Das Kind
Alle unsere GesternAnna lebt mit ihren Geschwistern, dem Vater und Signora Maria in Italien. Die Faschisten sind an der Macht. Der Vater schreibt in seinen Memoiren auf, was ihm alles nicht gefällt. So schlecht gelaunt wie ...
Anna lebt mit ihren Geschwistern, dem Vater und Signora Maria in Italien. Die Faschisten sind an der Macht. Der Vater schreibt in seinen Memoiren auf, was ihm alles nicht gefällt. So schlecht gelaunt wie der Vater meist ist, versucht die Signora Maria das ein wenig auszugleichen. Die Kinder wachsen langsam auf, beginnen mit der Ausbildung und finden Partner. Nur Anna kommt sich etwas verloren vor. Ein Lichtblick für sie ist der Kontakt mit einem Nachbarsohn, was zu einer unerwarteten Schwangerschaft führt. Ein Bekannter der Familie, Cenco Rena heiratet das junge Mädchen kurzerhand, um ihr Leid zu ersparen. Mit ihm zieht sie in ein Bergdorf in Süditalien.
Eine etwas chaotische Familie scheinen sie zu sein. Die Mutter ist schon vor Jahren verstorben, der Vater ein knorriger Typ, der sich am ehesten durch schlechte Laune auszeichnet, der Sohn, der sich tyrannisieren lässt. Anna, die Jüngste, scheint ein wenig nebenher zu laufen. Ihre Unauffälligkeit macht sie aber auch nicht glücklich. Zu allem müssen sie sich durch die Zeit des faschistischen Regimes bringen. Je länger diese Zeit andauert, desto schwieriger wird es. Man kann sagen, für Anna ist es eine Art Glück, dass sie bei Cenco Rena lebt. Je weiter der Krieg dann voranschreitet, desto gefährlicher wird es für die Menschen im Dorf. Cenco hat dafür gesorgt, dass dort jeder Zuflucht fand, der sich vor dem Regime verstecken musste.
So sehr wird der Faschismus im Alltag der Familie nicht thematisiert. Sie sind sich einig, wie sie dazu stehen, hängen es aber nicht an die große Glocke. Zwar versuchen einige Familienmitglieder Widerstand zu leisten, aber wenn sie mit Menschen klarkommen müssen, die andere Überzeugungen haben, geht das auch auf eine Art. In ihren jüngeren Jahren sind die Kinder noch nicht wirklich in der Lage die Situation zu erfassen. Später ist klar, dass sie durch den Vater geprägt wurden. Und dennoch leben sie durch die Zeit, gehen zur Schule, verlieben sich, verloben sich, heiraten. Wie war es, in dieser Zeit zu leben? Hatte jeder eine Meinung? Und wenn sie nicht der staatlichen Vorgabe entspracht, wer hatte den Mut, sie auszusprechen? Der Vater war da wohl eindeutig, er schimpfe auf die Halunken. Vermutlich wollte er seine Familie später schützen. Nach seinem Tod, wird der Umgang normaler. Und doch leiden einige Familienmitglieder unter dem Regime oder der Zeit, die vorgibt, wie sie zu sein haben. Aus Cenco Rena wird man nicht so richtig schlau, aber er hilft selbstlos, wann immer er kann. Ein nachdenklich stimmender Roman.