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Veröffentlicht am 17.03.2025

Einfühlsam erzählte Geschichte auf zwei Zeitebenen mit Familiengeheimnissen, die Generationen beeinflussen und bis in die Gegenwart wirken

Die Anatomie der Einsamkeit
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Als in den Medien von einem spektakulären Leichenfund in Hamburg berichtet wird, wird auch die Journalistin Olive in London darauf aufmerksam, denn der Kompass, der bei der Leiche gefunden wurde, gleicht ...

Als in den Medien von einem spektakulären Leichenfund in Hamburg berichtet wird, wird auch die Journalistin Olive in London darauf aufmerksam, denn der Kompass, der bei der Leiche gefunden wurde, gleicht dem Kompass, den Olive von ihrer Großmutter Poppy als vorgezogenes Erbe erhalten hatte. Über die Bedeutung hatte Olive nie weiter nachgedacht und kann ihre Großmutter, die inzwischen pflegebedürftig und dement ist, nicht mehr fragen. Frustriert von ihrer beruflichen Situation, in der ihr nicht mehr als das Verfassen von Horoskopen zugetraut wird, ergreift sie die Chance für eine eigene, persönliche Story und begibt sich mit dem Fotografen Tom nach Deutschland, um mehr über die Geschichte ihrer Großmutter herauszufinden.

Zwanzig Jahre früher ist Claire in New York als Anwältin erfolgreich und hat das Angebot erhalten, Partnerin einer renommierten Kanzlei zu werden. Der Erfolg trifft sich allerdings mit privaten Tragödien - die Trennung von ihrem Lebensgefährten und der überraschende Tod ihrer Schwester Iris. Zu ihr hatte sie seit Jahren keinen Kontakt mehr und dennoch verlässt sie überstürzt New York und fährt zu der Insel, auf der Iris zurückgezogen gelebt hat. Sie weiß nicht genau, was sie dort erhofft zu finden, stößt aber schon bald auf versteckte Hinweise ihrer Schwester, während sie selbst mit der Einsamkeit zurecht kommen muss.



Nach einem dramatischen Prolog im Jahre 1950 taucht man direkt in die Geschichten von Olive und Claire in den Jahren 2000 und 2022 ein. Beide Erzählstränge sind von einer Melancholie und Einsamkeit geprägt. Olive und Claire wohnen in der Großstadt und sind trotzdem allein. Ihre Partner sind unzuverlässig, Claire hat keine Familie und Olive erträgt es nicht, zu ihrer Familie zu fahren, um ihre hilfsbedürftige Großmutter zu sehen, zu der sie so ein enges Verhältnis hatte. Beide Frauen sehen sich mit Einschnitten in ihrem Leben konfrontiert und erhalten durch die Recherchen zur Schwester bzw. Großmutter die Chance, mehr über sich selbst herauszufinden.

Die Geschichte ist einfühlsam aus wechselnden Perspektiven der beiden Hauptfiguren geschildert, wobei der Zusammenhang bis auf die Erwähnung des Kompasses im Klappentext lange nicht ersichtlich ist. Der Bezug zum dramatischen Prolog wird hingegen früher erkennbar und ist eng mit der Großmutter Olives verbunden. Zwischen den Kapiteln gibt es zudem eine Reihe an Gedichten, die in 1940er-Jahren in Dänemark und Deutschland verfasst worden sind. Die Bedeutung erschließt sich peu à peu und empfand ich als originellen Kunstgriff im Vergleich zu Tagebucheinträgen, die man so häufig in Romanen verwendet.

Die Geheimnisse, die beide Familien umgeben, der plötzliche Tod von Iris und die Vergangenheit, über die Poppy nicht sprechen konnte, erzeugen eine Grundspannung, die bis zum Ende aufrechterhalten wird. Während in Bezug auf Poppy schon aufgrund des historischen Hintergrunds zu ahnen ist, in welche Richtung etwaige Schuldfragen gehen könnten, ist die Geschichte von Iris und Claire weniger durchsichtig.

