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Veröffentlicht am 21.07.2025

Mitfiebern bei Fernbeziehung

Say You’ll Remember Me
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Nachdem ich gerade erst „Just for the Summer“ von Abby Jimenez beendet hatte, kam „Say You’ll Remember Me“ da genau richtig. Die Bücher sind inhaltlich immer thematisch anspruchsvoll, aber sie haben auch ...

Nachdem ich gerade erst „Just for the Summer“ von Abby Jimenez beendet hatte, kam „Say You’ll Remember Me“ da genau richtig. Die Bücher sind inhaltlich immer thematisch anspruchsvoll, aber sie haben auch so ein wohliges Gefühl. Es ist echt immer eine sehr angenehme Mischung.

Im neuesten Streich haben wir nun die Prämisse, dass mit Xavier und Sam zwei Menschen in Minnesota (selber Standort wie bei den anderen Reihen, daher kleine Easter Eggs) aufeinandertreffen und es ist scheinbar perfekt, doch das Leben spielt absolut gegen sie. Ich war da doch sehr gespannt, wie das inhaltlich umgesetzt wird und muss sagen, dass ich mal wieder überzeugt wurde. Ich fand zwar „Just for the summer“ im direkten Vergleich emotionaler, aber beide Figuren waren für sich wieder großartig ausgearbeitet und die gemeinsamen Momente sind echt großartig. Jimenez überzeugt weiter mit tollen Bookboyfriends und die ernsteren Themen gehen ihr auch nicht aus. Die Emotionalität wurde hier vielleicht etwas ausgebremst, weil die beiden Figuren auch sehr für sich selbst stehen müssen. Das passt zur Handlung, zur Botschaft, aber weil es sich für beide immer mehr stapelte, habe ich manchmal gedacht, jetzt hätte ich gerne mal wieder einen unbeschwerten Paarmoment. Aber das ist wie gesagt Meckern auf hohem Niveau.

Kommen wir zu den jeweiligen Figuren. Xavier lernen wir als eher miesepetrig kennen, aber mögliche Vorbehalte deswegen halten nicht lange an. Warum man viele Menschen nicht leiden kann, das wurde gleich mit dem ersten Tierfall in seiner Praxis belegt und mir geht es oft genau so. Gegenüber allen sich offen und fröhlich zu zeigen, wenn es einfach nicht möglich ist, nein, das muss nicht. Aber Xavier hat ein großes Herz, das zeigt sein Umgang mit Tieren, das zeigt sein konstanter Freundeskreis und das zeigt sein Umgang mit Sam. Die erste Begegnung der beiden war schon urkomisch und lief wahrlich nicht nach Lehrbuch ab. Umso passender war es aber, dass beide wussten, dass da mehr zwischen ihnen ist. Genau diese Kennenlernmomente von Jimenez‘ Figuren ist auch, was gewisse Erwartungen schürt. Denn es ist immer zum Lachen und Schwärmen und das ging dieser Geschichte hinten raus immer mal verloren, das wird mir gerade nochmal richtig bewusst. Aber bleiben wir kurz nochmal bei Xavier, der eine wirklich schreckliche Vergangenheit hat, was mein Herz noch weiter geöffnet hat. Das Verhalten der Eltern, seine Gefühle und Motivation deswegen, das wurde sehr überzeugend rübergebracht.

