Spiel der Gefühle
Novel Haven - Match of FateWir sind zwei Bücher in der Gaming-Reihe von Anabelle Stehl und ich kann definitiv sagen, dass es bislang meine liebste Reihe von ihr ist. Ich fand schon den ersten Band sehr ansprechend. Auch wenn Gaming ...
Wir sind zwei Bücher in der Gaming-Reihe von Anabelle Stehl und ich kann definitiv sagen, dass es bislang meine liebste Reihe von ihr ist. Ich fand schon den ersten Band sehr ansprechend. Auch wenn Gaming nicht restlos eine Welt ist, in der ich mich total glücklich fühle, so fand ich die Besonderheiten doch mitreißend rübergebracht. Mit „Match of Fate“ tauchen wir nun wieder ein und mir hat es nochmal besser gefallen.
Als ich die drei Freundinnen Lara, Nataly und Aria in Band 1 kennengelernt habe, da bemerke ich natürlich nach und nach, welche der drei mir am nächsten ist und meistens ist es dann auch so, dass ich ihre Geschichten besser und intensiver erleben kann. Aber es gibt immer Ausnahmen und das ist mir bei Nataly jetzt wieder passiert. Sie war schon in Band 1 deutlich die selbstbewussteste der drei, vielleicht trifft es auch lauteste besser, denn nach außen aufzufallen hat bekanntlich nicht immer etwas mit purem Selbstbewusstsein zu tun. Nataly ist da für mich eine Mischung. Sie ist durchaus mutig, sie tritt auch problemlos für die Dinge ein, an die sie glaubt, aber wir lernen schnell eine enorm unsichere Seite von ihr kennen und das ist der Zweifel, ob das Gesamtpaket Nataly für jemand anderes zu ertragen ist. Ich habe spontan „Match of Fate“ als Hörbuch gehört und Pia-Rhona Saxe hat diese widersprüchlichen Seiten sehr gut stimmlich aufgegriffen.
In erster Linie war ich überrascht, wie gut mir Nataly gefallen hat. Auch wenn ich am Ende dabei bleibe, dass sie mir menschlich eher fern ist, aber ich fand ihre Geschichte sehr echt und mitreißend dargestellt. Sie kommt eigentlich aus einem sehr guten Familienhaushalt. Sie durfte ihren Weg gehen und sie ist stetig geliebt wurde. Aber das Schicksal ihres Bruders hat sie zu jemandem gemacht, der lieber in den Hintergrund trägt, um so wenig wie möglich ein Ballast zu sein. Damit kehrt sie Seiten von sich nach außen, die poliert sind, die aber nur an der Oberfläche kratzen. In Band 1 war gut, dass wir Nataly so oft mit ihren Freundinnen erlebt haben, denn da war sie pur. Jetzt mit ihren Gedanken tauchen wir aber tief ein und wir erleben viele Versionen von ihr und es ist dann fast schon Mitfiebern darauf zu hoffen, dass sie am Ende einfach nur sie selbst sein darf. Da hat dann natürlich auch Dylan als Protagonist seinen Anteil dran. Ich fand, dass er insgesamt die Handlung mehr dominiert hat, während Natalys Arbeitsalltag bei ihrem Gaming-Unternehmen etwas in den Hintergrund geriet. Auf einer Wunschliste hätte ich mir das anders vorgestellt, aber gleichzeitig sind wir doch in einer Welt geblieben und es gab auch einige sehr gute Sequenzen, in denen beide Seiten ideal verschmolzen sind.
Die Frage, wer Dylan manipuliert, treibt aber in der Hauptsache das Geschehen an. Genauso haben wir das Rätsel um seine Familie, die seinen Karriereweg nicht bedingungslos unterstützen kann. In all dem lernen wir aber einen sehr guten Kerl kennen. Zudem ist mit der Karriere des E-Spielers auch etwas angedeutet, was gut auf die heutige Zeit passt. Berufsbilder haben sich verändert und Dylan repräsentiert dadurch eine Spezies, die sich ständig kritische Fragen stellen lassen muss. Ich fand auch, dass die Turnierspiele als sehr gute Abschnitte genutzt wurden, um die gemeinsame Geschichte von Nataly und Dylan voranzutreiben. Stehl hat ihre eigene Erfahrung genutzt, um die Spielsequenzen gut darzustellen, da konnte auch ich mitfiebern. Abseits davon lebt die Liebesgeschichte der beiden von viel Chemie. Es ist zunächst Enemies to Lovers und die ersten Begegnungen lassen es gleich ordentlich knistern. Gleichzeitig hat mir auch gefallen, dass wir zwei ‚Liebesgeschichten‘ nebeneinander erzählt bekommen. Nataly steckt durch ihr eigenes Selbstbild nämlich in einer komplizierten On-Off-Geschichte und es ist anschaulich, wie sich die beiden Handlungen parallel entwickeln. So kann man gesund und toxisch doch in einem guten Kontext vergleichen.
Ich bin durch das Hörbuch regelrecht geflogen und wollte gar nicht mehr aufhören. Das zeigt, dass inhaltlich und charakterlich sehr viel richtig gemacht wurde. Es gab letztlich eine längere Stelle, die mich echt aufgeregt hat. Da fand ich die Dramatik zu sehr hochgefahren und völlig unverhältnismäßig. Das hat sich zum Glück wieder eingependelt, aber es war eine Stelle, die ich gerne im Nachhinein gestrichen hätte. Aber das ist Meckern auf extrem hohen Niveau.
Fazit: Stehl hat mit „Novel Haven“ eine Welt für sich geschaffen, in der sie sich offenbar richtig wohl fühlt. Das merkt man dem Schreiben an. Auch wenn ich bislang alles von ihr gerne gelesen habe, aber die Reihe ist nochmal die berühmte Schippe mehr. Gerade der zweite Band rund um Nataly und Dylan hat mich richtig weggehauen. Ich bin nun sehr gespannt auf Arias Geschichte.