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meggie3

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2025

Etwas anstrengend, aber lohnend

Rückkehr nach St. Malo
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Yann de Kérambrun, Historiker mit Lebensmittelpunkt in Paris, beschließt nach dem Tod seines Vaters eine Auszeit vom anstrengenden, nervigen Uni-Alltag zu nehmen. Er zieht zurück in seinen Heimatort Saint-Malo, ...

Yann de Kérambrun, Historiker mit Lebensmittelpunkt in Paris, beschließt nach dem Tod seines Vaters eine Auszeit vom anstrengenden, nervigen Uni-Alltag zu nehmen. Er zieht zurück in seinen Heimatort Saint-Malo, in das Haus seiner Familie, um an seiner Forschungsarbeit über die Piraterie zu arbeiten. Als er jedoch in dem Haus Aufzeichnungen seines Urgroßvaters Octave findet, der eine bis heute erfolgreiche Reederei gegründet hat, beginnt er sich mit seiner Familiengeschichte zu befassen. Stück für Stück arbeitet sich Yann durch die Handlungsbücher und privaten Korrespondenzen seines Urgroßvaters und stellt weitere Recherchen an. Er erfährt viel über die Geschäfte des Unternehmens und wie diese durch den ersten Weltkrieg beeinflusst wurden. Gleichzeitig geht es auch um Octaves Liebe zu seiner Frau Julia und seine privaten Herausforderungen. Yann verbeißt sich in die Geschichte und setzt alles daran, die Rätsel in seiner Familiengeschichte zu lösen.

Für mich ist „Rückkehr nach St. Malo“ ein durchaus anstrengender, aber lohnender Roman. Gemeinsam mit Yann habe ich unglaublich viel über das Leben und Geschäftemachen im frühen 20. Jahrhundert erfahren, genauso wie über die Geschehnisse in der Region während des ersten Weltkriegs. Besonders spannend fand ich die kleinteilige Recherchearbeit von Yann. Als Leserin konnte ich ihm und seiner Arbeit genau folgen und selbst überlegen, was vor über hundert Jahren passiert sein könnte. Positiv fand ich auch, wie Yann sukzessive eigene Erfahrungen im Kontext seines zunehmenden Wissens über seine Vorfahren anders einordnen konnte. Auch er selbst, der durchaus auch privat strauchelt, entwickelt sich authentisch persönlich weiter. Mir gefallen die Personenzeichnungen in dem Roman ausgesprochen gut. Die historischen Einschübe in Form von Briefen oder Beschreibungen haben noch eine andere Ebene in den Roman gebracht. Auch die Natur, insbesondere die Kraft des Meeres, wird in dem Roman sehr eindrücklich beschrieben und so spielt die Bretagne als Handlungsort fast schon eine Hauptrolle.

Sehr hilfreich waren die Familienstammbäume der de Kérambruns und Octaves Geschäftspartner hinten im Buch – ohne wäre ich wohl vor allem in der ersten Romanhälfte aufgeschmissen gewesen. Insbesondere die ersten 250 Seiten fand ich zwar sprachlich ebenfalls ansprechend, aber doch inhaltlich sehr anstrengend. Es sind viele Namen und verwandtschaftliche Verflechtungen, die für mich schwer einzuordnen waren. Dies hat den Lesegenuss für mich leider etwas geschmälert.

Mir hat der Roman gut gefallen, auch wenn ich ihn zu Beginn aufgrund der Komplexität der Familienverhältnisse eher anstrengend fand. Die Recherche und die Familiengeschichte von Yann haben mich aber fasziniert und auch sprachlich hat mich der Roman überzeugt!

Veröffentlicht am 02.08.2025

Hat mich erst spät gefesselt – dann aber richtig!

Der Bräutigam
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Im alten Land geht ein Serientäter um, der Frauen entführt und tötet. Er wird der Bräutigam genannt, weil er in einer Lokalzeitung sowohl Hochzeitsanzeigen als auch Todesanzeigen schaltet.

Die beiden ...

Im alten Land geht ein Serientäter um, der Frauen entführt und tötet. Er wird der Bräutigam genannt, weil er in einer Lokalzeitung sowohl Hochzeitsanzeigen als auch Todesanzeigen schaltet.