Sams Familie ist nochmal prominenter ins Geschehen eingebunden, weil es ein ganz eigener großer Handlungsbogen ist, der entscheidend mitprägt, warum die Hälfte der Erzählung in Kalifornien spielt. Die Demenz-Erkrankung von Sams Mutter wurde sehr ausführlich dargestellt und das in all seinen Schrecken, aber auch den kleinen Highlights, die immer noch entstehen können. Am überzeugendsten waren für mich aber die stetigen Diskussionen, wie man die Pflege handhabt. Es ging viel um Würde, es ging um Überlastung, es ging um Schuldgefühle und vieles mehr. Ich musste es selbst glücklicherweise noch nicht erleben, aber immer wenn mir das Thema fiktional oder aus Erzählungen von Betroffenen begegnet, macht es demütig und traurig, aber es ist wichtig, sich schon Gedanken zu machen und sich damit zu beschäftigen und da hat Jimenez ganz tolle Arbeit geleistet, weil sie sehr realitätsnah vieles gezeigt hat. Den Schrecken konnte sie nicht nehmen, das war aber nicht Aufgabe, aber er schafft Verständnis, auch weil so viele Perspektiven darauf besprochen wurden.

Man merkt schon, Sams Familie auf der einen Seite und das Geschehen in der Tierarztpraxis auf der anderen Seite, das waren sehr separierte Welten, aber vor allem Xavier ist immer mehr in ihre eingedrungen und es war toll, wie er sich integrieren konnte. Das hat die beiden als Paar nochmal stärker gemacht, aber es hat den Schmerz zwischendurch auch erhöht. Das waren dann oft Passagen mit viel Wehmut, aber sie waren sich immerhin immer einig, dass ohne einander noch viel schlimmer wäre. Ich habe mich auch die ganze Zeit gefragt, wie das Happyend wohl aussehen kann, weil es Möglichkeiten gab, aber doch auch immer Hindernisse. Letztlich bekommen wir aber wirklich ein schönes Ende, genau auf den Punkt.

Fazit: „Say You’ll Remember Me“ habe ich jetzt wirklich sehr nah an „Just for the Summer“ gelesen. Im direkten Vergleich gibt es in der Emotionalität etwas Abstriche, aber ansonsten habe ich wieder eine Lektüre zum richtigen Mitfiebern bekommen. Wieder so wichtige Themen, wieder Humor, wieder genau die Jimenez-Mischung, die man sich erhofft, wenn bei ihren Büchern zugreift.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Minimalistisch zum Erfolg?

Gerächt sein sollst du
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Sommer ist eigentlich nicht unbedingt meine Krimizeit, aber nachdem ich schon zahlreiche Reihen in Skandinavien gelesen habe, ist mir bewusst geworden, dass Finnland noch nicht dabei war, weswegen Kaisu ...

Sommer ist eigentlich nicht unbedingt meine Krimizeit, aber nachdem ich schon zahlreiche Reihen in Skandinavien gelesen habe, ist mir bewusst geworden, dass Finnland noch nicht dabei war, weswegen Kaisu Tuokko mich mit „Gerächt sein sollst du“ sofort gereizt hat.

Ich hatte die Hörbuchversion und habe erstmal ausgiebig recherchiert, ob es eine gekürzte Version ist, weil die Laufzeit echt gering im Vergleich zu anderen Büchern ist. Aber ich habe dazu keinen Hinweis gefunden und die Buchversion hat auch nicht übertrieben viele Seiten, also geht es wohl auf. Dennoch würde ich unterm Strich sagen, dass sich das gesamte Buch etwas abgekürzt anfühlt. Das würde mich nicht stören, wenn es zäh gewesen wäre und ich lieber schnell fertig geworden wäre. Ich wollte aber nicht schnell fertig werden, denn inhaltlich fand ich das Buch auf jeden Fall reizvoll. Aber es fühlte sich nur wie kleine Einblicke in etwas an, was mit mehreren Büchern noch weiter ausgebaut werden soll. Für die kurze Laufzeit ziehe ich aber den Hut, dass man mehrere Hörbuchsprecher gefunden hat. Mit János Jung, Lina Syren, Henrike Tönnes und Jana Kozewa haben wir direkt vier Stimmen. Wir haben zwei für die zentralen Rollen Eevie und Mats und zwei für kleinere Rollen. Aber das hat das Buch für mich klar strukturiert.

