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Veröffentlicht am 23.02.2026

Eine stimmige, schön ausgestaltete Fortsetzung

Die Muschelmagier
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Vorab: “Die Muschelmagier” ist der zweite Band der Wellenläufer-Trilogie. Da die Handlung von Band 2 direkt an den ersten Band “Die Wellenläufer” anschließt, ist ein chronologisches Lesen sinnvoll. In ...

Vorab: “Die Muschelmagier” ist der zweite Band der Wellenläufer-Trilogie. Da die Handlung von Band 2 direkt an den ersten Band “Die Wellenläufer” anschließt, ist ein chronologisches Lesen sinnvoll. In der folgenden Rezension finden sich deshalb auch leichte Spoiler für Band 1.

Inhalt: Nachdem Jolly und Griffin bei einer Seeschlacht über Bord der “Carfax” gingen, wurden sie von dem Brückenbaumeister Agostini aufgelesen. Dieser hat mit seiner Mannschaft eine gigantische Brücke über einen Meeresarm hin zur Nachbarinsel gebaut. Die genaue Funktion der Brücke liegt für Jolly im Dunkeln, doch die Brücke scheint wichtig zu sein. Denn: Kurz nach der Fertigstellung - just in dem Moment, als Jolly und Griffin die Brücke betreten - erscheint eine Horde Klabauter, die die Brücke einreißen will. Gleichzeitig tauchen alte Freunde von Jolly und Griffin auf, die die beiden in letzter Sekunde vor den Klabautern retten können - und zur sagenhaften Stadt Aelenium führen…

Persönliche Meinung: “Die Muschelmagier” ist ein phantastischer Jugendroman von Kai Meyer. Im Vergleich zum ersten Band, der noch eher in einer Welt spielt, die unserer näher ist, geht es hier deutlicher ins Phantastische: Wir lernen Aelenium kennen, ein großer bewohnter Seestern, der mit einem Anker fixiert ist und dessen Bewohner auf Seepferdchen und fliegenden Rochen reiten. Auch tauchen wir tiefer in die Herkunft der Muschelmagie sowie den Ursprung des Mahlstroms ein. Daneben dreht sich die Handlung insbesondere um die Entwicklung der Protagonisten: Jolly übt sich intensiv in der Muschelmagie und macht eine lebensverändernde Entdeckung. Munk, der im Vergleich zum ersten Band kaum auftritt, spielt hier eher in der zweiten Reihe - wenngleich seine Entwicklung, die in eine andere Richtung als Jollys geht, folgenreicher ist (gerade die Entwicklung von Munk fand ich stark beschrieben, da ich ihn in Band 1 sehr mochte, nun aber schwerer greifen kann). Anstelle von Munk erhalten in “Die Muschelmagier” Griffin und die Prinzessin Soledad PoV-Kapitel, sodass sie sich mehr und mehr zu Hauptfiguren mausern - mit jeweils spannenden Handlungssträngen, die ich hier aber nicht spoilern möchte. Auch der im ersten Band angeteaserte Konflikt der Liebeshandlung wird hier weiter entfaltet, wobei ich sehr gespannt bin, wie er im finalen Band weitergeführt wird. Der Schreibstil von Kai Meyer ist gewohnt bildgewaltig, farbenfroh und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Die Muschelmagier” eine stimmige, schön ausgestaltete Fortsetzung von “Die Wellenläufer”, die mir sogar noch ein bisschen mehr gefallen hat als der erste Band.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Eine kurzweilige literarische Reise zur Vor- und Nachbereitung der eigenen Rheinreise

Der Rhein
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“Der Rhein” ist ein Sachbuch von Karl-Heinz Göttert, in dem der Fluss aus zweifacher Sicht als literarischer Ort betrachtet wird: einerseits als Ort, den Autor*innen aufsuchten, andererseits als Handlungsort ...