Die beiden Schwestern Nora und Sofie sind zu Gast im alten Land, um die Goldhochzeit ihrer Großeltern zu feiern. Am Morgen, nachdem sie durch ihren Cousin vom Bräutigam erfahren, erscheint dann Sofie nicht zum Frühstück. Die Suche nach ihr beginnt, neben der Polizei macht sich auch Nora auf die Suche nach ihrer jüngeren Schwester. Schon bald erscheint in der Lokalzeitung eine neue Hochzeitsanzeige. Die Braut: Noras Schwester Sofie.

Ich habe mich mit den ersten zwei Dritteln des Thrillers leider schwergetan. Obwohl ich den Plot nach wie vor interessant finde, konnte mich das Buch lange nicht wirklich fesseln. Geändert hat sich das dann im letzten Drittel, da konnte ich den Thriller kaum noch aus der Hand legen. Erst dann wurden die Schwestern, aber auch der Täter, für mich greifbarer.

Das Ende hat mich dann überrascht, sodass ich aufgrund des letzten Drittels geneigt war, den Thriller deutlich besser zu bewerten. Wenn ich aber den gesamten Thriller betrachte, komme ich auf gute 3 Sterne.

Veröffentlicht am 29.06.2025

Sehr lesenswert

Das Haus der Türen
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Der Roman beschreibt das Leben zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft Anfang des 20. Jahrhunderts in Penang, Malaysia. Es gibt zwei Protagonist:innen aus deren Sicht der Roman erzählt wird. Auf der ...

Der Roman beschreibt das Leben zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft Anfang des 20. Jahrhunderts in Penang, Malaysia. Es gibt zwei Protagonist:innen aus deren Sicht der Roman erzählt wird. Auf der einen Seite ist das Lesley Hamlyn, Ehefrau des Rechtsanwalts Robert Hamlyn, die in ihrer Ehe und dem für sie eigentlich recht bequemen Leben mit Houseboys und Köchen unglücklich ist. Auf der anderen Seite wird ein Teil des Romans aus der Sicht des bekannten Schriftstellers William Somerset Maugham („Willie“) erzählt, der bei Lesley und Robert mit seinem Sekretär und Geliebten Gerald im Jahr 1921 einige Wochen zu Besuch ist. In diesen Wochen erzählt ihm Lesley aus ihrem Leben: 1910 unterstützte sie Sun Yat-Sen, einen chinesischen Revolutionär, der zu diesem Zeitpunkt zwecks der Finanzierung seiner Revolutionspläne zum Sturz der Quing-Regierung in Penang war. Gleichzeitig traf sie sich mit einem Mitstreiter Sun Yat-Sens und entfloh so ihrer sie nicht zufriedenstellenden Ehe. Parallel zu diesen Ereignissen stand ihre Freundin Ethel Proudlock wegen Mordes vor Gericht.

Mich hat der Roman sehr gefesselt, obwohl ich gar nicht genau sagen kann, was mich exakt in den Bann gezogen hat. Ich finde die Mischung aus Fiktion und realen Ereignissen und Personen sehr gelungen (William Somerset Maugham, Sun Yat-Sen und auch der Prozess gegen Ethel Proudlock). Der Roman behandelt zum einen gesellschaftliche Themen wie die Kolonialisierung und die Geschichte Penangs, die Rolle der Frau und den Umgang mit Homosexualität zu der Zeit oder die historischen Ereignisse in China, zum anderen aber auch die persönlichen Gedanken, Gefühle und Lebensumstände der beiden Protagonist:innen Lesley und Willie. Die Charakterzeichnungen haben mich überzeugt. Obwohl sich die Ereignisse in dem Roman nicht überschlagen, sondern eher im Rückblick erzählt werden, kommen viele Themen und Aspekte zusammen. Sicherlich hätte es an einigen Stellen noch mehr in die Tiefe gehen können. Trotzdem wurden die Ungerechtigkeit und Auswirkungen der Kolonialisierung deutlich, obwohl sie nicht explizit im Zentrum des Romans stehen.

Mich lässt der Roman nachdenklich zurück, ich habe einiges gelernt und den Roman als sehr lesenswert empfunden. Außerdem fand ich die Sprache sehr schön, fast schon poetisch, genauso wie die Beschreibungen der Häuser und der Natur – so werden sicherlich weitere Romane des Autors Tan Twan Eng auf meiner Leseliste landen.

Veröffentlicht am 29.06.2025

Detailreiche Charakter- und Landschaftsbeschreibungen

Wo wir uns treffen
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Als Philip Brooke, Familienoberhaupt der Familie Brooke, stirbt, versammelt sich seine Familie auf dem Anwesen in Sussex. Frannie, die älteste Tochter und Mutter der 7-jährigen Rowan, hat gemeinsam mit ...

