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Veröffentlicht am 22.08.2022

Ein Thriller der Sonderklasse

Das Stahlwerk
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In seinem Debütroman hat sich Christian Priskulla bei der Vorbereitung nicht geschont. Seine Beschreibung, unter welchen Bedingungen es in der Kriegszeit in einem Stahlwerk zugeht, welche Leute dort arbeiten, ...

In seinem Debütroman hat sich Christian Priskulla bei der Vorbereitung nicht geschont. Seine Beschreibung, unter welchen Bedingungen es in der Kriegszeit in einem Stahlwerk zugeht, welche Leute dort arbeiten, was sie antreibt, wer sogar noch dort Gewinne macht, wie man sich gegenseitig behandelt, all das unter dem Druck, bei der kleinsten Verfehlung an die Wand gestellt zu werden, ist einfach perfekt.

Häftlinge, Zwangsarbeiter, Kriegsversehrte, Pensionisten, kaum Fachleute, sie alle sollen das Werk nicht nur am Laufen halten, sie sollen die Produktion noch steigern. Und dann passieren Morde, nicht einer oder zwei, sondern viel mehr.

Der Leiter des Werkes bekommt natürlich einen gewaltigen Rüffel und muß nun vor seiner Absetzung zittern. Die Polizei ist keine große Hilfe. Da kommt ihm ein Zwangsarbeiter, der im Zivilberuf Kriminalbeamter war, gerade recht.

Jarek Kruppa hingegen weiß zuerst nicht, wie ihm geschieht. Der Leiter des Werkschutzes, Paul Schöppke wird bald zu einem guten Freund, der ihn unterstützt, wo immer es geht. Die beiden machen sich auf die Suche nach dem Mörder und nehmen den Leser mit auf eine aufregende Reise durch das Stahlwerk, man meint, dabei zu sein.

Das Cover zeigt ein eindrucksvolles Bild eines Teiles des Stahlwerkes.

Verlag: Cleverprinting

420 Seiten.

Auf der Innenseite des Covers findet man einen Plan, um sich sehr gut vorzustellen, welche Fläche das Werk benötigt, um funktionieren zu können. Als Beigabe fand ich eine Tabakkarte und Tatortfotos.

Wer sich spannende, nicht alltägliche Leseunterhaltung wünscht, sollte hier zugreifen. Das Buch ist auch als Hörbuch erhältlich.

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Veröffentlicht am 18.08.2022

Tränenauslösend

Denk ich an Kiew
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Schon lange habe ich beim Lesen nicht mehr so viele Tränen vergossen.
Zu aufwühlend ist die Thematik des Romans von Erin Litteken.
Zwei Erzählstränge verwickeln den Leser in die Geschichten zweier ...

Schon lange habe ich beim Lesen nicht mehr so viele Tränen vergossen.
Zu aufwühlend ist die Thematik des Romans von Erin Litteken.
Zwei Erzählstränge verwickeln den Leser in die Geschichten zweier Frauen.
Die eine, die ältere, Großmutter Bobby, die ihr Ende nahen fühlt und die jüngere, die Enkelin, die vor Kurzem einen großen persönlichen Verlust erlitten hat.
Bobby, eine gebürtige Ukrainerin lebt in den vererbten Traditionen und Cassie, die Enkelin soll sie nach einem Krankenhausaufenthalt betreuen.
Cassie ist eigentlich Autorin und hat immer davon geträumt, die Lebensgeschichte ihrer Großmutter als Roman zu veröffentlichen, aber diese spricht absolut nicht darüber.
Aber, es gibt ein Tagebuch, wie Cassie eines Tages herausfindet. Das Buch ist allerdings nicht in lateinischer Schrift geschrieben und Cassie kann es nicht lesen. Da tritt Nick, der Sohn einer Freundin von Bobby, der sich ebenfalls um sie kümmert, in Erscheinung. Und er beherrscht die Kunst, diese Schrift zu entziffern.
Kapitel für Kapitel erschließt sich dem Leser eine grausame und doch faszinierende Lebensgeschichte der alten Dame, die wortwörtlich zu Tränen rührt. Es ist einfach unfassbar, was diese Frau mitgemacht hat.
Und mit ihr Millionen von Ukrainern.
Die Geschichte spielt sich um 1930 in der Ukraine und um 2004 in Illinois, USA ab.
Das Cover zeigt symbolisch ein Weizenfeld in der Ukraine.


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Veröffentlicht am 18.08.2022

Besessenheit

Elternhaus
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Wow, was für eine Geschichte.
Jennifer Mentges hat mit zwei Protagonisten und völlig ohne Tatort und Kriminalpolizei ein derart spannendes Buch gezaubert, dass das Lesen zur Besessenheit wird.
Kapitel ...

