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Veröffentlicht am 04.10.2020

Eher oberflächlicher Startschuss

The Brooklyn Years - Was von uns bleibt
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Auch wenn ich die „Ivy Years“-Reihe von Sarina Bowen nun wahrlich nicht schlecht fand, so ist mir doch recht schnell bewusst geworden, dass ich ihre Romane für Erwachsene einfach besser finde. Andere können ...

Auch wenn ich die „Ivy Years“-Reihe von Sarina Bowen nun wahrlich nicht schlecht fand, so ist mir doch recht schnell bewusst geworden, dass ich ihre Romane für Erwachsene einfach besser finde. Andere können besser NA, sie gehört da für mich aber nicht zu. Daher fand ich es großartig, dass „Ivy Years“ in „The Brooklyn Years“ überleitet und damit von den jüngeren zu den etwas älteren geht. Und trotzdem wird dabei das Thema Eishockey behalten, was ich als Rahmen großartig finde, was aber in „Ivy Years“ doch eher stiefmütterlich behandelt wurde, weswegen ich mit der neuen Reihe auf eine größere Dosis hoffen.

Hauptfigur Leo Trevi kennen wir bereits aus der „Ivy Years“-Reihe, aber seitdem sind sicherlich noch mal mindestens drei Jahre vergangen, denn das College hat er sich hinter gelassen und nach einem Jahr Minor League steht nun erstmals die NHL für ihn an. Auch sein weiblicher Gegenpart, Georgia, ist keine Unbekannte, jedoch ist sie bisher nicht in persona, sondern nur namentlich erwähnt worden. Trotzdem ist die tragische Liebesgeschichte der beiden den Fans ein Begriff, denn sie war im letzten High School vergewaltigt worden, so dass sie sich mit Beginn des neuen Lebensabschnitts am College von Leo getrennt hat. Ich schreibe diese Vorgeschichte hier noch einmal etwas ausführlicher hin, weil ich auch als Kennerin der vorherigen Reihe eingestehen muss, dass Bowen den Lesern nicht sonderlich auf die Sprünge hilft, die Zusammenhänge noch einmal auf einen Nenner zu bringen. Andererseits muss ich auch eingestehen, dass man all das auch gar nicht wissen muss, denn Bowen hat sich schon bemüht, eine völlig eigenständige Geschichte zu schreiben, zu deren Verständnis man „Ivy Years“ nicht gelesen haben muss.

Dennoch ist es natürlich ein cleverer Schachzug, Leo und Georgia zu nehmen, denn sie sind nicht unbekannt, sie werden viele alteingesessenen Fans mit rübernehmen, was marketingstechnisch immer ein Gewinn ist. Was auch hervorragend geklappt hat, ist, dass sofort eine erwachsenere Atmosphäre herrscht. Die Collegezeit ist wirklich ein für allemal vorbei und das steht der Reihe auf Anhieb gut. Leo war schon in der jüngeren Version jemand, den man im Kopf behält und auch als Hauptfigur schlägt er sich hervorragend. Er hat mein Herz sofort im Sturm erobert, weil er eine unheimlich ehrliche Seele hat, er ist stets auf dem Boden geblieben und er weiß genau, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Mit Georgia hatte ich aber überraschenderweise etwas Probleme. Das liegt vorrangig wohl daran, dass ihre Vergewaltigung zwar ständig erwähnt wird, es ist der Schatten, der über allem steht, aber so richtig in die Erlebnisse wurde nicht eingetaucht, dabei ist eine Vergewaltigung ein Thema, das zwar schwer zu ertragen ist, das aber dennoch Raum für viel Tiefe, für eine intensive Auseinandersetzung bietet. Das wird in Person von Georgia leider nicht aufgegriffen, stattdessen agiert sie recht beliebig. So werden unterschiedliche Trennungsgründe von Leo aufgeführt, sie hat zwar seit sechs Jahren keinen Sex mehr gehabt, aber mit Leo kann sie sofort wieder hemmungslos sein. Da drängt sich doch der Eindruck auf, dass man Georgia auch genauso gut einen Autounfall hätte haben lassen können, wenn die Vergewaltigung denn inhaltlich so wenig Konsequenz hat. Es hätte zig Trennungsgründe für Georgia geben können.

