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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2026

Entschleunigung und Reflexion in der Gegenwart von Büchern

Yu-jins Bücherküche der großen Träume
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Yu-jin gründet im kleinen ländlichen Ort Soyangri eine Pension mit angeschlossenem Büchercafe. In ruhiger und schöner Landschaft bietet die „Bücherküche“ die Möglichkeit sich dem Lesen und Schreiben zu ...

Yu-jin gründet im kleinen ländlichen Ort Soyangri eine Pension mit angeschlossenem Büchercafe. In ruhiger und schöner Landschaft bietet die „Bücherküche“ die Möglichkeit sich dem Lesen und Schreiben zu widmen, allein oder bei Events. Gemeinsam mit zwei Mitarbeiteten schafft Yu-jin eine ruhige Atmosphäre und einen Rückzugsort für verschiedene Menschen. So erliegt eine Sängerin, eine erfolgreiche Anwältin, der Nachfolger einer durch seinen Vater betriebenen Firma, ein Auslandskoreaner und eine Freundesgruppe dem Charme des Ortes. So unterschiedlich all diese Personen sein mögen, so sehr ähneln sie sich im Grundgedanken, sie sind unzufrieden oder unsicher in ihrer derzeitigen Lebenssituation. Etwas plagt sie.

In einer ruhigen und sehr auf Details bedachten Schreibweise taucht man in die Bücherküche ein. Der Alltag und die Natur werden detailliert beschrieben man wird sanft durch die Geschichte getragen. In jedem Kapitel lernt man einen neuen Charakter kennen, seine Geschichte und Ängste. Durch die Atmosphäre des Ortes oder im Gespräch mit den Mitarbeitern der Bücherküche kommt es zur Reflexion. Gedanken werden angestoßen, nicht nur beim Charakter, sondern auch beim Leser.

Etwa störend bzw. einfach ungewohnt sind die Namen der Personen, die sehr ähnlich klingen, speziell wenn man mit dem Koreanischen nicht vertraut ist. Ein Personenregister wäre hier sicher eine Bereicherung.

Für mich ein Buch, das entschleunigt. Man darf sich keine weit getriebene Handlung erwarten, man bekommt passend zum Tempo des Buches Momente der Reflexion und des Nachdenkens präsentiert. Ich kann sehr gut verstehen warum das Buch in Korea, einem Land mit viel Leistungsdruck und gesellschaftlichen Erwartungen ein großer Erfolg ist.

Für mich ideal um kurz aus dem Alltag auszusteigen und innezuhalten.

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  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.01.2026

kurze Geschichte über das Überwinden von Hindernissen

Flockenwirbel in den Highlands
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Neil Morrison kommt nach einem Einsatz beim Militär in die Heimat zurück. Viel hat er verloren – Hoffnung, Freunde und ein Bein. Er bezieht ein abgelegenes Cottage in den Highlands, das von Rhona MacLeod ...

Neil Morrison kommt nach einem Einsatz beim Militär in die Heimat zurück. Viel hat er verloren – Hoffnung, Freunde und ein Bein. Er bezieht ein abgelegenes Cottage in den Highlands, das von Rhona MacLeod renoviert und seinen Bedürfnissen angepasst werden soll. Doch sie stößt auf Widerstand. Besonders bedrohlich wird es, als starke Regenfälle in der Region niedergehen und eine Flut Häuser und Bewohner bedroht.

Generell eine kurze Geschichte und das dritte Buch einer Serie um Personen, die es in die Highlands verschlägt. Man lernt auch Figuren aus den Vorgängerbänden kennen, braucht jedoch kein Vorwissen, um der Geschichte zu folgen.

Besonders gelungen fand ich die Tatsache, dass hier ein Kriegsversehrter eine der Hauptrollen spielt. Eine Gruppe, die man sonst nicht so oft porträtiert sieht. Die Zweifel und Hindernisse, innerliche und äußerliche werden gut thematisiert. Rhona bietet einen guten Gegensatz zum ängstlichen Neil.

