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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.01.2025

Eine meiner Lieblingsreihen

Die weiße Stunde
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Ich liebe die Reihe um August Emmerich und seinen Assistenten Ferdinand Winter, die Alex Beer nun endlich fortgesetzt hat. Für mich ist es ihre beste Reihe, deshalb bin ich auch immer etwas ungeduldig ...

Ich liebe die Reihe um August Emmerich und seinen Assistenten Ferdinand Winter, die Alex Beer nun endlich fortgesetzt hat. Für mich ist es ihre beste Reihe, deshalb bin ich auch immer etwas ungeduldig und warte voller Vorfreude auf den nächsten Band.

Diesmal sind wir im Jahre 1923 und die politische Situation spitzt sich immer mehr zu. Die Nationalsozialisten sind immer mehr auf dem Vormarsch und die Arbeitslosigkeit steigt. Die Menschen sind desillusioniert. Die Hyperinflation treibt viele in den Selbstmord. Diejenigen, die sich in die Donau stürzen und nicht identifiziert werden können, werden im "Friedhof der Namenlosen" bestattet.

Während die Reichen und Schönen opulente Partys feiern, hungert der Rest größtenteils noch immer...auch fünf Jahre nach dem Ende des großen Krieges.
Nach einer dieser Partys wird die prominente Gesellschaftsdame Marita Hochmeister am nächsten Morgen tot aufgefunden - brutal erschlagen. August Emmerich und Ferdinand Winter bekommen den Fall, werden jedoch bald vom ehemaligen Leiter der Abteilung Leib und Leben, Heinrich Wertheim, aufgesucht. Dieser erkennt Ähnlichkeiten zu einem Fall vor zehn Jahren, den er nie lösen konnte. Es gab damals einen Verdächtigen, der jedoch plötzlich verschwunden war und dem man die Serienmorde nicht nachweisen konnte. Wertheim ist überzeugt, dass der damalige Täter wieder zugeschlagen hat.

Neben dem Kriminalfall, in den sich Wertheim immer mehr einmischt und Emmerich und Winter einreden versucht, dass sein damaliger Verdächtiger der Mörder sein muss, plagen August Emmerich auch private Probleme. Er hat endlich herausgefunden, wer sein Vater war und hat nach seinem Tod seine Villa vererbt bekommen. Diese ist jedoch in keinem guten baulichen Zustand und gehört dringend renoviert. Doch August Emmerich fehlt natürlich das Geld. Gefallen haben mir hier auch die Dialoge mit seiner Nachbarin, die nicht erfreut über den neuen Besitzer ist, und ihm immer wieder unter die Nase reibt, dass ihm die Villa nicht zusteht.
Und Kolja, Emmerichs Freund aus dem Waisenhaus und Unterweltbaron, scheint ebenfalls in Schwierigkeiten zu stecken.

Ferdinand Winter wird hingegen immer mehr von seiner Großmutter genötigt, sich endlich nach einer Ehefrau, natürlich aus Adelskreisen, umzusehen und trifft einfach hinter seinem Rücken Verabredungen. Ein Gutes hat es allerdings, denn er und Emmerich kommen so näher in die Kreise, in der die ermordete Marita verkehrte. Und schon bald gibt es auch schon die nächste Tote....

Wie immer versteht es Alex Beer großartig, die damalige Atmosphäre in Wien einzufangen. Man fühlt sich mitten drin in diesem Moloch aus verzweifelten Menschen, den Hakenkreuzlern, dem neuen Geldadel und der Unterwelt.
Die Charaktere entwickeln sich weiter und die Zusammenarbeit zwischen Emmerich und Winter wird immer besser. Gefallen hat mir auch die "Flüche-Kasse", eine Art Bußgeld für jeden Fluch, den Emmerich ausstößt.

Dieser sechste Band ist genauso spannend, wie die letzten Krimis der Reihe, jedoch hat mich diesmal die Auflösung nicht zu hundert Prozent überzeugt. Deswegen gibt es für "Die weiße Stunde" "nur" 4 Sterne. Am Ende gibt es auch noch einen fiesen Cliffhanger.