Auch wenn mir Georgia oft leider etwas beliebig erschien, so fand ich die dargestellte Liebesgeschichte dennoch süß, aber auch ganz schön leidenschaftlich. Da merkt man doch, dass man es jetzt wieder mit der erwachsenen Bowen zu tun hat, die definitiv kein Blümchensex anbietet. Auch der Rahmen des Eishockeys wird wirklich großartig bedient, sei es durch Georgia als Pressesprecherin oder durch Leo, der als Spieler auf dem Eis steht. Hier wurde die Geschichte perfekt in den sportlichen Rahmen eingeflossen und das hat sich ausgezahlt. Dennoch ist es insgesamt eine der eher oberflächlicheren Geschichten von Bowen. Ich habe sie schon wesentlich stärker erlebt, aber dennoch würde ich den Auftakt der neuen Reihe nicht als Misserfolg verbuchen.

Fazit: „The Brooklyn Years“ ist ein gelungener Übergang von den „Ivy Years“, wo es jetzt etwas erwachsener zugehen kann. Während mir die Paarung und die darum gesponnene Geschichte sowie der sportliche Faktor sehr gut gefallen haben, so fand ich leider auch, dass die Geschichte für Bowens Verhältnisse recht oberflächlich geblieben ist. Sie traut sich sonst schonungsloser tiefer zu gehen. Aber das mag bei den weiteren Bändern ja noch kommen!

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Veröffentlicht am 04.10.2020

Würdig und doch zu offen

Beta Hearts
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Ich habe es oft genug betont, Marie Graßhoffs Sci-Fi-Reihe, die mit „Neon Birds“ ihren Anfang nahm, war für mich eine riesige Überraschung, weil ich mich mit meiner mangelnden eigenen Vorstellungskraft ...

Ich habe es oft genug betont, Marie Graßhoffs Sci-Fi-Reihe, die mit „Neon Birds“ ihren Anfang nahm, war für mich eine riesige Überraschung, weil ich mich mit meiner mangelnden eigenen Vorstellungskraft bei dem Genre bei Büchern stets sehr schwer getan habe. Während mir in Serien und Filmen das Futuristische vor Augen geführt wird, war es mir bei den Büchern oft nicht möglich, die Welten vor meinen Augen entstehen zu lassen. Dennoch entstand bei Graßhoffs erschaffener Welt ein Sog, der mich augenblicklich mitgerissen hat. Auch wenn ich keine Garantie dafür abgeben möchte, dass ich wirklich alles in seiner Tragweite verstanden habe, habe ich dennoch so viel verstanden, dass es für mich ein durchgängig großartiges Lesevergnügen war. Dennoch war mein Bammel vor „Beta Hearts“ ganz schön ordentlich, denn einen Abschluss hinzukriegen, ist eine Kunst für sich. Hat Graßhoff die mit ihrem Abschlussband hinbekommen?

Der zentrale Grund, warum ich am Ende nicht vollkommen glücklich den Buchdeckel schließen konnte, liegt daran, dass ich immer schon jemand war, der alles ganz genau beantwortet und erklärt haben will und diesem Bedürfnis wird „Beta Hearts“ nicht gerecht. Nach der letzten Seite sind noch zahlreiche und dann sogar auch noch wichtige Fragen offen, bei denen ich dachte, dass die Reihe damit stehen und fallen wird. Man hat es ja durchaus nicht selten, dass sich Autoren bewusst dafür entscheiden, Aspekte offen zu lassen, damit sich jeder Leser sein eigenes Ende denken kann, aber da geht es oft um Details, aber hier reden wir doch von zentralen Themen, die im Wesentlichen dafür gesorgt haben, dass ich weiterlesen wollte. Nun ohne Antworten dazustehen, fühlt sich tatsächlich an, wie eine Schlucht hinuntergestürzt zu sein.

Die grundsätzliche Struktur des Abschlussbands war gut, weil die Spannung stets auf einem Höhepunkt war, denn andere gegebenen Antworten wurden ja auch hinausgezögert, weswegen klar war, dass nur das Ende Erlösung verschaffen kann. Mir hat auch gefallen, wie sich neue Teams gebildet haben, wie sich noch einmal die Charaktere entwickelt haben und was letztlich die Endlösung war, wie Frieden herrschen konnte. Das Grundkorsett war also vorbildlich, wie es schon die beiden Bände zuvor bewiesen haben, aber diesmal passten die Details nicht optimal. Neben den zahlreichen offenen Fragen hat sich mir auch das Gefühl aufgedrängt, dass das Buch am Ende schnell zu Ende gebracht werden sollte. Auch wenn die finale Lösung absolut schlüssig über die drei Bände hinweg ist, so wirkte es am Ende so simpel, dass man sich fragt, ob tatsächlich all die Jahre zuvor niemand darauf gekommen ist. Wo sich die Geschichte oft die nötige Ruhe genommen hat, um den Leser tief eintauchen zu lassen, so ist das Tempo hier plötzlich so enorm angezogen worden, dass man das Gefühl hat, wäre der eigentliche Stil beibehalten worden, dann wären nur vier Bände der Erzählung gerecht geworden.

