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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.06.2026

Kommt nur langsam in Fahrt

Home Before Dark
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Vor zehn Jahren verschwand Kristin, die Schwester von Marsibil, spurlos. Ein Brief an sie wühlt die Vergangenheit wieder auf, Marsibil fährt in ihr Elternhaus und beginnt, Nachforschungen zu betreiben. ...

Vor zehn Jahren verschwand Kristin, die Schwester von Marsibil, spurlos. Ein Brief an sie wühlt die Vergangenheit wieder auf, Marsibil fährt in ihr Elternhaus und beginnt, Nachforschungen zu betreiben. Was sie dabei herausfindet, wird ihr Leben für immer verändern.

Der vorliegende Psychothriller lässt mich zwiegespalten zurück. Als riesiger Fan der großartigen Buchreihe »Mörderisches Island«, die mittlerweile fünf Bände enthält, fing ich das Buch voller Vorfreude zu lesen an, war allerdings nach wenigen Kapiteln wirklich enttäuscht. Wie bereits in der erwähnten Reihe, wurde auch hier auf zwei Zeitebenen erzählt, sodass sich erst allmählich ein klares Bild ergeben hat. Zwei Perspektiven gab es, die der verschwundenen Schwester allerdings war diejenige, die mich davon abhielt, das Buch abzubrechen, denn in der Gegenwart passierte nicht viel. Die Suche wurde in die Länge gezogen, die Spannung verlor sich deswegen und zurück blieb nicht einmal ein leichter Thrill. Erst im letzten Drittel nahm die Geschichte an Fahrt auf, ab da ging es Schlag auf Schlag, eine Wendung jagte die nächste, meine Vermutung bestätigte sich und war kurz darauf wieder hinfällig, dies war endlich ein Thriller, wie ich ihn am liebsten mag. Die Auflösung konnte mich verblüffen, und auch wenn das folgende Ende nicht ganz meinem Geschmack entsprach, so war es doch passend. Insgesamt reicht dies nicht für ein Highlight oder eine volle Punktzahl, aber die goldene Mitte zumindest ist so noch drin. Für Fans ruhiger und zurückhaltender Bücher sicherlich passend.

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Veröffentlicht am 14.06.2026

Leider nicht so gut

Der Gesang der See
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Seit Generationen hat die Familie von Kristiane den Posten eines Lotsen besetzt, leider kann sie als Frau die Schiffe nicht geleiten, was sich als problematisch erweist, als ihr Mann in einem Sturm ums ...

Seit Generationen hat die Familie von Kristiane den Posten eines Lotsen besetzt, leider kann sie als Frau die Schiffe nicht geleiten, was sich als problematisch erweist, als ihr Mann in einem Sturm ums Leben kommt und ihr deswegen das Lotsenmandat entzogen werden soll. Zurückgelassen mit Mutter und Schwester sowie schwanger von ihrem verstorbenen Mann fasst sie einen gewagten Plan.

Die Autorin Trude Teige ist weltweit berühmt geworden mit ihrer Großmutter-Reihe, der erste Teil der großartigen Trilogie stand seinerzeit monatelang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und auch die Folgebände waren in den Top Ten und sehr erfolgreich. Das vorliegende Buch der Autorin ist der erste Teil der durch die Ururgroßmutter der Autorin inspirierten Erzählung über das Leben einer jungen Frau in einer männerdominierten Gesellschaft der nordischen Gestade. Der zweite Teil mit dem Titel »Hinaus in den Wind« erscheint in einigen Wochen.

Voller Vorfreude begann ich das Debüt einer meiner Lieblingsautorinnen der letzten Jahre zu lesen und bleibe am Ende enttäuscht zurück. Man merkt dem Buch an, dass es ein Erstlingswerk ist, die Handlung springt mal hierhin, mal dahin und wieder zurück. Tage oder Wochen liegen zwischen den Sprüngen, zumindest glaube ich das, denn folgen kann ich die meiste Zeit leider nicht. Oft habe ich das Gefühl, dass ein gewisses Wissen meinerseits vorausgesetzt wird, das mir jedoch fehlt, ich verstehe meistens nicht, warum die Protagonistin irgendwo landet und auch nicht, warum sie ist wie sie ist. Weder zu ihr, noch zu den anderen Figuren kann ich eine Verbindung aufbauen, kein Gefühl regt sich bei mir, die Story nimmt mich nicht mit, und zwar wirklich kein Stück. So erinnere ich mich lieber an mein Leseerlebnis davor und denke sehnsüchtig zurück.

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Veröffentlicht am 10.06.2026

Mega spannend

Nebelbeute
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Mila Weiss begibt sich auf die Jagd. Nachdem sie endlich den entscheidenden Hinweis bekommen hat, fährt sie in die Berge, um endlich ihr vor langer Zeit gegebenes Versprechen einzuhalten. Bald nach ihrer ...

