Eine Leiche zu viel
GNADENTODKommissaranwärter Amun Sháhier ist der neue Teamkollege des erfahrenen Kriminalhauptkommissars Robert Haller. Ihr erster gemeinsamer Fall erweist sich als bizarr. Ein überzähliger Toter wird ausgerechnet ...
Kommissaranwärter Amun Sháhier ist der neue Teamkollege des erfahrenen Kriminalhauptkommissars Robert Haller. Ihr erster gemeinsamer Fall erweist sich als bizarr. Ein überzähliger Toter wird ausgerechnet im Leichenwagen eines Bestattungsinstituts gefunden. Einbalsamiert, im Anzug, mit Blume und Heiligenbildchen drapiert. Zu Amuns großer Erleichterung stellt sich heraus, dass der Bestatter, sein bester Freund Jorge, nichts mit der mysteriösen Leiche zu schaffen hat. Bevor die Ermittlungen richtig in Gang kommen, taucht beim nächsten Bestatter ein unbekannter Toter auf und versetzt die Branche in Frankfurt und Umgebung in helle Aufregung.
„Gnadentod“ ist der zweite Krimi von Gitta Schwerberger. Wie im ersten Fall spielen neben Kommissar Robert Haller, pfiffige Vierbeiner eine wichtige Rolle bei den gleichermaßen bizarren wie unterhaltsamen Ermittlungen.
Die mysteriösen Leichenfunde stellen auch den Rechtsmediziner Ralf Danner
vor Probleme. Denn Einbalsamierung und Kühlung erschweren die Bestimmung des Todeszeitpunktes bzw. machen diese unmöglich. Die Verstorbenen haben gemein, dass sie männlich, hochbetagt, wohlhabend und schwerkrank waren. Die Kommissare finden heraus, dass die zunächst gefundenen Toten von osteuropäischen Pflegerinnen privat versorgt wurden. Diese hatten beide eine legitime Generalvollmacht. Jetzt sind die Konten der Opfer leer und die Pflegerinnen verschwunden. So weit, so verdächtig. Aber wie passen drei ermordete Kinder ins Bild?
Die Autorin schreibt flüssig und lässt immer wieder Humor aufblitzen. Weder das Lokalkolorit noch gesellschaftskritische Themen kommen bei ihr zu kurz. Schwerbergers Charaktere sind divers, mit Ecken und Kanten, so wie es mir gefällt. Hauptkommissar Haller bspw. erlebt während dieser Ermittlungen persönlich Beunruhigendes. Zwar lösen sich seine Eheprobleme bald in Wohlgefallen auf, dafür setzen ihm die Flashbacks in seine Kindheit deutlich mehr zu. Die Vierbeiner sind charmant und ihre Unterhaltungen in der zweiten Hälfte des Krimis haben mich amüsiert. Während die Dosenöffner über den unstillbaren Hunger ihrer Haustiere herziehen, bemängeln diese den quasi nicht vorhandenen Geruchssinn ihrer Menschen.
Mit vereinten Kräften gelingt es Haller und seinem Spezialteam, den kniffeligen Fall zu lösen. Dabei eröffnen sich Abgründe aus Skrupellosigkeit und Niedertracht, die den Leser einmal mehr an der Menschheit zweifeln lassen.
Bis auf zwei Punkte hat mir „Gnadentod“ gefallen. Zum einen fand ich die Reaktion des Rechtsmediziners auf drei Kinderleichen völlig daneben. Auch Schnoddrigkeit sollte gewisse Grenzen wahren. Zum anderen hätte der Roman ein deutlich besseres Lektorat verdient.
Insgesamt hat mich „Gnadentod“ gut unterhalten. Die Zusammenarbeit von menschlichen und tierischen Ermittlern hat hervorragend geklappt und überzeugt.