Da beide Hauptfiguren jedoch viel mit sich selbst beschäftigt sind, grübeln und auch Angst davor haben, was sie bei ihren Recherchen aufdecken könnten, ist die Geschichte ein wenig zögerlich und hat deshalb phasenweise ihre Längen. Dennoch kann man sich stets sehr gut in beide Frauen und ihre Sorgen und Sehnsüchte einfühlen.

Die Geschichte handelt von verdeckten Familiengeheimnissen, die bis in die Gegenwart wirken und nachfolgende Generationen beeinflussen sowie von Vergebung, aber auch von der Einsamkeit, die selbst Personen umgibt, die fest im Leben stehen sowie von Selbstakzeptanz und Selbstfindung. Trotz der ruhigen Erzählweise ist man gebannt, alle Geheimnisse zu entschlüsseln und zu erfahren, ob es 2022 zu einem Aufeinandertreffen der Beteiligten kommt, um die Tragik der Vergangenheit ein wenig zu kompensieren. Und auch wenn ich die Geschichte um den Kompass etwas konstruiert fand und sie mir von zu vielen Zufällen geprägt war, ist er als Symbol den richtigen Weg zu finden, treffend gewählt - für alle, die auf der Suche nach Erkenntnissen, Wahrheit oder einer neuen Richtung sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 13.03.2025

Spannendes Szenario mit einem drohenden Terroranschlag in Norwegen und einer brandaktuellen politischen Komponente in Bezug auf den Rechtsruck in Europa

Echokammer
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Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in Norwegen ist der Wahlkampf in der heißen Phase angelangt. Die stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterpartei, Christina Nielsen, hat den Polizeijurist Jens Meidell ...

Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in Norwegen ist der Wahlkampf in der heißen Phase angelangt. Die stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterpartei, Christina Nielsen, hat den Polizeijurist Jens Meidell als Berater in ihr Team geholt und hat als selbst ernannte norwegische Patriotin große Chancen auf das Amt als Ministerpräsidentin. Jens missbilligt ihren Flirt mit dem politisch rechten Rand und ihre moralisch umstrittenen Methoden im Umgang mit den sozialen Medien, steht persönlich jedoch aufgrund seiner dunklen Vergangenheit unter Druck und wird mit seinem Geheimnis erpresst.
Zur gleichen Zeit werden zwei Prepper von Terroristen entführt, die mit Anschlägen drohen. Die Polizistin Lieselott Benjamin und der Terrorexperte Martin Tong arbeiten in der Antiterroreinheit des PST zusammen und versuchen die Terroristen und ihre Unterstützer zu identifizieren und den Anschlag zu verhindern. Die Zeit ist knapp, denn die Terroristen haben ein Ultimatum gestellt, sind im Besitz von biologischen Waffen und zeigen bereits mit Gewalttaten, wie ernst die Lage ist.
Inmitten des Wahlkampfes muss der Staat mit voller Härte durchgreifen, um Schlimmeres zu verhindern und die Demokratie zu schützen.

"Echokammer" ist der Auftakt einer Thrillertrilogie um die beiden Ermittler Lieselott Benjamin und Martin Tong. Im Vergleich zu anderen Kriminalromanen spielt das Privatleben der beiden Hauptfiguren keine Rolle. Der Fokus liegt klar auf den beiden Erzählsträngen Politik und Polizeiarbeit. Ein Countdown, der die Wochen und Tage bis zu den Parlamentswahlen herunterzählt, erzeugt Spannung, ob eine Katastrophe bis dahin verhindert werden kann.

Die politische Seite ist überwiegend aus der Perspektive des politischen Beraters und Sohn einer bekannten Politikerin der Arbeiterpartei, Jens Meidell, geschildert. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt den Wahlkampf und mit welch durchaus umstrittenen, rigorosen Methoden vorgegangen wird, um die Wähler zu beeinflussen und an die Macht zu kommen.
In dem Zusammenhang wird auch der Rechtsruck des Landes offensichtlich, wie es in vielen europäischen Staaten derzeit der Fall ist. Das Szenario mutet deshalb realistisch an und zeigt auf erschreckende Weise wie paktiert wird und wie der Einfluss der sozialen Medien auf die Gesellschaft genutzt wird.