Fazit: Ein würdiges Ende für eine Reihe zu finden ist definitiv eine Herausforderung, die Graßhoff mit „Beta Hearts“ in großen Teilen gelungen ist. Über die Gesamtschau hinweg sind es Kleinigkeiten, die jetzt einen faden Beigeschmack haben. Aber diese Kleinigkeiten sind eben auch wichtig, sie entscheiden darüber, ob man am Ende sagt: „Das war es für mich!“ oder ob man noch ewig den Gedanken hin- und herwälzt, was noch hätte getan werden können. Insgesamt ist das Ende zu überhastet erzählt, aber dafür inhaltlich konsequent.

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Veröffentlicht am 28.09.2020

Intensiv mit kleinen Schönheitsfehlern

Bad At Love
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Während ich von Morgane Moncombles erster Dilogie insgesamt doch recht angetan war, habe ich insgesamt in Deutschland ein sehr geteiltes Echo zu der französischen Autorin vernommen. Kein Autor kann alle ...

Während ich von Morgane Moncombles erster Dilogie insgesamt doch recht angetan war, habe ich insgesamt in Deutschland ein sehr geteiltes Echo zu der französischen Autorin vernommen. Kein Autor kann alle Leser von sich überzeugen, dafür sind Geschmäcker einfach zu unterschiedlich, aber ich habe fast das Gefühl, dass es speziell bei dieser Autorin nur zwei Lager gab, entweder man mag ihren Stil oder eben nicht, dazwischen schien es nicht wirklich etwas zu geben. Aber ich lese oft sehr gehypte Bücher, wo gewisse Schwächen eigentlich für jeden offen auf dem Tisch liegen sollten, wie man das bewertet, ist dann einem jeden selbst überlassen, aber ich fand es bei Moncomble stets sehr evident, dass sie unheimlich gute Ansätze hat, die einfach nur etwas Schliff brauchen, aber wenn man auf ihr Alter blickt, sollte das wohl auch nachvollziehbar sein.

Dass Moncomble definitiv riesiges Potenzial hat, beweist sie meiner Meinung nach mit ihrem neusten Werk „Bad at Love“, wo ich alleine schon durch ihr Vorwort sofort abgeholt worden bin, weil sie den Lesern schon dort vermitteln konnte, was Schreiben für sie bedeutet und dass sie ihre Aufgabe darin sieht, auch ernste und kaum zu ertragene Themen zu behandeln. Man hat ihrem Vorwort aber sofort angemerkt, dass sie damit nicht hervorstechen will, sondern dass es ihr ein persönliches Anliegen ist und das hat sie mir sehr sympathisch gemacht.

Das Buch hat wirklich zig ernste Themen, die aber auch auch in ihrer Ballung sehr geschickt miteinander verwoben sind, so dass man sich nicht erschlagen fühlt. Man hat nicht das Gefühl, dass Moncomble nur ja möglichst viele brisante Themen unterbringen wollte, sondern es wird klar, dass sie sich sehr intensiv damit beschäftigt hat, wie eins zum anderen führt, eine Abwärtsspirale, aus der sich niemand selbstständig befreien kann. Das hat sie mit zwei extrem sympathischen Hauptfiguren unterfüttert bekommen. Auf der einen Seite Azalée, die als unheimlich frech und provozierend daherkommt, aber schon schnell blickt man hinter die Fassade, dass es nur ihr Schutzpanzer ist, den sie sich selbst aufgebaut hat, weil sie in ihren jungen Jahren schon unheimlich viel erleiden musste. Umso toller fand ich es, dass sie es trotz ihrer zahlreichen inneren Dämonen geschafft hat, sich genaue Gedanken darüber zu machen, wer sie sein will. Ihr Podcast dazu, von dem es immer wieder Schnipsel zu Kapitelanfängen gab, war wirklich ganz toll mit den Botschaften, zumal es genau das Bild von Feminismus ist, das ich auch selbst teile. Es ist eben keins, in dem Frauen den Männern vorangestellt sein sollen, es ist auch ganz definitiv keins, in dem sich Frauen gegen andere Frauen richten und das ist hier wunderbar deutlich geworden. Deswegen verneige ich mich auch dafür, dass Moncomble konsequent darauf gesetzt hat, dass Azalée keinen Orgasmus haben kann. Am Ende gibt es dafür keine Wunderheilung, es ist ein Teil von ihr, den sie gerne anders hätte, aber herbeizaubern kann man es eben auch nicht.

