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Veröffentlicht am 16.02.2026

Eine Leiche zu viel

GNADENTOD
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Kommissaranwärter Amun Sháhier ist der neue Teamkollege des erfahrenen Kriminalhauptkommissars Robert Haller. Ihr erster gemeinsamer Fall erweist sich als bizarr. Ein überzähliger Toter wird ausgerechnet ...

Kommissaranwärter Amun Sháhier ist der neue Teamkollege des erfahrenen Kriminalhauptkommissars Robert Haller. Ihr erster gemeinsamer Fall erweist sich als bizarr. Ein überzähliger Toter wird ausgerechnet im Leichenwagen eines Bestattungsinstituts gefunden. Einbalsamiert, im Anzug, mit Blume und Heiligenbildchen drapiert. Zu Amuns großer Erleichterung stellt sich heraus, dass der Bestatter, sein bester Freund Jorge, nichts mit der mysteriösen Leiche zu schaffen hat. Bevor die Ermittlungen richtig in Gang kommen, taucht beim nächsten Bestatter ein unbekannter Toter auf und versetzt die Branche in Frankfurt und Umgebung in helle Aufregung.

„Gnadentod“ ist der zweite Krimi von Gitta Schwerberger. Wie im ersten Fall spielen neben Kommissar Robert Haller, pfiffige Vierbeiner eine wichtige Rolle bei den gleichermaßen bizarren wie unterhaltsamen Ermittlungen.

Die mysteriösen Leichenfunde stellen auch den Rechtsmediziner Ralf Danner
vor Probleme. Denn Einbalsamierung und Kühlung erschweren die Bestimmung des Todeszeitpunktes bzw. machen diese unmöglich. Die Verstorbenen haben gemein, dass sie männlich, hochbetagt, wohlhabend und schwerkrank waren. Die Kommissare finden heraus, dass die zunächst gefundenen Toten von osteuropäischen Pflegerinnen privat versorgt wurden. Diese hatten beide eine legitime Generalvollmacht. Jetzt sind die Konten der Opfer leer und die Pflegerinnen verschwunden. So weit, so verdächtig. Aber wie passen drei ermordete Kinder ins Bild?

Die Autorin schreibt flüssig und lässt immer wieder Humor aufblitzen. Weder das Lokalkolorit noch gesellschaftskritische Themen kommen bei ihr zu kurz. Schwerbergers Charaktere sind divers, mit Ecken und Kanten, so wie es mir gefällt. Hauptkommissar Haller bspw. erlebt während dieser Ermittlungen persönlich Beunruhigendes. Zwar lösen sich seine Eheprobleme bald in Wohlgefallen auf, dafür setzen ihm die Flashbacks in seine Kindheit deutlich mehr zu. Die Vierbeiner sind charmant und ihre Unterhaltungen in der zweiten Hälfte des Krimis haben mich amüsiert. Während die Dosenöffner über den unstillbaren Hunger ihrer Haustiere herziehen, bemängeln diese den quasi nicht vorhandenen Geruchssinn ihrer Menschen.

Mit vereinten Kräften gelingt es Haller und seinem Spezialteam, den kniffeligen Fall zu lösen. Dabei eröffnen sich Abgründe aus Skrupellosigkeit und Niedertracht, die den Leser einmal mehr an der Menschheit zweifeln lassen.

Bis auf zwei Punkte hat mir „Gnadentod“ gefallen. Zum einen fand ich die Reaktion des Rechtsmediziners auf drei Kinderleichen völlig daneben. Auch Schnoddrigkeit sollte gewisse Grenzen wahren. Zum anderen hätte der Roman ein deutlich besseres Lektorat verdient.

Insgesamt hat mich „Gnadentod“ gut unterhalten. Die Zusammenarbeit von menschlichen und tierischen Ermittlern hat hervorragend geklappt und überzeugt.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Ein neuer Mord in Fontenaia

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 8: Unheilige Geschäfte
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In Fontenaia, dem idyllischen Städtchen in der Toskana, geht alles seinen gewohnten Gang. Derzeit ist hoher Besuch aus dem Vatikan zu Gast, Padre Salvatore, der die Kunstschätze der Kirche katalogisieren ...

