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Veröffentlicht am 12.04.2026

Die Krankenschwester

Lebensbande
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Sie hat jahrelang als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem kleinen Häuschen in Kühlungsborn bekommt im Jahr 1991 einen Brief von der Rentenversicherung. Sie soll ihre Zeiten vor 1953 nachweisen. Dadurch ...

Sie hat jahrelang als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem kleinen Häuschen in Kühlungsborn bekommt im Jahr 1991 einen Brief von der Rentenversicherung. Sie soll ihre Zeiten vor 1953 nachweisen. Dadurch werden Erinnerungen geweckt, denen sie sich eigentlich nicht mehr stellen wollte. Nun denkt sie zurück an die Zeit vor dem Krieg und die des Krieges. Ihre Freundin und Cousine Lene war damals schon verheiratet und leider nicht sehr glücklich. Und doch hatte sie bald drei Kinder und war noch vor Ausbruch des Krieges verwitwet. Ihre Freundin Lieselotte hat sie erst viel später kennengelernt als das Schicksal sie in ein Lazarett in Danzig verschlagen hatte.

Nora, Lene und Lotte sind kein Dreigestirn. Eher ist es Nora, die im Mittelpunkt steht. Sie durfte Krankenschwester werden und träumte davon, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Allerdings war ihr dieses nicht vergönnt. Umso gewissenhafter ging sie ihrer Tätigkeit als Krankenschwester nach. Als Lenas ältester Sohn in große Gefahr gerät, geht Nora ein großes Risiko ein, um ihrer Freundin und ihrem Kind zu helfen. Ihre Versetzung nach Danzig bringt Nora in Kontakt zu Lotte. Die Beiden schaffen es nicht sich vor den Russen in Sicherheit zu bringen und kommen in ein Arbeitslager, wo ihr Schicksal lange ungewiss bleibt.

Mechtild Borrmann versteht es hervorragend ihren Lesern und Leserinnen geschichtliche Ereignisse nahezubringen. Die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, in der die Gehilfen des Nazi-Regimes ihre niedrige Gesinnung schon deutlich zeigten und sich erdreisteten über Wert und Unwert zu entscheiden.Die Zeit des Krieges, wo einige wohl schon erkannten, dass es mit diesem Regime nicht mehr allzu weit her ist, und doch nicht zu reden wagen. Die Zeit nach dem Krieg, wo noch viele Deutsche in russischen Lagern gefangen waren. Eine harte Zeit, die nicht jeder überstanden hat. Einige erklärende Worte der Autorin machen die handelnden Personen noch nahbarer. Wieder einmal zeigt die Autorin ihre Klasse mit einem ausgesprochen lesenswerten Roman.

Veröffentlicht am 11.04.2026

Der Lehrer

Jugend ohne Gott
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Die Eltern des Lehrers sind sehr stolz auf ihn, er hat einen sicheren Arbeitsplatz und Anspruch auf eine Pension. Allerdings leidet der Lehrer unter dem Unterricht. Er soll Erdkunde und Geschichte unterrichten. ...

Die Eltern des Lehrers sind sehr stolz auf ihn, er hat einen sicheren Arbeitsplatz und Anspruch auf eine Pension. Allerdings leidet der Lehrer unter dem Unterricht. Er soll Erdkunde und Geschichte unterrichten. Beinahe versehentlich spricht er während des Unterrichts gegenüber einem Schüler eine simple Wahrheit aus. Daraufhin beschweren sich die Eltern des betroffenen Schülers und für den Lehrer ist auf einmal Vorsicht geboten. Aber er will seine sichere Stellung behaupten und korrigiert gewissermaßen nur noch Rechtschreibfehler. Dann jedoch wird von oben beschlossen, dass die vierzehnjährigen Schüler an einem militärisch ausgerichteten Zeltlager teilnehmen müssen, muss der Lehrer seine Klasse begleiten.

Mitte der 1930er ist die Welt nicht mehr wie sie einmal war. Wenn ein Lehrer einfach seiner Arbeit nachgeht, kann das unerwartete Folgen haben. Und er muss sich dann überlegen, ob er sich in das System fügt oder ob er bei der Wahrheit bleibt. Er hat halt eine sichere Stellung und seine Eltern sind so stolz auf ihn. Vielleicht hätte er sich durchgewurschtelt, doch die Klasse verweigert ihm die Zusammenarbeit. Was kann er tun? Eine neue Klasse würde wohl nichts nützen, eine neue Schule. Gerüchte sind manchmal schneller als jeder Umzug. Der Lehrer bleibt an seinem Platz. Dann jedoch kommt dieses Zeltlager.