Auch wenn die Geschichte auch so eine nette Unterhaltung für Zwischendurch war, hätte ich mir gewünscht, dass der Geschichte mehr Raum gegeben würde. Speziell ein solches Setting hätte mehr Platz verdient, da es meiner Meinung nach etwas unterrepräsentiert ist. Außerdem erscheinen manche Handlungen etwas rasch und übereilt, vielleicht liegt es auch daran, dass manchmal eine exakte zeitliche Einordnung nicht möglich ist.

Dennoch eine nette, kurzweilige Geschichte für zwischendurch.

Veröffentlicht am 20.01.2026

Weihnachtgeschichten mit schwarzem Humor

Arsen und Butterplätzchen
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Eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die in der Winter- bzw. Weihnachtszeit spielen. Doch dem nicht genug, beschäftigen sie sich, wie der Titel schon vermuten lässt mit Tod, Mord und/oder schwarzem Humor.
Jede ...

Eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die in der Winter- bzw. Weihnachtszeit spielen. Doch dem nicht genug, beschäftigen sie sich, wie der Titel schon vermuten lässt mit Tod, Mord und/oder schwarzem Humor.
Jede Geschichte wurde von einem anderen Autor verfasst und greift das grobe Thema auch etwas anders auf. Natürlich ist damit auch der Erzählstil etwas anders. Man findet bekannte Namen unter den Autoren und bekommt bei unbekannten wirklich oft auch Lust sich deren andere Werke anzusehen.


Generell wird geschickt mit den oft sehr hohen Erwartungen um Weihnachten gespielt, aber schon einen Absatz weiter ist alles gleich vollkommen anders als gedacht. Ich staune ob der Talente auch in wenigen Seiten einer Kurzgeschichte so geschickt eine wandelbare Geschichte zu transportieren.
Auch die Gestaltung des kleinen Büchleins darf nicht unerwähnt bleiben, greift doch auch die weihnachtliche Einleitung der Kapitel das Thema Mord kunstvoll auf.


Definitiv empfehlenswert, wenn man nicht die klassischen Weihnachtsromane möchte und vielleicht auch etwas sucht, dass man auch leicht zwischendurch lesen kann. Vielleicht darf man sich noch auf eine Variante zu einer anderen Jahreszeit freuen.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

alles neu bei Jo Nesbo- neuer Ort, neuer Ermittler

Minnesota
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Eine Geschichte, die in mehreren Ebenen erzählte, wird: 2022 folgt Holger Rudi den Spuren eines Verbrechens aus dem Jahr 2016, über das er schreiben möchte. Für dieses True-Crime-Buch ist er auf Recherchereise ...

Eine Geschichte, die in mehreren Ebenen erzählte, wird: 2022 folgt Holger Rudi den Spuren eines Verbrechens aus dem Jahr 2016, über das er schreiben möchte. Für dieses True-Crime-Buch ist er auf Recherchereise in Minneapolis und an den jeweiligen Schauoplätzen.
Im Jahr 2016 ist Ermittler Bob Oz, recht eigenwillige und psychisch angeschlagen, verantwortlich für einen Fall um einen illegalen Waffenhändler Marco Dante. Jener wurde angeschossen, lebt allerdings noch. Das Besondere – der Schuss dürfte mit einem Scharfschützengewehr abgegeben worden sein und es besteht die Möglichkeit, dass dahinter vielleicht ein legendärer Auftragskiller steht. Auf der Jagd nach dem Mörder, ist dieser immer einen Schritt voraus. Außerdem kämpft Oz mit sich selbst und seinem Schicksal – eine tote Tochter, eine Ehefrau, die ihn verlässt und Freunde, die sich zurückziehen.

Beide Erzählebenen sind von Beginn an verwoben – die Orientierung war für mich leicht, auch da die Orientierung anhand der Kapitelüberschriften einfach war. Jedoch gewinnt das Buch vor allem ab dem Moment, als man die Person Oz besser kennen lernt: Ab und zu wird noch in Rückblicken auf Bob Oz Schicksal eingegangen, so dass man den Ermittler immer mehr versteht. Es rollt sich also alles parallel auf – die Suche nach dem Täter und die Tatsache, dass Oz mit all dem bisherigen und jetzt erlebten, zurechtkommen muss.

