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Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein Bild mit Bedeutung

Die schlafenden Hunde von Dublin
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Bald soll Patsy Logan ihren Dienst im Kommissariat in München wieder antreten. So eine Auszeit geht doch schnell vorbei. Davor lässt sich Patsy schon mal blicken zur Veröffentlichung des ersten Kriminalromans ...

Bald soll Patsy Logan ihren Dienst im Kommissariat in München wieder antreten. So eine Auszeit geht doch schnell vorbei. Davor lässt sich Patsy schon mal blicken zur Veröffentlichung des ersten Kriminalromans des Kollegen Sebi. Seine Ermittlerin hat doch gewisse Ähnlichkeiten mit Patsy, reiner Zufall natürlich. Etwas anderes berührt Patsy viel mehr. Der Besitzer des Irish-Pub, in dem Patsy früher häufiger war, ist in Dublin tot aufgefunden worden. Eigentlich wollte sie sich schon länger mal wieder mit ihm treffen, er hatte auch angerufen. Und nun ist es zu spät. Bei seinen Sachen ist ein altes Foto aufgetaucht, auf dem auch Patsy zu sehen ist.

Auch in ihrem fünften Fall führen die Wege Patsy Logan zwischen München und Dublin hin und her. Da sie den verstorbenen Pubbesitzer persönlich kannte, wird Patsy natürlich nicht mit den Ermittlungen betraut. Ihre Auszeit ist ja auch noch nicht ganz um. Aber natürlich versucht sie doch herauszufinden, wieso der alte Freund ihres Vater so plötzlich umgebracht wurde. Wer kann lange Jahre nach dem Verschwinden von Patsys Vater in den 1990ern einen Grund haben, Fergal den Tod zu wünschen? Mit ihrer Mutter kann Patsy nicht gut reden, das ging noch nie. Und die Kollegen in Irland wollen auch mit Patsy sprechen.

Zum Ende des Winters reist Patsy Logan nach Dublin, um ihren alten Freund zu verabschieden. Das sieht man auch an dem ein wenig düster gestalteten Titelbild. Diesmal ruft der Fall noch mehr Erinnerungen in Patsy hervor als sonst. Das Verschwinden ihres Vaters, hat sie nie richtig verarbeitet und Fergal hat ihr manchmal durchaus Halt gegeben. Einige seiner Entscheidungen kann sie sich jetzt aber nicht erklären. Und doch könnte es einen Zusammenhang geben. Wie Patsy daran geht, die Rätsel zu lösen und wie sie gleichzeitig ihre Trauer verarbeiten muss, ist sehr spannend zu lesen. Man wird förmlich vom Lauf der Ereignisse mitgerissen und ist manches mal überrascht wie sich einige lose Fäden zusammenfügen. Und wie immer ist einiges ganz anders und man hofft, dass es von Patsy Logan noch viel zu erzählen gibt.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Intrigenpolitik

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Alles okay, Nina ist wirklich fein damit, dass ihr Ex-Mann mit seiner wesentlich jüngeren neuen Frau Zwillinge hat. Auch dass er in der Villa lebt und sie selbst in einer kleinen Wohnung. Ihre eigenen ...

Alles okay, Nina ist wirklich fein damit, dass ihr Ex-Mann mit seiner wesentlich jüngeren neuen Frau Zwillinge hat. Auch dass er in der Villa lebt und sie selbst in einer kleinen Wohnung. Ihre eigenen Kinder sind ihr ganzer Stolz und gehen so langsam ihren Weg. Aber soll das mit fast fünfzig Jahren wirklich alles gewesen sein? Dann lernt Nina den etliche Jahre jüngeren David kennen. Wenn sie nicht schon aus dem Alter raus wäre, könnte sie annehmen, sie ist verliebt. Mit einem so viel jüngeren Mann kann das natürlich nicht gutgehen. Und in Ninas Firma wollen die alten weißen Männer ihre Machtposition behalten.

Schon als Jugendliche hat sich Nina um ihre jüngere Schwester Lena gekümmert. Nicht immer sind die beiden einer Meinung, aber irgendwie raufen sie sich doch meist zusammen. Ein wenig neidisch ist Nina schon, weil Lena alles hat, was Nina verloren hat. Jedenfalls sieht es so aus. Gerade jetzt beschäftigt sich Nina auch damit, was ist, wenn es ihrer Mutter mal nicht mehr so gut geht. Gerade jetzt nach einem kleinen Unfall der Mutter, merkt sie, dass das schneller kommen kann als gedacht. In Ninas Firma spielen sich eigenartige Szenen ab, die ihr sehr zu denken geben. Bei allem, was auf sie einströmt, geraten die Gedanken an David fast ins Hintertreffen.

Dieses Hörbuch wird vorgetragen von Katja Riemann und Anna Maria Mühe. Dabei bringt die leichte angezickte Selbstironie von Katja Riemann eine große Lebendigkeit und die Kühle von Anna Maria Mühe einen angenehmen Gegensatz. Gerade der Gegensatz macht den Vortrag komplett.