Dieser kurze Roman wurde Anfang des Jahres 1937 erstmals veröffentlicht. Die Handlung ist in der damaligen Gegenwart angesiedelt. Etliche Textzeilen könnten aber auch in die heutige Zeit passen. Die „Jugend von heute“ ist die damalige Jugend, an der der Lehrer beinahe verzweifelt. Wie können die nur so roh und manchmal erbarmungslos sein. Doch ist der Lehrer besser? Man könnte daran zweifeln. Bekommt er eine Chance besser zu sein? Nimmt er sie an? Um nachzuvollziehen, welche Rolle Gott in seinen Gedanken spielt, könnte möglicherweise von Vorteil sein, wenn man einen Bezug zum Glauben hat. Ansonsten ist dieser Roman einfach krass, beklemmend und es wird empfohlen, ihn zu lesen. Nebenbei hat er auch eine packende Story, mit der der Autor vielleicht auch einer gewissen Hoffnung Ausdruck geben möchte.



Veröffentlicht am 10.04.2026

Eine gute Ehe

Ich bin ein Laster
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Eigentlich sind sie eher französische Kanadier, doch wegen der Arbeit leben sie im englischsprachigen Teil des Landes. Agathe und Réjean führen eine gute Ehe. Nun gut, sie würde manchmal lieber Rock hören ...

Eigentlich sind sie eher französische Kanadier, doch wegen der Arbeit leben sie im englischsprachigen Teil des Landes. Agathe und Réjean führen eine gute Ehe. Nun gut, sie würde manchmal lieber Rock hören und er sagt nicht immer die Wahrheit darüber, wo er hingeht. Aber das sich doch Kleinigkeiten und bald naht ein Hochzeitstag, der begangen werden muss. Eifrig bastelt Agathe an einem Geschenk. Da kommt Réjean von einer Fahrt zum Angeln nicht nach hause. Unfassbar. Was kann nur passiert sein. Da sein Fahrzeug keine Spuren aufweist, geht die Polizei davon aus, dass er freiwillig gegangen ist.

Plötzlich allein muss Agathe einiges in ihrem Leben umstellen. Natürlich hofft sie zunächst, dass ihr Mann wieder auftaucht. Doch irgendwann wird das Geld weniger und sie muss notgedrungen arbeiten gehen. Im Job lernt sie die lebensfrohe Debbie kennen. Von ihr lernt Agathe Auto zu fahren und sie lässt sich von ihrer neuen Freundin an den Rock’n Roll heranführen. Genau genommen tut es Agathe richtig gut, dass sie ihr Leben anders organisieren muss. Und doch lässt sie der Gedanke an ihren Mann nicht los, oder?

Die Sache mit dem Laster kann man beim Lesen des Buches entdecken. Es lohnt sich. Ob einen die Geschichte von Agathe und Réjean sonst so begeistert, wird wohl von den Lesenden unterschiedlich entschieden. Hätte man Réjean geheiratet oder hast man lieber das Weite gesucht. Davon zu lesen, welche Entwicklung Agathe durchlebt, macht richtig Spaß. Neugierig bleibt man immer. Besonders hervorzuheben ist die sehr schöne Gestaltung des Buches. In rotes Leinen gebunden mit weißer Schrift und einem kleinen Bildausschnitt. Das macht sich gut in jeder Hand und auch in jedem Regal.

Veröffentlicht am 09.04.2026

Schuld beglichen?

Vorboten
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Nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1920 kehrt Wieland Göth in sein Heimatdorf zurück. Der Ort liegt in der von Frankreich besetzten Zone links des Rheins. Die Menschen sind gegen die Besatzung, auch weil ...

Nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1920 kehrt Wieland Göth in sein Heimatdorf zurück. Der Ort liegt in der von Frankreich besetzten Zone links des Rheins. Die Menschen sind gegen die Besatzung, auch weil durch diese ihr Leben stark eingeschränkt wird. Göth ist auf der Suche nach seiner Schwester, diese soll angeblich von einem Russen getötet worden sein, der nach dem Krieg dageblieben war. Etwas Ähnliches ist schon einmal passiert. Doch Wieland glaubt diese Geschichte nicht. Die Menschen im Dorf können keine Freude mehr empfinden. Sie sind nicht sicher, wie sie Wieland Göth begegnen sollen.