Der zweite Erzählstrang handelt von den Ermittlungen der Polizei, die den ehemaligen Nachrichtendienstler Martin Tong reaktiviert hat, um von seiner Expertise zu profitieren. Während schon bald zwei Verdächtige im Raum stehen, ist nicht bekannt, wie weit verzweigt, dass Terrornetzwerk sein könnte. Klar sind jedoch die finanziellen und politischen Forderungen, die unter dem Druck von Anschlägen mit Rizin erzwungen werden sollen. Der Staat kann und möchte sich nicht erpressbar machen, kann aber auch nicht das Risiko von unzähligen Toten durch einen Giftgasanschlag in Kauf nehmen.
Auch diese Einflussnahme von (Rechts-)terroristen, um politische Ziele zu erlangen sowie die Ermittlungen der Polizei sind authentisch dargestellt. Die Gefahr ist spürbar und es ist leicht vorstellbar, dass eine solche Situation auch in Deutschland jederzeit möglich ist.

Auch wenn die Bedrohungslage ein realistisches Szenario darstellt, empfand ich die Aufklärung nicht durchgängig plausibel. Einerseits spielte der Faktor Zufall bei der Vorhersehung der Taten eine zu große Rolle, andererseits waren mir die Schlussfolgerungen der Ermittler zu sehr aus der Luft gegriffen. Eingängiger empfand ich den schmutzigen, bitterbösen Wahlkampf, wobei die Methoden bis an die Spitze des Erträglichen getrieben werden.

"Echokammer" ist vor dem Hintergrund eines drohenden Terroranschlags und dem Wettlauf mit der Zeit spannend aufgebaut und hat durch den Wahlkampf zudem eine brandaktuelle politische Komponente. Der Thriller spiegelt in weiten Teilen die Realität wieder bzw. welches Drohszenario Terroristen aufbauen können und ist deshalb besonders beängstigend. Für einen Reihenauftakt bleiben die Hauptfiguren allerdings blass und marginal. Der Epilog verspricht eine nahtlose Fortsetzung mit einem erneuten Terrorfall.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 11.03.2025

Eine bewegende Familiengeschichte, erzählt aus der Perspektive dreier Generationen von Frauen mit eigenen Problemen

Vor hundert Sommern
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Nachdem Elisabeth Brand im Alter von 94 Jahren in ein Seniorenheim gezogen ist, räumen ihre Tochter Anja und ihre Enkelin Lena die Wohnung in Berlin aus. Dabei finden sie auch Dinge von Elisabeths Tante ...

Nachdem Elisabeth Brand im Alter von 94 Jahren in ein Seniorenheim gezogen ist, räumen ihre Tochter Anja und ihre Enkelin Lena die Wohnung in Berlin aus. Dabei finden sie auch Dinge von Elisabeths Tante Clara, die in den 1920er-Jahren als Flaschenspülerin für die Brauerei "Berliner Kindl" angefangen, später als Hundesitterin für den Brauereisohn gearbeitet, bis sie sich mit einem Hundesalon selbstständig gemacht hat.
Neugierig auf Claras Lebensgeschichte, stellt Lena ihrer körperlich gebrechlichen, aber geistig noch fitten Oma Fragen. Anfangs zögerlich erzählt Elisabeth schließlich gern von ihrer beherzten Tante, schweigt sich dabei aber über das Leben ihrer Mutter aus, die offenbar mit Clara in einen Streit geriet.
Während Anja und Lena mehr über ihre eigenen Wurzeln erfahren, ihre betagte Mutter und Großmutter aber nicht bedrängen möchten, haben sie selbst mit den Problemen der Gegenwart zu kämpfen. Anja hat ein Berufsangebot, das sie aufgrund ihrer familiären Verpflichtungen scheut, anzunehmen und Lena hat mit ihrer sozialen Phobie zu kämpfen, die ihr das Studium in Berlin erschwert, weshalb sie sich am liebsten wieder bei ihren Eltern einquartieren möchte. Zeitgleich braucht auch ihre ältere Schwester Anabel elterliche Unterstützung, die als Content Createrin erfolgreich ist, dabei aber an ihre körperlichen Grenzen kommt.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und wird in der Gegenwart im Jahr 2024 aus den Perspektiven von Anja und Lena erzählt, während die Vergangenheit hundert Jahre zuvor von Clara handelt.