“Der Rhein” ist ein Sachbuch von Karl-Heinz Göttert, in dem der Fluss aus zweifacher Sicht als literarischer Ort betrachtet wird: einerseits als Ort, den Autor*innen aufsuchten, andererseits als Handlungsort von literarischen Werken. Göttert folgt dabei der Fließrichtung des Rhein - vom Alpenrhein, Bodensee und Hochrhein über den Ober- und Mittelrhein hin zum Niederrhein und (niederländischen) Deltagebiet. Auf der Reise werden eine Vielzahl kleinerer und größerer Orte längs des Rhein besucht, in denen sich Literarisches zugetragen hat. So finden sich 95 sehr eingängig lesbare Artikel (ca. 3 Seiten lang, ergänzt mit farbigen Abbildungen), die die Orte aus Sicht der Literaturwissenschaft näher einordnen. In diesem Sinne begegnen wir dem Rhein zu Beginn unserer Reise bei Tacitus und Caesar als Grenzfluss von “Barbaren”, sehen den Rhein aus der lyrischen Perspektive Friedrich Hölderlins, besuchen die Klosterbibliothek St. Gallen und setzen uns mit Marcel Reich-Ranickis Verriss zu Martin Walsers in Wasserburg (Bodensee) spielenden “Ein springender Brunnen” auseinander. Man merkt schon: In “Der Rhein” werden mehrere Epochen berührt, auch wenn der Schwerpunkt auf der Neuzeit liegt. Einzelnen Autoren begegnen wir auf unserer Reise mehrfach: So treffen wir auf Friedrich Hölderlin nicht nur am Ursprung des Rheins, auch in Speyer, wo er den Dom in Augenschein nahm, lugt er ums Eck; Johann Wolfgang von Goethe taucht gleich mehrfach auf: u.a. am Rheinfall in Schaffhausen, den er plastisch beschrieb, im Angesicht des Straßburger Münsters und in Bingen beim Rochusfest. Örtlich stehen im Fokus von “Der Rhein” natürlich die längs des Rheins befindlichen Großstädte (allein Köln hat 9 Artikel erhalten, in denen bspw. Albertus Magnus’ Vorlesung “De animalibus”, Georg Forsters Ansichten des Kölner Doms und das “Kölnbild” Heinrich Bölls betrachtet werden) oder touristische Hotspots wie die Loreley, die wir bei Clemens von Brentano, Heinrich Heine und Erich Kästner finden. Daneben werden aber auch immer wieder Abstecher in kleinere Orte unternommen. So z. B. nach Winkel (Heimatort des Hochstaplers Felix Krull (Thomas Mann)), nach Bacharach (Handlungsort der fragmentarischen Erzählung “Der Rabbi von Bacherach” (Heinrich Heine)) oder nach Kleve (als Schwanenritter-/Lohengrinstadt). Von all diesen Orten und (literarischen) Geschichten berichtet Göttert fesselnd und kurzweilig, wobei sich wissenschaftliche Kurzanalysen mit literarhistorisch Anekdotischem schön die Waage halten. Insgesamt ist “Der Rhein” eine kurzweilige literarische Reise, mit der man nachhaltig seine eigene Rheinreise vor- oder nachbereiten kann.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Ein schön illustriertes Geschenk für Märchenfreunde

Die Puppe im Grase
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“Die Puppe im Grase - Norwegische Märchen” versammelt zwölf Märchen von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Illustriert wurden die Märchen von Kat Menschik (“Die Puppe im Grase” ist der 7. Band der ...

