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Veröffentlicht am 23.12.2017

Island-Thriller mit Charakterstudien

DNA
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Der Thriller beginnt mit einem ergreifenden Prolog, in dem die Trennung von Geschwistern im Jahr 1987 gezeigt wird.
Dann beginnt die Überfallhandlung, bei der die kleine Margrét anwesend ist, als ein gewaltätiger ...

Der Thriller beginnt mit einem ergreifenden Prolog, in dem die Trennung von Geschwistern im Jahr 1987 gezeigt wird.
Dann beginnt die Überfallhandlung, bei der die kleine Margrét anwesend ist, als ein gewaltätiger Mann ihre Mutter grausam ermordet.


Dieser Thriller wird durch den angenehmen Schreibstil zu einem Lesegenuss. Man ist sofort in der Handlung gefangen und versucht die Mordfälle mit dem Prolog in Verbindung zu bringen.


Die Autorin spielt mit häufigen Perspektivwechseln und baut so die verschiedenen Vorgänge und Sichtweisen zu einem Ganzen zusammen.
Sie benutzt Mordmethoden, die in ihrer Art wirklich außerordentlich grausam sind, aber nur ansatzweise beschrieben werden. Die Beschreibungen empfinde ich als erträglich, das Meiste spielt sich dann allerdings in der eigenen gedanklichen Vorstellung ab.

Huldar und Freyja treffen aufeinander und kennen sich von einer gemeinsam verbrachten Nacht. Doch Freyja kennt Huldar nur unter falschem Namen. Für eine Zusammenarbeit nicht gerade gute Voraussetzungen, aber für eine Krimireihe bietet sich viel Entwicklungspotenzial.


Huldar leitet die Ermittlungen und Freyja hat als Psychologin die Aufgabe, die Befragung von Margrét durchzuführen. Sie geht sensibel auf das Kind ein und erhält nach und nach wichtige Informationen über den Täter. Freyja ist mir durchweg sympathisch, was ich von Huldar nicht sagen kann. Er wirkt auf mich ständig müde und macht Fehler und ist ohne Gewissensbisse hinter vielen Frauen her, achtet dabei nicht mal die Frauen von Kollegen. Ein echter Unsympath, der sich erst noch seine Lorbeeren verdienen muss.

Bei den Ermittlungen laufen die Spuren ins Leere. Etliche Personen geraten in den Kreis der Verdächtigen und die gefunkten Zahlencodes bringen dem Leser nicht die gewünschten Informationen. Hier gibt es einige Längen, auch das Umfeld der Personen wird mir zu ausführlich behandelt.

Der Titel und die drei getrennten Geschwister haben mir dann Anhaltspunkte zum Täter gegeben, ich ahnte die Zusammenhänge, konnte ihn jedoch nicht namentlich benennen. Das ist eine besondere Finte der Autorin und machte für mich den eigentlichen Spannungsmoment aus.

Die Autorin beweist in diesem Buch bei ihren Charakterdarstellungen eine einfühlsame Menschenkenntnis. Das zeigt sich besonders in der Ansicht der kleinen Margrét. Aber auch die anderen Personen sind lebensnah gezeichnet.



Letztendlich hat mir bei diesem Thrillerauftakt die Idee hinter der Handlung und der ansprechende Schreibstil gut gefallen, obwohl mir wie gesagt zwischendurch die Hochspannung fehlte.

Veröffentlicht am 20.12.2017

Eine berührende Geschichte über die Liebe im Alter

Und jetzt lass uns tanzen
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Marguerite Delorme ist 78 Jahre alt, als ihr Mann Henri nach langer Ehe stirbt. Ihre Beziehung war stets höflich, aber nicht von Liebe geprägt. Es gab keinen Streit, Henri regelte ihr gemeinsames Leben ...

Marguerite Delorme ist 78 Jahre alt, als ihr Mann Henri nach langer Ehe stirbt. Ihre Beziehung war stets höflich, aber nicht von Liebe geprägt. Es gab keinen Streit, Henri regelte ihr gemeinsames Leben und entschied auch die Urlaubsziele. Nach seinem Tod fühlt sich Marguerite haltlos und aufgelöst, alt und überflüssig. Doch dann beschliesst sie, eine Thermalkur in den Bergen zu machen und ihr Leben nimmt noch einmal eine große Wendung.

