. Cecelia hütet nämlich ein Haus auf einer abgelegenen Insel, in der eine gewisse Stimmung schnell aufkommt und dann ereignen sich auch schnell seltsame Dinge im Haus. Die Autorin hat sich dann relativ früh entschieden, die erste Wendung einzubauen und ab da fällt es schwer, eine inhaltlich dominierte Rezension zu schreiben, weil sich in der Handlung doch einiges verbirgt, was man im Vorfeld keinesfalls wissen will, um sich nicht des Erlebnisses zu berauben.

Fakt ist aber, das nichts ist, wie es scheint. Und auch wenn ich solche Bücher schon wiederholt gelesen habe, aber ich bin dann immer beeindruckt, wenn es der Autorin wie in diesem Falle gelingt, dass sie dennoch Zusammenhänge herstellt, die ich nicht so erraten hätte. Die Figuren haben alle Abgründe, keiner davon ist sofort ein Sympathisant, aber das ist auch die Absicht hinter dem Buch. Verständnis für einzelne Entscheidungen werden dennoch erzeugt, denn das Buch arbeitet auch viel mit Rückblenden, in denen es aus der Perspektive des jeweilig betroffenen Charakters viel Input gibt.

An Kritik würde ich wohl anbringen, dass ich nicht immer alles logisch schlüssig fand, vor allem in dem Kontext, dass alle Figuren auf eine Art eine Agenda haben. Manches ging mir dann etwas zu einfach bzw. mir war nicht klar, ob alle Konsequenzen von der Autorin bedacht wurden. Weiterhin gibt es dann noch zwei Figuren, die irgendwann völlig verloren gehen. Auch hier kam mir der Gedanke, dass es ‚einfach‘ gehen musste. Aber das sind zwei Aspekte, die das Leseerlebnis nicht erheblich beeinflusst haben. Gerade als Hörbuch mit den verschiedenen Stimmen ist bei mir ein stetiges Interesse da gewesen, wie es wohl weitergeht und wer das letzte Ass im Ärmel hat, denn es zieht sich am Ende extrem spannend zu. Mit dem Ende bin ich auch zufrieden. Ob die letztliche Botschaft jetzt für mich das Aushängeschild wäre, wohl eher nicht, aber es ist eine Message, die bei anderen Untergenres auch gerne angeboten wurde, von daher kann ich Rudolf an dieser Stelle gut verstehen.

Fazit: „Die Housesitterin“ hat mir die Autorin Emily Rudolf näher gebracht und ich habe auf jeden Fall Interesse geweckt bekommen, sie zukünftig im Auge zu behalten. Sie ist die deutsche Antwort auf einige internationale Veröffentlichungen und sie muss sich da nicht verstecken. Es gab für mich zwar ein paar logische Fragen, aber den inhaltlichen Aufbau und den Spannungsbogen, das kann ich beides nur sehr loben. Für mich war es ein gutes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Falsche Themen für Gwen & Bash

Wild Card
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Im Elsie Silver-Universum verfliegt Zeit einfach anders, zumal die Autorin auch wirklich fix im Schreiben ist. Daher sind wir mit „Wild Card“ jetzt schon wieder am Ende ihrer Reihe angekommen, die uns ...

Im Elsie Silver-Universum verfliegt Zeit einfach anders, zumal die Autorin auch wirklich fix im Schreiben ist. Daher sind wir mit „Wild Card“ jetzt schon wieder am Ende ihrer Reihe angekommen, die uns nach Rose Hill entführt hat. Wie ist der Abschluss gelungen?

Ich habe die ersten drei Bände alle als Hörbuch gehabt, da war es dann jetzt mal ein Bruch von mir, auf die Ebook-Ausgabe zurückzugreifen, obwohl der Wechsel so herum auf jeden Fall einfacher ist. Aber ich werde die Reihe eindeutig mehr mit Stimmen verbinden. Kommen wir jetzt aber zum Inhalt. Age Gap bei Liebesgeschichten ist ein Trope, der sehr spaltet und hier wird es durch den Inhalt auch noch etwas auf die Spitze getrieben, weil Gwen mal mit dem Sohn von Bash zusammen war. Ja, das klang schon etwas gewöhnungsbedürftig, ich muss aber sagen, dass es im Buch selbst gar nicht so rüberkam, was vor allem an Gwens Reife liegt. Bash wirkt keinesfalls jung, er passt schon gut auf sein Alter und er ist einfach (unwissend) sehr früh Vater geworden, was das ganze Geschehen schnell relativiert. Aber Gwen ist eine alte Seele, die durch Yoga und ihr Gespür für Esoterik eine Perspektive auf die Welt gefunden hat, sodass sie von Tripp emotional Lichtjahre entfernt wirkt, für Bash dann wiederum genau richtig.

