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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Ungewöhnlicher Ansatz, starke Sprache

Grüne Welle
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Esther Schüttpelz erzählt in "Grüne Welle" von einer Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin eigentlich nach Hause fahren will. Eine Umleitung bringt sie jedoch von ihrem Weg ab und aus ...

Esther Schüttpelz erzählt in "Grüne Welle" von einer Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin eigentlich nach Hause fahren will. Eine Umleitung bringt sie jedoch von ihrem Weg ab und aus dieser kleinen Abweichung wird eine immer längere Fahrt durch die Nacht, während sich gleichzeitig die Frage für die Frau aufdrängt, ob die Rückkehr zu ihrem Mann überhaupt noch der richtige Weg wäre.

Der Roman hat für mich einen sehr spannenden Ansatz, der meiner Meinung nach sehr gelungen umgesetzt wird. Der Schreibstil ist poetisch und eindringlich mit vielen Impulsen, die zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig liest sich das Buch sehr schnell, weil der Spannungsbogen durchweg hoch ist und man wissen möchte, wohin diese scheinbar endlose Fahrt führen wird.

Besonders interessant fand ich, dass die Figuren anonym bleiben und vieles nur angedeutet wird. Situationen und Hintergründe werden nie vollständig erklärt, wodurch viel Raum für Interpretation bleibt. Für mich sehr stimmig zum gesamten Buch.

Etwas enttäuscht hat mich allerdings das Ende. Zwar bleibt es offen, was grundsätzlich gut zum gesamten Buch passt. Für mich fühlte es sich jedoch eher wie ein Rückschritt an, und ich hätte mir für die Frau einen anderen Ausgang gewünscht.

Alles in allem ist „Grüne Welle“ aber ein toller Roman mit einem ungewöhnlichen erzählerischen Ansatz.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Starker Beginn, Fragezeichen am Ende

Open Hearts
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Roxy Dunn erzählt in "Open Hearts" von Misty, die nach einer Trennung zurück in ihr Kinderzimmer zieht und über eine Dating-App Christopher kennenlernt. Obwohl er in einer offenen Beziehung lebt, lassen ...

Roxy Dunn erzählt in "Open Hearts" von Misty, die nach einer Trennung zurück in ihr Kinderzimmer zieht und über eine Dating-App Christopher kennenlernt. Obwohl er in einer offenen Beziehung lebt, lassen sich die beiden auf einen zeitlich begrenzten Deal ein. Doch je näher sie sich kommen, desto mehr verschwimmen die vereinbarten Grenzen.

Der Roman hat für mich einen sehr starken Einstieg: Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, sodass ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Besonders spannend fand ich, dass das Thema offene Beziehung literarisch aufgegriffen wird und Fragen nach Selbstbestimmung, Nähe und emotionaler Abhängigkeit in den Mittelpunkt rücken. Im Verlauf hatte ich jedoch zunehmend Schwierigkeiten mit den Figuren. Mistys Entscheidungen wirkten für mich teilweise schwer nachvollziehbar, während Christopher eher blass blieb und man wenig Einblick in seine Perspektive bekommt. Dadurch fühlte sich die Dynamik zwischen den beiden an manchen Stellen etwas merkwürdig/bizarr und der zweite Teil konnte für mich nicht mehr ganz an die Stärke des Beginns anknüpfen. Das Ende passt zwar gut zur Botschaft des Buches, dürfte aber alle enttäuschen, die ein klassisches Happy End erwarten.

Alles in allem ist „Open Hearts“ ein Roman mit einem interessanten Beziehungsansatz und starkem Auftakt, der mich am Ende allerdings mit ein paar Fragezeichen zurücklässt.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Ein mehr als würdiger Nachfolger von "Klapper"!

Salto
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Kurt Prödel erzählt in "Salto" von Marko, der nach dem Abitur zwischen Zukunftsangst, Liebeskummer und Stillstand feststeckt, während seine große Liebe Claire entschlossen in ein neues Leben aufbricht. ...

Kurt Prödel erzählt in "Salto" von Marko, der nach dem Abitur zwischen Zukunftsangst, Liebeskummer und Stillstand feststeckt, während seine große Liebe Claire entschlossen in ein neues Leben aufbricht. Die beiden treiben immer weiter auseinander bis ihre Leben aus dem Gleichgewicht geraten.