An Azalées Seite mit ihrer traurigen Geschichte musste nun jemand, der perfekt auf sie passt und da ist mit Eden wirklich das ideale Gegenstück gefunden worden. Er hat selbst eine schreckliche Kindheitsgeschichte, auch bei ihm hat das Schicksal unerbittlich zugeschlagen, weil niemand das Dunkle überlebt, ohne nicht selbst Spuren davonzutragen. Und weil er versteht, versteht er eben auch Azalée. Ich fand es großartig, wie er bei ihr hartnäckig geblieben ist, wie er sie aber auch herausgefordert hat, als sie sich nicht völlig auf ihn einlassen konnte. Es war wirklich eine tolle Liebesgeschichte zwischen den beiden, die mich tief berührt hat, weil sie trotz all des Schmerzes so echt wirkte.

Dass Moncomble noch nicht ganz oben am Spektrum ihrer Fähigkeiten angekommen ist, zeigt sich dann wieder in Kleinigkeiten. Wo der wichtige innere Kern wirklich ausgezeichnet gelungen ist, so sind es außen herum Kleinigkeiten, die nicht ganz passen, wo es plötzlich zu schnell geht oder wo am Ende dann doch noch völlig übertrieben wird. Das fällt durchaus stark ins Auge, weil die qualitativen Unterschiede hier noch zu groß sind, aber trotzdem zeigt es mir auch deutlich, dass immer noch mehr gehen kann, weswegen man Moncomble definitiv auf dem Schirm haben sollte.

Fazit: „Bad at Love“ ist ein unheimlich intensives Buch, das nicht davor zurückschreckt, tief in das Leiden der menschlichen Spezies einzudringen, weswegen hier eine Triggerwarnung wirklich absolut berechtig vorangesetzt wurde. Es ist keine leichte Kost, aber dennoch eine, in der vieles zusammenpasst, in der aus dem Leid auch etwas Schönes geboren wird, nämlich eine mitreißende Liebesgeschichte, wo sich die Protagonisten nicht besser hätten ergänzen können. In der Ausführung mag es an einigen Stellen noch haken, aber dennoch bleibt „Bad at Love“ als empfehlenswerte Lektüre in Erinnerung.

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Veröffentlicht am 15.09.2020

Büßt leider an Atmosphäre ein

Hex Files - Wilde Hexen
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Der erste Band der „Hex Files“ war für mich eine echte Überraschung, denn nur anhand von Klappentext und Cover hätte ich wohl nicht zugegriffen. Gut, dass es Buch-Communities wie die Lesejury gibt, wo ...

Der erste Band der „Hex Files“ war für mich eine echte Überraschung, denn nur anhand von Klappentext und Cover hätte ich wohl nicht zugegriffen. Gut, dass es Buch-Communities wie die Lesejury gibt, wo viele begeisterte LeserInnen ihre Meinung kundgetan haben. Einmal angelesen und einmal angefixt, war für mich völlig klar, dass ich auch in „Wilde Hexen“, also Band 2 reinlesen würde.

Überraschenderweise ist es mir aber eher schwer gefallen, wieder reinzukommen. Das Inhaltliche habe ich mir schnell wieder zusammenreimen können, aber irgendwie wollte die entsprechende Lesestimmung nicht aufkommen. Es war fürchterlich zäh zu Beginn, obwohl vom Papier her ja alle Zutaten da waren, die es schon in Band 1 gab. Erst als der Wettbewerb für die Serie „Verwünscht“ tatsächlich losgeht, hat mich die Geschichte packen können, denn endlich hatte ich das Gefühl, in den inhaltlichen Absicht dieser Handlung eingefunden zu haben und zum anderen ist es endlich wieder richtig magisch geworden. Zuvor war doch fleißig mit Runen etc. gegeizt worden.