Ich mochte die gemeinsame Geschichte der beiden, zumal wir ähnlich wie Band 3 sehr ausgiebig dem Beginn ihrer Beziehung beiwohnen und es war so ein richtig cooler RomCom-Start mit einer Zufallsbegegnung, wo für ein Paar die Zeit stehen bleibt, aber dann treibt sie das Leben auseinander. Der Kniff mit Tripp ist da nur noch eine weitere Steigerung. Ich hatte wirklich sehr stark den Eindruck, dass sich Silver hier bei vielen beliebten Filmen Anleihen genommen hat und deswegen konnte ich mir eine Verfilmung auch sofort wunderbar ausmalen. Dann passiert, als wir zur Echtzeit der Reihe aufschließen, ein gewisser Bruch. Die Geschichte geht in etwas über, was bei Silver dazu gehört: Tiefgang. So haben wir die Entwicklung rund um Clyde, wir haben das erzwungene Zusammenwohnen des Paares, sodass mehr Gespräche und mehr Verständnis füreinander entstehen kann. Aber ich muss sagen, dass der Funken von beispielsweise Tabby und Rhys nicht überspringen wollte. Und ich weiß gar nicht so genau, woran das eigentlich liegt, weil es schließlich um Chemie geht. Aber ich fand gewisse Stellen eindeutig ein bisschen schlampig gelöst, vielleicht ist es also ein Gesamteindruck, der für mich hier zum Problem wurde.

Da wäre beispielsweise die Andeutung zu Bash, dass er aus beruflichen Gründen vor einem Burnout steht. Ich fand das spannend, weil es sehr viele Menschen betrifft und weil der Weg zurück unglaublich schwer ist. Deswegen war ich neugierig, was Silver daraus machen wird und fand das einfach viel zu wenig. Es gab die eine starke Szene, als Bash von einem Einsatz zurückkehrt und das war es. Ich fand es schade und ich fand es der Brisanz der Thematik gegenüber nicht gerecht. Das zweite betrifft dann den finalen Showdown, der für mich eigentlich sehr spannend gestaltet war, gerade wenn man wie ich schon viele Feuerwehrserien gesehen hat. Aber auch hier hat es sich die Autorin letztlich einfach gemacht, obwohl die Thematik aufgrund des Klimawandels sehr wichtig ist und immer noch bedrohlicher für die Menschheit werden wird. Das hat mich zusammengenommen einfach ein bisschen geärgert, zumal dann eben das Hindernis Tripp für mich zu sehr aufgebauscht wurde. Ich hätte hier die Schwerpunkte wohl intuitiv ganz anders gewählt.

Umgekehrt war doch sehr toll, dass der Abschlussband gleichermaßen für Vor- als auch Rückschau genutzt wurde. Wir haben mit Beau eine bekannte Figur aus einer anderen Reihe dabei, mit Emmett haben wir einen Hinweis auf die nächste Reihe, die es dieses Jahr auch nach Deutschland schaffen wird. Das hat es mir den Paaren dieser Reihe sehr, sehr rund gemacht.

Fazit: „Wild Card“ war für mich eher der schwächste Band der Reihe, was nach dem dritten sehr guten Band doch ein kleiner Schlag war. Ich mochte das Paar an sich und auch charakterlich fand ich sie reizvoll, aber die Geschichten, die um sie herum gesponnen wurden, die haben mich nicht überzeugt. Also bleibt zum Abschluss eher ein gemischter Eindruck, aber Silver bleibt eine Queen, das ist klar.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Glaspalast Social Media

Please unfollow
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Ich habe den Januar mit „Was wir nicht kommen sahen“ von Katharina Seck begonnen und inhaltlich dazu passend ist mir dann für Ende des Monats „Please Unfollow“ von Basma Hallak ins Auge gefallen. Hätte ...