Der 73-jährige Marcel Guedj ist Algerienfranzose und fast 50 Jahre lang glücklich mit seiner Kindheitsliebe Nora. Als Nora verstirbt fühlt sich Marcel einsam. Seine Tochter meldet ihn zu einer Kur an. Dort lernen sich Marguerite und Marcel kennen und entdecken, dass sie über die gleichen Dinge lachen können.

"Sie schert sich nicht mehr um Geschwätz und Konventionen, etwas anderes hat die Oberhand gewonnen. All die übermütigen Luftbläschen, die Henri jahrelang nicht an die Oberfläche kommen ließ, blubbern nun nach oben, in die Freiheit." Zitat Seite 136


Dieser Roman hat mich sehr berührt und dadurch in einen Lesesog versetzt. Mir wurde bewusst, wie auch im Alter der Wunsch nach Liebe und Glück das Leben bestimmen kann. Die Protagonisten hätten sich als junge Menschen nie ineinander verliebt, aber die Einsamkeit und ihre Lebenslust haben es im Alter möglich gemacht.


Karine Lambert verarbeitet in ihrem Roman die Thematik der späten Liebe, weil sie es von einer Bekannten selbst so erfahren hat.


Ihre Protagonisten werden gut charakterisiert, man erlebt die bisherigen Lebensläufe und kann sich ein authentisch wirkendes Bild von Marguerite und Marcel machen. Sie lebte ein kultiviertes, wohlhabendes Leben ohne Liebe und war nur das Anhängsel ihres Mannes. Marcel war arm und musste sich seinen Platz im Leben suchen und fand doch die große Liebe. Nachdem beide Hauptfiguren verwitwet sind, entdecken sie trotz ihrer Unterschiede Gefühle füreinander.


Ihre ersten Begegnungen wirken unsicher, sie haben Bedenken wegen ihres Alters, doch sie sind sich schnell sehr nahe. Diese Szenen hat die Autorin mit wunderbarer Leichtigkeit beschrieben, dessen Romantik man sich nicht entziehen kann. Gleichzeitig sieht Marguerites Sohn Probleme, er möchte seine Mutter behüten, aber damit auch bevormunden. Genauso hat es sein Vater getan. Es braucht eine Zeit bis er versteht, dass auch seine Mutter Freiräume braucht und ihr Leben endlich selbstbestimmt leben möchte.


Eine wunderschöne, berührende Liebesgeschichte, die zeigt, dass man die Hoffnung auf Glück auch im Alter nie ganz aufgeben darf.

Veröffentlicht am 19.12.2017

Schwedische Millieustudie mit Krimianteilen

Der Fall Kallmann
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In einer schwedischen Kleinstadt: Eugen Kallmann war ein beliebter Lehrer, als er stirbt, wirft sein Tod einige Fragen auf. Die Polizei macht es als Unfall fest. Als Leon Berger Kallmanns Nachfolge im ...

In einer schwedischen Kleinstadt: Eugen Kallmann war ein beliebter Lehrer, als er stirbt, wirft sein Tod einige Fragen auf. Die Polizei macht es als Unfall fest. Als Leon Berger Kallmanns Nachfolge im Schwedischunterricht antritt, findet er dessen Tagebücher. Er liest sie und kann sich daraus keinen Reim machen, denn Kallmann spricht in Rätseln. Er behauptet sogar, einem ungesühnten Verbrechen auf der Spur gewesen zu sein. War das eventuell ein Motiv für seinen eigenen Todesfall? Leon Bergers Interesse ist geweckt und mit zwei Kollegen versucht er das Rätsel zu lösen.


Der Aufhänger dieses Romans ist die Person Eugen Kallmann, einem eigenbrötlerischen Lehrer, der sich für Kriminalfälle interessiert und behauptet, er könne es einem Menschen ansehen, ob er einen Mord begangen hat. Sein Nachfolger Leon Berger versucht, sich aus Kallmanns Tagebüchern und Befragungen ein genaues Bild von Tod seines Vorgängers zu machen.


