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Veröffentlicht am 29.11.2019

Verliert Gefühl auf halber Strecke

Bring Down the Stars
4

Emma Scott hat mit ihrem „All-In“-Duett wirklich auf dem deutschen Buchmarkt eingeschlagen. Es gab auch kritische Stimmen, wo gibt es die auch nicht?, aber im Grunde haben die meisten Seen voll geweint, ...

Emma Scott hat mit ihrem „All-In“-Duett wirklich auf dem deutschen Buchmarkt eingeschlagen. Es gab auch kritische Stimmen, wo gibt es die auch nicht?, aber im Grunde haben die meisten Seen voll geweint, weil die Geschichte von Kacey, Jonah und Theo einen einfach nur einnehmen konnte. Um die Wartezeit zu neuem Stoff von Scott zu überbrücken, wurde mit „The Light in Us“ ein älteres Werk veröffentlicht, das mir ebenfalls gefallen hat. Mit „Bring Down the Stars“ ist aber nun ein gänzlich neues Werk, eins also, dass nach dem riesigen Erfolg von „All In“ geschrieben wurde und eins, das eng mit einem privaten Schicksalsschlag der Autorin verbunden ist. Wie schlägt sich Scott also in dieser neuen Situation?

Die Grundidee von „Bring Down the Stars“ hat mir unheimlich gefallen. Im Grunde bin ich zwar kein Fan von Dreiecksgeschichten, aber von Anfang an hat man doch gemerkt, dass es nur eine wahre Liebesgeschichte gibt, so dass ich damit gut leben konnte. Richtig vielversprechend fand ich, dass es einen Schwerpunkt auf Gedichte, also die Kraft der Sprache, geben sollte. Als Germanistin natürlich immer gerne gesehen. Die Ansätze waren auch wunderbar, wie eben die Kurzgeschichte, mit der der Roman eingeläutet wurde. Auch die präsentierten Gedichte waren schön, doch insgesamt muss ich abschließend sagen, dass die Thematik nicht konsequent genug durchgezogen wurde.

Am Anfang konnte ich mich auch unheimlich gut in die Charaktere einfinden, sogar in Connor, der gar keine eigene Perspektive erhält. Autumn war zwar ein wenig die Naive, aber dennoch hat man bei ihr etwas Tiefergehendes gespürt. Wes überstrahlt das alles natürlich, weil man merkt, dass er eine gequälte Seele hat, bei der es viel zu entdecken gibt. Es ist schon sehr berührend, bei ihm nach und nach alle Schichten aufzudecken. Ich konnte mich wirklich großartig in ihn hineinversetzen. Doch irgendwann gab es in der Geschichte einen Bruch.

Die Thematik für diesen Bruch will ich an dieser Stelle nicht spoilern, sie selbst möchte ich auch gar nicht kritisieren, weil sie etwas Tiefgründiges hat, die NA-Geschichten im Prinzip nur bereichern kann, wenn sie denn richtig angepackt wird. Hier hat sie jedoch die Handlung ausgebremst. Alles wurde umgeschmissen und auf einmal wurde im Erzähltempo so auf die Tube gedrückt, dass leider dabei sämtliches Gefühl verloren ging. Die Charaktere haben ihr Profil verloren und damit hat eben auch die Liebesgeschichte gelitten.

Abschließend gibt es einen fiesen Cliffhanger, aber aus der enttäuschten Bewertung heraus ist meine Neugier auf die Fortsetzung nicht sonderlich groß. Ich werde die Dilogie beenden, zumal ich Scott eben für eine geniale Autorin halte, aber mit dem Auftakt konnte sie die Erwartungen nicht bestätigen.

Fazit: „Bring Down the Stars“ hat wunderbar angefangen, weil die Poesie der Sprache und die Charaktere im Umgang miteinander stimmten. Doch leider gab es in der Handlung einen Bruch. Gerade in den entscheidenden Szenen zum Schluss hin hat daher das Wichtigste gefehlt: Gefühl, also die Essenz der Autorin Scott.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl/Erotik
Veröffentlicht am 28.11.2019

Der gewisse Pepp fehlte

The Ivy Years - Wenn wir vertrauen
0

Die „True North“-Reihe ist in meinen Augen wirklich höchste Kunst aus der Feder von Sarina Bowen, da sie dramatische Geschichten schafft, die zu keinem Zeitpunkt übertrieben wirken. Die „Ivy Years“-Reihe ...