Neben dem lustigen Element, wie sich Ivy in dem Wettbewerb schlägt und wie sie für die Ermittlungen auch mal einsteckt, ist auch der dargelegte Kriminalfall immer spannender geworden, weil man natürlich seine eigenen Vermutungen angestellt hat. Die letztliche Auflösung hat mich sogar echt überrascht. Es war zwar wirklich ein Abseitskandidat, wer diesen auf dem Schirm hatte, Hut ab und dennoch wurde es logisch völlig schlüssig eingearbeitet, weswegen ich mit diesem Überraschungseffekt sehr gut leben konnte.

Dennoch bleibt neben diesen positiven Entwicklungen auch ein großer Wehmutstropfen und das ist das Miteinander von Ivy und Raphael. Der erste Band hat von diesem Hin und Her zwischen den beiden, dem Geplänkel und den spöttischen Kommentaren gelebt. Natürlich war klar, dass sich dahinter eine gewisse Anziehung verbirgt und dementsprechend ist natürlich auch klar, dass die beiden irgendwann zueinander finden würden, aber diesmal war Ivy in ihrer Schwärmerei für Raphael furchtbar kindisch. Dann kam hinzu, dass er eine sehr untergeordnete Rolle gespielt hat, gerade im ersten Drittel tauchte er nur am Rande auf. Ich hätte mir mehr gewünscht, mehr alles zwischen den beiden, aber vor allem eine tolle Fortsetzung ihrer gemeinsamen Geschichte. Wie Ivy hier teilweise von Zweifeln zu Liebeserklärungen umschweift, war mir too much. „Hex Files“ will sicherlich keine Geschichte sein, die man bierernst nehmen darf, aber das wirkte beziehungstechnisch dennoch oberflächlich durch den Kakao gezogen. Das hat mir das Leseerlebnis doch etwas verhagelt.

Fazit: Für mich war in „Wilde Hexen“ leider etwas wenig von der Stimmung da, die der erste Band noch erzeugen konnte. Ich kam schwer in die Erzählung rein, weil wenig Raphael und Ivy, wie ich sie in Erinnerung hatte und weil wenig Magie. Der Kriminalfall funktioniert zwar gut und spannend, aber das Herzstück sind doch andere Aspekte und die waren diesmal weniger überzeugend.

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Veröffentlicht am 06.09.2020

Erzählerisches Wohlfühlerlebnis

When We Fall
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Knapp drei Monate ist es jetzt her, dass ich mit „When We Dream“ den ersten Band einer Trilogie von Anne Pätzold gelesen habe. Es war definitiv einer meiner Jahreshighlights, weswegen es für mich außer ...

Knapp drei Monate ist es jetzt her, dass ich mit „When We Dream“ den ersten Band einer Trilogie von Anne Pätzold gelesen habe. Es war definitiv einer meiner Jahreshighlights, weswegen es für mich außer Frage stand, bei „When We Fall“ so schnell wie möglich zuzugreifen, denn zum einen haben Jae-yong und Ella es mir als Paar unheimlich angetan, zum anderen wollte ich nur noch mehr über die Welt des K-Pop erfahren und natürlich auch generell alles andere, was sich so entwickeln würde.

Dankenswerterweise bin ich jemand, der selbstbewusst zu seiner Meinung stehen kann, weswegen ich auch nicht zahlreiche andere Lesermeinungen zu Rate ziehe, um meine eigene Meinung noch einmal zu überdenken, weil andere doch ach so viel bessere Argumente liefern können. Dennoch habe ich natürlich einige Stimmen mitbekommen, die „When We Dream“ als ereignislos und mit Längen versehen betrachtet haben. Natürlich kann man diese Argumente nicht gänzlich von der Hand weisen, zumal solche Kriterien auch viel mit persönlichem Empfinden zu tun haben. Geht es denn einen viel zu schnell, ist es für andere zu langsam. Ich selbst kann mir auch absolut rational sagen, dass ich „When We Dream“ wahrscheinlich auch genau deswegen eher schlechter bewertet hätte, wenn nicht zig andere Eigenschaften so grandios wären, dass bei mir einfach ein Gesamtgefühl entstanden ist, wo wenig los und langsam erzählt perfekt auf die Geschichte passte.