Die Heimkehr von Wieland Göth scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Sein Vater, der ehemalige Dorflehrer, ist dabei, sich totzutrinken. Sein Bruder ist kriegsversehrt. Er erwartet von Wieland, dass er die Versorgung des Vaters übernimmt. Die Mutter ist schon vor Längerem verstorben. Das Dorf hat Wieland schon vor dem Krieg verlassen. Und nun kommt er so spät zurück. Die Menschen im Dorf setzen gewisse Erwartungen in Wieland, allerdings scheint er bald zum Außenseiter zu werden, weil er sich den neuen politischen Strömungen gegenüber eher skeptisch zeigt. Und der Graf, der viel Einfluss im Ort hat, weist einige sehr unschöne Charakterzüge auf.

Gleich mit den ersten Sätzen wirkt dieser historische Kriminalroman sehr düster und beklemmend. Auch mehr als ein Jahr nach dem Krieg wirkt der Krieg noch nach. Es herrscht Verbitterung und eine destruktive Stimmung. Zwar wird den Menschen durch die Besatzung das Leben schwer gemacht, weil sie sich nicht uneingeschränkt bewegen und auch keinen Handel treiben dürfen. Allerdings sieht man auch nicht, dass sie die Kriegsschuld begreifen und sich für die neue Republik engagieren. Es passiert genau das Gegenteil, die anderen sind Schuld und es wird jede Gelegenheit wahrgenommen, gegen die Besatzungssoldaten zu hetzen. Mit Wieland hat man einen Protagonisten, der wenigstens des Denkens mächtig ist. Als Einziger kann er sich allerdings auch nicht gegen die Dorfgemeinschaft stemmen. Beim Lesen zieht sich alles zusammen, beklemmend, man kann es nur wiederholen. Zum Ende hin gibt mehr Tote als der Leserin guttun. Für die Handlung erscheint es folgerichtig, auch wenn die Auflösung anders ist als zu vermuten gewesen wäre.

Veröffentlicht am 08.04.2026

Brooklyn

Der andere Arthur
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Der 58jährige Arthur Opp hat sein Haus in Brooklyn seit Jahren nicht verlassen. Schon immer hat er gerne gegessen mal aus Lust eher aber aus Frust. Inzwischen wiegt er über 250 Kilo und ist kaum noch in ...

Der 58jährige Arthur Opp hat sein Haus in Brooklyn seit Jahren nicht verlassen. Schon immer hat er gerne gegessen mal aus Lust eher aber aus Frust. Inzwischen wiegt er über 250 Kilo und ist kaum noch in der Lage, sich zu bewegen. Da erhält er einen Anruf von einer ehemaligen Studentin. Charlene Turner war es die sich ewig nicht gemeldet hat und jetzt nimmt sie den Kontakt wieder auf? Zwar freut sich Arthur, aber er wird auch nervös. Er hat sich doch sehr verändert. Der 17jährige Kel braucht Hilfe, um seinen Schulabschluss zu machen. Und er will Baseballprofi werden.

Zwei Menschen, die wohl als Außenseiter angesehen werden können. Arthur Opp, der einstige Professor, hat sich von der Welt zurückgezogen. Soll er wieder auf die Menschen zugehen? Wie werden sie auf ihn und sein Äußeres reagieren? Der junge Kel hat mit anderen Problemen zu kämpfen. Er spielt sehr gut Baseball, ist aber kein besonders guter Schüler. Alles wird überschattet von der Sorge um seine Mutter, die schon seit langem nicht mehr gesund ist. Alles wird besser werden, wenn er seinen Profi-Vertrag hat. Das jedenfalls ist seine Hoffnung. Auf welchem Weg werden Arthur und Kel zueinander finden, wenn es überhaupt zu einem Treffen kommt.

Im Original erschien der Roman bereits im Jahr 2012 erschienen. In manchen Momenten merkt man das auch. Doch insgesamt ist die Handlung so zeitlos, dass das Erscheinungsdatum nicht relevant ist. Arthur und Kel sind auf ihre Art alleine. Arthur hat sich selbst zurückgezogen. Bei Kel scheint es so als sei es eher der Schulwechsel gewesen. Die Handlung des Romans deprimiert allerdings nicht, denn die beiden Hauptpersonen sehen die Möglichkeit des Resignierens, doch sie resignieren nicht. Aus Kleinigkeiten versuchen sie; Mut zu schöpfen. Auch wenn sie einem beim Lesen erst nach und nach sympathisch werden, so hofft man doch für Beide, dass sie eine gemeinsame Basis finden. Familie hat man und man hat sie sich nicht ausgesucht. Freunde findet man und vielleicht können sie manchmal auch eine Art Familie sein. Ein lesenswertes Debüt, dass Interesse an den weiteren Werken weckt.