Die „True North“-Reihe ist in meinen Augen wirklich höchste Kunst aus der Feder von Sarina Bowen, da sie dramatische Geschichten schafft, die zu keinem Zeitpunkt übertrieben wirken. Die „Ivy Years“-Reihe ist zeitlich davor entstanden, was gerade am ersten Band überdeutlich zu merken war, da ich dort vor allem von der Handlung her viel auszusetzen hätte, wo es sonst eher die Erzählweise ist, die mir in den Fokus gerät. Dennoch habe ich mich auch an diese Reihe hineingefuchst und bin daher nun beim vierten Band.

Bella kannten wir noch aus dem vorherigen Band und mir hat es gut gefallen, dass sie nun in den Fokus rücken würde, denn wenn Charaktere ohnehin schon so präsent sind, dann will man ihnen auch hinter die Birne gucken und ihnen ein Happy End geschenkt sehen. Da sie zudem die Managerin des Eishockeyteams ist, habe ich mir erhofft, dass wir sie dort auch wieder in Action erleben, denn wir erinnern uns doch, diese Reihe wird uns auch unter Sport Romance verkauft. Aber leider wie sooft in diese Reihe geht das Thema vollends unter, denn nur in ihrem ersten Kapitel erlebt man Bella in ihrer Funktion als Managerin, danach nie wieder. Das ist extrem schade, da wir sie so kennen- und vielleicht schon lieben gelernt haben und dieser Teil wird ihr genommen.

Als Ausgangslage fand ich es aber spannend, dass es diesmal die Frau ist, die auf eine lange Reihe an Bettgeschichten zurückschaut, während er noch Jungfrau ist und Sex als Bestandteil einer Beziehung sieht, aber nicht nur als spaßige Beschäftigung. Es ist eine Umkehr der Geschlechterklischees, die auch ganz gut funktioniert, aber dennoch nie in die absolute Tiefe geht. Während ich es bei Rafe toll fand, dass er Bella nie verurteilt hat, hätte es mir doch gefallen, auch mal ihre Sichtweise darauf zu verstehen.

Ansonsten muss ich aber sagen, dass vor allem Rafe sofort mein Herz erobert hat, denn anständiger als er kann man eigentlich nicht sein. Manchen mag er schon wieder zu lieb gewesen sein, aber er ist ein Protagonist, den man doch weniger im New Adult-Genre antrifft, von daher habe ich die Zeit mit ihm sehr genossen. Auch Bella gefiel mir als Ausgleich sehr gut, weil sie sich keine Hand vor den Mund legt, weil sie auch keiner Konfrontation aus dem Weg geht und dennoch blitzt ständig ihre verletzliche Seite durch. Aber so sehr die beiden auch einzeln funktionierten, die Chemie der beiden wollte nicht so recht funktionieren. Schon die erste Nacht wirkte eher erzwungen, so dass auch diese magische Bedeutung nicht rüberkommen wollte. Zudem ist der Handlungsspielraum der beiden sehr eng, da sie sich quasi nur in Bellas Zimmer sehen. Es gibt ein paar Ausflüge in die Außenwelt, die auch gut harmonieren, aber vieles am College, bei Bella wurde zu langweilig. Das kann Bowen wirklich besser.

Fazit: Der vierte Band der „Ivy Years“-Reihe dreht die Klischees einmal auf den Kopf und bietet auch gute Charaktere. Nur leider wollte die Chemie nicht so recht stimmen und auf der Handlungsebene entstand etwas Langeweile, dennoch flott zu lesen.

Veröffentlicht am 28.11.2019

Von verwirrend zu gewohnt spannend

Die perfekte Strafe
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Helen Fields hat mit „Die perfekte Gefährtin“ einen wirklich grandiosen Thriller geschaffen, weil es das nötige Maß an Brutalität, Spannung und eben interessanten Charakteren gab. Eigentlich überall kam ...