“Die Puppe im Grase - Norwegische Märchen” versammelt zwölf Märchen von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Illustriert wurden die Märchen von Kat Menschik (“Die Puppe im Grase” ist der 7. Band der “Illustrierten Lieblingsbücher”). Die Märchen sind sehr abwechslungsreich. Den Auftakt macht dabei das legendarische Märchen “Der Gertrugsvogel”, in dem die Herkunft des Schwarzspechtes erzählt wird. Tierisch geht es auch in “Das Kätzchen auf Dovre” zu, das von einem folgenschweren Missverständnis handelt. In dem titelgebenden Märchen “Die Puppe im Grase”, in “Eine Freiersgeschichte” sowie in “Peter und Paul und Eben Aschenbrödel” wird das märchentypische Motiv der Brautsuche benutzt - in ersterem mit einer besonderen Braut, in mittlerem moralisierend und in letzterem mit interessanten Lösungen der Werbungsaufgaben. In “Der Bursch und der Teufel” tritt die Nemesis des Menschlichen auf, wobei versucht wird, dieser ein Schnippchen zu schlagen. Sentenzartig geht es in dem kurzen Text “Einem jeden gefallen seine Kinder am besten” zu, in dem ein Jäger auf eine Schnepfe trifft. Das umfangreichste Märchen ist “Die zwölf wilden Enten”, das Parallelen zu dem Grimmschen Märchen “Die sechs Schwäne” besitzt: Eine Trollfrau gewährt einer Königin den Wunsch, eine Tochter zu gebären, verwandelt aber im Gegenzug die zwölf Prinzen-Brüder in Enten. Das Märchen dreht sich um die Errettung der Prinzen durch ihre Schwester, wobei die Schwester mehrere Aufgaben meistern muss. “Däumerling” wiederum thematisiert einen possenreißenden Däumling. Humorvoll geht es in “Die Lügenpresse” zu, in der eine Prinzessin im Lügen übertrumpft werden soll. Im folgenden Märchen “Das Huhn, das nach dem Dovrefjeld wollte, damit die Welt vergehen sollte” begegnen wir einem Huhn auf Weltrettermission; das Märchen endet mit einer schönen Pointe. Den Abschluss bildet “Die Prinzessin auf dem gläsernen Berg”, in dem auf interessante Art die Lösung einer Aufgabe (Klärung, warum eine Wiese kahl gefressen wird) mit einer Brautwerbung verknüpft wird. Sehr haben mir auch die Illustrationen von Kat Menschik gefallen. Diese fangen wichtige Motive des jeweiligen Märchen (handelnde Figuren, auftretende Tiere oder markante Gegenstände) stimmungsvoll ein. In den schön schattierten Illustrationen vermengen sich dunkle und eisige Blautöne mit klarem Weiß; zudem finden sich dosiert hervorstechende Akzentuierungen in Rot. Insgesamt ist “Die Puppe im Grase” eine schöne Sammlung mit unbekannteren Märchen, die grandios illustriert sind - ein perfektes Geschenk für Märchenliebhaber*innen.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Ein spannender Reihenauftakt, der sich auch 23 Jahre nach Erstveröffentlichung sehr gut lesen lässt

Die Wellenläufer
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Inhalt: Jolly ist eine Wellenläuferin: Sie kann seit ihrer Geburt über das Wasser laufen - ein Umstand, der sie für den Piraten Bannon unentbehrlich macht. Denn: Bei jeder Schiffskaperung läuft Jolly voran ...

Inhalt: Jolly ist eine Wellenläuferin: Sie kann seit ihrer Geburt über das Wasser laufen - ein Umstand, der sie für den Piraten Bannon unentbehrlich macht. Denn: Bei jeder Schiffskaperung läuft Jolly voran und setzt die gegnerischen Kanonen schachmatt. Doch die letzte Kaperung entpuppte sich als Falle; allein Jolly kann knapp entkommen - und erwacht auf einer nahezu unbewohnten Insel. Dort trifft sie auf Munk, der ebenfalls auf den Wellen laufen kann… Anderswo, inmitten des Atlantiks, dreht sich ein gewaltiger Mahlstrom, der die Grenze zwischen den Welten durchlässig macht - und dieser hat es auf Jolly und Munk abgesehen…

Persönliche Meinung: “Die Wellenläufer” ist ein phantastischer Jugendroman von Kai Meyer. Es handelt sich um den ersten Band der “Wellenläufer”-Trilogie. Erzählt wird die Handlung aus den Perspektiven der jugendlichen Protagonisten Jolly und Munk, die als die letzten beiden Wellenläufer gelten. Bereits zu Beginn der Handlung müssen beide tragische Schicksalsschläge erleiden, wodurch eine schöne Portion Dramatik in die Handlung kommt. Das Setting der Handlung ist die Karibik zur Hochzeit der Piraterie um ca. 1700. Dementsprechend setzen wir mit den Figuren mehrfach die Segel, treffen auf Freibeuter und Piratenkönige, machen eine Kneipenschlägerei mit und betreten New Providence. Wie im Inhaltsteaser schon angedeutet, handelt es sich dabei um eine phantastische Version der Karibik: Neben Wellenläufern und hybriden Wesen aus Mensch und Tier gibt es weitere düstere Gestalten, die der (im ersten Band noch vage bleibende) Mahlstrom aussendet. Sehr hat mir dabei gefallen, wie in “Die Wellenläufer” mit Motiven der Seefahrtsliteratur gespielt wird: So begegnen die Protagonisten “Klabautern”, Mischwesen aus Kobolden und Haien, und auch die “Geisterschiffe” sind hier wörtlich zu nehmen. Die Handlung folgt der Struktur eines Abenteuerromans: Mehrere Gefahren und Missionen müssen bewältigt werden, bis die Protagonisten zu ihrem (vorläufigen) Ziel gelangen. Zusätzlich findet sich eine kleine Liebesgeschichte innerhalb der Handlung. Der Schreibstil von Kai Meyer ist gewohnt bildreich, anschaulich und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Die Wellenläufer” ein spannender Reihenauftakt, der sich auch 23 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung sehr gut lesen lässt.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Ein spannender, mit Märchenmotiven spielender Thriller, in dem wenig so ist, wie es scheint

