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Veröffentlicht am 15.04.2026

Clownmama

Da wo sonst das Gehirn ist
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Alina ist siebzehn. Weil sie an ihrer alten Schule gemobbt wurde, ist sie auf eine neue Schule gewechselt. Die Klasse ist mit elf Schülern und Schülerinnen klein. Beim Kennenlernabend von Eltern, Lehrern ...

Alina ist siebzehn. Weil sie an ihrer alten Schule gemobbt wurde, ist sie auf eine neue Schule gewechselt. Die Klasse ist mit elf Schülern und Schülerinnen klein. Beim Kennenlernabend von Eltern, Lehrern und Schülern ist Alinas Mutter gleich wieder peinlich. Sie bietet sich an eine Feier zu organisieren und Corvins Vater steigt mit ein. Nach dem Abend steigen sie zusammen ins Bett. Wie gesagt, peinlich. Dass Alinas Mutter hauptsächlich als Clown arbeitet, hängt sie lieber nicht an die große Glocke. Wenigstens läuft es in der Klasse besser als vorher. Alina ist gut im Programmieren und für den Thementag programmiert sie eine Klassen-App.

Als ob Alina mit dem Erwachsenwerden nicht genug am Hals hätte. Ihre Mutter benimmt sich manchmal kindisch. Dass sie dann auch noch die Miete nicht zahlt, macht es auch nicht besser. Alinas Ziehvater könnte sich auch etwas besser kümmern. Aber als seine Ex-Familie aus der Wohnung fliegt, nimmt er noch nicht mal seine Tochter für länger auf. Und so landen Alina und Ulli bei eben jenem Vater, dem Ulli eh schon das Bett gewärmt hat. Manchmal könnte Alina echt schreien. Und die App macht ihr auch mehr Arbeit als gedacht. Irgendwas läuft nicht wie gedacht.

An der Schwelle zum Erwachsenenleben herrscht hin und wieder ein ziemliches Chaos. Das kann sowohl im Umfeld sein, aber häufig auch mehr noch im Inneren der jungen Menschen. Bei Alina kommt beides zusammen. Ihre Familie ist schon interessant zusammengesetzt, aber das Chaos im Kopf ist auch nicht leicht im Zaum zu halten. Und der Stress mit ihrer Mutter und auch der neuen Unterkunft tut ein Übriges. Irgendwann scheint die Situation kurz vor der Explosion zu stehen. In einige der Eskapaden kann man sich als älterer Leser nicht mehr so gut hineinversetzen und je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr kommt einem das Ganze etwas drüber vor. Zum Glück kommt die Story zu einem versöhnlichen Ende. Und da sich die Lektüre als spannend erweist, kann der Roman einen guten Zeitvertreib bieten.


Veröffentlicht am 14.04.2026

Schlaflied

Buddenbrooks
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Die Buddenbrooks sind eine angesehene Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Der alte Konsul und seine Gattin halten die Familie zusammen. Die Kinder Thomas, Christian und Tony sind quasi auf dem Weg in die Welt. ...

Die Buddenbrooks sind eine angesehene Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Der alte Konsul und seine Gattin halten die Familie zusammen. Die Kinder Thomas, Christian und Tony sind quasi auf dem Weg in die Welt. Thomas soll einmal die Firma übernehmen, Christian wird schon etwas finden und Tony verbringt einen Urlaub an der See, wo ihr eine zarte Liebe begegnet. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft. Wann beginnt es schiefzugehen? Als Tony sich in eine Ehe mit einem Geschäftsmann dränen lässt, der als Ehemann genauso wenig taugt wie als Unternehmer. Eine Scheidung in dieser angesehenen Familie. Wann gab es das schon mal?

Eigentlich meint man, es könne gar nichts passieren. Alles müsste immer so weitergehen. Doch die Fassade bekommt Risse. Letztlich verliert die Familie mit jeder schlechten Entscheidung, jeder schlechten Ehe, jedem Streit auch Geld. Thomas als Erbe führt die Firma schon mit Erfolg weiter, doch mehren kann er das Kapital nicht. Und Christian, der selbst nichts rechtes wird, drängt auf seinen Anteil. Und die Erben? Tony hat nur eine Tochter und bei Thomas lässt ein Stammhalter lange auf sich warten. Und als er endlich da ist, fehlt es ihm an Energie und Einsatzwillen. Lieber beschäftigt er sich mit Musik.