Der Typus des Ermittlers ist dem der Vorgängerbücher Jo Nesbos ähnlich – ein Antiheld, wie auch schon bei Harry Hole. Beide kennzeichnet ein klarer Moralkodex, ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und beide sind traumatisiert. Er wird von Schuld und Verdrängung geprägt, tendiert dazu als Einzelkämpfer zu arbeiten und ist ein ausgezeichneter Ermittler.

Im Gegensatz zu bisherigen Werken des Autors, verlässt dieses Buch auch die Nordeuropäische Region und spielt eben in Minnesota, USA. Entsprechend werden auch Besonderheiten amerikanischer Großstädte aufgegriffen wie liberaleres Waffenrecht, Bandenkriminalität aber auch aktuelle Bezüge zu Trump, George Floyed und Covid werden geschickt eingewoben.

Nach allen Perspektivenwechseln laufen die Erzählungsstränge zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen, zu einem Plot mit Tiefgang und Aktualität. Eine Empfehlung wenn man einen Krimi mit ebensolchem Tiefgang sucht.

Veröffentlicht am 18.01.2026

spannend, lehrreich- so lernt man Geschichte gerne kennen

Kommissar Gennat und der Raubmord am Ku'damm
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Nahe des Berliner Kurfürstendamms wird im Januar 1936 ein Geldbote im Zuge eines Überfalls tödlich verletzt Lissy Kaminski, Frau von Reporter Max Kaminski, findet ihn gemeinsam mit Angestellten der Nahen ...

Nahe des Berliner Kurfürstendamms wird im Januar 1936 ein Geldbote im Zuge eines Überfalls tödlich verletzt Lissy Kaminski, Frau von Reporter Max Kaminski, findet ihn gemeinsam mit Angestellten der Nahen Geschäfte. Das Team um Kommissar Gennat übernimmt die Ermittlungen, auch wenn diese sich auf Grund des Zeitgeistes schon etwas anders als früher gestalten. Der Druck für erfolgreiche und rasche Ermittlungen ist hoch, möchte doch die neue Regierung der NSDAP ein makelloses Deutschland nach außen hin präsentieren, speziell da die Eröffnung der Winterolympiade bevorsteht.

Ein definitiv spannendes Werk, verknüpft es doch Tatsachen wie die Grundzüge des Falles und so mancher Personen mit fiktiven Charakteren wie dem Reporter Kaminski. So war Ernst Gennat, umgangssprachlich auf Grund der Körperfülle auch „Buddha“ oder „der Volle Ernst“ genannt, eine reale und vor allem wichtige Person in der Kriminalistik und in Berlin im Speziellen. War er doch maßgeblich dafür verantwortlich, dass Ermittlungen strukturierter abliefen und mehr systematisch dokumentiert wurde. So sollen das legendäre Mordauto – ein mobiles Büro für die Spurensicherung- und eine Verbrecherkartei auf seine Ideen zurückgehen.

Auch der Raubmord und den entsprechenden Täter hat es so auch gegeben und die Befragungen wurden nach originalen Protokollen nacherzählt. Die gesamte Ermittlungsarbeit wurde im Buch wirklich detailliert übernommen und macht das miträtseln zum Vergnügen.

Ebenso gelungen sind die allgemeinen Einblicke in das Berlin der Zeits, bzw. den Zeitgeist allgemein. Vieles davon wird durch die Erlebnisse der fiktiven Charaktere Max und Lissy Kaminsky und Georg Hawliczek transportiert. Erstere auf Grund ihrer Jüdischen Herkunft nicht mehr in ihren Berufen aktiv und in der Überlegung Berlin auf Grund des Antisemitismus zu verlassen. Letzterer als ausländischer Reporter mit Blick von außen auf das „Neue Deutschland“. Die Stimmung wird gut – und auch bedrückend transportiert. Ebenso die Tatsache, dass nicht alle zufrieden mit der neuen Situation waren.

Auch wenn dieses Werk, ein Band einer ganzen Reihe um die Person Kommissar Gennat ist, lässt es sich wunderbar eigenständig lesen. Ich bin froh die Reihe entdeckt zu haben, und werde in absehbarer Zeit auch die Vorgängerbände lesen.

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