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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.01.2026

Wohlfühlroman mit kleinen Längen

Mathilde und Marie
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In „Mathilde und Marie“ nimmt uns Torsten Woywod mit in das kleine belgische Bücherdorf Redu. Redu ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer zu laufen scheint und das Leben bewusst einfacher ist. Die junge ...

In „Mathilde und Marie“ nimmt uns Torsten Woywod mit in das kleine belgische Bücherdorf Redu. Redu ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer zu laufen scheint und das Leben bewusst einfacher ist. Die junge Französin Marie lässt ihr bisheriges Leben in Paris hinter sich und strandet eher zufällig hier, wo sie auf eine Gemeinschaft trifft, die ihr fremd und gleichzeitig überraschend vertraut vorkommt. Zwischen Buchläden und besonderen Begegnungen beginnt für sie ein leiser Neuanfang.

Der Schreibstil ist sehr bildhaft und ruhig, fast poetisch. Gerade im ersten Teil wird viel Raum für Naturbeschreibungen und Atmosphäre gelassen – mir persönlich war das stellenweise etwas zu langatmig und handlungsarm. Dafür hat mich der zweite Teil deutlich mehr abgeholt: Die Figuren gewinnen an Tiefe, Dynamiken werden greifbarer und vor allem die Entwicklung einzelner Charaktere – insbesondere auch Mathildes – hat mir gut gefallen.
Außerdem mochte ich die wechselnden Perspektiven und die Grundstimmung des Romans, die viel Wärme und Menschlichkeit transportiert.

Alles in allem ein ruhiger, gemütlicher Wohlfühlroman mit schöner Sprache und liebenswerten Figuren, mit kleinen Längen, aber auch mit vielen stillen, berührenden Momenten.

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  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 28.12.2025

Von verlorenen Wurzeln und Neuanfängen

Niemands Töchter
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Judith Hoersch erzählt in "Niemands Töchter" die Geschichte von vier Frauen. Alma wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel mit ihrer Mutter Gabriele auf, fühlt sich in ihrer Familie fremd und lebt mit ...

Judith Hoersch erzählt in "Niemands Töchter" die Geschichte von vier Frauen. Alma wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel mit ihrer Mutter Gabriele auf, fühlt sich in ihrer Familie fremd und lebt mit einem Schweigen über ihre Herkunft. Isabell lebt in Berlin und vermisst ihre Mutter Marie auf eine Weise, die ihr gesamtes Fühlen und Handeln bis in die Gegenwart hinein prägt. Als sich ihre Wege schicksalhaft kreuzen, entfaltet sich eine Geschichte, die über Generationen hinweg von Verlust und der Suche nach Zugehörigkeit erzählt.

Besonders gefallen hat mir die Sprache des Romans. Sie ist poetisch, ruhig und voller Sätze, die zum Innehalten einladen. Ich habe mir beim Lesen einige Zitate notiert (z. B. "Verzeihen und verstehen haben nicht wirklich etwas miteinander zu tun.") Zudem finde ich die Verknüpfung der verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen sehr gelungen. Die oft kurzen Kapitel, die vielen Zeitsprünge und die unterschiedlichen Stimmen der vier Frauen sorgen für ein hohes Tempo und einen durchgehend spannenden Erzählfluss. Die Geschichte nähert sich dabei behutsam den Themen Identität, Mutterschaft und Herkunft und gibt immer wieder entsprechende Denkanstöße. Die Protagonistinnen sind mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet: komplett unterschiedlich in ihren Persönlichkeiten und Lebenswegen, dabei aber stimmig und glaubwürdig in ihren Entwicklungen.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich das Zusammentreffen von Alma und Isabell, das (ohne zu viel vorwegzunehmen) etwas konstruiert und von einigen Zufällen getragen wirkt. Dennoch fügt es sich für mich insgesamt passend in die Erzählung ein.

Alles in allem ist "Niemands Töchter" ein sehr berührender, poetischer und leiser Roman. Ein tolles Debüt von Judith Hoersch, das ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Starker und bewegender Roman

Lebensbande
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Mechtild Borrmann erzählt in "Lebensbande" die Lebensgeschichten von Lene, Nora und Lieselotte, deren Wege sich zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Fall der Berliner Mauer kreuzen. In einer Zeit von ...

