Ins fahle Herz des Sommers- eine Dystopie zur Klimaerwärmung, die einen eiskalt erwischt
Andreas Eschbachs „Ins fahle Herz des Sommers“ versetzt uns in eine unbekannte Zukunft – die Welt ist nicht mehr die, die wir kennen. Das Land versinkt in unerträglicher Hitze, alles was man tun kann, ...
Andreas Eschbachs „Ins fahle Herz des Sommers“ versetzt uns in eine unbekannte Zukunft – die Welt ist nicht mehr die, die wir kennen. Das Land versinkt in unerträglicher Hitze, alles was man tun kann, findet in der Abenddämmerung oder der Nacht statt.
Wir befinden uns in einem kleinen Dorf in Frankreich, in dem nur noch eine Handvoll Menschen lebt, angewiesen auf die Hinterlassenschaften der Hitzeflüchtlinge. Begleitet werden die Handlungen des Protagonisten Fausto, der einen einsamen Kampf ums Überleben kämpft. Bis eines Tages Valerie in sein Leben in sein Leben tritt. Eine Frau, die aus dem Nichts aufzutauchen scheint und welche die bisher funktionierenden Überlebensregeln auf den Kopf stellt. Doch der einsame Fausto ist das Opfer seiner Situation – soziale Isolation, Überlebenswille und die Suche nach einem Sinn in diesem Leben lassen ihn leichtgläubig eine schicksalsträchtige Verbindung eingehen.
Andreas Eschbach versteht es, wie gewohnt, einen Erzählstil zu entwickeln, der ein klares Bild der in Hitze versinkenden Welt zu zeichnen. Man fühlt nahezu, was der Protagonist empfindet, und manches Mal sehnt man sich beim Hören des Hörbuchs eine Abkühlung herbei. Die Charaktere, die in dem Dorf zurückgeblieben sind, sind klar und verständlich gezeichnet, durch Rückblicke erfährt man nach und nach, wie es zu ihrem Schicksal gekommen ist. Und man beginnt, die Handlungen und Beweggründe der einzelnen Personen nachzuvollziehen. Auch Faustos völlig blauäugiges Verhalten gegenüber Valerie lässt sich gut nachvollziehen.
Die Menschheit stand kurz vor der vollkommenen Auslöschung. Klimaerwärmung und Seuche haben Menschenleben dezimiert, wer konnte floh in den noch einigermaßen bewohnbaren Norden. Fausto verlor seine wichtigsten Bezugspersonen und hält sich seitdem mit der Suche nach Essbarem oder Equipment in leerstehenden Häusern am Leben. Der Überlebenswille wurde zum Lebensinhalt. In dem Moment, in dem eine unbekannte Frau im Nachbarhaus auftaucht, öffnet sich eine Tür für einen neuen Lebenssinn in dieser unwirtlichen Welt ohne messbare Zukunft.
Was nun folgt ist düster und erwischt den Hörer eiskalt. Und dazu schwebt immer eine leichte Unsicherheit mit- ist diese Dystopie weit entfernt von einer Realität, wie sie uns erwarten könnte? Tragen wir nicht in diesem Moment dazu bei, dass diese Geschehnisse in einer (vielleicht gar nicht so weit entfernten) Zukunft Wirklichkeit werden?
Das Hörerlebnis wird zu einer Reflexion des aktuellen Umgangs des Menschen mit der Natur und den Folgen seines Handelns. Und sorgt für ein unbehagliches Gefühl beim Verfolgen der fortschreitenden Handlung. Eschbach lässt einen zurück mit einer unbestimmten Angst, die sich nur schwer abschütteln lässt und einen in den Alltag hinein begleitet.