Fazit:
Alex Beer kann atmosphärisch und bringt uns das Wien der Zwanziger Jahre wieder näher. Diesmal konnte mich jedoch die Auflösung des Kriminalfalles nicht zu hundert Prozent überzeugen. Trotzdem freue ich mich auf den nächsten Band der Reihe, der hoffentlich den Cliffhanger des sechsten Bandes (positiv) auflöst.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Wieder ein Pageturner

Sie kann dich hören
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Band 2 der Housemaid Trilogie hat ja im Vorfeld bereits einige Diskussionen ausgelöst. Die meisten fanden das Buch schwächer, als den ersten Band, einige aber auch besser. Wem schließe ich mich nun an?
Die ...

Band 2 der Housemaid Trilogie hat ja im Vorfeld bereits einige Diskussionen ausgelöst. Die meisten fanden das Buch schwächer, als den ersten Band, einige aber auch besser. Wem schließe ich mich nun an?
Die Geschichte hat mir gut gefallen, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, was es nach dem Ende des ersten Bandes noch zu berichten gäbe. "Sie kann dich hören" hat mich aber super unterhalten, jedoch schließe ich mich denjenigen an, die Band 2 schwächer fanden. Das ist aber auch keine Kunst, denn "Wenn sie wüsste" hat von mir 5 Sterne bekommen und die sind bei mir ja eher rar gesät. Der Thriller ist sehr ähnlich aufgebaut, was mich ebenfalls etwas skeptisch gemacht hat.

Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen und Millie hat angefangen zu studieren. Um sich ihr Studium leisten zu können, arbeitet sie wieder als Hausmädchen bei den Garricks, einem reichen Upper Class Pärchen in Manhattan. Gott sei Dank will Douglas Garrick nichts über ihre Vergangenheit wissen - doch ist das nicht eher seltsam? Außerdem bekommt Millie seine Frau Wendy kaum zu Gesicht, die die meiste Zeit in ihrem Zimmer sitzt und aus dem sie Wendy oftmals weinen hört. Milly ist klar, dass sie der Frau helfen muss.....sie darf aber laut Vertrag nicht mit Wendy sprechen....

Der Epilog mit seinem ersten Satz "Heute Nacht werde ich ermordet" haut schon einmal richtig rein. Man wird sofort gepackt und will wissen, wer die Person ist, die diesen Satz sagt.
Danach geht es eher gemächlich weiter, steigert sich jedoch sehr schnell wieder zu einem Pageturner.

"Sie kann dich hören" wird wieder aus zwei Perspektiven erzählt. Wir treffen wieder auf Enzo, dem Gärtner aus dem Vorgänger, lernen aber auch neue Figuren kennen. Manchmal konnte ich Millies Handlungen nicht wirklich verstehen, was aber sicher auch von der Autorin gewollt zu sein scheint. Freida McFadden schreibt auf jeden Fall richtig gut und beherrscht ihr Metier perfekt. Sie weiß Spannung zu erzeugen und führt den Leser gekonnt in die Irre. Überraschende Plottwists und kurze Kapitel begünstigen den Lesefluss. Kaum angefangen zu lesen, kann man nicht mehr aufhören. Man fliegt durch die Seiten und trotzdem fand ich die Geschichte diesmal etwas schwächer.

Fazit:
"Sie kann dich hören" ist nach einem sehr ähnlichen Muster gestrickt, wie mein Highlight aus dem Jahre 2023. Der Thriller lässt sich genauso schnell weg lesen, wie der Vorgänger und enthält einige Twists und überraschende Wendungen. Deshalb empfehle ich auch diesen zweiten Band gerne weiter.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Die letzte Front

Yellowface
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Der Roman erzählt die Geschichte zweier noch junge Autorinnen, June und Athena. Während June nach einem ersten kleinen Achtungserfolg keine weiteren Bücher mehr veröffentlichen konnte, ist Athena bereits ...