Helen Fields hat mit „Die perfekte Gefährtin“ einen wirklich grandiosen Thriller geschaffen, weil es das nötige Maß an Brutalität, Spannung und eben interessanten Charakteren gab. Eigentlich überall kam dieser Auftaktband gut weg, doch dann kamen mit Band 2 schon die ersten Schwierigkeiten, da es zu viele Handlungsstränge gab, dazu noch das Privatleben der Beteiligte und aus dieser Verwirrung ist dann erst ganz spät ein Kunstwerk geworden.

Genau dieser Eindruck, zuerst verwirrend, dann richtig gut, trifft auch nahezu perfekt auf die „Perfekte Strafe“ zu. Auf der einen Seite haben wir einen Mordfall, der zunächst nach einem Unfalltod aussieht, wir haben mehrere Perspektiven, wo man vorne und hinten nicht weiß, wohin sie eigentlich passen und wir haben den Tod vom alten Chef Begbie, der einen ganz neuen Fall entstehen lässt. Die Struktur von zwei Fällen pro Band wurde also beibehalten, aber so verwirrend habe ich die einzelnen Handlungsstränge bis dato noch nie empfunden. Gerade im ersten Drittel hatte ich oft ein großes Fragezeichen im Gesicht, weil nichts so richtig zusammenpassen wollte. Zudem ist durch diese Verwirrung auch keinerlei Spannung entstanden, denn im nächsten Kapitel wurden die erzielten Zugewinne sofort wieder ausgebremst. Hier hätte es mich wirklich nicht gewundert, wenn einige Leser ausgestiegen wären.

Ich habe aber durchgehalten, denn ich kenne Fields inzwischen und weiß, dass es immer ein extrem spannendes Ende geben wird. Genauso war es dann auch bei „Die perfekte Strafe“. Nach und nach hat sich die Verklärung gelichtet und es wurde sehr deutlich, in welche Richtungen die beiden großen Handlungsbögen driften. Ich fand es auch gelungen, dass das Personal ständig hin- und hergewechselt wurde, da so unterschiedliche Kombinationen entstanden, aber auch gewisse Wendungen.

Grandios haben mir mal wieder die Nebencharaktere gefallen. Nachdem wir uns im letzten Band von einer verabschieden mussten, gibt es Nachschub und ich habe die Neue sofort ins Herz geschlossen, weil sie wirklich helle und eine Arbeitsbiene ist. Tripp ist nach wie vor der heimliche Held der Geschichte, der durch seine Loyalität und seinen Arbeitseifer einem einfach das Herz aufgehen lässt. Diesmal bekommt er auch seinen Heldenmoment und ich wünsche mir wirklich sehr, dass er weiter wachsen darf. Lively ist immer noch eher ein Antagonist, aber es ist dennoch essenziell für diese Geschichte, da seine Ecken und Kanten einen Mehrwert bieten. Vor allem seine Zusammenarbeit mit Callanach am Ende war ganz großes Kino. Dazu dann eben Callanach und Ava, die selbst als Vorgesetzte nichts scheuen. Hier ist wirklich eine Truppe entstanden, die ich mir problemlos auch für eine TV-Adaption vorstellen könnte, denn die Mischung ist genial.

Kommen wir nun zum finalen Showdown noch einmal im Detail. Beide Handlungen haben sich wirklich noch extrem spannend entwickelt und die Nerven waren wirklich zum Zerreißen gespannt, denn wo man die Auflösung bei der einen Handlung wollte, da wollte man sie genauso sehr bei den anderen. Die Kapitel sind dann sehr geschickt gegeneinandergesetzt worden, denn die jeweiligen Höhepunkte sind perfekt ergänzt worden. Die letzte 75 Seiten waren wirklich ein Erlebnis und sie werden immer Fields größte Stärke bleiben.

Fazit: Helen Fields macht es einem mit dem Einstieg in die Geschichte mal wieder nicht leicht, da eher Verwirrung denn Durchblick entsteht. Aber mit Durchhaltevermögen wird man belohnt, denn neben der tollen Zusammenstellung der Charaktere gibt es wieder Showdowns an gleich zwei Stellen und beider einander würdig.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Erneut herrlich abgedreht

Missing Boy
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Gefühlt gestern habe ich mich noch an der „Hades“-Trilogie erfreut, nun sind wir auch schon wieder beim finalen Band der „Crimson Lake“-Rehe angekommen und erneut wird es ein bittersüßer Abschied sein, ...

