Wissenschaftlich fundiert und lehrreich, anfangs neurolinguistisch/fachsprachlich dominiert, dann erfreulicherweise unterhaltsamer!
Ich rede, also bin ichDie Kohärenz von Somatosensorik, Sulcus interparietalis, Utilitarismus etc. pp. oder die Kraft von 100 Billionen Synapsen!
In ihrem Buch „Ich rede, also bin ich“ verspricht Julia Mailänder, 42 Geheimnissen ...
Die Kohärenz von Somatosensorik, Sulcus interparietalis, Utilitarismus etc. pp. oder die Kraft von 100 Billionen Synapsen!
In ihrem Buch „Ich rede, also bin ich“ verspricht Julia Mailänder, 42 Geheimnissen der Sprache auf den Grund zu gehen und sie bei dieser literarischen Reise durch unser Sprachuniversum, sprich durch unser Gehirn, auf unterhaltsame Weise für uns Leserinnen und Leser verständlich zu machen.
Die Autorin nimmt uns mit in ihre Welt der Sprache, präsentiert informative und wissenschaftlich fundierte Fakten sowie zahlreiche neurolinguistische Details.
Besonders dann, wenn diese Fakten und Daten anhand interessanter Beobachtungen und lebensnaher Beispielsituationen erläutert und somit verständlich entschlüsselt werden, wird die Lektüre unterhaltsam.
In kurzen Kapiteln, die stets mit einem als Frage formulierten Titel und drei wichtigen Gesichtspunkten zu dem jeweils gewählten Thema beginnen, entführt die Neurolinguistin in einem sehr angenehmen Schreibstil in die Welt des Gehirns und der Gedanken, in Denkweisen und Dialektik, reist in die Sphären der Neurolinguistik und gelangt über die Geschichte der Neandertaler und anderer Völker hin zur Kommunikation und, ja, auch zur KI, dabei stets diverse Aspekte der Sprache im Allgemeinen und im Besonderen beleuchtend.
Von der Entstehung und Verbreitung der Sprache sowie von der Sprachentwicklung unseres Nachwuchses zu lesen, die möglichen Einflüsse auf die Gesellschaft zu erkennen und die Macht zu entdecken, die von Sprache und Sprachen ausgehen kann, ist wirklich faszinierend.
Zusätzlich zu den sehr umfangreichen Quellenangaben am Ende des Buches, die es Interessierten ermöglichen, tiefer und gezielter in das Thema respektive diverse Unterthemen einzutauchen, hätte ich mir allerdings ein Fremdwörter-Glossar gewünscht, denn wenn man keine Neurowissenschaften der Sprache studiert hat, erscheinen manche Termini selbst einem wissenschaftlich interessierten und mehrsprachigen Leser fremd und erklärungsbedürftig.
Das mag sich nun alles recht nüchtern lesen, ist aber, wenn man das Buch häppchenweise genießt und sich peu à peu durch die wissenschaftlichen Passagen durcharbeitet, schlussendlich lehrreich und trotzdem zunehmend unterhaltsam.
Bei so manchem nun folgenden Gespräch werde ich wohl genauer auf Mimik, Gestik und Wortwahl achten, werde Sprache und Gesprochenes mit anderen Augen sehen, sprich mit anderen Ohren hören , wissend, dass mich entgegen der These des Buches, Füllwörter seien hilfreich, eben diese - zudem von gefühlt immer mehr Menschen inflationär genutzte - Einschübe wie „äh“, „ähm“ und „genau“ auch weiterhin stören werden.
Dieses Buch werde ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wiederholt zur Hand nehmen, um das eine oder andere nachzulesen, denn auch aufgrund der durchdachten Auf- und Einteilung kann man es gut als Nachschlagewerk nutzen.