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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Ein Haus um jeden Preis

Tödliches Angebot
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Margos Ziel im Leben steht fest: Mit ihrem Ehemann ein schönes Haus in einer ruhigen Gegend besitzen, dazu ein Baby und einen Hund. Um mehr Kapital zur Verfügung zu haben, sind Margo und Ian in eine kleine ...

Margos Ziel im Leben steht fest: Mit ihrem Ehemann ein schönes Haus in einer ruhigen Gegend besitzen, dazu ein Baby und einen Hund. Um mehr Kapital zur Verfügung zu haben, sind Margo und Ian in eine kleine Wohnung gezogen. Doch Ian, Anwalt in einer renommierten Anwaltskanzlei, ist aus moralischen Überzeugungen zu einer Umweltsorganisation gewechselt und verdient weniger als zuvor. Was als kurzfristige wohnliche Verschlechterung und verbesserte Chance auf dem Immobilienmarkt begann, endet in einer frustrierenden, monatelangen Haussuche, bei der das Paar immer wieder überboten wird. Schwanger wird Margo auch nicht und ihr Traum gerät ins Wanken. Doch dann erfährt sie von einem Haus, das verkauft werden soll, jedoch noch nicht gelistet ist. Ihre Strategie: Zufällig auf die Besitzer stoßen, sie umgarnen und einen Kauf ohne Makler*in initiieren. Doch als das Paar sich darauf nicht einlässt, greift zu stärkeren Mitteln: Margo überschreitet Grenzen, stalkt, erpresst und zieht alle Register.

Marisa Kashino hat mit Margo eine Figur geschaffen, die besessen von ihrem perfekten Haus ist und völlig skrupellos agiert. Die Grenzen, die sie überschreitet, werden immer größer. Sie manipuliert, erpresst und zeigt, in was für eine psychische Abwärtsspirale ihre Obsession sie treibt. Auch wenn sich eine Eskalation im Verlauf anbahnt und eine Eskalation unvermeidlich ist, war ich vom Ausmaß und den Wendungen doch überrascht. Der Erzählstil ist sehr spannend, im Unterton baut sich etwas Bedrohliches auf, Margos Wahnhaftigkeit ist deutlich spürbar, sodass mich Marisa Kashino völlig in ihren Sog gezogen hat.

Ein spannender Psychothriller, der alle moralischen Grenzen aushebelt.

Veröffentlicht am 14.04.2026

Wohlfühlen im Bücherdorf

Mathilde und Marie
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In dem Bücherdorf Redu in den belgischen Ardennen hat die Zeit noch eine ganz andere, nebensächliche Bedeutung. Im Fokus stehen Bücher und das Lebensgefühl - mitten in der Natur, am rauschenden Fluss, ...

In dem Bücherdorf Redu in den belgischen Ardennen hat die Zeit noch eine ganz andere, nebensächliche Bedeutung. Im Fokus stehen Bücher und das Lebensgefühl - mitten in der Natur, am rauschenden Fluss, umgeben von Anhöhen und mit einer möglichen Stunde Internet am Tag und einem Fernseher.
Torsten Woywod hat einen sehr ruhigen, gelassenen Schreibstil, der die beschriebene Atmosphäre ebenso widerspiegelt und in der Lektüre wirken lässt. So hatte das Buch auf mich tatsächlich eine wohlige, entschleunigende Wirkung, indem ich mir die Umgebung, die Bewohner*innen und das achtsame Lebensgefühl sehr gut vorstellen konnte.
Ich mag, wie die erste Irritation über die Französin Marie, die ins Dorf kommt, sich langsam wendet und sich vor allem zwischen ihr und Mathilde, zunächst zart und dann immer intensiver, eine Beziehung entwickelt, die an Tiefe und Bedeutung gewinnt.

Ein absoluter Wohlfühlroman für gemütliche Lesestunden!

Veröffentlicht am 13.04.2026

Erinnerungen an die Kindheit im Landleben

Melken
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Nach der Trennung von ihrer Freundin Diana braucht Ellen eine Auszeit vom trubeligen Stadtleben und fährt kurzerhand aufs Land - zu dem Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ist. Offenbar sind die neuen ...