Der Roman erzählt die Geschichte zweier noch junge Autorinnen, June und Athena. Während June nach einem ersten kleinen Achtungserfolg keine weiteren Bücher mehr veröffentlichen konnte, ist Athena bereits eine gefeierte Schriftstellerin. Die chinesisch-amerikanisch stämmige junge Frau ist in den Social Medien dauerhaft präsent und hat bereits ihr nächstes Meisterwerk in der Schublade liegen. June ist extrem neidisch auf den großen Erfolg ihrer Freundin und möchte endlich selbst durchstarten. Gemeinsam feiern sie Athenas neuen Netflix Vertrag, doch im Verlauf dieses Abends stirbt Athena. Sie hinterlässt ihr neues Manuskript "Die letzte Front", welches noch niemand gesehen hat, denn Athena spricht mit ihren Agenten nie über ihre neue Idee, sondern schickt ihm erst das vollständige Manuskript zu, wenn sie es beendet hat.
June beschließt dieses Manuskript mitzunehmen, abzuändern und es als ihre eigene Geschichte zu verkaufen. Sie ändert ihren Namen in Juniper Song um, um authentischer zu wirken, denn in Athenas Roman geht es um chinesische Arbeiter im Ersten Weltkrieg und June ist eine weiße Amerikanerin. Der gewünschte Erfolg stellt sich sofort ein und der Roman geht durch die Decke. Doch so ganz lässt auch June ihr schlechtes Gewissen nicht los.....

Die Idee dieses Buches ist wirklich gelungen und zeigt uns die Verlagsbranche in einem etwas anderen Licht. Die erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen. Man macht sich Gedanken, wie man selbst gehandelt hätte, wie schnell sich Erfolg ins Gegenteil wandeln kann und wie man mit kulturellem Eigentum umgehen soll. Die Charaktere sind allerdings alle nicht wirklich sympathisch und June sowieso nicht.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von June geschrieben. Manchmal spricht sie den Leser auch direkt an, was ich etwas seltsam finde. Während Athena fast zu perfekt rüberkommt, ist June alles andere als ein Sympathieträger. Sie hat geistiges Eigentum einer anderen Person an sich genommen und geht damit nicht offen und ehrlich um. Während sie zu Beginn den Erfolg genießt, blitzt doch hin und wieder das schlechte Gewissen durch, bis sie ihr Handeln selbst verleugnet. Dabei gerät Juniper in eine Spirale, die immer abgedrehter wird und sie immer mehr nach unten zieht. Ab diesen Zeitpunkt konnte ich mit der Story immer weniger anfangen.

Rebecca F. Kuang spielt mit allen möglichen Klischees aus der Welt des Verlagswesens. Ich frage mich allerdings, ob man die amerikanische Buchbranche mit der deutschen oder europäischen vergleichen kann?
Außerdem widmet sich die Autorin Themen wie Rassismus, Geschlechterstereotypen und kulturelles Eigentum. Sie hält der heutigen Gesellschaft einen Spiegel vor, die sich oftmals alleine durch die Medien ihre eigene Meinung bildet und nichts hinterfragt. Fake News und Hasskommentare sind leider keine Seltenheit, sondern findet man täglich auf allen Plattformen.

Gefallen hat mir der Blick hinter die Kulissen der Verlagswelt und wie entschieden wird, ob ein Buch zum Besteller wird. Der Druck auf Autoren und Lektoren, das ganze drumherum, wie die Präsenz in den Medien und Diskussionen um den Inhalt der Geschichte zerlegt wird, fand ich interessant. Die Frage, ob nur asiatisch stämmige Menschen über die asiatische Geschichte schreiben dürfen und ob alles andere kulturelle Aneignung ist, hat mich etwas nachdenklich zurückgelassen.
Ich muss aber gestehen, dass ich manchmal dieses Thema zu übertrieben finde, denn dann dürften sehr viele Autor:innen ihre Bücher nicht veröffentlichen. Vor allem auch im Krimi- und Thrillergenre frage ich mich, wie man das auslegen sollte/könnte... und seien wir ehrlich...was wäre die Buchwelt ohne Winnetou oder Kinder-Fantasy wie Peter Pan oder Momo? Wenn man es genau nimmt, könnte man ja auch im Fantasybereich nicht darüber schreiben, was nicht der "Wahrheit" entspricht. Bücher sind doch dazu da in andere Welten abzutauchen!