Clara ist eine mutige junge Frau, die sich für ihre Mitmenschen engagiert, gegen Ungerechtigkeiten kämpft und beruflich ihren Weg geht. Sie steht zwischen zwei Männern und entscheidet sich letztlich für den bodenständigen liebenswerten, aber auch beeinflussbaren Willy und gegen den aufregenden Revoluzzer Aleksei.
Lena ist frisch an der Universität in Berlin und hat das Gefühl, nicht richtig dazu zu gehören. Halt gibt ihr ein Findelhund, der zu ihrem treuen Gefährten wird.
Anja steht vor der Entscheidung, erneut für die Familie beruflich zurückstecken zu müssen. Obwohl ihre Töchter erwachsen sind, sieht sie sich in der Pflicht und hat zudem ein schlechtes Gewissen ihrer Mutter gegenüber, die sie nicht zu Hause pflegt.

Auch wenn die Erzählebenen 100 Jahre trennen, gibt es Parallelen. Während in der Vergangenheit die Nationalsozialisten erstarken und im Jahr 1933 die Macht ergreifen, ist auch 2024 der Antisemitismus in Deutschland gegenwärtig. Zudem wirkt Lena inspiriert von dem Lebensweg ihrer Großtante.

Der Roman handelt von der zögerlichen Aufarbeitung der Familiengeschichte, wobei durch das unaufhörliche Schweigen lange hinausgezögert wird, worin das Familiengeheimnis liegt.
Während man über die schmerzhaften Erinnerungen spekuliert, taucht man in den Alltag der drei Frauen ein, der lebendig geschildert ist.
Die Frauen stehen vor verschiedenen Herausforderungen, haben mit Selbstzweifeln und Einsamkeit, aber auch mit herrschenden Strukturen zu kämpfen. Zivilcourage, Freundschaft und Frauensolidarität und selbstbewusst den eigenen Weg zu gehen, sind in Gegenwart und Vergangenheit wesentliche Punkte, die Mut machen.

Die Geschichte ist mit Liebe zum Detail erzählt, das beharrliche Schweigen und die Leugnung eines wesentlichen Teils der Familiengeschichte wollte mir jedoch nicht so recht einleuchten und ließ das vererbte Trauma dramaturgisch erzwungen aussehen.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Spannende und emotionale Geschichte um Liebe, Obsession und Intrigen im glamourösen Spitzensport des Eistanzes - Olympisches Gold um jeden Preis?

The Favourites
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Katarina Shaw stammt aus einfachen Verhältnissen und hat von klein auf davon geträumt, Eistänzerin zu werden. Mit Heath Rocha, der als Pflegekind von einer Familie in die nächsten geschoben wurde, findet ...

Katarina Shaw stammt aus einfachen Verhältnissen und hat von klein auf davon geträumt, Eistänzerin zu werden. Mit Heath Rocha, der als Pflegekind von einer Familie in die nächsten geschoben wurde, findet sie einen Partner auf dem Eis und ihren besten Freund und Seelenverwandten. Nach dem Tod ihres Vaters wird der Wunsch größer, dem Zuhause zu entfliehen und so klammern sich Kat und Heath als Ausweg an den Eistanz und aneinander. Sie werden zu einem Liebespaar und mit hartem Training zu einem meisterhaften Eistanzpaar. Unter strenger Anleitung entwickeln sie sich weiter und werden zu Medaillenfavoriten. Doch Gefühle haben auf dem Eis und den Profimeisterschaften keinen Platz und werden dem Paar mehrfach zum Verhängnis und macht es zu einem schillernden Promipaar, das für Schlagzeilen sorgt. Erfolg und Niederlage, Liebe und Hass liegen dicht bei einander.
Noch Jahre später wird der dramatische Aufstieg und Fall des Paares von Insidern medienwirksam diskutiert.