In der ARD Audiothek ist dieses Hörbuch zu finden. Ganz hervorragend neu eingelesen von Thomas Sarbacher. Es sind schon etliche Stunden, die zu bewältigen sind. Möglicherweise auch gedacht als letzte halbe Stunde vorm Schlafen gehen. Vielleicht erinnert man sich, dass man das Buch vor ewigen Zeiten mal gelesen hat und es doch eher als dröge empfand. Und doch schleicht es sich langsam in die Gedanken und regt an, doch genauer zuzuhören. So uninteressant ist es ja doch nicht. Zwar hat das mit dem Niedergang schon seine Begründung und die epischen Beschreibungen des Leidens sind na ja eben episch. Doch wenn verschiedenste Sprachfärbungen zu Anwendung kommen, wenn die Äußerungen manchmal etwas krude erscheinen, dann schmunzelt man doch und denkt, habe ich das alles überlesen. Wahrscheinlich reißt es die gesprochene Interpretation einfach raus. Es sind zwar ganz schön viele knappe halbe Stunden, aber letztlich vergehen sie schneller als gedacht.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein anderer

Meine Berge bist du
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In einem Regen sieht der Erzähler einen alten Mann draußen herumlaufen. Er lädt den alten Herrn in sein Haus ein, damit dieser sich aufwärmen kann. Der alte Mann heißt Guido Conti und er bittet den Erzähler ...

In einem Regen sieht der Erzähler einen alten Mann draußen herumlaufen. Er lädt den alten Herrn in sein Haus ein, damit dieser sich aufwärmen kann. Der alte Mann heißt Guido Conti und er bittet den Erzähler in sein bescheidenes Heim, dass er mit seiner Katze Moglie bewohnt. Sein Wunsch ist es, die Briefe vorgelesen zu bekommen, die er schon immer aufbewahrt. In den Briefen entspinnt sich eine tragisch schöne Geschichte über die Berge und die Menschen, die dort leben. Es beginnt mit dem Jungen Onesto, der zu seiner Mutter zurück gebracht wird und den Bruder kennenlernt, der genauso aussieht wie er.

In diesem berührenden Werk verbindet sich die späte Freundschaft zwischen Guido Conti und dem Erzähler mit der, die in den Briefen erzählt wird. An die Berge hat Onesto geschrieben und den Briefträger damit in arge Schwierigkeiten gebracht. Irgendwie hat Guido Conti die Briefe in einer Mappe gesammelt und lässt sie sich nun vorlesen. Onestos karges und doch erfülltes Leben, seine Verbindung zu den Bergen und den Menschen, rührt etwas in dem Erzähler an, dem er sich nicht verschließen will. Zwischen dem Erzähler und dem alten Guido entwickelt sich eine besondere Freundschaft. Guido zeigt eine Zufriedenheit und Fröhlichkeit, die ansteckend wirkt.

Hier wird ein wirklich berührendes Werk vorgelegt. Es erzählt von zwei Brüdern, die sich zunächst nicht kannten und schon beim ersten Treffen eine Verbindung hatten. Sie leben in den Dolomiten und die Mutter hat es schwer, sie zu versorgen. Bald lernen sie Celeste und ihre Brüder kennen. Dass sich sowohl Onesto als auch Santo in sie verlieben, hat eine große Tragik. Die Erzählung bekommt eine Note von Verzicht, von Hoffnung und großer Liebe. Angerührt liest man Seite um Seite. Die Rahmenhandlung um die späte Freundschaft des alten Mannes zu dem jüngeren Erzähler zaubert ein Lächeln herbei. Wie schön, diese Zufriedenheit, aber auch die Offenheit auf beiden Seiten. Diese Verbindung zwischen jung und alt, diese gegenseitige Offenheit, das Interesse, es ergibt einfach eine schöne Geschichte, die in ihrer Gesamtheit wunderbar komponiert ist.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Die Krankenschwester

Lebensbande
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Sie hat jahrelang als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem kleinen Häuschen in Kühlungsborn bekommt im Jahr 1991 einen Brief von der Rentenversicherung. Sie soll ihre Zeiten vor 1953 nachweisen. Dadurch ...

Sie hat jahrelang als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem kleinen Häuschen in Kühlungsborn bekommt im Jahr 1991 einen Brief von der Rentenversicherung. Sie soll ihre Zeiten vor 1953 nachweisen. Dadurch werden Erinnerungen geweckt, denen sie sich eigentlich nicht mehr stellen wollte. Nun denkt sie zurück an die Zeit vor dem Krieg und die des Krieges. Ihre Freundin und Cousine Lene war damals schon verheiratet und leider nicht sehr glücklich. Und doch hatte sie bald drei Kinder und war noch vor Ausbruch des Krieges verwitwet. Ihre Freundin Lieselotte hat sie erst viel später kennengelernt als das Schicksal sie in ein Lazarett in Danzig verschlagen hatte.