Das Ende fand ich etwas dünn und nichtssagend nach all den vielen Themen, die die Autorin aufgemacht hat. Außerdem haben wir es wieder mit einem (kleinen) offenen Ende zu tun, welches aber für mich in Ordnung ging.

Fazit:
Wirklich überzeugt hat mich der gehypte Roman leider nicht, aber ich bin trotzdem froh, dass ich ihn jetzt gelesen habe. Die Autorin bringt viele interessante Themen zur Sprache und lässt uns hinter den Vorhang der Verlagswelt schauen.

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Veröffentlicht am 08.01.2025

Krönender Abschluss mit einem weinenden Auge

Die Töchter der Ärztin
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Mit dem dritten Band der "Die Töchter der Ärztin" Reihe geht die Trilogie nun zu Ende. Leider wird es generell das letzte Buch des Autoren-Duos sein, denn ein Teil von Helene Sommerfeld ist kurz vor der ...

Mit dem dritten Band der "Die Töchter der Ärztin" Reihe geht die Trilogie nun zu Ende. Leider wird es generell das letzte Buch des Autoren-Duos sein, denn ein Teil von Helene Sommerfeld ist kurz vor der Veröffentlichung dieses Abschlussbandes verstorben, was mich wirklich traurig macht.

Für Quereinsteiger gibt es zu Beginn ein Personenverzeichnis und am Ende den Stammbaum der Familien Thomasius und Freystetten. Die Personenanzahl ist sehr umfangreich und ich würde generell empfehlen, entweder mit dem ersten Band der Ärztinnen-Reihe zu beginnen, bei der es um Ricarda geht oder mit dem ersten Band der "Die Töchter der Ärztin" Trilogie. Nachdem ich bereits alle Vorgängerbände gelesen habe, war ich wieder schnell mitten in der Geschichte.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1931 und die Zeiten werden immer unruhiger. Nicht nur die politischen Veränderungen machen Ricarda, Toni, Henny und Frieda zu schaffen, sondern auch einige private Schicksalsschläge. Während Henny sich in Kalifornien immer mehr einlebt und sie die Leitung der onkologischen Abteilung angeboten bekommt, überarbeitet sich Victor. Mehrere Filmprojekte und Partys in der Filmindustrie bringen seine Gesundheit in ernste Gefahr.
Andere Gefahren politischer Herkunft sieht Frieda, deren Mann Jonathan Jude ist und der sich immer unwohler in Berlin fühlt. Er denkt an eine Ausreise in die USA, doch Frieda will ihre Zwillinge mitnehmen. Der Kampf um das Sorgerecht für Felicitas beginnt...
Toni schwebt hingegen auf Wolke Sieben und hat Heiratspläne. Doch auch Toni muss mit einigen Schwierigkeiten kämpfen...
Auch auf Freystetten gibt es jede Menge Unruhe und Ricarda und Siegfried genießen ihren ersten Urlaub an der Französischen Riviera.

Erzählt wird wieder aus der Sicht von Ricarda, Henny und Toni. Das Setting wechselt zwischen Berlin, Los Angeles und Gut Freystetten.
Auch diesmal wird der politische und historische Hintergrund dieser Zeit perfekt in die fiktive Geschichte mit einbezogen. Der sich ausweitende Aufschwung der Nationalsozialisten und weitere Einblicke in die Filmbranche in Hollywood sind neben den medizinischen Themen allgegenwärtig. Wir treffen auf historische Figuren, wie Vicky Baum und Greta Garbo, aber auch auf Hitler und Goebbels.