Inhaltlich musste ich bei dem Geschehen an die Reihe von Viveca Sten denken. Nora ist dort zwar keine Journalistin, aber sie wird ebenfalls wiederholt in die Ermittlungen von Kommissar Thomas hineingezogen. Dementsprechend hat mich das Ganze doch sehr daran erinnert, wenn ich auch gestehen muss, dass mich die Konstellation bei Sten auch oft in den Wahnsinn getrieben hat. In diesem Sinne gefällt mir die Konstruktion hier besser. Denn Eevi wurde nicht als Hobby-Ermittlerin gezeigt. Nein, sie ist leidenschaftlich in ihrem Job und sie hat aufgrund ihrer Berufung auch den Vorteil, bei manchen auf mehr Verständnis als die Polizei zu treffen. Dementsprechend hat sie auch viele Informationen gewonnen, einfach weil sie zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist und weil sie dazu empathisch ist. Aber sie hat dann jeweils auch zwischen Zeugen und Polizei vermittelt.

Umgekehrt finde ich aber etwas, dass die Polizei selbst nicht so gut wegkam. Sie sind aktiv in der Ermittlung, aber gleichzeitig wirkte es immer so, dass es Eevi für die Bewegung brauchte. Dazu war Mats‘ Partnerin auch teilweise sehr unprofessionell, weil sie in Bezug auf Mordopfer Jonas befangen war. Parallel lebt die Zusammenarbeit auch von der gemeinsamen Geschichte von Mats und Eevi. Man hat aber gemerkt, dass es sehr langsam angegangen wurde. Da hat mir das Tempo gefallen, denn beide sind offiziell in Beziehungen, dementsprechend wäre mir zu viel Gas geben da wohl sehr deplatziert vorgekommen. Aber dennoch hätte es für beide Figuren mehr Hintergrund geben können. Das ist nicht mal bezogen auf sie zusammen, sondern auch individuell, um ihren Rollen als Partner, innerhalb der Familie, im Job etc. besser zu verstehen. Das war insgesamt doch sehr knapp gehalten.

Der Fall ist natürlich im Gegensatz zu anderen Krimis auch etwas knapper gehalten, dennoch würde ich unterm Strich nicht behaupten, dass mir etwas gefehlt hat. Manchmal ist weniger auch mehr. Ich hatte zwar so eine Ahnung, was möglicherweise passiert sein könnte, aber es war dennoch spannend, das alles entfaltet zu sehen. Ich musste aufgrund der inhaltlichen Hintergründe sehr an „Adolescence“, den Netflix-Hit, denken. Ich führe das an der Stelle nicht weiter aus, aber jeder der Serie und Buch kennt, wird es verstehen. Ich finde das Thema schon extrem spannend. Es ist entsetzlich, man will es eigentlich nicht wissen, aber man will dem auch auf den Grund gehen und es verstehen. Das Thema wird auch vielfältig verarbeitet, durch gleich zwei Seiten, was es noch interessanter gemacht hat.

Fazit: „Gerächt sein sollst du“ ist ein guter Titel für diesen Auftakt von Kaisu Tuokko. Auch wenn das Buch insgesamt in einigen Belangen etwas kurz gehalten ist, aber gerade der Krimianteil an sich war sehr gut. Für die Zukunft brauche ich mehr Raum für Mats und Eevi und an sich bessere Ermittlungsarbeit. Es ist auf jeden Fall vielversprechend, diese konkret Konstellation weiter zu ergründen.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Willkommen im (braven) The Darlington

The Darlington - Henry & Kate
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Als von Laura Kneidl die „Darlington“-Reihe angekündigt wurde, war ich enthusiastisch und skeptisch gleichermaßen. Ich fand es toll, von ihr mal wieder eine neue Liebesreihe zu bekommen, gleichzeitig musste ...

