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Veröffentlicht am 13.01.2026

Ein informatives Büchlein über die Geschichte des Weimarer Residenzschlosses

Das Weimarer Residenzschloß
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“Das Weimarer Residenzschloss” ist ein von Annette Seemann verfasstes Sachbuch, das in der Insel-Bücherei erschienen ist. Hier zeichnet Seemann die Baugeschichte des Schlossgebäudes nach. Oder besser gesagt: ...

“Das Weimarer Residenzschloss” ist ein von Annette Seemann verfasstes Sachbuch, das in der Insel-Bücherei erschienen ist. Hier zeichnet Seemann die Baugeschichte des Schlossgebäudes nach. Oder besser gesagt: der Schlossgebäude. Denn mehrfach kam es zu Bränden im Schloss, sodass es neu aufgebaut werden musste. So kommt Seemann auf den mittelalterlichen Adelssitz, dessen Gestalt weitgehend im Dunkeln liegt, über die folgende Wasserburg und Burg Hornstein von 1439 (von dem sich noch die “Bastille” erhalten hat) auf die barocke Wilhelmsburg und den klassizistischen Umbau dieser zu sprechen. Neben der Baugeschichte spielt in “Das Weimarer Residenzschloss” außerdem die Geschichte der jeweils residierenden Fürsten (und deren Getreuen) eine große Rolle, wobei für mich insbesondere die Episoden aus dem 18. und 19. Jahrhundert interessant zu lesen waren. So schildert Seemann anschaulich die Festivitäten um den 30. Geburtstag von Herzogin Anna Amalia, Goethes Anregungen zur Neugestaltung des Schlossgebäudes (für die er Anregungen bei der italienischen Reise sammelte) sowie die Ausstellung der Mitgift von Maria Pawlowna. Immer wieder wurde das Weimarer Residenzschloss aber auch Ort kultureller Ereignisse mit Strahlwirkung, was Seemann ebenfalls bildhaft beschreibt: Die Gründung der “Fruchtbringenden Gesellschaft zur Reinigung der deutschen Sprache” fand dort ebenso statt wie Konzerte von Johann Sebastian Bach und Franz Liszt und die Uraufführung der Oper “Alceste” (von Anton Schweitzer nach Wieland). Mehrfach wurde das Schloss auch ein Ort, in dem Geschichte gemacht wurde - als Eroberung Napoleons, als Wohn- und Arbeitsort Friedrich Eberts, aber auch als Kulisse für nationalsozialistische Aufmärsche. Insgesamt entsteht in dem Sachbuch ein fundierter, interessanter und informativer Überblick über die Geschichte des Weimarer Residenzschlosses, der neugierig auf einen Besuch macht (momentan wird das Schloss intensiv renoviert, sodass nur Führungen durch die Dichterzimmer und die Schlosskapelle möglich sind). Abgerundet wird das Sachbuch durch die gewohnt schöne Aufmachung der Insel-Bücherei mit Hardcover, wertiger Papierdicke und zahlreichen (farbigen) Bildern.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Ein spannender Weihnachtskrimi mit toller Protagonistin

Das mörderische Christmas Puzzle
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Inhalt: Weihnachten steht vor der Tür - ein Graus für die einsam lebende Rätselexpertin Edie O’Sullivan. Umso verwunderter ist sie, als sie plötzlich ein Päckchen erhält. Dessen Inhalt steigert die Irritation: ...

Inhalt: Weihnachten steht vor der Tür - ein Graus für die einsam lebende Rätselexpertin Edie O’Sullivan. Umso verwunderter ist sie, als sie plötzlich ein Päckchen erhält. Dessen Inhalt steigert die Irritation: Es befinden sich einzelne Puzzleteile mit Hinweisen auf einen blutigen Mord darin; zusätzlich dazu die Botschaft, dass bis Weihnachten vier weitere Menschen sterben werden, sollte Edie das Rätsel nicht lösen können. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Persönliche Meinung: “Das mörderische Christmas Puzzle” ist ein weihnachtlicher Kriminalroman von Alexandra Benedict. Der Krimi spielt im gleichen Universum wie “Mord im Christmas Express”, ist aber, abgesehen von einem kleinen Easter Egg, unabhängig von diesem lesbar. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven: Edie, ihres Zeichens Rätselkönigin und bekennende Weihnachtshasserin, Sean, der bei der Polizei arbeitende Adoptivsohn Edies, sowie “R.I.P” (Pseudonym des Täters). Insbesondere Edie ist eine lebendig gezeichnete Figur: Anfangs eher unsympathisch wirkend, erfährt man nach und nach, warum sie so geworden ist, wie sie ist, sodass man sich immer besser in sie hineinversetzen kann (ähnlich einem Scrooge mausert sie sich auch zum Ende der Handlung und springt über ihren Schatten). Die Konstruktion des Falles ist interessant: Der Täter möchte dezidiert Edie in die Ermittlungen miteinbeziehen, indem er einerseits Briefe mit Puzzleteilen an Edie schickt, andererseits Puzzleteile bei den Mordopfern zurücklässt. Mit den Puzzleteilen verweist er auf das nächste Mordopfer, will die Puzzlekönigin Edie herausfordern und labt sich an ihrem Versagen. Die Taktung der Morde ist vergleichsweise hoch. Für weitere Brisanz sorgt außerdem, dass wir gewissermaßen auf zwei Ermittlerfiguren treffen: Sean, der als Polizist den rechtlich abgesicherten Weg geht, und Edie, die auf eigene Faust unkonventionell ermittelt - was natürlich mit der Zeit zu Spannungen zwischen den beiden führt. Zum Ende der Handlung dreht der Krimi noch weiter auf: Die Dramatik spitzt sich zu, es finden sich mehrere unerwartete Wendungen und auch die Identität der Täterfigur bleibt bis zuletzt spannend (wenngleich sie auch etwas konstruiert wirkt). Der Schreibstil von Alexandra Benedict ist anschaulich und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Das mörderische Christmas Puzzle” ein spannender Weihnachtskrimi nach klassischem Format.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Eine würdige und respektvolle Fortführung von "Der kleine Prinz"