In Fontenaia, dem idyllischen Städtchen in der Toskana, geht alles seinen gewohnten Gang. Derzeit ist hoher Besuch aus dem Vatikan zu Gast, Padre Salvatore, der die Kunstschätze der Kirche katalogisieren soll. Warum nur ist der beliebte Ortsgeistliche Don Benedetti so nervös und Küster Marchetti schon am Morgen betrunken?

Das Autorenduo Elisabeth Frank und Christian Homma lädt uns zum neuesten Abenteuer von Anna und ihren Freunden in die Toskana ein. Ihre vergnügliche Cosy Crime-Reihe „Vino, Mord und Bella Italia!“hat mich wieder bestens unterhalten. Obwohl bereits Teil acht, ist dieser Band auch für Neueinsteiger gut geeignet.

Das Leben in Fontenaia verläuft gemächlich. Anna freut sich auf den Besuch ihrer Mutter Paolo und bastelt mit Tameo Deko für den Halloween Abend, den sie gern in Giovannas Ristorante veranstalten möchten. Dabei beobachtet sie eine geheimnisvolle Novizin, die sich in der Altstadt aufhält. Was sucht sie dort? Während Anna alles für Paolas Besuch vorbereitet, findet Tameo Don Benedetti schwer verletzt in der Kirche. Damit nicht genug entdeckt die Spurensicherung eine Leiche im Beichtstuhl. Fontenaia hat seinen nächsten Mordfall! Tameo und Anna sind wie immer mitten im Geschehen dabei.

Die Autoren schreiben flüssig und verstehen es vortrefflich, die Atmosphäre, die Bewohner und das Ambiente in einem toskanischen Städtchen zu beschreiben. Die Charaktere sind mir mittlerweile ans Herz gewachsen, allen voran die sympathische, tatkräftige Anna, die sich für ihre Mitmenschen interessiert und einsetzt. Daneben sind Tameo, der „Nachwuchs-Investigatore“ und sein kleiner Hund Peppo meine Lieblinge. Auch die anderen Protagonisten überzeugen und was mich besonders anspricht, sie entwickeln sich weiter. Momentan ist Commissario Vico das beste Beispiel dafür, aber auch Paola befindet sich auf einem guten Weg. Mir hat dieses Mal der Commissario besonders gefallen, der seinem dominanten Vater und Rom, zumindest vorerst eine Absage erteilt. Mittlerweile ist er ein angenehmer Chef, der sein Team kompetent leitet, ohne es zu gängeln und Annas Unterstützung schätzt.

Nicht vermissen möchte ich die eingestreuten italienischen Sprüche und Begriffe nebst Übersetzung. Diese verstärken das italienische Feeling und vielleicht erweitern sie nebenbei meinen Wortschatz?

Der Kriminalfall entwickelt sich in eine unerwartete Richtung. Als dabei der sympathische Loris in Verdacht gerät, begeht Anna ungewollt einen folgenschweren Fehler, der sich nur bedingt korrigieren lässt. Nach einem ungewohnt aufregenden Showdown wird der Fall gelöst. Trotz eifrigen Mitratens hat mich die Identität des Täters dieses Mal überrascht. Vico kann auch das aktuelle Verbrechen mithilfe von Anna und des Teams restlos aufklären und zu den Akten legen. Sogar für die geplante Halloween-Party findet sich eine Lösung, mit der alle Einwohner Fontenaias gut leben und vor allem feiern können.

Für mich fühlt sich ein neues Abenteuer in Fontenaia stets wie ein kurzer Urlaub in Bella Italia an. Die Autoren schaffen es mühelos, mich Teil 9 entgegenfiebern zu lassen. Endlich kommt Annas bester Freund Malte nach Italien. Wird er Bewegung in Annas nicht vorhandenes Liebesleben bringen?

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Warum muss der Abbé sterben?