Wie schon in seinem Debütroman "Klapper" überzeugt Kurt Prödel mit einem sehr flüssigen und eindringlichen Schreibstil. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte greift schwerwiegende Themen wie Trauer, Krankheit, Identitätsfindung, Abschied und erste Liebe auf, wodurch eine eher melancholische Grundstimmung entsteht, die jedoch sehr gut zur Handlung passt. Besonders gefallen hat mir der Aufbau mit den oft sehr kurzen Kapiteln, die aber umso mehr Inhalt bereithielten. Ich habe mir beim Lesen einige Zitate markiert, z. B. "Vielleicht sieht Glück so aus wie gebrochenes Licht in einem fleckigen Spiegel." (S. 258)

Die Figuren des Romans sind vielschichtig, auch wenn ich mich nicht immer hundertprozentig mit ihnen identifizieren konnte: Claire blieb für mich etwas distanziert und unnahbar, Marko in manchen Entscheidungen schwer nachvollziehbar. Markos Vater hingegen ist mir sehr ans Herz gewachsen. Weitere Nebenfiguren bleiben eher skizzenhaft, was den Fokus stark auf die innere Entwicklung der Hauptfiguren lenkt.

Alles in allem ist „Salto“ für mich ein mehr als würdiger Nachfolger von „Klapper“: ein intensiver Coming-of-Age-Roman, den ich direkt verschlungen habe. Ich freue mich auf die nächsten Werke von Kurt Prödel.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Flirrende Atmosphäre, tolle Charaktere & behutsame Liebesgeschichte

Restsommer
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Kea von Garnier erzählt in „Restsommer“ von Dominik, der eigentlich das Bestattungsinstitut seines Vaters übernehmen soll. Doch je näher das Abitur rückt, desto lauter werden seine Zweifel an diesem vorgezeichneten ...

Kea von Garnier erzählt in „Restsommer“ von Dominik, der eigentlich das Bestattungsinstitut seines Vaters übernehmen soll. Doch je näher das Abitur rückt, desto lauter werden seine Zweifel an diesem vorgezeichneten Weg. Zwischen familiären Erwartungen, eigenen Zukunftsfragen, dem Zusammentreffen mit Biff und der ersten großen Liebe gerät sein Leben ins Wanken.

Das Buch hat für mich eine echte Sogwirkung entwickelt. Die Atmosphäre ist dicht und eindrücklich, dieses flirrende Sommergefühl zwischen Aufbruch und Abschied war beim Lesen deutlich spürbar. Die Figuren – vor allem Dominik und Biff – sind mit viel Tiefe gezeichnet, ihre Geschichte hat mich sehr berührt und ich habe mich regelrecht in ihre Dynamik verliebt. Der Spannungsbogen bleibt das gesamt Buch hinweg hoch, auch weil die Themen Identitätsfindung, Zukunftsangst und Selbstbestimmung behutsam und vielschichtig behandelt werden. Das Ende empfand ich als stimmig, weil es genau zu dieser Lebensphase passt, in der eben noch nicht alles entschieden ist. An manchen Stellen bewegt sich die Geschichte nah am Klischee, was dem Gesamteindruck für mich jedoch keinen großen Abbruch getan hat.

Alles in allem ist „Restsommer“ ein toller Roman über das Erwachsenwerden und den Mut, den eigenen Weg zu suchen. Eine große Empfehlung für mich.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Stark erzählt, ernüchternd verbunden

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Alena Schröder erzählt in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Hannah und Marlen, zwei starken Frauen und ihrem Leben. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen: Hannah lebt in Berlin ...

Alena Schröder erzählt in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Hannah und Marlen, zwei starken Frauen und ihrem Leben. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen: Hannah lebt in Berlin im Jahr 2023 und plötzlich taucht ihr Vater wieder auf. Gleichzeitig wird von Marlen erzählt, die 1945 in Güstrow bei der Malerin Wilma unterkommt. Die Geschichte wird verbunden durch ein Kunstwerk auf Leinwand. Bei „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ handelt es sich um den dritten Teil der Familientrilogie rund um Hannah und Evelyn Borowski, den man aber auch ganz ohne Vorwissen gut folgen kann.

Vorneweg: Der Schreibstil, die abwechselnden Perspektiven, die unterschiedlichen Charaktere und der durchweg hohe Spannungsbogen haben mir sehr gut gefallen. Ich hatte das Buch in kürzester Zeit durch und bin begeistert von Schröders Fähigkeit eine rundum spannende Geschichte zu entspinnen. Eher im Hintergrund ist in diesem Roman der geschichtliche Kontext – man erfährt nur am Rande vom Massensuizid in Demmin und der Besatzung durch Russland. Für mich ist es aber dennoch gelungen und passend zum Buch.

(Hinweis: Spoilerwarnung) Was mich leider etwas ernüchtert hat war das Ende und die Auflösung des Zusammenhangs von Hannah und Marlen: Hier hatte ich mir tatsächlich eine engere Verbindung gewünscht – an sich sind es für mich nun jeweils zwei in sich gute Geschichten, deren Verbindung im abschließenden Epilog hingegen konstruiert und etwas zufällig wirkt. Auch die Frage rund um die Bedeutung des Kunstwerks für Hannah, das sie ja bereits vorher aufwendig gesucht hat, bleibt für mich etwas offen.

Alles in allem ein Buch, dass sich bis zum Ende sehr spannend liest – und mich dann allerdings in der Auflösung doch eher enttäuscht hat.

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