Der Roman wird aus der Sicht von Kat, beginnend von ihrer Kindheit, erzählt und erstreckt sich über mehrere Jahre. Unterbrochen wird ihre eigene Geschichte durch Interviewfragmente von Konkurrenten, Juroren und Weggefährten, die Jahre später die Geschichte um das vielversprechende Eistanzpaar und ihre Partner rückblickend analysieren.
Während die Unterbrechungen der Geschichte zu Beginn etwas störend sind, heizen sie die weitere Erzählung sensationshungrig an, indem sie Andeutungen machen und vereinzelte Details vorwegnehmen, die die Dramatik und den Skandal einer Karriere erahnen lassen.

Unabhängig davon, ob man sich für den Eissport interessiert, ist die Geschichte mitreißend und packend. Die Leidenschaft für den Sport, die Anstrengung des Trainings, der Druck zu performen und das perfekte Bild nach außen abzugeben, ist anschaulich dargestellt. Gleichzeitig ist neben der tatsächlichen Obsession für den Eistanz spürbar, welches Geschäft dahinter steckt und dass es in erster Linie darum geht, zu funktionieren, wenn man Erfolg haben möchte. Der Ehrgeiz ist riesig, aber gleichzeitig auch der Konkurrenzdruck und die Eifersucht.
Sowohl Kat und Heath, für die der Erfolg im Eistanz einen Start in ein neues Leben bildete, als auch für das Zwillingspaar Bella und Garrett Lin, die aus dem Schatten ihrer erfolgreichen Mutter heraustanzen müssen, ist der Eistanz alles und die Gefühle, die ihnen dazwischen funken, werden einerseits zu einem Aufputschmittel, andererseits aber auch zum Auslöser ihrer schwersten Niederlagen.

Die Charaktere sind vielschichtig gezeichnet und machen im Verlauf der Jahre, die man die Figuren begleitet, einen authentischen Reifeprozess durch. Keiner der vier Hauptfiguren ist perfekt, jede hat ihr Geheimnis oder verfolgt eine persönliche Agenda, was die Geschichte unvorhersehbar macht und ihr immer wieder neue Impulse gibt.
Wenn das Privatleben die sportliche Ereignisse in den Schatten stellt, wird das Interesse der Medien geweckt. Die Gerüchteküche in der Öffentlichkeit brodelt, was auch gewollt ist, um die Leidenschaft auf dem Eis zu transportieren, ungewollt jedoch in einem Enthüllungsbericht gipfelt, der fatale Folgen hat.

Die Mischung aus Hochleistungssport, Training bis zur Erschöpfung, körperlichen Schmerzen, die Obsession und der Hunger nach Erfolg zusammen mit den leidenschaftlichen Gefühlen, der Liebe, Eifersucht und Manipulation, die die Protagonisten antreibt, bildet eine abwechslungsreiche und fesselnde Geschichte voller Spannung und Emotionen.
Der Eistanz stellt dabei einen glamourösen Rahmen dar, während der Roman allgemeine Themenkomplexe aufgreift, mit denen sich jeder identifizieren kann. Er handelt von der Leidenschaft für eine Sache und die Opfer, die man bereit ist, dafür zu bringen sowie davon, an seine Träume zu glauben und sie zu leben. Am Ende stellt sich für jeden die Frage, welche Prioritäten zu setzen sind und ob der Zweck die Mittel heiligt.