Mechtild Borrmann erzählt in "Lebensbande" die Lebensgeschichten von Lene, Nora und Lieselotte, deren Wege sich zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Fall der Berliner Mauer kreuzen. In einer Zeit von Angst und Gewalt entstehen Freundschaften, die Halt geben. Besonders die Geschichte um den kleinen Leo, der wegen eines Handicaps als „Reichsausschusskind“ gilt, zeigt früh, wie grausam die Realität jener Zeit war. Die Erzählung führt vom Niederrhein über Danzig bis in ein sowjetisches Gulag und macht sichtbar, wie tief die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Durch die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven bleibt die Geschichte durchweg spannend und gleichzeitig sehr kurzweilig. Die historische Einbettung ist dabei gelungen: Fakten zur Zeitgeschichte fügen sich passend in die Handlung ein und lassen die Ereignisse umso greifbarer wirken. Man bekommt ein eindringliches Gefühl dafür, wie das Leben in Kriegs- und Nachkriegszeiten ausgesehen haben muss.

Gleichzeitig ist der Roman traurig und aufwühlend, regt aber auch zum Nachdenken an. Die Figuren sind so gezeichnet, dass man schnell Nähe zu ihnen aufbaut und mit ihnen hofft und bangt. In meinem Fall habe ich das Buch als Hörbuch gehört und die Sprecherinnen haben die Atmosphäre und Emotionalität der Geschichte sehr eindrucksvoll transportiert.

Alles in allem ist "Lebensbande" ist ein sehr starkes und bewegendes Buch, das lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Cozy Herbstroman für zwischendurch

The Pumpkin Spice Latte Disaster
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Kyra Groh erzählt in "Pumpkin Spice Latte Desaster" die Geschichte von Jude, die eigentlich nur für die Hochzeit ihrer Schwester in ihr englisches Heimatdorf Lower Whilby zurückkehrt. Doch kaum angekommen ...

Kyra Groh erzählt in "Pumpkin Spice Latte Desaster" die Geschichte von Jude, die eigentlich nur für die Hochzeit ihrer Schwester in ihr englisches Heimatdorf Lower Whilby zurückkehrt. Doch kaum angekommen trifft sie James, einem Barista und Sohn ehemaliger Brit-Pop-Stars. Aus einer Zweckgemeinschaft im Café entwickelt sich eine Annäherung, die Jude vor die Frage stellt, ob sie zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich ankommen kann.

Besonders gelungen ist die liebevolle Ausarbeitung des kleinen Ortes und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Lower Whilby wirkt lebendig und authentisch. Auch der Schreibstil ist insgesamt kurzweilig, und die wechselnden Perspektiven sorgen für Abwechslung und Tempo.

Gleichzeitig blieb bei mir jedoch eine gewisse Distanz zu den Figuren. Mit Jude konnte ich mich kaum identifizieren, und auch ihre Schwester wirkte in ihren Haltungen für mich nur schwer nachvollziehbar. Viele Dialoge waren mir etwas zu forsch und mir fehlte der emotionale Tiefgang, gerade in der Beziehung zwischen Jude und James.

Insgesamt ist Pumpkin Spice Latte Desaster ein schöner Roman für zwischendurch, bei dem ich mir inhaltlich und emotional jedoch etwas mehr erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Kurzweilig, aber ohne echtes Identifikationspotenzial

Hustle
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Julia Bähr erzählt in "Hustle" die Geschichte von Leonie, die ihr Leben nach ihren eigenen moralischen Maßstäben ausrichtet. Als ihr in München das Geld ausgeht, gerät sie in ein Umfeld von Frauen, die ...

Julia Bähr erzählt in "Hustle" die Geschichte von Leonie, die ihr Leben nach ihren eigenen moralischen Maßstäben ausrichtet. Als ihr in München das Geld ausgeht, gerät sie in ein Umfeld von Frauen, die sich ihren Lebensstil mit fragwürdigen Methoden finanzieren. Fasziniert von deren Unabhängigkeit entdeckt Leonie eine eigene Geschäftsidee: bezahlte Racheaktionen für Menschen mit gebrochenem Herzen. Doch mit dem Erfolg kommen auch die Zweifel an sich selbst.

Der Roman lebt vor allem von seinem zynischen Ton und den satirischen Spitzen, mit denen gesellschaftliche Erwartungen und Entwicklungen angeprangert werden. Der Schreibstil ist flüssig und sehr kurzweilig, wodurch sich das Buch schnell lesen lässt. Gleichzeitig hatte ich jedoch große Schwierigkeiten, mich mit der Protagonistin zu identifizieren. Leonies moralische Haltung blieb für mich schwer nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass manches unrealistisch oder klischeehaft wirkt, insbesondere die Darstellung Münchens und des dortigen Lebensstils. Zwar ist die Geschichte unterhaltsam, doch mir fehlte eine klare Entwicklung in der Handlung als auch bei Leonie selbst. Das Ende kam für mich recht abrupt und einige Fragen blieben offen.

Insgesamt ist "Hustle" ein flüssig geschriebener Roman mit Unterhaltungswert, der für mir jedoch noch etwas mehr Tiefe hätte vertragen können.

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