Nach der Trennung von ihrer Freundin Diana braucht Ellen eine Auszeit vom trubeligen Stadtleben und fährt kurzerhand aufs Land - zu dem Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ist. Offenbar sind die neuen Besitzer*innen verreist, der Schlüssel liegt jedoch noch in demselben Versteck wie früher, sodass Ellen problemlos in das Haus kommt und in ihrem ehemaligen Kinderzimmer liegen und alten Erinnerungen nachhängen kann

Sanna Samuelssons schreibt in "Melken" sehr anschaulich und körperlich von Ellens Aufwachsen auf dem Land. Dabei werden unter anderem der schambehaftete Kuhstallgeruch, die Spiele im Stall mit anderen Kindern sowie die Aufgaben auf dem Hof und der Umgang mit den Kühen geschildert.
Der bildhafte Schreibstil bzw. die geschaffenen Bilder wirkten auf mich häufig irritierend und ich bin mir nicht sicher, ob diese Störfaktoren intendiert sind oder Ergebnis der Übersetzung.
Das Buch ist knapp 160 Seiten lang, weshalb es sich schnell lesen ließ und ich mich auf die Lektüre und Ellens Kindheitserinnerungen einlassen konnte - auch wenn ich bis zum Schluss eine große Distanz und wenig Sympathie empfunden habe.

Ein kurzweiliger Roman mit interessanten Perspektiven und Bildern, die während der Lektüre einiges mit mir gemacht haben.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein einzigartiges Werk

Ich, die ich Männer nicht kannte
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40 Frauen unterschiedlichen Alters sind in einem unterirdischen Raum, umgeben von Gittern, gefangen gehalten. Sie werden streng von Wärtern bewacht, bekommen regelmäßige Mahlzeiten und sind ansonsten sich ...

40 Frauen unterschiedlichen Alters sind in einem unterirdischen Raum, umgeben von Gittern, gefangen gehalten. Sie werden streng von Wärtern bewacht, bekommen regelmäßige Mahlzeiten und sind ansonsten sich selbst überlassen.
Erzählt wird aus der Perspektive der "Kleinen", der jüngsten der Frauen. Sie ist so klein in den Keller gekommen, dass sie sich an kein Davor erinnern kann und keine andere Welt kennt. Doch auch die anderen Frauen können sich nicht daran erinnern, wann, wie und weshalb sie dort gelandet sind.

Jacqueline Harpman schreibt über den einseitigen und gleichförmigen Tagesablauf der Frauen, über all ihre Fragen, die im Laufe des Buches zunehmen und immer stärker existenzielle Züge annehmen. Es geht um Menschlichkeit, das Sein und den Sinn der Existenz.

Ich empfinde "Ich, die ich Männer nicht kannte" als sehr intensiv und mochte sowohl das Set Up als auch die Entwicklung, die geäußerten Gedanken und Fragen sehr, obwohl ich keinerlei Zugang zu dieser dystopischen Welt hatte und die Hintergründe bis zum Schluss nicht offenbart werden. Doch darum geht es auch gar nicht, sondern vielmehr um Orientierung und darum, sich im Unbekannten zurechtzufinden.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Berührend, wirkt noch lange nach

Solange ein Streichholz brennt
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Alina ist Fernsehjournalistin und konnte schon den einen oder anderen Erfolg in ihrer Karriere verzeichnen. Nun steht ihr Job jedoch auf der Kippe und ihre letzte Chance beim Sender ist eine ...

Alina ist Fernsehjournalistin und konnte schon den einen oder anderen Erfolg in ihrer Karriere verzeichnen. Nun steht ihr Job jedoch auf der Kippe und ihre letzte Chance beim Sender ist eine erfolgreiche Reportage über Obdachlosigkeit. Doch eine passende, obdachlose Person zu finden, die Alina einige Tage auf der Straße begleiten kann, scheint nicht so leicht zu sein. Sie stößt auf Bohm, der seit fünf Jahren auf der Straße lebt und durch gewisse Umstände gezwungen ist, auf Alinas Deal einzugehen.

So begleitet Alina Bohm auf seinen alltäglichen Wegen und die beiden lernen sich kennen. Was Bohm jedoch auf keinen Fall preisgeben möchte, ist der Grund, weshalb sein Leben aus den Fugen geraten ist und er auf der Straße lebt. Es gibt ihn, seinen alten Rucksack, seinen Hund Fox und einen mysteriösen Brief, den er auf keinen Fall öffnen möchte.

Christian Huber fängt beide Figuren so gut ein, lässt sie sich entfalten, echt wirken und macht sie nahbar - ihre Gedanken und ihre Handlungen. Die Beziehungsdynamik, die sich zwischen den beiden entwickelt, wirkt authentisch und echt. Die Obdachlosigkeit wird in der Begegnung mit Alina nicht romantisiert, sondern in sämtlichen Facetten dargestellt - mal in zarten und mal in harten Zwischentönen.

Der Schreibstil ist flüssig und die Perspektiven wechseln, was zu jedem Zeitpunkt eine passende, gut wahrnehmbare Atmosphäre schafft.

Ich habe mit Bohm und Alina mitgefühlt, gelacht, geweint und wünschte, ich könnte ihre Geschichte noch einmal zum ersten Mal lesen und mich komplett mitreißen lassen.