Wow, was für eine Geschichte.
Jennifer Mentges hat mit zwei Protagonisten und völlig ohne Tatort und Kriminalpolizei ein derart spannendes Buch gezaubert, dass das Lesen zur Besessenheit wird.
Kapitel für Kapitel erzählt sie die Geschichte zweier Kinder, die, jetzt erwachsen, zu einem Hamburger Altbau, der recht verkommen aussieht und renoviert werden muss, eine eng verknüpfte Beziehung aufgebaut haben.
Der Pianist und Klavierlehrer Tobias Hansen ist der eine, Yvette Winkler, Gattin eines Geschäftsmannes und Mutter von vier Kindern, die zweite Person.
Und da ist auch noch Consuela Strunz, die in dem ganzen Chaos, das sich nach und nach aufbaut, die Nerven behält und handelt.
Die Geschichte ist Rückblick und Gegenwart, Hoffnung und Verzweiflung, Trauma und Heilung, man wird in einen Strudel von Gedanken und Handlungen förmlich hineingezogen.
Das Cover ist wunderschön und zeigt die hohen Fenster der Villa.

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Veröffentlicht am 11.08.2022

Flüssigstrümpfe, Ruinen und starre Haltung

Findelmädchen
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Lilly Bernsteins Roman " Findelmädchen" macht ein Fenster in eine schreckliche Zeit auf, als ein Mädchen schon alle Chancen vertan hatte, wenn es auf der Strasse einen Jungen anhimmelte.

Die Leute waren ...

Lilly Bernsteins Roman " Findelmädchen" macht ein Fenster in eine schreckliche Zeit auf, als ein Mädchen schon alle Chancen vertan hatte, wenn es auf der Strasse einen Jungen anhimmelte.

Die Leute waren natürlich vom Krieg geprägt und noch sehr verängstigt, aber ein schönes Leben war das noch lange nicht. Wobei man Unterschiede machen muß, wo man gerade lebte.

Die Stadt Köln war ja ziemlich zerstört, Stadtmenschen anscheinend auch anders gestrickt, man machte sich trotz aller Kriegsschäden gegenseitig das Leben recht schwer.

Sitte und Anstand wurden extrem hoch gehalten, hauptsächlich von der älteren Generation, die ja so erzogen worden waren.

Insgesamt malt das Buch kein schönes Bild vom damaligen Leben, aber im Großen und Ganzen trifft alles zu, wie beschrieben.

Eine interessante Lektüre ist es allemal, für die Alten eine wenn auch ungute Erinnerung, für die Jugend ein Aufruf, es vielleicht doch besser zu machen.

Die geschilderten Schicksale sind ganz sicher so vorgekommen.

Ein hübsches Cover steht wohl für das gelungene Ende.

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Veröffentlicht am 04.08.2022

Unverhofftes Wiedersehen in Venedig

Venezianisches Intermezzo
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Kriminalrat Benedikt Schönheit hat ein Problem. Sein Bruder, Monsignore Jean-Baptiste Schönheit wurde in Venedig wegen Mordverdacht inhaftiert.

Bene muß also schnellstens nach Venedig, um den Verdacht, ...

Kriminalrat Benedikt Schönheit hat ein Problem. Sein Bruder, Monsignore Jean-Baptiste Schönheit wurde in Venedig wegen Mordverdacht inhaftiert.

Bene muß also schnellstens nach Venedig, um den Verdacht, der auf seinem Bruder liegt, zu entkräften.

Alle helfen mit, der Vater, die Kirche, die Politik und natürlich sein Chef Theiss, Bene fliegt förmlich mit seiner Freundin Martina nach Venedig, wo ihm fast alle Türen offen stehen, obwohl er keinerlei Befugnisse zum Ermitteln hat.

Es dauert nicht lange, da hat sich Benedikt bereits Freunde und Wohlwollen bei der italienischen Polizei gemacht und nachdem man erkannt hat, dass er ein excellenter Ermittler ist, legt man ihm keine Steine in den Weg.

Als er auch noch eine Liebe aus der Studentenzeit trifft, Staatsanwältin Claudia Agnelli, wird es aber für ihn gefährlich, denn Claudia liebt ihn immer noch, obwohl sie verheiratet ist.

Der Fall zieht sich etwas, aber Bene findet bald schon einiges heraus, damit der Fall gelöst werden kann.

Wer einmal einen Fall mit Benedikt ´Schönheit gelesen hat, darf den siebenten Fall des Münchner Kriminalrates auf gar keinen Fall versäumen, denn da gibt es nicht nur Verbrecher in Venedig, sondern ganz tolle kleine Restaurants, die für Bene und seine Freunde ganz spezielle Gerichte auftischen.

Spannung und Gusto kann ich auf jeden Fall versprechen.

Das Cover diesmal ganz italienisch angehaucht, Boote, die auf Gondolieri warten.

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