Nora, Lene und Lotte sind kein Dreigestirn. Eher ist es Nora, die im Mittelpunkt steht. Sie durfte Krankenschwester werden und träumte davon, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Allerdings war ihr dieses nicht vergönnt. Umso gewissenhafter ging sie ihrer Tätigkeit als Krankenschwester nach. Als Lenas ältester Sohn in große Gefahr gerät, geht Nora ein großes Risiko ein, um ihrer Freundin und ihrem Kind zu helfen. Ihre Versetzung nach Danzig bringt Nora in Kontakt zu Lotte. Die Beiden schaffen es nicht sich vor den Russen in Sicherheit zu bringen und kommen in ein Arbeitslager, wo ihr Schicksal lange ungewiss bleibt.

Mechtild Borrmann versteht es hervorragend ihren Lesern und Leserinnen geschichtliche Ereignisse nahezubringen. Die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, in der die Gehilfen des Nazi-Regimes ihre niedrige Gesinnung schon deutlich zeigten und sich erdreisteten über Wert und Unwert zu entscheiden.Die Zeit des Krieges, wo einige wohl schon erkannten, dass es mit diesem Regime nicht mehr allzu weit her ist, und doch nicht zu reden wagen. Die Zeit nach dem Krieg, wo noch viele Deutsche in russischen Lagern gefangen waren. Eine harte Zeit, die nicht jeder überstanden hat. Einige erklärende Worte der Autorin machen die handelnden Personen noch nahbarer. Wieder einmal zeigt die Autorin ihre Klasse mit einem ausgesprochen lesenswerten Roman.

Veröffentlicht am 11.04.2026

Der Lehrer

Jugend ohne Gott
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Die Eltern des Lehrers sind sehr stolz auf ihn, er hat einen sicheren Arbeitsplatz und Anspruch auf eine Pension. Allerdings leidet der Lehrer unter dem Unterricht. Er soll Erdkunde und Geschichte unterrichten. ...

Die Eltern des Lehrers sind sehr stolz auf ihn, er hat einen sicheren Arbeitsplatz und Anspruch auf eine Pension. Allerdings leidet der Lehrer unter dem Unterricht. Er soll Erdkunde und Geschichte unterrichten. Beinahe versehentlich spricht er während des Unterrichts gegenüber einem Schüler eine simple Wahrheit aus. Daraufhin beschweren sich die Eltern des betroffenen Schülers und für den Lehrer ist auf einmal Vorsicht geboten. Aber er will seine sichere Stellung behaupten und korrigiert gewissermaßen nur noch Rechtschreibfehler. Dann jedoch wird von oben beschlossen, dass die vierzehnjährigen Schüler an einem militärisch ausgerichteten Zeltlager teilnehmen müssen, muss der Lehrer seine Klasse begleiten.

Mitte der 1930er ist die Welt nicht mehr wie sie einmal war. Wenn ein Lehrer einfach seiner Arbeit nachgeht, kann das unerwartete Folgen haben. Und er muss sich dann überlegen, ob er sich in das System fügt oder ob er bei der Wahrheit bleibt. Er hat halt eine sichere Stellung und seine Eltern sind so stolz auf ihn. Vielleicht hätte er sich durchgewurschtelt, doch die Klasse verweigert ihm die Zusammenarbeit. Was kann er tun? Eine neue Klasse würde wohl nichts nützen, eine neue Schule. Gerüchte sind manchmal schneller als jeder Umzug. Der Lehrer bleibt an seinem Platz. Dann jedoch kommt dieses Zeltlager.

Dieser kurze Roman wurde Anfang des Jahres 1937 erstmals veröffentlicht. Die Handlung ist in der damaligen Gegenwart angesiedelt. Etliche Textzeilen könnten aber auch in die heutige Zeit passen. Die „Jugend von heute“ ist die damalige Jugend, an der der Lehrer beinahe verzweifelt. Wie können die nur so roh und manchmal erbarmungslos sein. Doch ist der Lehrer besser? Man könnte daran zweifeln. Bekommt er eine Chance besser zu sein? Nimmt er sie an? Um nachzuvollziehen, welche Rolle Gott in seinen Gedanken spielt, könnte möglicherweise von Vorteil sein, wenn man einen Bezug zum Glauben hat. Ansonsten ist dieser Roman einfach krass, beklemmend und es wird empfohlen, ihn zu lesen. Nebenbei hat er auch eine packende Story, mit der der Autor vielleicht auch einer gewissen Hoffnung Ausdruck geben möchte.