Warum ich diesen Eindruck jetzt noch einmal so ausführlich beleuchtet habe? Weil er eins zu eins auch auf „When We Fall“ anzuwenden ist. Dieses Buch werden wieder einige als ereignislos und zu langsam erzählt einstufen, aber für mich war es wieder ein Gesamtpaket, wo es mich schlichtweg nicht stört, weil ich das Gefühl habe, genauso muss es sein. Das Schlimme ist nur, dass es mir unheimlich schwerfällt, für meine Empfindungen bezüglich Pätzolds Talent als Autorin und ihrer Reihe die richtigen Worte zu finden. Also handelt es sich nachfolgend nur um einen erbärmlichen Versuch…

Das Herzstück bleibt weiterhin die zentrale Paarung, denn Ella ist weiterhin mein Herzensmensch, wo ich denke, wäre sie eine reale Figur, hätte sie definitiv das Potenzial, eine gute Freundin von mir zu sein, aber auch Jae-yong ist einfach perfekt. Mit den einfachsten Mitteln entsteht das Gefühl, dass er einfach das perfekte Gegenstück zu Ella ist. Dafür muss er sie nicht in irgendwelche Luxushotels entführen oder ihr sonstige teure Geschenke machen, sondern er muss einfach nur die richtigen Worte finden und das tut er grundsätzlich immer. Umgekehrt natürlich genauso, weil an dem gemischten Bild von Jae-yong als Teil einer K-Pop-Band weiterhin gearbeitet wird. So sehr er liebt, das er tun darf, was er liebt, so sehr sehnt er sich auch danach, diesen Traum selbstbestimmter leben zu dürfen. Das bedeutet für ihn genauso Zweifel, Hoffnungslosigkeit, wo es dann auf Ella ankommt und so sind sie immer füreinander da. Ich fand auch ihre weiteren Begegnungen einfach großartig und ich hatte grundsätzlich eine Gänsehaut, weil die beiden zusammen purer Zucker sind. Wo andere schon längst 5 Sexszenen und 30 Orgasmen eingebaut hätten, bleibt es bei den beiden brav, aber das passt so perfekt auf die Geschichte, dass ich es mir genauso auch gewünscht habe. Neben dieser inniger werdenden Beziehung entsteht natürlich vermehrt der Knackpunkt, dass sie keine normale Beziehung führen. Wenn Ella ihren Freund braucht, ist er oft nicht zu erreichen und wenn er dann doch Zeit hat, ist er eben meilenweit entfernt und kann nicht mal eben angeflogen kommen. Dieser Konflikt baut sich immer mehr auf und bildet auch den Cliffhanger für den Abschlussband. Ich bin froh, dass hier nicht erneut eine überdramatisierte Situation heraufbeschwört wurde, denn wer bis jetzt mitgelesen hat, der will ohnehin wissen, wie das Happy End von Ella und Jae-yong wohl aussehen kann.

Abseits von den grandiosen Figuren und ihrer Beziehung möchte ich auch noch eine Verneigung für Pätzolds Talent als Autorin beifügen, denn ihr Schreibstil schafft etwas, was sich wie ein weiches Kissen anfühlt. Man möchte einfach nicht mehr aufstehen, und liest das Buch deswegen sofort zu Ende. Auch wenn das Buch extrem viele belanglose Alltagsbeschreibungen enthält, so ist es doch wie Tagebuchlesen, denn mein Leben sieht in vielen Punkten genauso aus. Es muss nicht immer spektakulär sein, es muss oft einfach echt sein und das ist diese Erzählung. Auch die Situationen mit Mel und Liv, am Ende hat man als Leser das Gefühl, ein Teil dieser kleinen Familie zu sein. Deswegen habe ich mich auch damit abgefunden, dass es hier eine Trilogie gibt. Ändern kann ich es ohnehin nicht mehr, aber es macht mich eben auch nicht mehr skeptisch, denn wenn bei jedem Buch so ein Gefühl entsteht, dann dürfte es ganz im Gegenteil niemals ein Ende finden.

Fazit: „When We Fall“ ist eine großartige Bestätigung von dem, was Anne Pätzold als Autorin geschaffen hat. Sie kann schreiben, dass sich jede Seite wie ein aus Wolken geschaffenes Kissen anfühlt. Dieses dabei entstandene Gefühl übertrifft für mich völlig den Eindruck, dass ich bei anderen Büchern dieser Art die Ereignislosigkeit kritisieren würde. Hier ist alles so, wie es sein muss und ich könnte Ella und Jae-yong ewig weiterbegleiten. Deswegen ist das Warten auf den Abschlussband nun bittersüß.

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