Gefühlt gestern habe ich mich noch an der „Hades“-Trilogie erfreut, nun sind wir auch schon wieder beim finalen Band der „Crimson Lake“-Rehe angekommen und erneut wird es ein bittersüßer Abschied sein, denn Candice Fox schreibt einfach so herrlich verrückte Krimireihen, die alleine wegen ihrer höchst außergewöhnlichen Protagonisten immer in Erinnerung bleiben werden.

„Missing Boy“ war von der Ausgangslage her etwas anders als seine beiden Vorgänger, denn im Prinzip gab es keine offenen Geschichten mehr, die hätte behandelt werden müssen. Beide Mysterien aus Ted und Amandas Leben sind schon gelöst, so dass die großen Rahmenhandlungen, in die sich zufälligerweise eine Ermittlung hineinschiebt, nicht mehr da waren. Das hat man dem Einstieg in „Missing Boy“ doch etwas angemerkt. Natürlich wurde der Fall des verschwundenen Jungen präsentiert, aber es gab dennoch nicht gleich mehrere Handlungen, bei denen man wissen wollte, wie es nun zu Ende geht. Zudem wurde der Fall auch absichtlich offensichtlich gestaltet, so dass ich kurzfristig an Fox‘ Fähigkeiten gezweifelt habe.

Das war aber eine falsche Fährte, denn gerade hinten heraus hat sich noch eine extrem spannende Ermittlung ergeben, die die anfängliche Zähheit wett gemacht hat. Dennoch muss man auch sagen, dass der Mittelteil wenig klassische Ermittlungsarbeit hatte. Einige neue Zwischenergebnisse kamen eher zufällig daher und nur in wenigen Momenten durfte Amandas scharfe Kombiniergabe ihre Wirkung entfalten. Aber das fand ich gar nicht so schlimm, da sich Ted und Amanda als Individuen austoben durften. Während Ted mit dem ersten Besuch seiner Tochter und seiner Schwärmerei für die neue Tierärztin zu tun hat, die ihn beide aufgrund seiner Vergangenheit in Bedrängnis bringen, hat Amanda es mit einer Polizistin zu tun, die sie für den Tod ihrer Partnerin verantwortlich macht und Rache will. Diese Scharmützel auf beiden Seiten waren zwar keine klassischen Pageturner, aber Charakterstudien mit abgedrehten Momenten, aber auch rührseligen Nuancen, wo man sie nie erwartet hätte. Fox bedient einfach nicht den Mainstream, sondern hat ihren ganz eigenen Stil gefunden. Natürlich muss dieser einem gefallen, aber ich weiß ihn zumindest im Allerlei des Alltags sehr zu schätzen!

Die letzten 75 sind wirklich der Knaller, denn hier ergibt sich ein Showdown nach dem anderen. Wenn man denkt, ah, das war’s jetzt, dann kommt ein weiterer. Überraschenderweise fand ich das aber nicht übertrieben, denn alle Momente hatten ihre logische Konsequenz, denn so wurden alle angestoßenen Storylines für diesen Band sauber beendet. Ganz am Ende des Buches habe ich mich dann auch gefragt, ob das nun wirklich das Ende ist, denn völlig abgeschlossen wirkt die Gesamtidee noch nicht. Denn andere langlebige Reihen kranken ja an ausgelutschten Entwicklungen, aber das kann man für die „Crimson Lake“- Reihe nun wirklich nicht sagen. Aber vielleicht ist es auch richtig aufzuhören, wenn es am schönsten ist.

Fazit: „Missing Boy“ hat nicht mehr den Rahmen rund um die Geheimnisse der Protagonisten, so dass die Geschichte gänzlich auf eigenen Beinen stehen muss. Nach leichteren Anfangsschwierigkeiten ergibt sich mit erneut abgedrehten Geschichten für ebenso abgedrehte Figuren ein unterhaltsames Bild, das in einem furiosen Finale endet. Hier geht einer wirklich mit einem Ausrufezeichen.

Veröffentlicht am 13.11.2019

Erneut ein Glücksgriff mit zwei Perspektiven

Sag ihr, ich war bei den Sternen
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Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie „Die Achse meiner Welt“ mich damals regelrecht umgehauen hat. Schon zuvor habe ich natürlich tiefgründige und emotionale Liebesgeschichten gelesen, aber Dani ...