Als von Laura Kneidl die „Darlington“-Reihe angekündigt wurde, war ich enthusiastisch und skeptisch gleichermaßen. Ich fand es toll, von ihr mal wieder eine neue Liebesreihe zu bekommen, gleichzeitig musste ich aber auch an Mounia Jayawanth und ihre Van Day-Reihe denken, die auch in einem Hotel spielte, was mir insgesamt leider nicht so zugesagt hat. Aber ich bin positiv geblieben, weil Kneidl zum einen pro Band ein anderes Paar nimmt und weil es auch ganz andere Möglichkeiten gibt, das Hotel inhaltlich einzubinden.

Insgesamt muss ich sagen, dass der Auftakt zu Henry und Kate für mich einige Auf und Abs hatte. Grundsätzlich fand ich die Ausgangslage sehr interessant und das zunächst mal für beide Hauptfiguren separiert betrachtet. Henry als sehr junger Geschäftsführer des Hotels, der das schwere Erbe hat, dass gegen seinen Vater Klage wegen Vergewaltigung eingereicht wurde und nun den Ruf des Hotels retten muss. Umgekehrt haben wir mit Kate, der in jungen Jahren auf der Straße leben muss und kriminelle Aktivitäten durchziehen muss, um zu überleben. Die Gegensätze sind groß auf dem Papier, aber gleichzeitig doch auch sehr ähnlich, weil sie beide viel zu verlieren haben, aber für das kämpfen, wovon sie überzeugt sind. Ich mochte beide Charaktere auch, wenn ich auch sagen muss, dass sie mir in manchen Nuancen zu perfekt, zu gut waren. Henry positioniert sich großartig gegen seinen Vater, und das wiederholt, wie er auf die erste Begegnung mit Kate reagiert, Respekt, aber ich hätte mir da einfach ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht. Erst am Ende haben wir etwas mit ihm, mit dem ich persönlich nicht gerechnet hätte. Ich hatte einen Verdacht, der in eine etwas andere Richtung ging. Für die Geschichte passte es gut, aber es kam einfach sehr spät und ich hätte mir gerne vorher schon andere Seiten von Henry gewünscht.

Bei Kate würde ich sagen, dass wir über das Buch verteilt zwei sehr gegenteilige Seiten von ihr erleben. Auf der Straße ist sie eine Überlebenskünstlerin, sie wirkt frech, sie wirkt redegewandt, um keine Ausrede verlegen. Deswegen fand ich die erste Begegnung auch irgendwie lustig, weil sie sich einfach etwas rausgenommen hat, was sehr mutig war. Im späteren Verlauf fand ich Kate dann aber sehr verwandelt. Sie wurde immer braver und irgendwie angepasster. Dabei hätte ich mir die anfängliche Kate lieber durchgängig gewünscht. Da beide Figuren so sehr harmonisch aufeinander angepasst wurden, kam das Drama fast nur von außen, aber nicht aus ihnen als Paar heraus. Es wirkte alles so leicht (was auch eine Botschaft ist, ja), aber vielleicht zu leicht. So war es manchmal schwer, den mit den beiden restlos mitzufiebern. Zudem fehlten mir manche Aspekte deutlich. Das wäre zum einen, dass wir Henry nie selbst mit Ethan erleben, nur mit Logan. Auch wenn die Geschichten beider Brüder schon initiiert werden (auch ihrer Partnerinnen), aber es gab für die Brüderdynamik sehr wenig. Ja, Kneidl will sich natürlich auch etwas aufsparen, aber man kann nicht alles aufsparen, man muss auch vorher schon was Futter anreichen. Letztlich finde ich das Ende auch etwas übereilt. Es wurde zwar ein passender Bogen gefunden, aber das eigentliche Thema, wie die Beziehung der beiden angesichts der Gesellschaft funktionieren soll, das ist dann einfach abgehakt. Henry und Kate werden nicht einfach verschwinden, das ist klar, aber ich hätte mir hier erste klare Ideen gewünscht, weil ich mir die Beziehung der beiden in genau dem Umfeld nicht als dauerhaft glücklich vorstellen kann, denn sich nur darauf zu verlassen, man habe sich ja gegenseitig, das ist dann zu wenig.