Ich habe den Januar mit „Was wir nicht kommen sahen“ von Katharina Seck begonnen und inhaltlich dazu passend ist mir dann für Ende des Monats „Please Unfollow“ von Basma Hallak ins Auge gefallen. Hätte nicht mehrere Buchbloggerin den Titel beworben, wäre er vielleicht völlig an mir vorbeigegangen, aber ich wollte da unbedingt reinhören, da es auch um Social Media und die negativen Seiten davon geht.

Ich habe „Please Unfollow“ wie angedeutet als Hörbuch gehabt und wurde durch Aileen Wrozyna durch die Geschichte von Sherry geleitet. Die Stimme habe ich jetzt schon öfters gehabt, für mich klingt sie jünger, weswegen sie ideal auf diese Geschichte passte. Für mich ist das Buch ein wenig zweigeteilt zu bewerten. Zum einen haben wir die Gegenwart von Sherry, die in einem Camp landet, was als Teil ihrer Verurteilung für eine Straftat gesehen wird. Diese Camp-ähnliche Struktur habe ich als typisch für das Jugendbuch-Genre empfunden und das war auch das, wo ich für mich persönlich schon mal Längen wahrgenommen habe. Das war nicht grundsätzlich so, aber es gab Passagen, die hätte man gut etwas einstampfen können, bzw. vielleicht hätte man angesichts des Muts des anderen Teils auch hier auf eine klassische Liebesgeschichte verzichten können. Die Geschichte funktioniert so, aber vielleicht hätte sie noch stärker gewirkt, indem es wirklich nur bei der Frage geblieben wäre, wer ist Sherry?

Der mutige Teil sind für mich die Rückblenden, in denen wir Sherrys Leben als unfreiwillige Influencerin erzählt bekommen. Das war extrem roh, stellenweise verbal brutal und einfach furchtbar, aber so wichtig als Kontext. Ich fand die Autorin an der Stelle genau richtig schonungslos, weil wir die Kinder, deren Leben online ausgeschlachtet werden, überall sehen. Die gibt es wahrlich nicht selten. Nicht alle Eltern sind so wie die von Sherry, da möchte keine Generalverdächtigung ausdrücken. Aber es gibt auch leider genug, die sich der Konsequenzen nicht bewusst sind und die vielleicht irgendwann aufwachen und für die ist es dann am schlimmsten. Das ganze Thema erinnert auch an die Diskussion, ob man Kleinkinder taufen sollte oder sie sich mündig nicht irgendwann selbst dafür entscheiden sollten. Und Social Media ist eine neue Form von Religion, wo die Diskussion dementsprechend ganz genauso geführt werden sollte.

Ich fand besonders, dass die Gefühlslage von Sherry sehr glaubhaft rübergebracht wurde. Bei den Rückblenden funktioniert alles eher über einen auktorialen Erzähler (oder wie auch immer man es nennen möchte) und dennoch wurde Sherrys Widerstand schon früh deutlich. Ganz besonders intensiv ist es aber natürlich im Camp, als so viele Traumata offen gelegt werden. Gleichzeitig war es auch spannend, wie sie sich aber eine Selbstbestimmtheit erkämpft hat, die immer wieder von einem Rückfall bedroht ist, denn auch mit 17 ist sie noch ein Kind. „Please Unfollow“ ist ganz anders geschrieben als „Was wir nicht kommen sahen“ und wem das eine gefiel, bei dem muss es beim anderen nicht auch so sein, aber sie ergänzen sich in meinen Augen großartig, weil es verschiedene Seiten einer Welt sind und weil bei beiden nichts beschönigt wird.

Fazit: „Please Unfollow“ bekommt von mir eine klare Leseempfehlung. Vor allem die Rückblenden suchen einem im positiven Sinne heim, weil es aufrüttelt und nachdenklich macht. Es ist auch nicht nur für eine jugendliche Zielgruppe, nein, das Buch kann man problemlos aus allen Altersstufen heraus lesen. Wichtig, wichtig, wichtig!

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Abschied von Purple Clouds

Purple Clouds - Bittersweet
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Bei Mounia Jayawanth und mir ist es meistens so, dass ich sie als Autorin für ihre wichtigen Themen sehr schätze, aber dass ich gewisse Handlungspunkte dann kritisiere, die mich etwas rausbringen. Aber ...

Bei Mounia Jayawanth und mir ist es meistens so, dass ich sie als Autorin für ihre wichtigen Themen sehr schätze, aber dass ich gewisse Handlungspunkte dann kritisiere, die mich etwas rausbringen. Aber es steht völlig außer Frage, dass die „Purple Clouds“-Reihe für mich bislang die beste der Reihe ist und die „Bittersweet Edition“ hat das für mich noch einmal deutlich unterstrichen.

