Schon nach den ersten Seiten war ich völlig gefesselt – die Kombination aus schwarzem Humor, bissigen Dialogen und einem völlig absurden, aber genialen Setting hat mich sofort überzeugt. Hazel und Fox ...
Schon nach den ersten Seiten war ich völlig gefesselt – die Kombination aus schwarzem Humor, bissigen Dialogen und einem völlig absurden, aber genialen Setting hat mich sofort überzeugt. Hazel und Fox sind alles andere als ein gewöhnliches Paar, und genau das macht ihren Reiz aus.
Ich habe besonders Hazels sarkastische Art geliebt, die mich immer wieder zum Lachen brachte, auch wenn es gerade um Mord und Leichenentsorgung ging. Gleichzeitig war ich überrascht, wie viel Tiefe die Geschichte besitzt: Themen wie Ehekrisen, Mutterschaft, Depression und familiärer Druck werden geschickt eingewoben und verleihen der Handlung eine unerwartete Ernsthaftigkeit.
Das Ende hat mich nicht vollständig überzeugt, da es mir ein wenig zu glatt wirkte. Trotzdem empfand ich es als runden Abschluss, der die wichtigsten Fragen beantwortet.
Insgesamt war dieses Buch für mich eine herrlich schräge Mischung aus Thriller, Satire und Beziehungsdrama. Ich habe es als erfrischend anders empfunden.
Schon beim Aufschlagen des Buches hat mich die Grundidee sofort begeistert: eine Enkelin, die gemeinsam mit ihrem demenzkranken Großvater über Kriminalgeschichten grübelt. Diese besondere Beziehung war ...
Schon beim Aufschlagen des Buches hat mich die Grundidee sofort begeistert: eine Enkelin, die gemeinsam mit ihrem demenzkranken Großvater über Kriminalgeschichten grübelt. Diese besondere Beziehung war für mich von Anfang an das Herzstück der Erzählung, und gerade die leisen, berührenden Momente zwischen den beiden haben mich am meisten angesprochen.
Allerdings hatte ich mit der Struktur des Romans so meine Schwierigkeiten. Statt einer durchgehenden Handlung werden immer wieder einzelne Fälle präsentiert, die in sich abgeschlossen sind. Anfangs war das noch unterhaltsam, doch mit der Zeit empfand ich diese Wiederholungen als ermüdend. Besonders die Art, wie die Rätsel gelöst wurden, wirkte manchmal konstruiert und wenig nachvollziehbar. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Geschichten stärker miteinander verweben und so ein roter Faden entsteht.
Trotzdem hatte das Buch für mich auch einen besonderen Reiz: die Atmosphäre, die ruhigen Dialoge und die respektvolle Darstellung von Demenz haben mich berührt. Ich konnte mich gut in Kaede hineinversetzen und mochte die Mischung aus Melancholie und Rätselspaß. Wenn man aber einen klassischen Krimi mit klarer Ermittlungsstruktur erwartet, wird man hier vermutlich enttäuscht sein.
Eine schöne Grundidee mit warmherzigen Figuren, die leider durch die repetitiven Rätsel etwas an Wirkung verliert.
Als ich Onigiri gelesen habe, war ich überrascht, wie leise und gleichzeitig eindringlich dieser Roman erzählt ist. Im Mittelpunkt steht Aki, die ihre demenzkranke Mutter Keiko noch einmal nach Japan begleitet. ...
Als ich Onigiri gelesen habe, war ich überrascht, wie leise und gleichzeitig eindringlich dieser Roman erzählt ist. Im Mittelpunkt steht Aki, die ihre demenzkranke Mutter Keiko noch einmal nach Japan begleitet. Auf dieser Reise wird nicht nur die gemeinsame Vergangenheit lebendig, sondern auch das Spannungsfeld zwischen zwei Kulturen, in dem Mutter und Tochter ihr Leben lang gestanden haben.
Mich hat besonders berührt, wie sehr sich Keikos Lebensweg zwischen Japan und Deutschland spiegelt: eine Frau, die ihre Heimat verlässt, in einer fremden Sprache Fuß fasst, eine Ehe eingeht, Kinder großzieht – und dennoch nie ganz ankommt. Diese Zerrissenheit wirkt sich auch auf Aki aus, die sich zwischen den Erwartungen der reichen deutschen Familie und den stillen Traditionen der japanischen Seite bewegt.
Das Buch wechselt zwischen Gegenwart und Erinnerungen. Anfangs fand ich diese verschachtelte Struktur etwas verwirrend, doch bald habe ich sie als Spiegel der Demenz empfunden. Die Brüche im Erzählen passen genau zum Thema – sie machen sichtbar, wie brüchig Erinnerung ist.
Was mich überzeugt hat, war die behutsame Sprache. Vieles passiert im Zwischenton, fast unscheinbar, und doch steckt darin eine große Kraft. Es ist kein Roman voller Action, sondern eine ruhige, langsame Erzählung, die sich auf die Figuren konzentriert. Man erfährt viel über die Eigenheiten der Familien, über Konflikte, Schweigen, und auch über das, was unausgesprochen bleibt.
Natürlich hätte ich mir an manchen Stellen mehr über Aki selbst gewünscht, denn ihre Perspektive macht das Buch stark. Trotzdem hat mich gerade diese Zurückhaltung zum Nachdenken gebracht – vielleicht ist es genau das, was die Autorin erreichen wollte.