Der Kommissar und der Mord von Valognes
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Philippe und Odette heiraten! Abbé Jean-Marie traut das glückliche Paar auf der malerischen Grande-Île und feiert vergnügt mit der Hochzeitgesellschaft. Nur vier Tage später findet Commissaire
Philippe ...

Philippe und Odette heiraten! Abbé Jean-Marie traut das glückliche Paar auf der malerischen Grande-Île und feiert vergnügt mit der Hochzeitgesellschaft. Nur vier Tage später findet Commissaire
Philippe Lagarde den Geistlichen tot im Pfarrhaus. Erhängt. Seine Zweifel am Selbstmord des Abbés bestätigen sich bald. Erschüttert beschließt Philippe, seinen Freund und Kollegen Ludovic Leroc, bei den Mordermittlungen zu unterstützen.

"Der Kommissar und der Mord von Valognes" ist der 15. Fall, in dem Maria Dries ihren Ermittler Philippe Lagarde auf Mörderjagd schickt. Wie erhofft, hat mich der spannende Krimi gut unterhalten. Er ist auch ohne Vorkenntnisse problemlos lesbar.

Wer tötet einen beliebten Abbé? Bald findet Lagarde erste mögliche Tatverdächtige. Da ist der Vater, dem die Tochter weggenommen wurde, weil der Geistliche die häusliche Gewalt gegen das Kind zur Anzeige brachte. Ein weiteres Motiv könnten die Probleme des Abbés mit dem Zölibat sein. Wer war die Frau, die er regelmäßig traf? Wenige Tage später wird ein pensionierter Lehrer tot aufgefunden. Erwürgt wie der Geistliche. Leroc und Lagarde versuchen herauszufinden, ob die beiden Mordopfer sich kannten. Die Ermittlungen führen sie bis auf eine abgelegene kleine Insel vor der bretonischen Küste und in eine tödliche Falle.

Maria Dries schreibt flüssig und bildhaft. Das Lokalkolorit nimmt einen angemessenen Raum ein, nicht nur Land und Leute, sondern auch kulinarische Köstlichkeiten. Ihre Charaktere sind stimmig und bodenständig. Philippe Lagarde ist ein sympathischer, kultivierter Mensch, der nach einer schweren Verletzung den aktiven Polizeidienst quittiert hat. Jetzt unterrichtet er an der Akademie von Rennes und fungiert gelegentlich als Berater der Ermittlungsbehörden. Seiner Frau, der erfolgreichen Gastronomin und Spitzenköchin Odette, unterschlägt er gern, in welch gefährliche Situationen er bei seinen Ausflügen in die Welt der Mordermittler gerät. So auch dieses Mal.

Die Geschichte wird aus verschieden Perspektiven und mit Rückblicken in die Vergangenheit, Anfang des 21. Jahrhunderts erzählt. So schält sich für den Leser allmählich ein Tatmotiv heraus. Bis zum Showdown hält die Spannung an. Lagarde und Leroc können schließlich den schwierigen Fall logisch aufklären. Es bleiben keine Fragen offen. Mir hat gut gefallen, dass nicht nur das Motiv, sondern auch der Auslöser der Mordserie erklärt wird.

Jetzt kann der Commissaire beruhigt seine Hochzeitsreise antreten. Bei der Höhlentour in der Ardèche würde ich Odette und Philippe gern begleiten. Aber wer weiß, vielleicht entdecken sie dort einen gemeuchelten Höhlenforscher?

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Wie viele Mörder beherbergt eine Seniorenresidenz?

Betreutes Morden
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Wer wäre besser für die Aufklärung eines ungeklärten Todesfalls im Altersheim geeignet als eine Serienmörderin im Ruhestand? Carol ist fest davon überzeugt, dass sie die ideale Ermittlerin abgibt. Eigentlich ...

