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Veröffentlicht am 21.06.2025

Langatmig

Eine Welt nur für uns
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Nach dem Krieg kehrt der Soldat Vincent 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach Frankreich zurück. Er will unbedingt seine Freundin Ariane wiederfinden und schließt sich einem Trupp aus Minenräumern in ...

Nach dem Krieg kehrt der Soldat Vincent 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach Frankreich zurück. Er will unbedingt seine Freundin Ariane wiederfinden und schließt sich einem Trupp aus Minenräumern in seinem Heimatort an. Die Arbeit ist gefährlich, immer wieder kommt es zu Unfällen, die auch tödlich enden können. Aber Vincent hofft neben der Arbeit zu Arianes Aufenthaltsort recherchieren zu können. Er trifft auf Saskia, die das KZ überlebt hat und viele Traumata mit sich schleppt. Sie versucht das Haus ihrer Eltern zurückzubekommen, aber das ist nicht einfach, denn wie kann sie beweisen, dass ihre Eltern im KZ ermordet wurden?

Das Buch beschäftigt sich intensiv mit der Arbeit der Minenräumer, den einzelnen Minentypen und ihrer Entschärfung. Das fand ich langatmig und überflüssig. Auch die Erzählung über Vincent, seinen deutschen Kameraden Lukas und den Rest der Minenräumtruppe konnte mich nicht begeistern, manchmal ist das alles etwas wirr. Allein die Figur der Saskia hat mich angesprochen. Die Ungerechtigkeit ihres schweren Schicksals ist beklemmend und beschämend. Erst am Schluss, als sich Arianes Schicksal aufklärt, wird das Buch interessanter.

Durch dieses Buch habe ich mich leider hindurchgequält, obwohl das Thema mich sehr interessierte, aber die Umsetzung konnte mich leider nicht begeistern.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Packend

Aschesommer
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Der zweite Band über das Ermittlerduo um Jakob Krogh und Mila Weiss ist ebenso spannend wie der erste Band "Krähentage".
Mysteriöse Morde, die einem ganz bestimmten Muster folgen, führen das Ermittlerteam ...

Der zweite Band über das Ermittlerduo um Jakob Krogh und Mila Weiss ist ebenso spannend wie der erste Band "Krähentage".
Mysteriöse Morde, die einem ganz bestimmten Muster folgen, führen das Ermittlerteam zu Jan-Christian Bode, der bis zu seinem Lebensende in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt ist. Trotzdem muss es ihm gelungen sein einen Menschen so zu manipulieren, dass er für Bode Menschen auf grausame Weise umbringt. Die Suche nach diesem Hintermann ist zeitraubend und frustrierend. Dann verschwindet auch noch die Tochter des Oberstaatsanwalts und der Druck auf das Team steigt noch einmal.
Die ersten Seiten waren etwas zäh, bis man wieder in der Geschichte war, aber dann konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Das liegt nicht nur an dem guten Schreibstil, sondern auch an dem interessanten Ermittlerteam, in dem ganz unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten müssen. Das Privatleben der Teammitglieder spielt eine Rolle, aber es dominiert das Buch nicht.
Der Plot ist raffiniert und man bleibt bis zum überraschenden Schluss im Ungewissen.
Ein wirklich guter und sehr lesenswerter Thriller!

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Persönlich

Meine deutsche Geschichte
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Mihail Groys kam als siebenjähriger jüdischer Junge 1998 mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Deutschland. In diesem Buch beschreibt er seine Erfahrungen und Ansichten zu seinem neuen Heimatland.

Nachdem ...

Mihail Groys kam als siebenjähriger jüdischer Junge 1998 mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Deutschland. In diesem Buch beschreibt er seine Erfahrungen und Ansichten zu seinem neuen Heimatland.

Nachdem eine Lehrerin ihm prophezeit hatte, dass aus ihm niemals etwas werden könne, erwachte sein Ehrgeiz, er machte das Abitur, studierte und arbeitete in verschiedenen Institutionen.

Das Titelbild zeigt gut, in welcher Situation er sich seit seiner Auswanderung befand und immer noch befindet. Zwei Seelen wohnen - ach - in seiner Brust, einerseits sieht er Vieles in Deutschland distanziert aus der Außenperspektive, andererseits fühlt er sich aber als Deutscher, der mit den schönen und schlechten Seiten des Landes klarkommen muss. Besonders der zunehmende Antisemitismus macht ihm und uns allen Sorgen. Manchmal ernst und fast verzweifelt und manchmal anekdotisch und witzig zeigt er auf, mit welchen Problemen ein Junge in einem fremden Land zu kämpfen hat.