Als Philip Brooke, Familienoberhaupt der Familie Brooke, stirbt, versammelt sich seine Familie auf dem Anwesen in Sussex. Frannie, die älteste Tochter und Mutter der 7-jährigen Rowan, hat gemeinsam mit ihrem Vater in den vergangenen Jahren aus dem Anwesen ein renaturiertes, nachhaltiges Projekt gemacht. Sie erbt das Anwesen und möchte das Projekt weiterführen und ausbauen. Ihre beiden jüngeren Geschwister Milo und Isa haben mit dem Projekt wenig zu tun, wobei Milo für den zugehörigen Wald eigene Pläne hat. Einen tut die Geschwister, dass sie alle in ihrer Kindheit und Jugend erlittene Verletzungen verarbeiten müssen. Auch ihre Mutter hatte es schwer und hadert mit ihrem Leben mit Philip Brooke. Zur Beerdigung hat Isa außerdem Clara eingeladen, eine junge Doktorandin aus den USA, die Philips Tochter aus seiner Zeit in den USA sein könnte.

Mir haben die Beschreibungen der Landschaft und der Natur außerordentlich gut gefallen und auch die detaillierten Schilderungen der etwas düsteren Atmosphäre in dem herrschaftlichen, aber auch etwas heruntergekommenen, Gutshaus sind sehr gelungen. Ich finde auch, dass die Charaktere zwar nicht unbedingt Sympathiepreise gewinnen, aber authentisch und detailliert beschrieben sind. Ich fand sehr gut, dass neben den Geschwistern auch die Perspektive langjährig Beschäftigter auf dem Anwesen abgebildet wird. Trotz all der positiven Aspekte hat mich der Roman nicht 100-prozentig überzeugt. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass der Roman sich etwas zieht. Auch hätte ich mir gewünscht, dass Clara etwas mehr Raum bekommen und es eine noch tiefergehende Auseinandersetzung mit ihren Rechercheergebnissen gegeben hätte.

Insgesamt lässt sich der Roman gut lesen und mir hat die Schreibweise gut gefallen. Wer sich auf detaillierte Charakter- und Landschaftsbeschreibungen einlassen mag, kann durch „Wo wir uns treffen“ gut unterhalten werden.

Veröffentlicht am 23.06.2025

Sehr spannender Thriller mit interessanten Ermittler*innen

Aschesommer
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Nachdem ich den ersten Krimi „Krähentage“ um die Gruppe 4 nahezu verschlungen habe, hatte ich große Erwartungen an „Aschesommer“. Diese wurden nicht enttäuscht!

Bei sengender Sommerhitze werden in einem ...

Nachdem ich den ersten Krimi „Krähentage“ um die Gruppe 4 nahezu verschlungen habe, hatte ich große Erwartungen an „Aschesommer“. Diese wurden nicht enttäuscht!

Bei sengender Sommerhitze werden in einem aufwendig hergerichteten Kühlraum unter der Erde zwei Tote entdeckt. An der Wand steht geschrieben: „Das erste Sterben hat begonnen“. Offensichtlich hat es die Gruppe 4 um die Ermittler:innen Jakob und Mila erneut mit einer Mordserie zu tun. Unter schwierigen Bedingungen beginnen die Ermittlungen, die die Beiden gemeinsam mit ihrem Team in tiefe Abgründe führen.

Ich liebe Krimis, in denen ich als Leserin Ermittler:innen bei ihren Ermittlungsschritten folgen kann. Auch deshalb mag ich diese Krimi- bzw. Thrillerreihe. Gleichzeitig wird durch die Kapitel, die beispielsweise aus der Perspektive eines Opfers oder potenzieller Täter geschrieben sind, eine größere Emotionalität bei mir ausgelöst. Diese Mischung aus Perspektiven sorgt für eine stetig steigende Spannung, sodass ich den Thriller irgendwann gar nicht mehr aus der Hand legen mochte.
Auch zwischenzeitliche Spannungen im Team und die Päckchen, die die Ermittler:innen zu tragen haben, tragen zur Sogwirkung des Krimis bei. Auch hier gefällt mir die Ausgewogenheit zwischen Ermittlungsarbeit und Einblicken in die Leben der Ermittler:innen.

Insgesamt kann ich den Thriller und zweiten Band um die Gruppe 4 auf jeden Fall allen weiterempfehlen, die spannende Thriller und Krimis mögen. Einen dritten Teil lese ich bestimmt!