So, jetzt ist erstmal alles raus, was ich etwas schade am Auftakt fand. Aber ich war keinesfalls nur unzufrieden. Ich fand, dass der Hotelalltag gut rübergebracht wurde. Wir haben Henry, der sich mit den ganzen äußeren Bedingungen beschäftigen muss, wir haben Kate kurzfristig als Dienstmädchen. Da war es schon gut integriert. Auch ansonsten fand ich viele Themen genau richtig. Zum einen die Obdachlosigkeit, die durchgängig beleuchtet wurde und so Aufmerksamkeit bekommen hat. Zum anderen eben Me Too, mit dem doppelten Standard in vielen Gesellschaftsschichten, der reißerische Blog, der mit ein wenig an Lady Whistledown erinnerte. Der Cliffhanger ist ebenfalls extrem geschickt, weil es eine heftige Sache zum Abschluss ist, die Lust auf mehr macht, die aber auch inhaltlich Ernsthaftigkeit andeutet.

Fazit: Die Reihe funktioniert von der Idee her und es wird noch zwei weitere Bände geben, die das endgültig beweisen können. Henry und Kate haben für „The Darlington“ aber keine restlose Begeisterung bei mir auslösen können. Es fehlten in vielen Aspekten Ecken und Kanten, weil es so etwas zu brav war. Aber Kneidl hat das drauf und sie hat sich jetzt in die Welt eingeschrieben, also einfach noch mehr, dann bin ich positiv-aufgeregt.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Abschluss on point

Just for the Summer
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Abby Jimenez ist eine der Autorinnen, die sich fast schon heimlich auf die Liste derer geschlichen hat, von denen ich eigentlich alles bedingungslos lesen würde. Los ging es für mich mit der Burning Secrets-Reihe ...

Abby Jimenez ist eine der Autorinnen, die sich fast schon heimlich auf die Liste derer geschlichen hat, von denen ich eigentlich alles bedingungslos lesen würde. Los ging es für mich mit der Burning Secrets-Reihe und jetzt sind wir mit „Just for The Summer“ schon wieder am Ende der Royaume-Northwestern-Reihe. Ja, so schnell geht das. Aber was mich bei der Autorin immer wieder überzeugt, das ist diese Tiefe, die aber dennoch immer mit Leichtigkeit verbunden ist.

Ich muss gestehen, dass ich mit „Just For The Summer“ eher spät dran bin, sodass „Yours Truly“ für mich weiter weg liegt. Dadurch habe ich ein paar Verbindungen in Band 3 erst echt spät erkannt. Shame on me. Die Geschichte wirkte sehr losgelöst, aber so nach und nach kam dann doch alles zusammen und insgesamt muss ich sagen, dass es genial war, wie Jimenez alles ineinander verwoben hat. Es muss bei Reihen nicht immer so sein, dass wir einen Freundeskreis durchgehen und alle werden im kleinen Zirkel glücklich miteinander. Hier ist alles weiter gefasst und trotzdem sind da viele kleine Verbindungen. Das hat mir echt gut gefallen. Man lernt was über die alten Figuren, aber es ist dennoch genug Raum da, um neue Figuren einzuführen und kennenzulernen. Zudem hat mir das am Ende abgedruckte Interview mit der Autorin auch sehr gefallen, die vieles erklärt hat. Das macht die Geschichten und die Ideen dahinter sehr greifbar und nahbar.