In diesem Roman erfährt der Leser aus unterschiedlichen Ich-Perspektiven die gesamte Geschichte, es sind der Lehrer Leon, Ludmilla, Igor und Schülerin Andrea. Die Kapitel erscheinen wie Tagebuchseiten der Personen, sie sind zeitlich strukturiert und daher kann man sie auch gut zuordnen. Man bekommt einen tiefen Einblick in die Figuren und erfährt von ihren inneren Konflikten und kann dadurch die verschieden angelegten Charaktere gut einschätzen.

Wie allerdings der Fall Kallmann mit den Personen zusammenhängt, kristallisiert sich erst allmählich wie bei einem Puzzle heraus.
Håkan Nessers Schreibstil ist flüssig zu lesen, erscheint in einem ruhigen Tonfall und leicht melancholisch. Dabei gelingt es ihm, die Charaktere lebendig und unverwechselbar mit verschiedenen Stimmen reden zu lassen und das macht den eigentlichen Reiz des Romans aus. Der Krimifall tritt nicht in den Vordergrund, es geht mehr um die Figuren, ihnen wird viel Raum gegeben und dadurch bleibt die Ermittlungsarbeit und Spannung mehr oder weniger auf der Strecke. Es ist dennoch interessant, wie sich die Fäden bis zum Ende zusammenfügen und eine schlüssige Lösung präsentiert wird. Man benötigt dafür allerdings einen langen Leseatem.

Wie es bei skandinavischen Autoren häufig der Fall ist, hat auch Nesser als Grundlage seines Romans den Blick auf die gesellschaftspolitische Ebene gelenkt. Damit ergibt sich auch die Erklärung, warum wir hier von einem Roman ausgehen müssen, auch wenn ein Mordfall zur Aufklärung kommen soll.


Diesen Roman empfehle ich den Fans des Autors, aber auch literarisch interessierten Lesern, die einen zwar ruhig, aber brillant erzählten Roman zu schätzen wissen.

Veröffentlicht am 18.12.2017

Zauberhafte Lovestory gegen den Winterblues

Weihnachten in Briar Creek
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"Weihnachten in Briar Creek" ist der fünfte Teil der Briar-Creek-Buchreihe von Olivia Miles und gleichzeitig der Abschluss. Die Reihe erscheint im LYX Verlag.



In der idyllischen Kleinstadt Briar Creek ...

"Weihnachten in Briar Creek" ist der fünfte Teil der Briar-Creek-Buchreihe von Olivia Miles und gleichzeitig der Abschluss. Die Reihe erscheint im LYX Verlag.



In der idyllischen Kleinstadt Briar Creek geht es noch beschaulich zu und man kennt sich untereinander. Wie jedes Jahr sorgt der alljährliche Dekowettbewerb für Aufregung. Dieses Mal möchte Kara Hastings ebenfalls mitmachen, denn finanziell steht ihre kleine Bäckerei nicht gerade rosig dar. Der Großstädter Nate Griffin besucht seine Tante Molly, auch wenn ihm Weihnachten eher zuwider ist. Dass er sie beim Wettbewerb unterstützt, sorgt bei Kara nicht nur für sportliche Herausforderung, sondern auch für Herzrasen, denn er ist trotz seiner arroganten Art ein gutaussehender junger Mann.

Dieser Teil der Buchreihe liest sich wundervoll romantisch und man taucht sofort in die idyllische weihnachtliche Atmosphäre des kleinen Städtchen ein. Hier wird Weihnachten ganz groß gelebt, mit schönen Dekorationen, gemütlichen Treffen bei Scones, Tee und Kerzenschein und mit jeder Menge Cookies aus der Bäckerei von Kara Hastings.
Auch wenn man das Ende vorhersehen kann, lässt man sich gern durch die Handlung treiben und genießt die gemütliche Weihnachtsstimmung, die allgegenwärtigen Backwaren und die vielfältigen Dorfbewohner und Besucher. Hier macht sich eine heimelige Stimmung breit, der man sich kaum entziehen kann. Auch wenn ich gar nicht so gern Cookies mag, so habe ich doch ständig die Schneeflockencookies mit ihren traumhaften Verzierungen vor Augen gehabt und dabei den Wunsch verspürt, selbst Weihnachtsgebäck herzustellen.