  • Einzelne Kategorien
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2025

Lebendige und einfühlsame Geschichte über Verlust, Reue und das Glück der zweiten Chance

Luzie in den Wolken
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Der Bestsellerautor Gabriel Bach leidet sowohl unter einer Sinnkrise als auch einer Schreibblockade und steht unter dem Druck des Verlages, einen neuen Liebesroman zu veröffentlichen. Als er einen roten ...

Der Bestsellerautor Gabriel Bach leidet sowohl unter einer Sinnkrise als auch einer Schreibblockade und steht unter dem Druck des Verlages, einen neuen Liebesroman zu veröffentlichen. Als er einen roten Ballon mit einer Postkarte findet, auf der eine Luzie ihren Herzenswunsch, dem nach einem neuen Vater, geschrieben hat, erhält Gabriel die erhoffte Inspiration für sein neues Buch. Emotional berührt von der traurigen Karte, sorgt Gabriel zunächst dafür, dass Luzie den Wettbewerb mit der am weitesten entfernten Postkarte gewinnt und nimmt für die Recherche seines Buches sukzessive mehr Raum im Leben von Luzie und ihrer Mutter Miriam ein, verstrickt sich dabei immer tiefer in ein Lügenkonstrukt, um seine Identität zu verbergen.

"Luzie in den Wolken" wird abwechselnd aus der Perspektive von Gabriel und Miriam erzählt und handelt im Kern im Zeitraum von drei Monaten von September bis Dezember. Gabriel schleicht sich als Buchhalter Ben in Miriams Leben, um mehr Input für sein Buch zu erhalten. Dabei geht er jedoch nicht nur eigennützig vor, sondern freundet sich mit der alleinerziehenden Mutter an, die Inhaberin eines Second Hand-Ladens in roten Zahlen ist. Miriam mag den sympathischen Buchhalter, der nicht nur einen Raum bei ihr anmietet und sie bereitwillig in ihrem Laden vertritt, sondern sich auch ihre siebenjährige Tochter gut mit Ben versteht.

Die dialoglastige Geschichte mit zahlreichen Alltagsszenen aus dem Second Hand-Laden und dem Leben mit einem kleinen Kind sind lebendig und unterhaltsam geschildert. Die beiden Hauptfiguren Gabriel und Miriam sind authentisch dargestellt und mit ihren Empfindungen leicht vorstellbar. Die siebenjährige aufgeweckte Luzie und Miriams beste Freundin, die Astrologie begeisterte und loyale Becka, bereichern den Plot.

Trauer und Depression sind eingangs dominant, jedoch im Verlauf der Geschichte schnell vergessen oder nicht vordergründig. Der Roman ist vielmehr optimistisch, hoffnungsvoll und warmherzig, auch wenn im Hintergrund Gabriels Lügengerüst schwelt.

Trotz der abwechslungsreichen und lebendigen Darstellung ist die Geschichte vorhersehbar und bietet im Hinblick auf das Grundgerüst aus Liebe und Lüge wenig Überraschendes. Auch ist das Engagement Gabriels überzogen, mit großem Aufwand und finanziellem Einsatz verbunden und in der Intensität gar nicht nötig, um Platz in Miriams Leben zu erhalten. So verliert die Geschichte an Glaubhaftigkeit und bleibt in Bezug auf die ernsten Themen eher zurückhaltend. Gerade Gabriels familiärer Hintergrund oder auch Miriams Erinnerungen an ihren Mann hätten dem Roman in einer ausführlicheren Darstellung mehr Emotionen und Tiefe verliehen. Am Ende geht es mit einem Zeitsprung in März und September des Folgejahres im Vergleich zur sehr detaillierten Erzählweise zuvor recht schnell, um die Geschichte zu einem Ende zu bringen. Alle Probleme sind letztlich wie von Zauberhand gelöst.