Die Ausgangslage des Buchs ist schon etwas seltsam, aber ich fand einfach, die Art und Weise, wie Justin sich online entblößt hat, da passte es, wie Emma darauf reagiert hat. Ihr Pakt, ja, seltsam, aber zu dem Zeitpunkt kannten sie sich nicht wirklich und da war es einfach, das alles mit einem Augenzwinkern zu sehen und das eigene Leben einfach etwas aufzupeppen. Nach und nach lernen wir dann die Leben der beiden Figuren kennen und ich fand es toll, wie gleichwertig das bei den beiden aufgeteilt war. Wir haben Justin, der nach heftigen Schicksalsschlägen für seine Geschwister sorgen muss und wir haben umgekehrt Emma, die vernachlässigt aufgewachsen ist, aber emotional dennoch sehr abhängig von ihrer Mutter ist und ansonsten der vermeidende Bindungstyp ist. Das macht schon einen großen Unterschied zwischen ihnen aus, denn der eine muss Verantwortung übernehmen, die andere will alles, nur keine Verantwortung. So unterschiedlich also die Lebensmodelle der beiden sind, so ähnlich sind sie sich als Menschen doch. Ich fand nicht, dass ihre Anziehung durch Gegensätze bestimmt war.

Justin ist ein unglaublich aufmerksamer Partner, aber auch auf eine Art, dass es bei einer entsprechenden Frau lächerlich wirken könnte. Aber das fand Emma nicht, man hat immer gemerkt, wie süß sie das alles fand, weil sie diese Tendenz selbst in sich trägt. Das war im Verlauf des Buchs immer deutlicher zu merken. Sie hat zu wenige konstante Beziehungen, um das auszuleben, aber es ist in ihr angelegt und das hat Justin rausgekitzelt. Mir hat im weiteren Verlauf auch gefallen, dass die Mischung aus Leichtigkeit und sehr dramatischen Sequenzen immer abgewechselt wurde. Weiterhin war positiv, dass es nicht immer nur um die beiden als Paar ging, sondern dass auch die Beziehungen zu anderen Menschen intensiver aufgearbeitet wurden. Das Buch war niemals oberflächlich und das ist genau das, was ich will. Ich fand auch nicht, dass sich umgekehrt dadurch etwas gezogen hätte. Nein, im Gegenteil, die Handlung hat so mitgerissen, dass ich schnell durch war.

Kommen wir nochmal auf das Interview mit Jimenez zurück. Es geht dabei auch viel um mentale Gesundheit. Ich fand es großartig, was sie dazu gesagt hat, vor allem unter dem Standpunkt, dass nicht eine eigene Diagnose einem individuellen Menschen einfach gerecht wird. Genau so hat sie die Handlung auch aufgebaut, sowohl für Emma als auch für Amber. Ich fand das sehr sensibel. Auch wenn es sehr schmerzt, das alles mitzuerleben, aber es war intensiv und sowas lese ich gerne. Das alles gibt der Liebesgeschichte auch viele Auf und Abs. Da fand ich es auch erstklassig, wie das Seelenleben von beiden offengelegt wurde. Man hat auch das Sprunghafte in den Gedanken bemerkt, was ich von mir selbst kenne. Ich fand das Buch alles in allem echt klasse.

Fazit: Abby Jimenez hat mit „Just for the Summer” ihre Reihe großartig abgeschlossen. Alle drei Bücher waren toll und es hat mir endgültig bewiesen, dass diese Autorin auf meinem Radar festgewachsen ist. Hier sind die Themen, die Emotionalität und dennoch eine Leichtigkeit mit Spaß genau das, was eine zu keinem Zeitpunkt oberflächliche Geschichte zu einem Erlebnis macht.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Als Film noch genialer

Never Trust Your Fake Husband
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Um „Never Trust Your Fake Husband” von Ally Carter bin ich ein wenig herumgeschlichen. Das Cover sah schon sehr süß aus, Paris ist auf jeden Fall ein tolles Setting, aber restlos überzeugt war ich nicht ...

Um „Never Trust Your Fake Husband” von Ally Carter bin ich ein wenig herumgeschlichen. Das Cover sah schon sehr süß aus, Paris ist auf jeden Fall ein tolles Setting, aber restlos überzeugt war ich nicht sofort. Letztlich habe ich es als Hörbuch genommen, weil ich mir eine angedeutete Action-Handlung so mit noch mehr Tempo gut vorstellen konnte, als es selbst zu lesen.