Der Schreibstil ist lebendig und das Autorenpaar erzählt gefühlvoll und mitreißend. Wer die anderen Bücher von Helene Sommerfeld kennt, wird auch auf einige bekannte Figuren aus anderen Büchern treffen, was ich spannend fand.

Am Anfang des Buches findet man neben dem Familienstammbaum Stadtpläne von Berlin und Los Angeles, sowie die Route des Riviera Express von Berlin nach Monte Carlo.

Ein krönender Abschluss der Trilogie, dessen letzte Seiten ich mit Wehmut zuschlage.

Fazit:
Mit diesem letzten Band der Ärztinnen Reihe, die mich über längere Zeit begleitet hat, verabschieden wir uns von einem Autoren-Duo, welches mir interessante Lesestunden bereitet hat. Ich empfehle die insgesamt sechs Bücher über die Familie Freystetten und Thomasius gerne weiter.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Viel Inhalt auf nur wenigen Seiten

Triebwasser
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In diesem nur 175 Seiten langen Roman von Sandra Altmann steckt jede Menge Inhalt. Die Autorin hat sich rund um das historisch belegte Ereignis um den Bau des Kraftwerkes am Walchensee eine sehr authentische ...

In diesem nur 175 Seiten langen Roman von Sandra Altmann steckt jede Menge Inhalt. Die Autorin hat sich rund um das historisch belegte Ereignis um den Bau des Kraftwerkes am Walchensee eine sehr authentische fiktive Geschichte ausgedacht, die leichte Krimielemente birgt.

Wir sind kurz nach dem ersten Weltkrieg im fiktiven bayrischen Dorf Desselgrub. Die Einwohner stehen dem Bau des neuen Kraftwerkes mehr als skeptisch gegenüber. Das Elektrizitätskraftwerk soll auch in das Tal endlich elektrischen Strom bringen. Doch die alteingesessenen Dorfbewohner wollen weder Strom, noch Zuzügler. Alte Bräuche, Aberglaube und harte Arbeit spielen in Desselgrub die Hauptrolle und Neuerungen sind nicht gern gesehen. Kompromissloses Festhalten am Althergebrachten ist im Bergdorf Alltag. Genauso möchte man auch keine Menschen im Dorf haben, die "nicht hierher gehören".

Sandra Altmann gelingt ein sehr authentischer Einblick in das schwere und harte Leben in einem abgeschiedenen Bergdorf kurz nach dem Ende des ersten Weltkrieges. Während die Kinder trotz Hilfe am Hof noch Kinder sein dürfen, werden die Erwachsenen schnell in das enge Korsett gezwungen. Wenn man nicht in die Dorfgemeinschaft passt, hat man es schwer. Der Ton ist rau und hart.

Der Schreibstil ist der damaligen Zeit angepasst. Die Autorin beschreibt die Gegend und vor allem die verschiedenen Charaktere wahnsinnig bildhaft und lebendig. Man findet sich als Leser schnell mittendrin in der dörflichen Gemeinschaft, deren Los harte Arbeit ist. Der mühsame Alltag voller Plackerei und der Aberglauben, der Anfang des 20. Jahrhunderts noch in den Bergdörfern herrscht, ist jederzeit greifbar.
Wir lernen einige der Familien aus Desselgrub besser kennen und ich muss zugeben, dass mir nur wenige sympathisch waren. Vieles ist mir aus anderen historischen Romanen bekannt, einiges kenne ich noch selbst und andere Verhaltensweisen kann ich so gar nicht nachvollziehen.

Zum Ende hin spitzt sich die Lage im Dorf immer mehr zu und man spürt das drohende Unheil kommen. Dieses kommt schlussendlich aber aus einer ganz anderen Richtung, als gedacht....

Fazit:
Viel Inhalt auf wenigen Seiten, tolle Charakterdarstellungen und ein überraschendes Ende machen diesen historischen Roman zu einer tollen Unterhaltung. Ich hätte mir allerdings noch ein paar Seiten mehr gewünscht und ein paar Fakten zum Ende, welches ein paar Fragen offen lässt.

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