Der kleine Prinz feiert Weihnachten
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Inhalt: Nach Jahren des Umherirrens in fremden Welten landet der kleine Prinz unverhofft auf der Erde - mitten in der Weihnachtszeit. Dort trifft er neben einer Krähe und einem Bäcker auch den Weihnachtsmann. ...

Inhalt: Nach Jahren des Umherirrens in fremden Welten landet der kleine Prinz unverhofft auf der Erde - mitten in der Weihnachtszeit. Dort trifft er neben einer Krähe und einem Bäcker auch den Weihnachtsmann. Tief im Herzen will er allerdings nur eine Person wiederfinden: seinen besten Freund, dessen Namen er aber nicht weiß.

Persönliche Meinung: “Der kleine Prinz feiert Weihnachten” ist ein modernes Märchen von Martin Baltscheit, das die weltbekannte Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry weitererzählt. Der kleine Prinz landet hier in der Gegenwart zur Weihnachtszeit, wobei er auf allerlei weihnachtliche Bräuche trifft. Diese sind dem kleinen Prinzen natürlich völlig unbekannt, sodass er unbedarft mit ihnen umgeht, was zu mehreren humorvollen Szenen führt, die mit Missverständnissen spielen (so z. B. wenn er sich vom Einkaufszentrumsweihnachtsmann Hilfe beim Finden seines besten Freundes erhofft; ein Highlight ist auch die Szene mit dem Christkind, die ich hier aber nicht spoilern möchte). Neben dieser weihnachtlichen Atmosphäre, in der auch immer wieder Konsumkritik eingeflochten ist, knüpft die Handlung aber direkt an “Der kleine Prinz” an: Mehrfach wird auf eine gezeichnete Rose angespielt, es werden die im Original offen bleibenden Fragen nach Rose und Schaf beantwortet und zentral ist die Suche nach dem besten Freund, der, so viel kann ich vorwegnehmen, Antoine de Saint-Exupéry ist. Auch finden sich mehrere Zeichnungen, die sich an dem Stil von Antoine de Saint-Exupéry orientieren. Um ehrlich zu sein, war ich anfangs skeptisch, ob eine Fortführung von “Der kleine Prinz” das halten kann, was sie verspricht. Nach der Lektüre kann ich sagen: “Der kleine Prinz feiert Weihnachten” ist wirklich eine würdige, respektvolle Umsetzung des Stoffes, die den Geist von “Der kleine Prinz” mit all ihren leisen Tönen und tiefen Sinnen aufgreift und zu einem schönen Ende führt, das nicht herzzerreißender sein könnte.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Ein vielversprechender, spannender Reihenauftakt

Krokodilwächter
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Inhalt: Jeppe Kørner und Anette Werner werden zu einem neuen Fall gerufen: Eine junge Frau, die vor Kurzem für ihr Literaturstudium nach Kopenhagen gezogen war, wird erstochen und von Schnitten gezeichnet ...

Inhalt: Jeppe Kørner und Anette Werner werden zu einem neuen Fall gerufen: Eine junge Frau, die vor Kurzem für ihr Literaturstudium nach Kopenhagen gezogen war, wird erstochen und von Schnitten gezeichnet aufgefunden. Als die Vermieterin der jungen Frau offenbart, dass die Tat einem Mord in ihrem Krimi-Manuskript ähnelt, hoffen Jeppe und Anette, den Täterkreis einschränken zu können. Doch dann geschieht ein neuer Mord, der nicht im Manuskript steht. Der Täter schreibt die Geschichte weiter…