Die Entscheidung war schon sehr clever. Denn das Buch bietet extrem viel in der Handlung an. Es gibt sehr ruhige Momente, es gibt richtige Action, nicht nur ein bisschen Larifari, sondern richtig auf den Putz gehauen, dann echten Humor. Dementsprechend war das fast schon wie ein Theaterstück stellenweise und das wurde durch das Hörbuch gut zum Leben geweckt. Johanna Zehendner und Tim Gössler haben für mich Zoe und Sawyer (warum steht auf dem Klappentext eigentlich Jake, so durchgängig wie er mit seinem Nachnamen benannt wird?) wunderbar zum Leben erweckt. Ein großer Pluspunkt war dabei auch die Reife der Stimme. Das hier ist kein NA, geschweige denn YA, dementsprechend haben die Stimmen für mich das Erwachsene des Buchs aufgegriffen. Es war alles sehr harmonisch.

Angesichts meiner gewissen Zweifel, was mich wohl erwarten wird, war der Einstieg schon etwas seltsam, was ich dem Buch aber keinesfalls negativ auslegen würde, weil es im Gesamten Sinn ergibt. Aber erstmal eine Frauenrolle zu haben, die von sich selbst nicht weiß, wer sie ist und schwupps, steckt sie mitten im Überlebensmodus. Das war mal ein Einstieg. Nach und nach habe ich dann gut ein Gefühl für die Geschichte entwickelt und diese bleibt einfach bis zum Ende ein Überraschungsbonbon. Denn es ist echt schwer, ein Wort zu finden, was alles umfasst. Das Positive dabei ist auch, dass Carter alle Bereiche gut beherrscht. Der Humor passte für mich. Zoe war zwar manchmal arg naiv, aber die Ausgestaltung von ihr passte gut auf den Verlauf. Zumal sie mit ihrer Art, die Sawyers Beschützerinstinkt weckt, dennoch dann immer wieder bricht, indem sie sich als sehr selbständig und clever erweist. Aber durch die Gegensätze der beiden wurde es oft sehr, sehr lustig. Genauso passte aber auch, mit den beiden hinter ihre Fassade zu blicken. Wer ist Zoe, was ist ihre Geschichte, aber umgekehrt, warum hat Sawyer den Job, was treibt ihn an, was trägt er mit sich immer schon herum? Da war viel tief zu entdecken.

Der Hauptteil bleibt aber die Action und genau das ist der Punkt, dass ich die volle Punktzahl nicht geben kann. Auch wenn es durch das Hörbuch extrem verbessert wurde, aber es passiert so extrem viel, dass ich mehrfach dachte, das will ich jetzt gerne als Film sehen, damit es die volle Wirkung entfaltet. All die Flucht- und Kampfszenen, die sind zwar gut beschrieben, aber ich habe immer etwas eine Barriere im Kopf. Das Ganze als Film, ich wäre wahrscheinlich hin und weg, aber so war es manchmal schwierig für mich, alles richtig miteinander zu verbinden. Wo sind wir gerade, was passiert da jetzt und was könnte kommen? Das ließ sich nur schwer zusammensetzen. Aber das ist wie gesagt ein sehr individuelles Problem, die meisten Leser werden damit keine Probleme und den eigenen Film vor Augen ablaufen haben.

Fazit: „Never Trust Your Fake Husband” ist für mich auf jeden Fall frisch, zumindest in den Trends des aktuellen Buchmarkts. Es war für meine eigene Vorstellungskraft etwas zu actionlastig, da wäre es als Film viel genialer gewesen. Aber die wilde Mischung aus allem und dass es als Hörbuch ein wilder Ritt wurde, das war schon sehr unterhaltsam.

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