Das Buch ist vor ungefähr einem Jahr erschienen und wegen des relativ langen und bunt gestalteten Titels aufgefallen. Wie so oft, gibt es einfach zu viele ansprechende Veröffentlichungen, so dass es der Nominierung für den deutschen Hörbuchpreis bedurfte, sich den Titel in Erinnerung zu rufen. Gerade die Interpretation durch die beiden Sprecherinnen gibt dem Roman noch eine zusätzliche positive Komponente. Auch die Thematik einer etwas älteren Frau, die einen jüngeren Mann kennenlernt, ist gut gewählt. Denn es ist leider immer noch so. Ein älterer Mann mit einer jüngeren Frau gilt als toller Hecht. Im umgekehrten Fall jedoch scheint man sich eher zu fragen, wie eine Frau sich das herausnehmen kann. Da sollte die Gesellschaft noch lockerer werden. Auch bei den Vorgängen in Ninas Firma kann man manchmal kaum glauben, dass die meist männlichen Vorgesetzten noch nicht weiter sind. Wobei, gemessen an aktuellen Veröffentlichungen und den Reaktionen darauf und dem Lauf der Welt insgesamt, muss man sich schon fragen, weit rückwärts die Entwicklung noch gehen soll. Da ist die durchaus humorvolle Aufarbeitung im vorliegenden Roman eine erfrischende Abwechslung. Beim Zuhören kann man sich ein wenig erholen und hoffen, das doch noch alles gut wird.

Veröffentlicht am 28.02.2026

Maries Mutter

Das verschlossene Zimmer
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Im Krakau des Jahres 1939 will die siebzehnjährige Marie endlich wissen, wieso ihre Mutter sie verlassen hat. Ihr Vater, der angesehene Arzt Dr. Dominik Karski, bleibt ihr schon seit Jahren eine Antwort ...

Im Krakau des Jahres 1939 will die siebzehnjährige Marie endlich wissen, wieso ihre Mutter sie verlassen hat. Ihr Vater, der angesehene Arzt Dr. Dominik Karski, bleibt ihr schon seit Jahren eine Antwort schuldig. Jetzt wird sie endlich das Geheimnis seiner immer abgeschlossenen Schlafzimmertür lüften. Sie bricht die Tür auf und ist enttäuscht, denn es tut sich keine sensationelle Erkenntnis auf, nur ein kleines Kästlein ist versteckt, welches auch keine Erklärung bringt. Nun wendet sich Marie zunächst ihrem zweiten Ziel zu, sie möchte unbedingt studieren. Doch die Zeichen, dass es zum Krieg kommen kann, werden immer deutlicher. Und wenn Frauen als Studentin sowieso schon nicht erwünscht sind, so sind sie es in dieser Zeit noch weniger.

Auch wenn zu befürchten ist, dass es zum Krieg kommt, haben Menschen auch in dieser Zeit persönliche Schicksale. Manchmal gewinnt Marie den Eindruck, einige ihrer Landsleute freuen sich sogar auf den Einmarsch der Deutschen. Einige der miesesten Eigenschaften der künftigen Besatzer nehmen sie schon mal gerne an. So werden die jüdischen Mitbürger schon mal weitgehend ausgegrenzt. Diese Einstellung kennt auch Dr. Karski insbesondere von einem unsympathischen Kollegen in der Klinik. Die Lage wird immer bedrohlicher und seine Sorge um seine intelligente und hartnäckige Tochter immer größter.

Beim Lesen dieses spannenden historischen Familienromans möchte man manchmal in die Tischkante beißen. In hin und wieder lieblicher Sprache wird von schreienden Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten berichtet. Die Frauen haben eine so untergeordnete Stellung, dass es so scheint als könnten sich die Männer alles mit ihnen erlauben. Und die Stellung der Juden könnte nicht noch schlechter sein. Da wird beinahe alles als Ausrede genommen, um ausfallend werden zu können. Allerdings verhallen des Doktors Warnungen bei seiner Tochter eher ungehört. In welche Schwierigkeiten sie sich bringt, wird eindringlich geschildert. Schwierigkeiten, die es eigentlich garnicht geben dürfte. Früher war eben nicht alles besser und man kann froh sein, dass man heute lebt, jedenfalls solange freiheitliche Gesellschaften noch existieren. Bedauerlich, dass man heutzutage diese Einschränkung machen muss. Zum Ende hin wird dieser Roman nochmal richtig packend.

Veröffentlicht am 26.02.2026

Wie ein Traum

Wahnsinnszeit
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Es ist der November 1989 und auf einmal ist die Mauer offen. Die Bilder im Fernsehen sind beinahe nicht zu glauben. Die Studienfreunde Jo, Thies, Ava und Eliza wollen sich auf den Weg nach Berlin machen. ...