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie „Die Achse meiner Welt“ mich damals regelrecht umgehauen hat. Schon zuvor habe ich natürlich tiefgründige und emotionale Liebesgeschichten gelesen, aber Dani Atkins hat dem noch einmal einen draufgesetzt, auch wenn sie nicht unbedingt die perfekten Geschichten schreibt, aber sie setzt Schwerpunkte und lädt diese so auf, dass man hinterher nur die die Tränen in die Augen stehen haben kann. Nach „Die Achse meiner Welt“ hat mir vor allem „Der Klang deines Lächelns“ sehr gut gefallen, denn hier wurde die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt, was auch ganz wunderbar funktioniert hat, weil so zwei hoch unterschiedliche Sichtweisen angeboten werden konnten, die die Lektüre noch einmal um wertvolle Aspekte angereichert haben. Bei „Sag ihr, ich war bei den Sternen“ gibt es nun erneut zwei Perspektiven und das war der Hauptpunkt, warum ich mich erst recht auf das neue Werk von Atkins gefreut habe.

Wie immer hat es Atkins geschafft, eine tragische Geschichte zu kreieren, die dennoch so voller Hoffnung, Liebe und Tiefgrund ist. Maddie wird bei einem Autounfall so schwer verletzt, dass sie schwanger ins Koma fällt und erst nach sechs Wochen wieder aufwacht. Dort muss sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass eine andere Frau ihr Leben an der Seites ihres Verlobten Ryan eingenommen hat. Gerade die ersten 100 Seiten waren ein wahrer Pageturner, da sie eine ungeheure Dynamik hatten, wo man immer wissen wollte, wie es jetzt weitergeht. Nach Maddies Aufwachen warten viele Überraschungen auf sie, aber auch auf uns Leser, so dass sich eine Wendung nach der anderen ergibt. Dabei ist man stets durch Maddies Augen mittendrin und verschwestert sich mit ihr, weil man all ihr Leid und die Überforderung angesichts der neuen Umstände nachvollziehen kann.

Hiernach erfolgt nun die zweite Perspektive. Hierbei handelt es sich um Chloe, die neue Frau an Ryans Seite. Hier wird das Tempo nun etwas rausgenommen und stattdessen geht es nun vor allem um viel Gefühl. Zudem ist es wunderbar gelungen, dass man sich auch mit Chloe identifizieren kann. Zunächst stand ja zu befürchten, dass man sie als die „Böse“ empfindet, weil sie Maddies Platz eingenommen hat. Aber ihre Perspektive, in der wie auch in die Vergangenheit reisen und erfahren, wie sie mit Ryan zusammengekommen ist, weiß ebenfalls einzunehmen. Es ist schwer hiernach noch Partei zu ergreifen und dieses erzeugte Gefühl würde ich wohl als große Stärke von Atkins benennen wollen.

Aber ich hatte ja schon erwähnt, dass Atkins nie die perfekten Geschichten schreibt. Dadurch dass sie sich so auf die beiden Frauen konzentriert, kommt Ryan als dritte Perspektive vollkommen zu kurz. Leider ist es Atkins auch nicht gelungen, seine Gedanken und Gefühle durch die Augen der jeweiligen Frau transparent zu halten. Das ist doch besonders schade, da ich seine Gedankenwelt als ebenso spannend empfunden hätte. Es war vollkommen klar, dass er Maddie von ganzem Herzen geliebt hat, weswegen es schier unverständlich scheint, dass er nach ihrem Aufwachen nicht einen Zweifel an Chloe als seine Frau hat. Ebenso enttäuschend ist dann, dass auch für Maddie die Gefühlsaspekte irgendwann abgehakt sind. Hier sind also leider kleinere Aspekte, wo es Atkins es sich zu einfach gemacht hat. Dennoch bin ich mit dem Ende absolut zufrieden.

Fazit: Dani Atkins liefert erneut eine sehr gute Herzschmerzgeschichte ab, bei der sie aus eigentlich sich konkurrierenden Perspektiven eine tolle Symbiose erschafft, die einen mit jeder Faser mitfühlen lässt. Richtig genial wäre es gewesen, wenn die Gefühlswelt des männlichen Protagonisten auch noch beleuchtet worden wäre, denn die fehlt eindeutig zum perfekten Verständnis der Geschichte.