Die Krankenschwester
LebensbandeSie hat jahrelang als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem kleinen Häuschen in Kühlungsborn bekommt im Jahr 1991 einen Brief von der Rentenversicherung. Sie soll ihre Zeiten vor 1953 nachweisen. Dadurch ...
Sie hat jahrelang als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem kleinen Häuschen in Kühlungsborn bekommt im Jahr 1991 einen Brief von der Rentenversicherung. Sie soll ihre Zeiten vor 1953 nachweisen. Dadurch werden Erinnerungen geweckt, denen sie sich eigentlich nicht mehr stellen wollte. Nun denkt sie zurück an die Zeit vor dem Krieg und die des Krieges. Ihre Freundin und Cousine Lene war damals schon verheiratet und leider nicht sehr glücklich. Und doch hatte sie bald drei Kinder und war noch vor Ausbruch des Krieges verwitwet. Ihre Freundin Lieselotte hat sie erst viel später kennengelernt als das Schicksal sie in ein Lazarett in Danzig verschlagen hatte.
Nora, Lene und Lotte sind kein Dreigestirn. Eher ist es Nora, die im Mittelpunkt steht. Sie durfte Krankenschwester werden und träumte davon, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Allerdings war ihr dieses nicht vergönnt. Umso gewissenhafter ging sie ihrer Tätigkeit als Krankenschwester nach. Als Lenas ältester Sohn in große Gefahr gerät, geht Nora ein großes Risiko ein, um ihrer Freundin und ihrem Kind zu helfen. Ihre Versetzung nach Danzig bringt Nora in Kontakt zu Lotte. Die Beiden schaffen es nicht sich vor den Russen in Sicherheit zu bringen und kommen in ein Arbeitslager, wo ihr Schicksal lange ungewiss bleibt.
Mechtild Borrmann versteht es hervorragend ihren Lesern und Leserinnen geschichtliche Ereignisse nahezubringen. Die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, in der die Gehilfen des Nazi-Regimes ihre niedrige Gesinnung schon deutlich zeigten und sich erdreisteten über Wert und Unwert zu entscheiden.Die Zeit des Krieges, wo einige wohl schon erkannten, dass es mit diesem Regime nicht mehr allzu weit her ist, und doch nicht zu reden wagen. Die Zeit nach dem Krieg, wo noch viele Deutsche in russischen Lagern gefangen waren. Eine harte Zeit, die nicht jeder überstanden hat. Einige erklärende Worte der Autorin machen die handelnden Personen noch nahbarer. Wieder einmal zeigt die Autorin ihre Klasse mit einem ausgesprochen lesenswerten Roman.