Insgesamt habe ich Onigiri als eine sensible und authentische Geschichte erlebt, die sowohl kulturelle Unterschiede als auch die Zerbrechlichkeit familiärer Bindungen spürbar macht. Ein leises, aber sehr eindrucksvolles Debüt, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Sunyi Deans The Book Eaters entführt Leser in eine düstere, eigenwillige Parallelwelt – bevölkert von einer uralten, geheimnisvollen Gesellschaft, die Bücher nicht liest, sondern isst. Doch was nach einer ...
Sunyi Deans The Book Eaters entführt Leser in eine düstere, eigenwillige Parallelwelt – bevölkert von einer uralten, geheimnisvollen Gesellschaft, die Bücher nicht liest, sondern isst. Doch was nach einer charmanten Idee klingt, entpuppt sich schnell als brutale und verstörende Metapher für Machtstrukturen, Identität und den Überlebenskampf einer Mutter.
Im Mittelpunkt steht Devon, ein weibliches Mitglied dieser patriarchalisch organisierten Familie. Ihr Leben war von klein auf durch Regeln und Geschichten geprägt – Märchen dienten als Erziehungsinstrument, um sie auf eine Zukunft als Gebärende und „wertvolle Tochter“ vorzubereiten. Während ihre Brüder Abenteuer und Heldentum in sich aufsogen, wurde Devon zum Objekt in einem System, das Frauen kontrolliert und benutzt.
Das eigentliche Grauen entfaltet sich aber erst mit der Geburt ihres Sohnes, der zu einer besonderen Art von Wesen gehört – solche, die mehr als nur Papier verschlingen. Devons verzweifelte Flucht mit dem Kind an ihrer Seite ist der emotionale und dramatische Kern der Geschichte. Dabei entwickelt sie sich von einer gehorsamen Tochter zu einer entschlossenen, kompromisslosen Mutter, die bereit ist, alles zu opfern – auch ihre Moral.
Was das Buch so besonders macht, ist die intensive Atmosphäre: Nebel, Bedrohung und ein Hauch gotischer Schrecken liegen über jeder Seite. Dean gelingt es, eine Welt zu erschaffen, die gleichzeitig fantastisch und erschreckend real wirkt. Die “Book Eater”-Gesellschaft mit ihren Ritualen, ihrer Politik und dem biologischen Zwang zur Fortpflanzung ist raffiniert durchdacht und auf beunruhigende Weise glaubwürdig.
Erzählt wird die Geschichte in einer Mischung aus Rückblenden und Gegenwartskapiteln, was nicht nur Spannung aufbaut, sondern auch Devon als Figur Tiefe verleiht. Ihre Handlungen sind nicht immer edel oder nachvollziehbar, aber gerade das macht sie menschlich. Besonders faszinierend ist ihr Verhältnis zu ihrem Sohn, das fernab gängiger Mutterbilder existiert – roh, intensiv, manchmal verstörend, aber nie unglaubwürdig.
Wer auf eine romantisierte oder gar versöhnliche Geschichte hofft, wird enttäuscht. Dieses Buch scheut sich nicht vor Grausamkeit, Missbrauch und der Thematisierung tief verankerter Misogynie. Dennoch gelingt es Dean, auch Aspekte wie queere Identität, Selbstbestimmung und die Kraft der weiblichen Wut zu verhandeln – subtil, aber wirkungsvoll.
Fazit:
The Book Eaters ist keine leichte Kost – aber eine originelle, atmosphärische und tiefgründige Geschichte, die lange nachhallt.
„Der OktoBus auf großer Fahrt“ von Nina Dulleck und Sven Gerhardt ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch, das durch seine fantasievollen Illustrationen und den humorvollen Reimtext sofort begeistert. ...
„Der OktoBus auf großer Fahrt“ von Nina Dulleck und Sven Gerhardt ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch, das durch seine fantasievollen Illustrationen und den humorvollen Reimtext sofort begeistert. Die Geschichte nimmt kleine (und große) Leserinnen und Leser mit auf eine ungewöhnliche Busreise voller Überraschungen, bei der nicht das Ziel, sondern das gemeinsame Unterwegssein im Mittelpunkt steht.
Erzählt wird von Oktopus Otto, der mit seinem außergewöhnlichen Bus durch eine kunterbunte Welt fährt und dabei nach und nach eine tierische Truppe an Fahrgästen einsammelt. Jedes Tier bringt eine eigene Persönlichkeit und Geschichte mit, was für viel Abwechslung sorgt. Besonders charmant: Der Busfahrer weiß selbst nicht genau, wohin die Reise eigentlich geht – eine Tatsache, die bei Kindern für viele Fragen und noch mehr Neugier sorgt.
Die Reime sind schwungvoll und klangvoll geschrieben, was das Vorlesen zum echten Vergnügen macht. Sie wirken nicht konstruiert, sondern fließen angenehm und bleiben im Ohr. Auch nach mehrmaligem Lesen entdeckt man neue Details – sei es in der Sprache oder auf den opulent bebilderten Seiten.
Visuell strotzt das Buch nur so vor Einfallsreichtum. Die Zeichnungen sind farbenfroh, verspielt und voller kleiner Nebengeschichten, die die Fantasie der Kinder anregen. Zwischen dem Offensichtlichen verstecken sich viele witzige Szenen, die auch für Erwachsene ein Schmunzeln bereithalten – ein echter Pluspunkt beim gemeinsamen Lesen.
Das Finale bringt eine schöne, aber dennoch tiefgründige Botschaft mit sich. Ohne zu viel zu verraten: Es geht um Selbstwahrnehmung, Zusammenhalt und darum, wie wertvoll es ist, sich gemeinsam auf den Weg zu machen – ganz egal, wohin er führt.