Tante Molly genießt den Besuch ihres Neffen Nate und spannt ihn schnell in den Dekowettbewerb ein, der diesjährige Sieg würde ihr viel bedeuten. Nate ist gar kein arroganter Schnösel, sondern eher ein hilfbereiter junger Mann und so legt er in der kleinen Pension von Molly bei der Deko Hand an.

Der Schreibstil ist schön zu lesen und man sieht die bunten Verzierungen und blitzenden Lichterketten bildhaft vor Augen und hat fast den Duft der leckeren Cookies in der Nase. Auch die detaillierten Beschreibungen der geschmückten Häuser, Wohnungseinrichtungen und der Figuren mochte ich gern, etwas mehr charakterliche Tiefe hätte den Personen jedoch gut getan und das wäre für mich das I-Tüpfelchen gewesen.

Gut gefallen hat mir, dass sich beide, Kara und Nate, für ihre Ideen ins Zeug legen. Die beiden Protagonisten fühlen sich zueinander hingezogen, aber beide sehen keine Zukunft für eine gemeinsame Beziehung, denn ihre Lebensmittelpunkte sind örtlich einfach zu weit voneinander entfernt. Das steigert die Spannung und die Hoffnung auf ein glückliches Ende.


Ich wurde gut und sehr stimmungsvoll unterhalten, man darf keine tiefschürfende Handlung erwarten, aber einen Roman, der mit dem weihnachtlich, romantischen Rahmen einfach für Wohlbefinden sorgt. Das richtige Buch für verschneite Winterabende zum lockeren Entspannen.

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Veröffentlicht am 14.12.2017

Lebendig und voller Menschlichkeit

Lied der Weite
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Victoria ist siebzehn und schwanger und wird von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Da überredet ihre Lehrerin Maggie die Brüder McPheron, zwei alte Viehzüchter, das Mädchen bei sich aufzunehmen. Ein erst ...

Victoria ist siebzehn und schwanger und wird von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Da überredet ihre Lehrerin Maggie die Brüder McPheron, zwei alte Viehzüchter, das Mädchen bei sich aufzunehmen. Ein erst widerwilliger Akt der Güte, der das Leben von sieben Menschen in der Kleinstadt Holt in Colorado umkrempelt und verwandelt.


In diesem Roman wirft Kent Haruf wie ein stiller Beobachter den Blick auf seine Charaktere und beschreibt Gefühle und Lebensereignisse in einem einfachen Sprachstil und in seiner ruhigen Art, aber dafür mit treffender Tiefe. Mich hat die Geschichte mitgenommen in die Kleinstadt mit ihrer rauen Wirklichkeit der Bewohner und die menschlichen Schicksalen haben mich sehr ergriffen.


Haruf zeigt wie die junge, schwangere Victoria von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt wird und bei den alten McPheron Brüdern aufgenommen wird. Anfangs gibt es noch gegenseitigen Argwohn, aber schon bald wandelt sich das in gegenseitige Fürsorge. Victoria ist den alten Viehzüchtern für ihre Liebenswürdigkeit dankbar ist und erkennt sie als ihre neue Familie an. Gleichzeitig bringt sie den alten McPheron Brüdern Leben und Hoffnung ins Haus. Es ist eine Win-win-Situation, denn sie helfen sich gegenseitig und überwinden gemeinsam ihre einzelnen Sorgen und Ängste und auch die anklagenden Vorurteile der Kleinstadtbewohner.

Ebenso schwierig ist die Kindheit der Brüder Ike und Bobby Guthrie, die allein mit Ihrem Vater auf einer Farm leben und von ihrer Mutter verlassen wurden. Auch hier gefallen mir die wunderbar anrührend ausgearbeiteten Charaktere und man kann sie einfach nur gern haben.



Diese anrührende, menschliche Betrachtung passt wunderbar zu dem ruhigen Erzählton. Haruf gelingen damit tiefe Einblicke in menschliche Schicksale ohne anklagend zu werden.



Ich mag die Bücher von Kent Haruf und bin immer wieder fasziniert von seiner Erzählweise. Er vermag es, den Charakteren sehr nahe zu kommen und ihnen in seinen Büchern Leben einzuhauchen. Leider ist der Autor inzwischen verstorben, aber vielleicht gibt es noch unveröffentlichte Bücher, die neu verlegt werden. Ich hoffe es zumindest!