Ein besonderes Kapitel ist der Entwicklung in der Ukraine seit dem russischen Überfall gewidmet und der Frage, wie es dazu kommen konnte. Das ist in der heutigen politischen Situation besonders erhellend, allerdings fehlt mir da der persönliche Bezug, den Groys in den vorigen Kapiteln immer betonte.

Das Buch ist gut geschrieben und lässt sich leicht lesen. Manchmal hätte der Autor allerdings etwas mehr in die Tiefe gehen können.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Kreislauf

Sputnik
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Auch in Christian Berkels dritten Buch geht es um seine Familie, wie schon in den beiden Vorgängerbänden. Dieses mal steht aber Berkel selbst im Zentrum. Allerdings ist nie ganz klar, wo Tatsachen geschildert ...

Auch in Christian Berkels dritten Buch geht es um seine Familie, wie schon in den beiden Vorgängerbänden. Dieses mal steht aber Berkel selbst im Zentrum. Allerdings ist nie ganz klar, wo Tatsachen geschildert werden und wo die Fantasie beginnt.
Vom Moment seiner Zeugung an bis zu seinem beginnenden Erfolg als Schauspieler wandern wir mit Berkel durch Kindheit und Jugend. Seine Familie ist nicht einfach, seine jüdische Mutter hat einige Zeit in einem Lager der Nazis verbracht, wanderte dann nach Argentinien aus, kehrte zurück und heiratete ihre Jugendliebe. Immer wieder hat sie Phasen, in denen das Leben sie überfordert und sie in Depressionen versinkt. Das ist für ihren Sohn schwer verständlich. Er heißt übrigens Sputnik, weil er am Tag der Sputnik-Fluges in den Weltraum geboren wurde.
Am Rande taucht aus seine Schwester Ada auf, der ein eigenes Buch gewidmet ist.
Besonders hat mich bei diesem Buch die wunderbare, differenzierte Sprache beeindruckt. Da sitzt jedes Wort, nichts ist überflüssig. Man erlebt Berkels Ringen um Akzeptanz, seine Drogenexzesse, Liebe und Leid.
Ein anspruchsvolles, aber faszinierendes Stück Literatur!

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Unfassbar

Am Meer ist es schön
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Ich war selbst ein Verschickungskind und kam mit sieben Jahren für sechs Wochen nach Norderney in das Kurheim unseres Landkreises. Aber das, was in diesem Buch geschildert wird und was auch von vielen ...

Ich war selbst ein Verschickungskind und kam mit sieben Jahren für sechs Wochen nach Norderney in das Kurheim unseres Landkreises. Aber das, was in diesem Buch geschildert wird und was auch von vielen anderen Heimen bekannt ist, das habe ich zum Glück nicht erlebt. Vielleicht war die Überwachung bei öffentlich geführten Heimen besser als bei privaten, das weiß ich nicht.
Die achtjährige Susi erlebt in St. Peter-Ording die Hölle. Kinder werden zum Essen gezwungen, in dunkle Keller eingesperrt oder müssen stundenlang auf einem Stuhl stehen. Und das Schlimmste ist, dass ihre Eltern ihren Erzählungen nach ihrer Heimkehr nicht glauben.
Als Susis Mutter im Sterben liegt, erzählt ihre Tochter alles, was sie erlebt hat und kann endlich Frieden mit der Mutter und ihrer Vergangenheit schließen.
Für mich waren die geschilderten Ereignisse, die sich nah an die Realität anlehnen, unfassbar. Die schwarze Pädagogik regierte noch ungebremst, ein Erbe der Nazidiktatur.
Die Autorin hat viel recherchiert, mit Betroffenen gesprochen, das merkt man dem Buch an. Sie erzählt die Geschichte auf zwei Ebenen und das macht das Buch lebendig und gut lesbar. Ich habe nur zwei Tage für das Buch gebraucht, denn es hat mich zugleich gefesselt und entsetzt. Es waren andere Zeiten, aber das kann keine Entschuldigung für eine solche Brutalität sein.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich habe anschließend auch zu dem Thema recherchiert. Ein beschämendes Kapitel der deutschen Geschichte!

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