Böser, böser Wolf
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Inhalt: Die Thrillerautorin K. T. Hexen findet sich eingeschlossen in einem ihr fremden Raum wieder. Ihr Kidnapper, ein Mann mit Wolfsmaske, fordert von ihr, Kurzkrimis nach Grimmschen Märchen zu schreiben ...

Inhalt: Die Thrillerautorin K. T. Hexen findet sich eingeschlossen in einem ihr fremden Raum wieder. Ihr Kidnapper, ein Mann mit Wolfsmaske, fordert von ihr, Kurzkrimis nach Grimmschen Märchen zu schreiben - um diese als Vorlage für seine Morde zu nutzen. Liefert Hexen nicht, wird sie getötet… Anderswo, in einem dichten Wald, wird eine junge Frau entführt, allein ein Rotkäppchen-Umhang bleibt zurück. Detective Inspector Lyla Rondell wird mit der Suche beauftragt - und entdeckt Parallelen zu dem spurlosen Verschwinden ihrer besten Freundin vor zwanzig Jahren…

Persönliche Meinung: “Böser, böser Wolf” ist ein Stand-alone-Thriller von Alexandra Benedict. Erzählt wird die Handlung in zwei Erzählsträngen (und aus zwei Perspektiven): Während der eine Erzählstrang das Schicksal K. T. Hexens fokussiert, die versucht, ihrem Entführer durch das Schreiben von Geschichten zu entkommen (hierbei werden auch mehrere interessante Überlegungen zum Schreiben von Krimis behandelt), stehen Lylas Ermittlungen im zweiten Handlungsstrang im Mittelpunkt (Lyla ist eine eher unkonventionelle Ermittlerfigur, die Übernatürlichem nicht abgeneigt ist). Zwischen beiden Handlungssträngen finden sich immer wieder an Märchen angelehnte Kurzkrimis aus der Feder von K. T. Hexen, die der Mann mit der Wolfsmaske, der sog. “Grimm-Ripper”, in die Realität überführt. Die Handlung lässt sich grob in zwei Teile aufteilen. Die erste Hälfte von “Böser, böser Wolf” ist ein spannender, rasant erzählter Thriller, in dem die Taktung der originell ausgestalteten Morde hoch ist. Für zusätzliche Gespanntheit sorgt, dass beständig deutlicher wird, dass der Fall auf eine bestimmte Art und Weise mit Lylas Vergangenheit zusammenhängt. Die zweite Hälfte des Thrillers geht überraschenderweise in eine ganz andere Richtung: Zwar werden sorgsam “Brotkrumen” gestreut, die eine Tendenz vorgeben, doch wie die Handlung sich entwickelt, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet (ich bleibe im Folgenden bewusst vage, um nicht zu spoilern, wohlwissend, der Handlung so aber nicht vollständig gerecht zu werden). Nur so viel: Es wird mehrschichtig, komplex und “verrückt” (aber in einer positiven Art und Weise!). Die Auflösung der Handlung ist dementsprechend kaum zu erahnen; der Weg dorthin verschlungen und wendungsreich. Der Turn, den die Handlung im zweiten Teil nimmt, ist speziell, daher wird ihn vermutlich nicht jede*r mögen, mich hat er allerdings, gerade weil er so ungewöhnlich ist, abgeholt. Der Schreibstil von Alexandra Benedict ist anschaulich, flüssig zu lesen und fesselnd. Insgesamt ist “Böser, böser Wolf” ein spannender, mit Märchenmotiven spielender Thriller, in dem wenig so ist, wie es scheint.

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