So ist "Luzie in den Wolken" ein unterhaltsamer Wohlfühlroman über Freundschaft, Liebe und Familie, aber auch Verlust und Reue, der weniger berührend ist, als erwartet. Die Geschichte ist lebendig und einfühlsam, mit besonders liebevoll gezeichneten Figuren (es gibt sogar ein Wiedersehen mit Charakteren aus "Dein perfektes Jahr"), aber am Ende doch etwas sehr märchenhaft.
Der Bestsellerautor Gabriel Bach leidet sowohl unter einer Sinnkrise als auch einer Schreibblockade und steht unter dem Druck des Verlages, einen neuen Liebesroman zu veröffentlichen. Als er einen roten Ballon mit einer Postkarte findet, auf der eine Luzie ihren Herzenswunsch, dem nach einem neuen Vater, geschrieben hat, erhält Gabriel die erhoffte Inspiration für sein neues Buch. Emotional berührt von der traurigen Karte, sorgt Gabriel zunächst dafür, dass Luzie den Wettbewerb mit der am weitesten entfernten Postkarte gewinnt und nimmt für die Recherche seines Buches sukzessive mehr Raum im Leben von Luzie und ihrer Mutter Miriam ein, verstrickt sich dabei immer tiefer in ein Lügenkonstrukt, um seine Identität zu verbergen.

"Luzie in den Wolken" wird abwechselnd aus der Perspektive von Gabriel und Miriam erzählt und handelt im Kern im Zeitraum von drei Monaten von September bis Dezember. Gabriel schleicht sich als Buchhalter Ben in Miriams Leben, um mehr Input für sein Buch zu erhalten. Dabei geht er jedoch nicht nur eigennützig vor, sondern freundet sich mit der alleinerziehenden Mutter an, die Inhaberin eines Second Hand-Ladens in roten Zahlen ist. Miriam mag den sympathischen Buchhalter, der nicht nur einen Raum bei ihr anmietet und sie bereitwillig in ihrem Laden vertritt, sondern sich auch ihre siebenjährige Tochter gut mit Ben versteht.

Die dialoglastige Geschichte mit zahlreichen Alltagsszenen aus dem Second Hand-Laden und dem Leben mit einem kleinen Kind sind lebendig und unterhaltsam geschildert. Die beiden Hauptfiguren Gabriel und Miriam sind authentisch dargestellt und mit ihren Empfindungen leicht vorstellbar. Die siebenjährige aufgeweckte Luzie und Miriams beste Freundin, die Astrologie begeisterte und loyale Becka, bereichern den Plot.

Trauer und Depression sind eingangs dominant, jedoch im Verlauf der Geschichte schnell vergessen oder nicht vordergründig. Der Roman ist vielmehr optimistisch, hoffnungsvoll und warmherzig, auch wenn im Hintergrund Gabriels Lügengerüst schwelt.

Trotz der abwechslungsreichen und lebendigen Darstellung ist die Geschichte vorhersehbar und bietet im Hinblick auf das Grundgerüst aus Liebe und Lüge wenig Überraschendes. Auch ist das Engagement Gabriels überzogen, mit großem Aufwand und finanziellem Einsatz verbunden und in der Intensität gar nicht nötig, um Platz in Miriams Leben zu erhalten. So verliert die Geschichte an Glaubhaftigkeit und bleibt in Bezug auf die ernsten Themen eher zurückhaltend. Gerade Gabriels familiärer Hintergrund oder auch Miriams Erinnerungen an ihren Mann hätten dem Roman in einer ausführlicheren Darstellung mehr Emotionen und Tiefe verliehen. Am Ende geht es mit einem Zeitsprung in März und September des Folgejahres im Vergleich zur sehr detaillierten Erzählweise zuvor recht schnell, um die Geschichte zu einem Ende zu bringen. Alle Probleme sind letztlich wie von Zauberhand gelöst.

So ist "Luzie in den Wolken" ein unterhaltsamer Wohlfühlroman über Freundschaft, Liebe und Familie, aber auch Verlust und Reue, der weniger berührend ist, als erwartet. Die Geschichte ist lebendig und einfühlsam, mit besonders liebevoll gezeichneten Figuren (es gibt sogar ein Wiedersehen mit Charakteren aus "Dein perfektes Jahr"), aber am Ende doch etwas sehr märchenhaft.

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