Wer wäre besser für die Aufklärung eines ungeklärten Todesfalls im Altersheim geeignet als eine Serienmörderin im Ruhestand? Carol ist fest davon überzeugt, dass sie die ideale Ermittlerin abgibt. Eigentlich bleibt ihr auch nichts Anderes übrig, denn seit alle im Heim ihre Vergangenheit kennen, reagieren sie seltsam in ihrer Gegenwart. Jetzt hat Gregory stets einen Cricketschläger bei sich und Catherine einen Stein in der Socke. Dabei hat Carol ihrem mörderischen Hobby längst abgeschworen. Nach 35 Jahren im Knast genießt sie ihre Freiheit und sucht Freunde. Ihr ist klar, dass daraus nichts wird, solange sie mordverdächtig ist. Also beginnt sie zu ermitteln.

Der Schauspieler und Comedian Fergus Craig veröffentlicht seit 2021 Krimis. „Betreutes Morden“ ist der erste ins Deutsche übersetzte. Seine Senioren haben es in sich, nicht nur die Serienkillerin in Rente.

Sheldon Oaks ist eine luxuriöse Seniorenresidenz, die besonders anziehend auf Ermittler und Juristen wirkt. Als Carol nach langer Haft ein gemütliches Plätzchen für ihren Ruhestand sucht, kauft sie sich ausgerechnet hier eine Wohnung. Woher sie dafür nach über 35 Jahren Knast die Kohle hat, erfahren wir später. Sie lebt sich rasch ein und genießt ihre neue Umgebung. Dass der Mord in der Wohnung über ihr all das gefährdet, spürt sie sofort, als einer ihrer Mitbewohner sie outet. Die Polizei nimmt sie umgehend in Gewahrsam und freut sich über die schnelle Lösung des Falls. Doch mangels Beweisen muss Carol schnell wieder freigelassen werden. Bald ermittelt sie gemeinsam mit der Juristin und Ex‑Innenministerin Margret, dem früheren Detective Chief Inspector Gregory und der ehemaligen Rechtsmedizinerin Catherine. Dann erschüttert ein zweiter Mord Sheldon Oaks. Doch erst nach dem dritten Todesfall wird die Mordserie aufgeklärt. Die Lösung ist logisch, aber der Fall war deutlich kniffeliger als es zu Beginn aussah.

Fergus Craig schreibt flüssig und originell. Seine teils skurrilen Beschreibungen sind unterhaltsam und mitunter richtig witzig. Ob der Business-Sprech eines verwöhnten Erben oder der Rache-Sex eines Paares jenseits der 70. Überhaupt liebt der Autor das Stilmittel der Überzeichnung, aber manchmal übertreibt er etwas. So nervt Geoffrey zumindest am Anfang zu heftig, um noch sympathisch zu sein und Carol vertraut ihrem Tagebuch ein, zwei verstörende Details an, die für einen Cosy Crime zu heftig und völlig unnötig sind.

Schnell wird klar, der Mensch im Altersheim ist weder weiser noch abgeklärter. Auch dort befindet sich ein Querschnitt der Gesellschaft. Während die eine als ein Täter gesucht wird, sofort die Rassismuskarte zieht, versteifen sich die anderen auf Carol. Natürlich ohne den geringsten Beweis. Amüsant sind die Gedanken, die sich die Beschuldigte dazu und über andere Themen macht. Tatsächlich mausern sich Carol und ihre drei Mitstreiter zu einem fähigen Ermittlerteam und ziehen alle Register. Catherine und Margret nutzen ihre weit reichenden Kontakte, während unsere ehemalige Mörderin das senile alte Mütterchen gibt und so Verdächtige zu unbedachten Äußerungen provoziert. Wie bei vielen Cosy Crimes passen das britische Flair und der spezielle Humor hervorragend. „Betreutes Morden“ erinnert in Teilen an den „Donnerstagsmordclub“ wie an „Mrs Potts Mordclub“, nur ist der Humor bissiger und die Rentner etwas unkonventioneller.

Tatsächlich ist dieser Cosy Crime aber eine Hymne an die Freundschaft und so ist auch das Ende erklärbar. Doch besteht realistische Hoffnung, dass wir bald im zweiten Fall ermitteln dürfen und dann auch die Charaktere besser kennenlernen.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Wenn die Lady mit dem Butler ...