Es ist der November 1989 und auf einmal ist die Mauer offen. Die Bilder im Fernsehen sind beinahe nicht zu glauben. Die Studienfreunde Jo, Thies, Ava und Eliza wollen sich auf den Weg nach Berlin machen. In Jos altem Audi. Dass stellt sich zwar als schwieriger heraus als geahnt, aber sie haben eine coole Zeit. Eliza hat mit dem Studium gerade erst angefangen. Von Ava sind alle fasziniert und Thies ist so ein stiller Typ. Maria ist unsicher, ob sie sich den Erwartungen der Eltern fügen soll oder ob sie sich zu ihrer Freundin bekennt.

Während des Studiums begegnen sich häufig Menschen, die sich im Aufbruch befinden. Sie haben ähnliche Interessen und Einstellungen und so ein einschneidendes Ereignis wie die Maueröffnung schweißt zusätzlich zusammen. Bald jedoch merken die Freunde, dass Ava sich anders verhält als sonst. Ihre schillernde Persönlichkeit bekommt irgendwie etwas überdrehtes. Eliza, deren Vater englischer Soldat ist, hat schon deshalb eine besondere Kindheit erlebt. Für sie bedeutet das Studium und ihre neuen Freunde besonders viel. Auch nach der Grenzöffnung geht das Leben weiter. Das Unerwartete wird zum Normalen, die große Freude flaut ab. Und die Freunde merken, dass sich für ihr persönliches Leben erstmal nicht so viel tut.

Wenn man sich selbst an die Zeit erinnert, dann ist da sicher dieses ungläubige Staunen präsent. Schließlich hätte man nie damit gerechnet, dass sich diese Grenzen jemals öffnen würden. Es war ein Freudentaumel, in dem die Besuche hin und her gingen. Leider ist davon nicht viel übrig. Dennoch erinnert man sich an diese tolle Zeit des Aufbruchs, wo man dachte, die Welt wäre besser geworden. Dieses zu spüren, hat man vielleicht auch von diesem Roman erwünscht. Doch bleibt dieser dicht bei den handelnden Personen. Es geht um den Verlauf ihrer Studienzeit, ihre persönliche Entwicklung. Wie im richtigen Leben gibt es negative und positive Entwicklungen. Einfach das Erleben der frühen Neunziger. Aus dem Titel heraus hat man wohl etwas anders erwartet, eben eine Wahnsinnszeit und nicht eine Beschreibung vom normalen auf und ab. Das ist auf eine andere Art auch lesenswert.

Veröffentlicht am 22.02.2026

Vermittle Hausangestellte aller Art

Mord in besserer Gesellschaft
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Mrs. Alice Beaton leitet eine Agentur zur Vermittlung von Hausangestellten für die bessere Londoner Gesellschaft. Eigentlich war ihr ein anderes Leben bestimmt, wenn es da nicht die Sache mit der männlichen ...

Mrs. Alice Beaton leitet eine Agentur zur Vermittlung von Hausangestellten für die bessere Londoner Gesellschaft. Eigentlich war ihr ein anderes Leben bestimmt, wenn es da nicht die Sache mit der männlichen Erbfolge gegeben hätte. Nun soll sie auch noch für die Schulden ihres Bruders aufkommen und lebt trotzdem nicht im Herrenhaus, sondern in einer bescheidenen Wohnung in London. Als Camille Mesent, eine langjährige Kunden, sie bittet, ihr eine Haushaltshilfe zu vermitteln, ist es für Alice nicht leicht. Wenn sie ehrlich wäre, müsste sie zugeben, dass im Moment niemand verfügbar ist. Wenn da nicht Enya zur Tür hereinspazierte, die gerade ideal auf die Stelle passt.

Zwar ist noch kein weiterer Band angekündigt, doch deutet einiges darauf hin, dass es noch mehr von Alice Beaton zu lesen oder zu hören sein wird. In ihrer Agentur hat sie ein sympathisches Team um sich versammelt. Dass sie in einen Kriminalfall hineinstolpert, war natürlich nicht geplant. Eher würde sie gerne ihre Finanzen und ihr Leben in Ordnung bringen. Dazu kann sie natürlich nicht auf das Geld der Messnts verzichten. Und dann läuft einiges anders als geplant. Nur die Bekanntschaft mit dem netten Kommissar ist ein echter Bonus.

Dieses Hörbuch lässt sich gut weghören, was auch an der sehr gut ausgewählten Vorleserin Kaja Sesterhenn liegt, die den handelnden Personen Leben einhaucht.

Ja, auch in der sogenannten besseren Gesellschaft ist nicht alles so wie es scheint. Den Messents scheint es an Nichts zu fehlen. Doch je mehr man gezwungen ist, sich mit ihnen zu beschäftigen, desto mehr Brüche tun sich auf. Das merkt auch Alice Beaton als ihre Aushilfe im Haushalt der Messents unter ungeklärten Umständen zu Tode kommt. Um Schaden von ihrer Agentur abzuwenden, beginnt Alice selbst Nachforschungen anzustellen. Wie es ihr dabei ergeht, kann man auf vergnügliche Art und Weise in diesem kurzweiligen cosy Crime erfahren. Nur eine Kleinigkeit ist wirklich störend. Ansonsten jedoch fühlt man sich bestens unterhalten und verfolgt gespannt, ob Alice Beatons Bemühungen erfolgreich sind.