Ich mochte den ersten Band schon sehr. Beim zweiten Band, also bei der Geschichte von Riley und Louis war mir ein Themenschwerpunkt in der Ausgestaltung nicht so recht, obwohl er gleichzeitig so wichtig ist, also ein typisches Jayawanth-Dilemma. Da kann ich vermelden, dass der Abschlussband sowas nicht hat. Das war ein tolles organisches Buch, was mich sehr überzeugen konnte. Es gab inhaltliche Ansätze, die ich automatisch weiter gesponnen haben und dann kam nichts. Aber da ist mir auch einfach bewusst, dass Jayawanth inhaltlich sehr viel anbietet und nicht alles muss immer bis ins kleinste Detail gedacht werden, denn große Logiklöcher gibt es keineswegs und das ist das Wichtigste.

Auch genial wieder, wie die Autorin ihr eigenes Buchuniversum immer wieder geschickt verknüpft. Aus der „Berlin Night“-Reihe bekommen wir Linh, die unsere Gang in New York ergänzt. Auch wenn ich mich tatsächlich an sie nicht mehr erinnern kann, aber Quang/Vince sowie die Freundesgruppe aus Berlin, die ist mir natürlich noch präsent und es war schon sehr cool, wie das hier wieder aufgegriffen wurde und man nochmal ein Update zu den ganzen alten Charaktere bekommt, die auf eine Art schon so weit weg waren. Aber weil ich mich an Linh nicht mehr erinnere, war sie für mich ein ungeschriebenes Blatt und trifft auf Xander, den wir schon die beiden Bänden zuvor erlebt haben, der aber der mysteriöseste Kandidat von allen ist. Da war es dann auch ironisch, dass Linh schnell die ist, die man begreift und die man zu packen bekommt, weil sie offenherzig und laut ist, während Xander ruhig und in sich gekehrt bleibt. Das Gegenspiel der beiden passt auf jeden Fall, zumal sie sich immer wieder provozieren. Aber das kommt nicht negativ rüber, weil so sich beide ihren Schwächen stellen müssen und andere Seiten an sich erkennen.

Über den Comic haben wir noch einmal einen ganz anderen Bereich des Magazins, über den wichtige Themen genauso angepackt werden können. Ich hätte mir manchmal mehr Konsequenz mit den verschiedenen Comic-Ausgaben gewünscht, damit ich mir besser wie bei der ersten Ausgabe alle hätte vorstellen können, aber wir haben auch die Kolumne von Liam Washington, die viel Raum einnimmt und die ebenfalls genau da reinblickt, was ich an dieser Reihe so liebe. Toxische Maskulinität ist brandaktuell und es war eine schöne Idee, dass durch Xander, der groß und düster wirkt, so einfühlsam bearbeitet zu sehen. Ich war also sehr zufrieden, was wieder alles angesprochen wurde, auch durch die Rolle Saint und dann Xanders Familiengeschichte. Mir hat aber auch die Chemie zwischen Linh und Xander gut gefallen, weil es sich so explosiv gestaltet hat und trotzdem seine Tiefe und Ehrlichkeit hatte. Gerade die Art und Weise, wie sie zum ehrlichen Reden animiert wurden, war ein tolles Element.

Wir haben auch wieder viel die WG als Konstante gehabt und es ist schön, dass sich das als so eine natürliche Begleitung erwiesen hat. Ich bin gespannt, ob Camilla in einer anderen Reihe noch einmal ihre Geschichte bekommt, denn darauf wäre ich echt sehr gespannt. Aber so haben wir erstmal alle glücklich untergebracht und ich werden die Gruppe wirklich sehr vermissen.

Fazit: Die „Bittersweet Edition“ der „Purple Clouds“-Reihe hat einen sehr würdigen Schlusspunkt gesetzt. Es ist spielerisch leicht für mich die beste Reihe von Mounia Jayawanth. Das Magazin war eine tolle Idee und wir haben so viele Aspekte auserzählt bekommen, hier noch einmal den Comic und eine Kolumne. Aber auch die gemeinsame Geschichte von Linh und Xander kam für mich rüber. Da waren so viele Ansätze, die ich gerne noch weitergedacht hätte und das zeigt, wie viel die Autorin in mir anstößt.

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