Nightingale
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Was erwartet eine junge Frau aus Massachusetts, die einen echten englischen Lord heiratet? Lydia schwebt nach ihrer aufregenden Hochzeitsreise auf Wolke Sieben. Die Verhaftung ihres Mannes, kurz nach der ...

Was erwartet eine junge Frau aus Massachusetts, die einen echten englischen Lord heiratet? Lydia schwebt nach ihrer aufregenden Hochzeitsreise auf Wolke Sieben. Die Verhaftung ihres Mannes, kurz nach der Rückkehr nach Ravensridge, dem Stammsitz der Familie, holt sie unsanft in die Realität zurück. Lord Nigel Nightingale soll seine ehemalige Geliebte ermordet haben. Lady Lydia zweifelt keine Sekunde an ihrem Mann und ergreift die Initiative ...
Mit "Nightingale: Tod im Musensaal" ist Danielle Weidig ein unterhaltsamer Auftakt ihrer neuen Cosy Crime-Reihe gelungen.

Eine italienische Künstlerin, die Malerin Florentine Moretti, wird tot im Musensaal des Kunstmuseums von Whispering Pines gefunden. Nahe der Leiche prangt ein Graffiti "Tod den Nightingales". Bald stellt sich heraus, dass die junge Frau vergiftet wurde. Alle Indizien weisen auf Lord Nigel als Täter hin. Da sie keine Sekunde an der Unschuld ihres Mannes zweifelt, wohl aber an der Kompetenz der Polizei, beginnt Lydia selbst zu ermitteln. Tatkräftig wird sie dabei vom vielseitigen Butler ihrer Schwiegermutter, Godfrey, unterstützt. Dank ihres Könnens als Maskenbildnerin und Schauspielerin gelingt es der unerschrockenen Lydia neue Beweise zu finden. Godfrey erweist sich dabei als wertvoller Helfer. Doch je näher sie der Lösung des Falles kommt, umso größer wird die Gefahr, in die sie sich begibt.

Lydia, eine unkonventionelle US-Amerikanerin, hat aus Liebe, nicht aus Kalkül ihren englischen Lord geheiratet. Sehr spontan bzw. unüberlegt, wie es Lydias Mutter nennt. Ihre zukünftige Rolle an der Seite eines britischen Adligen hat sie dabei nicht bedacht. Anders als in Boston, scheint ihr Leben in Whispering Pines zukünftig aus Charity Events und Teekränzchen mit ihrer snobistischen Schwiegermutter zu bestehen. So energisch wie sie die Entlastung Nigels angeht, bezweifle ich sehr, dass sie auf ihren geliebten Beruf verzichten und sich künftig auf gepflegtes Nichtstun und Repräsentieren beschränken wird. Neben unserer sympathischen Heldin hat mir vor allem der unerschütterliche Butler imponiert, der fast immer seine Haltung bewahrt und stets für überraschende Lösungen gut ist. Godfrey ist tatsächlich ein Mann für alle Fälle. Seine Phraseologismus-Schwäche, das bedeutet, er verdreht Sprichwörter wie "Reden ist Silber, Schweigen Platin" lockert seine steife Perfektion charmant auf. Die anderen Charaktere bleiben noch etwas flach, was sich in den späteren Fällen bestimmt ändern wird. Nur die Buchhändlerin Zara Baptiste und der clevere Kater Winston stechen heraus. Danielle Weidig schreibt flüssig und versteht es hervorragend, Ravensridge und Whispering Pines vor unseren Augen entstehen zu lassen. Sehr gut ist Lydias Unbehagen in ihrer neuen Rolle nachzuvollziehen.

Der Mordfall Moretti wird dank Lydia und Godfrey logisch aufgeklärt und Nigel völlig entlastet. Die Hintergründe des Verbrechens bzw. das Tatmotiv haben mich nicht völlig überzeugt und die Identität des Mörders war mir relativ früh klar. Trotzdem hat mich der Cosy Crime gut unterhalten. Lady Lydia und Butler Godfrey sind ein echtes Dreamteam und Ermittler mit großem Potenzial. Und Kater Winston hat mal wieder bewiesen, dass Katzen schlauer sind als Menschen.

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