Persönliche Meinung: “Krokodilwächter” ist ein Kopenhagen-Krimi von Katrine Engberg. Es handelt sich um den Auftakt einer Krimireihe um die beiden Ermittler Jeppe Kørner und Anette Werner, die unterschiedlich wie Tag und Nacht sind - wodurch die Ermittlungen nicht immer reibungslos verlaufen. Auffällig ist, dass, obwohl beide Ermittlerfiguren Namensgeber des Reihentitels sind, Jeppe plastischer dargestellt wird als seine Partnerin Anette. Tatsächlich konnte ich Anette bis zum Ende der Lektüre nicht wirklich greifen; ob sie in den Nachfolgebänden ähnlich plastisch wird wie Jeppe, kann ich noch nicht beurteilen. Jeppe hingegen besitzt eine stark gezeichnete Hintergrundgeschichte: Eigentlich wollte er sich in einem kreativ-künstlerischen Beruf betätigen, hat sich dann aber nach einiger Zeit für die Polizei entschieden, um einen sicheren Job zu haben. Dieser vereinnahmte ihn aber sehr, sodass seine Frau ihn verlassen hat - was ihn psychisch angeschlagen zurücklässt. Auch die Figurenzeichnug der Nebenfiguren ist sehr gelungen. Ohne zu viel verraten zu wollen: Die Figuren mit ihren Eigenheiten rufen beim Lesenden unweigerlich starke Gefühle hervor - sei es Antipathie, Mitleid oder Sympathie. Je weiter der Fall voranschreitet, desto deutlicher wird auch, dass es kaum eine Figur gibt, die kein hintergründiges Geheimnis mit sich trägt (zu den Geheimnisträgern zählt auch das Opfer selbst). Auch der Fall um die ermordete junge Frau namens Julie ist spannend konstruiert: Der Tatort und die Vorgehensweise imitieren ein Krimi-Manuskript, an dem die Vermieterin von Julie arbeitet und das eigentlich nur einem engen Kreis von Schriftstellerkolleg*innen bekannt ist (die zudem ein wasserdichtes Alibi haben). Dementsprechend überraschend ist auch die Auflösung des Falls, die mit einigen Wendungen auftrumpft und in einem actionreichen Finale gipfelt. Der Schreibstil von Katrine Engberg ist anschaulich, flüssig zu lesen und fesselnd. Insgesamt ist “Krokodilwächter” ein spannender, vielversprechender Krimi-Auftakt mit vielen dreidimensional dargestellten Figuren.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Ein informatives, schön aufgemachtes Sachbüchlein

Die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
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“Die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek” ist ein Sachbuch von Annette Seemann, das in der Insel-Bücherei erschienen ist. Es beschäftigt sich, wie der Titel schon andeutet, mit der Historie ...

“Die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek” ist ein Sachbuch von Annette Seemann, das in der Insel-Bücherei erschienen ist. Es beschäftigt sich, wie der Titel schon andeutet, mit der Historie der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Seemann skizziert dabei einerseits die Geschichte des Bibliothekswesens in Weimar, andererseits die Baugeschichte des “Grünen Schlosses”, dem repräsentativen Gebäude der Bibliothek, das sich durch seinen sehenswerten Rokokosaal bis heute einer großen Bekanntheit erfreut. Dabei zeigt Seemann anschaulich und informativ den drei Jahrhunderte andauernden Weg der Herzogin Anna Amalia Bibliothek von einer Fürstenbibliothek zu einer modernen Forschungsbibliothek auf - von ihrer Gründung 1691 aus aufklärerischem Impetus über die Etaterhöhung, die Neuorganisation des Ausleihwesens und den Bau des Rokokosaals durch Herzogin Anna Amalia, den schleichenden Relevanzverlust ab dem Ersten Weltkrieg und den leisen Relevanzgewinn zum Ende der DDR bis hin zum verheerenden Brand des Rokokosaals 2004 sowie der anschließenden Restaurierung des Gebäudes bzw. des Buchbestands. Gleichzeitig erzählt Seemann auch immer wieder interessante Nebengeschichten rund um die Bibliothek: So wird Goethe als Entleiher vorgestellt, der sich nicht immer an Ausleihfristen hielt; anschaulich wird über die Bibliothek als Kunsttempel sowie kurzzeitigen Aufbewahrungsort von Schillers vermeintlichen Schädel erzählt. Der im “Grünen Schloss” stattfindende 100. Geburtstag Goethes, bei dem Goethe zum ersten Mal für politische Zwecke instrumentalisiert worden ist, wird ebenso dargestellt wie die politisch motivierten Aussortierungen im Nationalsozialismus und unter sowjetischer Herrschaft. Detailliert wird auch von dem Brand 2004 und der Welle an Solidarität, die sich infolgedessen ereignete, berichtet. Insgesamt entsteht so ein fundierter, interessanter und informativer Überblick über die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, der besonders nachhallt, wenn man die Bibliothek bereits mit eigenen Augen gesehen hat. Abgerundet wird das Sachbuch durch die gewohnt schöne Aufmachung der Insel-Bücherei mit Hardcover, wertiger Papierdicke und zahlreichen farbigen Bildern.

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