Mila Weiss begibt sich auf die Jagd. Nachdem sie endlich den entscheidenden Hinweis bekommen hat, fährt sie in die Berge, um endlich ihr vor langer Zeit gegebenes Versprechen einzuhalten. Bald nach ihrer Ankunft wird eine grausam zugerichtete Leiche gefunden und kurz darauf ist Mila verschwunden. Die Gruppe 4 macht sich geschlossen auf, um nach ihr zu suchen, findet stattdessen aber Hinweise darauf, dass ein Serienmörder rund um das Bergdorf sein Unwesen treibt. Und er scheint noch lange nicht fertig zu sein.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Buchreihe rund um Mila Weiss, Jakob Krogh und das restliche Team. Um die Hintergründe für die Suche von Mila Weiss besser verstehen zu können, empfehle ich, die Reihenfolge einzuhalten, denn auch wenn hier einige Informationen wiederholt werden, fehlen wichtige Hinweise darauf, warum Mila so verbissen ist. Hinzukommt, dass die einzelnen Teammitglieder in den vorherigen Bänden genauer vorgestellt werden, was zu besserem Verständnis dafür führt, wie die Dynamik im Team ist und warum. Letztendlich sind die ersten beiden Bücher einfach so toll gewesen, dass man sich diese nicht entgehen lassen sollte.

Der dritte Fall ist für Mila Weiss der persönlichste und so verwundert es nicht, dass sie im ersten der drei Abschnitte, in die das Buch eingeteilt ist, eine Hauptrolle spielt. Nach ihrem Verschwinden drängt ihr Partner Jakob Krogh im mittleren Teil in den Vordergrund, dicht gefolgt vom restlichen Team, bevor es in den Showdown geht. Mir hat diese Fortsetzung wieder sehr gefallen, die grausamen Taten waren genau nach meinem Geschmack, wenn es um gute Thriller geht. Obwohl es mir der Autor nicht leicht gemacht hat, hatte ich früh einen Verdacht, der sich bestätigt hat und auch nicht. Wer dies verstehen will, macht sich am besten ein eigenes Bild. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Ungewöhnlich erzählt

Kala
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Vor fünfzehn Jahren verschwand Kala spurlos, nun treffen ihre Freunde von damals erstmals wieder aufeinander. Als menschliche Überreste im Wald gefunden werden, ist das Entsetzen groß. Die drei verbliebenen ...

Vor fünfzehn Jahren verschwand Kala spurlos, nun treffen ihre Freunde von damals erstmals wieder aufeinander. Als menschliche Überreste im Wald gefunden werden, ist das Entsetzen groß. Die drei verbliebenen Mitglieder der Clique von damals sind gezwungen, die Ereignisse aufzuarbeiten und sich ihrer Schuld zu stellen.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven und auf zwei Zeitebenen erzählt, und als würde dies nicht reichen, bemüht eine Person die Du-Form, wobei ich nicht schlau geworden bin bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wer mit „Du“ gemeint ist; die Lesenden oder die Person selbst, weil sie mit sich spricht. Dies machte es mir nicht leicht, folgen zu können, auch weil diese Erzählweise - versehentlich oder absichtlich - ein paar Mal verwechselt wird. Die Story selbst kommt nur sehr, sehr langsam in Fahrt, eine ganze Zeit lang passiert kaum etwas erwähnenswertes, was dazu führt, dass ich irgendwann ein bisschen abschalte und auf Autopilot umstelle. Dies ändert sich zwar in dem Moment, als die sterblichen Überreste identifiziert und die Sprünge in die Vergangenheit länger und interessanter werden, aber trotzdem will bei mir nicht so wirklich der Funke überspringen, was bedauerlicherweise bis zum Schluss so bleibt. Das Debüt von Colin Walsh konnte bei mir insgesamt leider nicht punkten, es wird Leserinnen und Leser von Spannungsromanen, die in Irland spielen, aber sicherlich gut unterhalten können.

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Wunderbarer Roman

Unterwasserblau
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»Wann wurden wir mehr als das, was unsere Eltern aus uns gemacht haben?« (Seite 252)

Mitten in einen Kurzurlaub mit ihrer Schwiegerfamilie erreicht Jessica ein Anruf ihrer älteren Halbschwester Sandra, ...

»Wann wurden wir mehr als das, was unsere Eltern aus uns gemacht haben?« (Seite 252)

Mitten in einen Kurzurlaub mit ihrer Schwiegerfamilie erreicht Jessica ein Anruf ihrer älteren Halbschwester Sandra, ihr Vater sei gestorben. Auf dem Weg zur Beerdigung fängt Jessica an, gedanklich in die Vergangenheit zu reisen, zurück ins Elternhaus, das voller Schweigen gefüllt war und ist, wo sie sich immer unsichtbar glaubte, damals als Kind.

»Das Treppenhaus hallte mit jedem Schritt und roch nach Gemüsesuppe. Vielleicht saß weiter oben ein einsames Mädchen auf den Stufen und wartete darauf, dass seine Mutter mit Schweißgeruch in den Klamotten und der Unzufriedenheit der Welt im Gesicht nach Hause kam.« (Seite 159)

Die Ich-Erzählerin Jessica ist ein spezieller Mensch, schüchtern und voller Ängste marschiert sie durch die Welt, versteckt sich hinter ihrem Mann und verschließt die Augen vor fast jedem Problem. Erst der Tod des Vaters bringt etwas ins Rollen, das sie wohl am meisten überrascht und mich als Leserin gleich mit. In schöner Sprache lässt Petra Hucke ihre Figur in der Vergangenheit schwelgen, die plötzlich anders erscheint, als bisher gedacht. Erste zaghafte Versuche folgen, aus alten Mustern auszubrechen, bis der Wille erwächst, auch die Gegenwart zu ändern, bevor es zu spät ist. Ein leises Buch, das zum Lachen und Weinen einlädt, aber auch amüsiert und nachdenklich macht. Ein toller Roman über Familie und Liebe sowie die eigene Kraft, die in uns ist.

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